Bergsturz ca. 7'465 v. Chr. · Nördlich von Tamins, im Raum Vogelstein – Säsagit – Garschlichopf. · GR

Der Taminser Bergsturz

Geländebefunde zeigen, dass der Taminser Bergsturz eindeutig älter ist als der Flimser Bergsturz. Dieser ist vor 9493 ± 2 Jahre alt. Dementsprechend ist der Taminser Bergsturz älter als 9493 ± 2 Jahre.

3D-Modell

Beim Laden wird das Modell von Sketchfab angezeigt; dabei werden Daten an Sketchfab übertragen. Direkt auf Sketchfab ansehen

Ausbruchnische Taminser Bergsturz · Modell: unescosardona – drehen, zoomen und erkunden mit Maus oder Fingern.

Auf dieser Seite

Wann ereignete sich der Bergsturz?

Geländebefunde zeigen, dass der Taminser Bergsturz eindeutig älter ist als der Flimser Bergsturz. Dieser ist vor 9493 ± 2 Jahre alt. Dementsprechend ist der Taminser Bergsturz älter als 9493 ± 2 Jahre.

Aufgrund der Datierung der Expositionsdauer von Felsblöcken durch kosmische Nuklide beträgt das Alter des Taminser Bergsturzes 9420 Jahre – mit einer relativ grossen Unsicherheit von ±880 Jahren.

Somit ist der Taminser Bergsturz

  • älter als 9493 ± 2 Jahre.
  • maximal 9420 + 880 = 10’300 Jahre alt.

Wo löste sich der Bergsturz?

Nördlich von Tamins, im Raum Tamins – Säsagit – Kunkelspass.

Rot-weisse Linie: In diesem Bereich löste sich der Bergsturz.
Rot-weisse Linie: In diesem Bereich löste sich der Bergsturz. Hellblau: Heute noch vorhandene Ablagerungen des Bergsturzes. Schwarz: Ausbreitungsgrenze des Bergsturzes. Aus: Pfiffner et al. 2023.

Welchen Weg nahm der Trümmerstrom? Wie weit bewegte er sich?

Die gesamte Felsmasse löste sich en bloc aus dem Gebirge. Der Trümmerstrom erreichte innerhalb weniger Sekunden das Churer Rheintal. Da der Taluntergrund aus wassergesättigten Ablagerungen besteht, konnte sich der Trümmerstrom auf diesen Ablagerungen ins Rheintal hinaus ausbreiten. Dabei entstand der langgestreckte Riegel westlich der EMS-Chemie. Beim Anbranden an den südlichen Gegenhang teilte sich der Trümmerstrom und breitete sich in Richtung Bonaduz-Rhäzüns sowie in Richtung Chur aus.

Gab es Nachstürze?

Nein, es gab keine Nachstürze.

Welches Volumen hat der Bergsturz?

Rund 1.2 km3. Dies entspricht 1’200 Millionen m3. Zum Vergleich: Der Bergsturz am Pizzo Cengalo (23. August 2017) hatte ein Volumen von ca. 3 Millionen m3.

Welche Auswirkungen hatte das Ereignis?

Die Bergsturzablagerungen bildeten einen rund 150 Meter hohen Riegel quer durch das Rheintal. Dadurch stauten sie den Hinterrhein und den Vorderrhein auf. Es entstand ein Stausee, der bis nach Thusis und Ilanz reichte. Beide Flüsse lagerten in diesem See Kies, Sand und Lehm ab.

Welche Auswirkungen hatte der Flimser Bergsturz auf die Ablagerungen des Taminser Bergsturzes?

Als der Flimser Bergsturz in den Bonaduzer See niederging, erzeugte er mächtige Flutwellen. Bei Reichenau prallten diese Flutwellen auf den Riegel der Taminser Bergsturz-Ablagerungen. Sie schlugen eine Bresche in diesen Riegel und verfrachteten Teile der Taminser Bergsturztrümmer

in Richtung Chur. Diese blieben weiter talabwärts als Hügel liegen. Die bekanntesten Hügel sind die Tumas in und rund um Domat/Ems; weitere befinden sich in Felsberg und Chur.

Ein Teil der Flutwellen wurde durch den Riegel des Taminser Bergsturzes in Richtung Thusis abgelenkt, riss Teile der Ablagerungen mit und verfrachtete diese ins Domleschg. Imposante Zeugen dieser Reise sind der Tuma im Raum Pardisla sowie die Felsmassen im Raum Pro Curtgegn.

Abbildung zu «Der Taminser Bergsturz»

Pfeile 1 und 2: Ausbreitung des Taminser Bergsturzes. Gelb: Ablagerungen des Taminser Bergsturzes. Pfeil 3: durch den Flimser Bergsturz erzeugte Flutwellen. Diese durchbrachen die Ablagerungen des Taminser Bergsturzes südlich von Tamins. Pfeil 4: die Flutwellen rissen im Gebiet Tamins Ablagerungen des Taminser Bergsturzes mit und lagerten sie im Raum Domat/Ems als Tumas ab (orange). Aus: Pfiffner 2021.

Quellen

  • O. Adrian Pfiffner, Susan Ivy‑Ochs, Zhasmin Mussina, Jordan Aaron, Olivia Steinemann, Christof Vockenhuber, Naki Akçar: The Tamins rock avalanche (eastern Switzerland): timing and emplacement processes. Landslides (2023) 20:877–899. download
  • Adrian Pfiffner: Der Taminser Bergsturz. In: Geoschlau. Mitgliederzeitschrift des Fördervereins Welterbe & Geopark Sardona. April 2021. download
  • Pfiffner, O.A.: Die Bergstürze von Flims und Tamins (2023), UNESCO-Welterbe

Tektonikarena Sardona. download

Literatur

  • Wildi, W. & Pfiffner, O.A., 2025: Auf den Spuren folgenschwerer Naturereignisse in der Schweiz – Mit 25 geologischen Exkursionen. Haupt Verlag, Bern.

Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

Videos zum Thema

  • Bergsturz

    Bergsturz am Pizzo Cengalo GR, 2017

    Am 23. August 2017 löste sich aus der Nordostflanke des Pizzo Cengalo ein Bergsturz mit einer Kubatur von rund 3 Millionen m³…

  • Bergsturz

    Bergsturz im Hunza-Tal, Pakistan, 2010

    Am 4. Januar 2010 ging ins Hunza-Tal (Pakistan) ein Bergsturz nieder. Er hatte ein Volumen von rund 45 Millionen Kubikmetern. Die Bergsturz-Ablagerungen…

  • Bergsturz

    Bergsturz Randa VS, 1991

    Im Frühjahr 1991 stürzten aus der steilen westlichen Talflanke nahe Randa innerhalb von drei Wochen rund 30 Millionen m³ Fels ab. In…

Alle 6 anzeigen →

Literatur zum Thema

Weitere Ereignisse dieser Art

  • Die Bergsturzablagerungen am Piz Scerscen.

    Bergsturz 2024 · Westflanke des Piz Scerscen (Berninamassiv) auf einer Höhe von 3640 m ü. M. · GR

    2024 Piz Scerscen GR

    Das Ausbruchvolumen betrug 5.5 Millionen m³, das Ablagerungsvolumen 7.3 Millionen m³.

  • Aus diesen Bergsturzablagerungen lösten sich Murgänge, welche in Bondo zu verheerenden Auswirkungen führten.

    Bergsturz 2017 · Am südlichen Ende des Val Bondasca · GR

    2017 Pizzo Cengalo GR

    Am 23. August 2017 löste sich aus der Nordostflanke des Pizzo Cengalo ein Bergsturz mit einer Kubatur von rund 3 Millionen m³…

  • Abbildung zu «Bergsturz am Pizzo Cengalo, 2011»

    Bergsturz 2011 · Am südlichen Ende des Val Bondasca · GR

    2011 Pizzo Cengalo GR

    Am Pizzo Cengalo auf rund 3’000 Metern über Meer.

Alle 18 anzeigen →