Gefahrenart

Unwetter

Gewitter, Starkregen, Hagel und Sturm – oft Auslöser weiterer Prozesse.

Anmerkung: An Stelle des Begriffes Unwetter wird oft der Begriff Hochwasser verwendet (z.B. „Das Hochwasser von 1834“). Dies ist falsch. Hochwasser gehören zu den Auswirkungen von Unwettern.

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Was ist Wetter, was ist Klima?

Das Wetter beschreibt Phänomene und Prozesse, die sich in Zeiträumen von einigen Minuten bis mehreren Stunden zutragen. Das Wetter kann ausserordentliche Ereignisse entstehen lassen (Hochwasser, Lawinenwinter, Dürren, usw.), ohne dass sich das Klima verändert.

Das Klima ist der für einen Ort typische Wetterzustand während eines längeren Zeitraumes, der sich über Monate bis Jahrzehnte erstreckt.

Was ist ein Unwetter?

Ein Unwetter ist ein ausserordentliches Wetterereignis. Es wird durch bestimmte Wetterlagen verursacht.

Unwetter können in drei Gruppen eingeteilt werden:

  • Gewitter, intensive Regengüsse, Platzregen und Wolkenbrüche
  • Dauerregen, zumeist mehrere Tage anhaltende schwere Regenfälle, «langwieriges» Regenwetter sowie nasse Witterung
  • Schneeschmelze, verbunden mit anhaltenden Niederschlägen oder Starkregen.

Ein Unwetter zeichnet sich aus durch

  • Starke Niederschläge in Form von Regen oder Hagel
  • Starke Winde / Windböen

Aus der Sicht des Entstehens und Vergehens von Landschaften kann man sagen: Ein Unwetter besteht aus einer ausserordentlichen Menge an Wasser, das in einem bestimmten Zeitraum in einem bestimmten Gebiet niedergeht und sich Abflüsse sucht.

Wann ereignen sich Unwetter?

Unwetter ereignen sich in der Schweiz hauptsächlich in den Sommermonaten Juni, Juli und August.

Wie gross ist die Fläche, in welcher Unwetter ihre Wirkung entfalten?

Von einem Unwetter betroffene Gebiete können unterschiedlichste Grössen haben:

  • lokal ( Gemeinde, Tal)
  • regional (mehere Gemeinden; Region)
  • kantonal (ein oder mehrere Kantone / Kantonsteile)
  • national (ein oder mehrere Länder / Landesteile)

Ein Unwetter kann gleichzeitig oder innerhalb eines kurzen Zeitraums (Stunden, Tage) an verschiedenen Orten zu unterschiedlichen Auswirkungen führen.

Wie lange dauern Unwetter?

  • Unwetter können kurz und heftig sein. Starke Gewitter, intensive Regengüsse, Platzregen, Starkregen oder Wolkenbrüche.
  • Unwetter können lang andauernd und durchnässend sein. Dauerregen, zumeist mehrere Tage anhaltende schwere Regenfälle, «langwieriges» Regenwetter sowie generell nasse Witterung.
  • Der Abfluss von Wasser, das bei einem Unwetter vom Himmel niedergeht, kann durch Schneeschmelze verstärkt werden – meist in Verbindung mit anhaltenden Niederschlägen oder Starkregen.

Was ist Starkregen?

Starkregen (oder auch: Starkniederschläge) in der Schweiz sind

  • kurz und intensiv (in Zusammenhang mit Sommergewittern) oder
  • weniger intensiv (über mehrere Tage in Zusammenhang mit stationären Wettersystemen).

In der Schweiz gibt es grob gesagt zwei Arten von Starkniederschlägen: kurze, intensive und länger dauernde, aber weniger intensive.

Starkregen von kurzer Dauer (eine bis wenige Stunden) und hoher Intensität (40–80 mm pro Stunde) treten vor allem im Sommer im Zusammenhang mit Gewittern auf und sind räumlich auf den eigentlichen Gewitterzug (wenige Kilometer bis wenige Dutzend Kilometer) begrenzt.

Starkniederschläge von längerer Dauer (ein bis mehrere Tage), aber geringerer Intensität (100–400 mm pro Tag) können über das ganze Jahr hindurch auftreten. Sie sind verbunden mit intensiven und/oder mehr oder weniger stationären grossskaligen Wettersystemen.

Starkniederschläge führen in der Regel nicht unmittelbar zu Schäden. Diese entstehen durch Folgeeffekte wie Hochwasser, Murgänge oder Rutschungen.

Wie kann das viele Wasser abfliessen?

  • Über die Oberfläche (Oberflächenabfluss). Das Wasser fliesst auf alle möglichen Formen von offenem Gelände und künstlichen Oberflächen: Felswände, Wiesen, Äcker, Strassen, Parkplätze, Hausdächer, Tennisplätze, usw.
  • Über Bäche und Flüsse.
  • Über Seen.
  • Durch den Untergrund. Dort, wo der Boden nicht versiegelt ist, kann das Wasser in den Untergrund versickern und als Grundwasser abfliessen.

Welche Auswirkungen kann der übermässige Abfluss bei einem Unwetter haben?

  • Auf der Oberfläche (Oberflächenabfluss). Auf seinem oberflächlichen Weg kann das Wasser in unterirdische Bauwerke eindringen (Tiefgaragen, Keller, usw.) Wo es nicht abfliessen kann, staut es sich auf. So können lokale Überschwemmungen entstehen.

Geht der intensive Regen auf Ackerboden nieder, kann er den Ackerboden oberflächlich abtragen.

  • In Bächen und Flüssen. In Bächen und Flüssen führt das Unwetter zu Hochwasser. Dabei kann es zur Erosion an der Sohle sowie im Uferbereich kommen. Hat das Hochwasser zu wenig Platz, um im Bachbett / Flussbett abzufliessen, tritt es über die Ufer («ufert es aus») und überschwemmt angrenzende Gebiete.

In Wildbächen können die ausserordentlichen Niederschläge des Unwetters Murgänge auslösen.

  • In Seen. In Seen führt das Unwetter zu Hochwasser. Hat dieses zu wenig Platz, um abzufliessen, kommt es in den Ufergebieten zu Überschwemmungen.
  • Im Untergrund. Der Untergrund hat meist nur begrenzte Kapazitäten, Wasser aufzunehmen und dem Grundwasser zuzuführen. Übermässig viel Wasser im Untergrund führt oftmals dazu, dass sich Rutschungen oder Hangmuren lösen und talwärts bewegen.

Fazit: ein Unwetter kann unterschiedlichste Auswirkungen haben: Hochwasser, Sohlenerosion, Ufererosion, Überschwemmungen, Ackererosion, Murgänge, Rutschungen, Hangmuren, Steinschlag. Ein grossflächiges Unwetter bewirkt, dass innerhalb von kurzer Zeit an verschiedensten Orten eine Vielzahl solcher Auswirkungen auftritt.

So kann die Bilanz eines grossräumigen Unwetters beispielsweise so aussehen:

  • Hochwasser in 12 Flüssen / Bächen
  • 16 Überschwemmungen durch Ausufern von Bächen und Flüssen
  • 22 lokale Überschwemmungen als Folge von übermässigem Oberflächenabfluss
  • 7 Murgänge
  • 4 Rutschungen
  • 5 Hangmuren.

Was sind Unwetterschäden?

Schäden, die durch Gewitter, Dauerregen und Schneeschmelze verursacht werden.

Alle Schäden, die durch die gleiche Wetterlage verursacht werden, werden einem einzigen Unwetterereignis zugeordnet. Die Schäden müssen sich nicht auf lokal begrenzte Orte oder Regionen beschränken, sondern können sich über ganze Landesteile erstrecken.

Welche Arten von Schäden gibt es bei einem Unwetter?

  • Schäden, die durch Wasser verursacht werden: Überschwemmungen, Überflutungen, Rüfen- oder Murgänge.
  • Schäden, die durch Bodenbewegungen verursacht werden: Rutschungen, Kriechvorgänge, Schlipfe und dergleichen, also Schäden ausserhalb des unmittelbaren Bach- und Flussbettbereiches.
  • Schäden, die durch eine Kombination von Wasser und Bodenbewegungen entstehen.

Die Unwetterschäden vom 6. bis zum 20. Jahrhundert lassen sich folgendermassen aufteilen:

  • 63 Prozent aller Schäden wurden durch Wasser verursacht.
  • 20 Prozent wurden durch Bodenbewegungen verursacht.
  • 14 Prozent wurden durch eine Kombination von Wasser und Bodenbewegungen verursacht.

Was ist der Unterschied zwischen einem Unwetter, einem Hochwasser und einer Überschwemmung?

  • Ein Hochwasser ist eine unmittelbare Folge eines Unwetters.
  • Ein intensives, grossräumiges Unwetter kann gleichzeitig in verschiedenen Bächen / Flüssen und Seen zu Hochwasser führen.
  • Überschwemmungen sind eine indirekte Folge von Unwettern. Sie treten dort auf, wo
  • Hochwasser über die Ufer von Bächen und Flüssen tritt
  • Hochwasser zum Anstieg eines Seepegels führt
  • beim Oberflächenabfluss Hochwasser entsteht.

Was haben Unwetter mit dem Entstehen und Vergehen von Landschaften zu tun?

Grosse Unwetter führen weiträumig zu unzähligen Hochwasser-Ereignissen, Überschwemmungen, Murgängen, Rutschungen, Hangmuren und Steinschlag. Dadurch sind sie die wichtigsten Landschafts-Gestalter – seit Jahrmillionen.

Quellen

Gerhard Röthlisberger: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz.Berichte der eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, 1991. download

OcCC: Extremereignisse und Klimaänderung. Bern, September 2003. download

Literatur

Literatur zum Thema Unwetter findest du in der Unwetter-Bibliothek

Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

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