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- Welchen Einfluss hatte der bisherige Klimawandel auf die Steinschlag-Aktivität?
- Welchen Einfluss wird der zukünftige Klimawandel auf die Steinschlag-Aktivität haben?
- Zukünftiger Steinschlag im Kanton Glarus
- Zukünftiger Steinschlag im Kanton St. Gallen
- Zukünftiger Steinschlag im Kanton Graubünden
- Anhang: Albert Heim: Der Steinschlag
Welchen Einfluss hatte der bisherige Klimawandel auf die Steinschlag-Aktivität?
In der Vergangenheit führte ein wärmeres Klima tendenziell nicht zu einer Zunahme von Sturzereignissen – weder von kleinen (Steinschlag, Felssturz) noch von grossen (Bergsturz).
Eine Auswertung von rund 800 Sturzereignissen (Bergsturz, Felssturz, Steinschlag), die sich in den letzten 500 Jahren auf der Alpennordseite ereigneten, ergab:
- Im Zeitraum zwischen 1500 und 1900 gibt es keinen eindeutige Zusammenhang zwischen Feucht- bzw. Warmperioden und einer Häufung von Sturzereignissen.
- Eine generelle Zunahme von Sturzereignissen infolge der bisher erfolgten Klimaerwärmung ist nicht erkennbar.
Im 20. Jahrhundert zeigte sich:
- Der Anteil der Sturzereignisse im Winter und Frühling nahm in der kalten Klimaperiode zwischen 1950 und 1980 zu.
- Der Anteil der Sturzereignisse war in den wärmeren Perioden zwischen 1900 und 1950 und zwischen 1980 und heute trotz vermehrter Intensiv-Niederschläge geringer. Dies ist auf die bei kälteren Temperaturen grösseren Deformationen (Kluftausweitung infolge Gesteinskontraktion) zurückzuführen.
- Ab 1980 nahm der Anteil an Sturzereignissen im Sommer gegenüber früheren Perioden zu. Dies ist vor allem auf die Zunahme von extremen Niederschlagsereignissen zurückzuführen.
Generell gilt: Warme Zeiten lösen wenig Sturzereignisse aus – auch wenn sie mit Starkregen bzw. lang anhaltenden Niederschlägen verbunden sind.
Welchen Einfluss wird der zukünftige Klimawandel auf die Steinschlag-Aktivität haben?
Eine generelle Zunahme von Sturzereignissen infolge der bisher erfolgten Klimaerwärmung ist nicht erkennbar – und wird für die nächsten 50 Jahre nicht erwartet.
In Gebieten mit Gletscherrückzug und im warmen Permafrost ist tendenziell eher von einer Zunahme der Sturzaktivität auszugehen. In den anderen Gebieten ist langfristig tendenziell eher mit einer Abnahme der Sturzaktivität zu rechnen.
In den nächsten 50 Jahren wird sich die Sturzhäufigkeit jahreszeitlich verschieben:
- Infolge der Erwärmung muss man im Winter – trotz vermehrter Niederschläge – tendenziell mit einer Abnahme von Sturzereignissen rechnen.
- Als Folge vermehrter extremer Starkniederschläge muss man im Sommer und Herbst mit einer leichten Zunahme von Ereignissen rechnen.
- Der Anteil an Ereignissen im Frühling dürfte in einem ähnlichen Rahmen bleiben wie bisher .
Bei andauernd hohen Lufttemperaturen oder intensiven Niederschlägen kann es in Permafrostgebieten zu Steinschlag kommmen. So verursachte der extrem warme Sommer 2003 eine Häufung von Steinschlagereignissen in höheren Lagen, die zum Teil auf auftauenden Permafrost zurückzuführen waren.
Quellen
- Albert Heim: Bergsturz und Menschenleben. Beiblatt zur Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich. Jahrg. 77, No. 20, 1932 download
Werner Gerber: Naturgefahr Steinschlag – Erfahrungen und Erkenntnisse. WSL Berichte Heft 74, 2019
- Ueli Gruner: Klima und Sturzereignisse in Vergangenheit und Zukunft. Bull. angew. Geol. Vol. 9/2 Dezember 2004 download
- Robert Kenner und Marcia Phillips: Fels- und Bergstürze in Permafrost Gebieten: Einflussfaktoren, Auslösemechanismen und Schlussfolgerungen für die Praxis. Schlussbericht Arge Alp Projekt ‚Einfluss von Permafrost auf Berg- und Felsstürze‘. download
- BAFU: Auswirkungen des Klimawandels auf Naturgefahren.
LIteratur
- Wildi, Walter / Pfiffner, O. Adrian: Auf den Spuren folgenschwerer Naturereignisse in der Schweiz. Haupt Verlag, 2025
Ueli Gruner: Klimatische und meteorologische Einflüsse auf Sturzprozesse. Interpraevent 2008. download
- Ueli Gruner: Sturzereignisse in der Schweiz – eine statistische Auswertung. Swiss Bull, angew. Geol. Vol. 17/2, 2012 download
- Bundesamt für Strassen Expertengruppe Steinschlag ANHANG 4: Kantone, deren Nationalstrassen vom Steinschlagrisiko betroffen sind. Bundesamt für Strassen. Download
- Bundesamt für Umwelt BAFU: Schutz vor Massenbewegungsgefahren. Vollzugshilfe für das Gefahrenmanagement von Rutschungen, Steinschlag und Hangmuren. 2016 download
Schutz vor Steinschlag
- Vereinigung Kantonaler Gebäudeversicherungen VKF: Objektschutz gegen gravitative Naturgefahren. Kapitel 6: Steinschlag. Bern 2005 download
- Schutz vor Erdrutschen und Steinschlag. Magazin sicherheit, 8|2006 download
- Hansruedi Keusen: Beurteilung der Wirkung von Schutzmassnahmen gegen Naturgefahren als Grundlage für ihre Berücksichtigung in der Raumplanung. TEIL C: STURZPROZESSE.
Schutzwirkung des Waldes bezüglich Steinschlag
- tur gmbh Davos: Fallbeispiel Steinschlag. Massnahmenbeurteilung, Wirkungsbeurteilung und Massnahmenbewertung von Steinschlagschutzwäldern, dargestellt am Beispiel Gruobenwald, Klosters. 2011 Download
- BUWAL-Faktenblatt 5: Wald bremst und stoppt Steinschlag. Januar 1997. download
- Arthur Sandri: Vom Nutzen des Waldes. Einfluss des Waldes auf Sturzprozesse. Bull. angew. Geol. Vol. 11/2 Dezember 2006. Download
Zukünftiger Steinschlag im Kanton Glarus
Die Karte Naturgefahren Prozessquelle HPA Sturz zeigt, wo sich im Kanton Glarus Steinschlag, Blockschlag oder Felssturz lösen kann, der für Siedlungen oder Verkehrswege eine Gefahr darstellt.

Zu dieser Hauptprozessart Sturz gehören die Prozesse Steinschlag, Blockschlag, Felssturz und Eisschlag.
Prozessquelle (PQ)
Die Prozessquelle bezeichnet den Ort / das Gebiet, wo sich einer der drei Prozesse Steinschlag, Blockschlag, oder Felssturz lösen kann.
Die Karte Naturgefahren Gefahrenstufen HPA Sturz zeigt, wo Siedlungen oder Verkehrswege von Steinschlag, Blockschlag oder Felsstürzen bedroht sind – und in welchem Ausmass (Gefahrenstufen).

Zur Hauptprozessart Sturz gehören die Prozesse Steinschlag, Blockschlag und Felssturz (sowie Eisschlag).
Quellen
- Naturgefahren im Kanton Glarus – Faktenblatt Auflage 2 – Februar 2022 download
- Wegleitung zur Berücksichtigung von Naturgefahren in der Nutzungsplanung und im Baubewilligungsverfahren: Wegleitung für Planer und Behörden. 2023 download
Links
Weitere Naturgefahrenkarten des Kantons Glarus
Schutz vor Naturgefahren im Kanton Glarus
Kontakt
Fachstelle Naturgefahren des Kantons Glarus
Zukünftiger Steinschlag im Kanton St. Gallen
Die Karte Gefahrenquellen Sturz Kanton St. Gallen zeigt, wo sich im Kanton St. Gallen Steinschlag / Blockschlag lösen könnte, der für Siedlungen oder Verkehrswege eine Gefahr darstellt.
Diese Gefahrenquellen können beispielsweise eine Felsfläche sein oder ein Steilhang mit aufliegenden Blöcken.

Die Gefahrenkarte Sturz zeigt, wo Siedlungen oder Verkehrswege von Steinschlag und Blockschlag bedroht sind – und in welchem Ausmass (Gefahrenstufen).

Die Karte Szenarien Sturz zeigt, wo es in der Umgebung von besiedeltem Gebiet oder im Bereich von Verkehrswegen zu Steinschlag oder Blockschlag kommen kann.

Gebäudeschutzziel bezüglich Steinschlag im Kanton St. Gallen
Das Schutzziel bezüglich Steinschlag / Blockschlag ist im Kanton St. Gallen so definiert: Das Gebäude bleibt bis zum 300-jährlichen Ereignis intakt und schützt die sich darin befindenden Personen.
Zur Karte Sturz sehr seltene Ereignisse (300-j.) Kt SG
Literatur
Naturgefahrenkommission des Kantons St.Gallen: Bauen in Gebieten mit gravitativen Naturgefahren.
Juli 2019 download
Links
Naturgefahrenkarten des Kantons St. Gallen
Erläuterung zu den Naturgefahrenkarten
Gebäudeversicherung St. Gallen: Gebäudeschutzziele im Kanton St. Gallen
Kontakt
Abteilung Naturgefahren des Kantons St. Gallen
Zukünftiger Steinschlag im Kanton Graubünden
Die Gefahrenkarte Sturz zeigt, wo Siedlungen oder Verkehrswege von Steinschlag und Blockschlag bedroht sind – und in welchem Ausmass (Gefahrenstufen).

Literatur
- Amt für Militär und Zivilschutz Graubünden: Gefährdungsanalyse Kanton Graubünden. 2014. Referenzszenario Stein-/Blockschlag, Felssturz N06. download
- Christoph Marty: Klimaänderung und Naturgefahren in Graubünden. Schweiz Z Forstwes 160 (2009) download
- Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden: Gletscher und Klimawandel in Graubünden. Faktenblatt 14, Januar 2009. download
Karten
Infos zu den Erfassungsbereichen
Kontakt
Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden
Anhang: Albert Heim: Der Steinschlag
Steinschlag bedeutet: Einzelne Felsblöcke stürzen von Zeit zu Zeit über die Gehänge herab.
Der Steinschlag ist im Gebirge die grösste und sehr oft die am wenigsten zu beurteilende Gefahr. Alljährlich unterliegen ihm Menschen und in noch grösserer Zahl Tiere.
Von jeher hat man nach Abwehr der Steinschläge gesucht. An Bahnlinien und Strassen werden Schutzmauern, Schutzwälle, Schutzgräben zum Auffangen der Steine, Galerien, mächtige Schutzbarrieren u. a. mit Erfolg gebaut. An den Bergbahnlinien werden von dafür
vortrefflich eingeübten Arbeitern die Felsgehänge, an denen Steine sich lockern könnten, immer wieder geprüft, und was locker ist, zum Abbruch gebracht. Man nennt dies Verfahren „la purge“, das „Reinigen“.
In vielen Fällen sind absturzdrohende Felsstücke künstlich in kleinen Stücken abgesprengt worden. Vor einigen Jahren ist die nordwestliche Felsecke des Mythengipfels, die Absturz gegen Schwyz
drohte, abgesprengt worden. Schon bevor die stürzende Hauptmasse den Wald am Fusse der Wand erreicht hatte, war sie in lauter kleine Stücke zersplittert, die auch den Wald nicht merklich schädigten.
Das älteste Schutzmittel waren schon in früher Zeit die Bannwälder. Im besonderen ist der „Bannwald“ an der W- Seite der Mythen ein Bannwald als Schild gegen Steinschlag. Das gleiche gilt von dem berühmten, schon im Jahre 1300 genannten Bannwald östlich über Altdorf. Eine Nachricht spricht von einem bösen Steinschlag gegen die Kirche Altdorf vom 10. V. 1268. Schonung und Aufforstung des Gehänges ist jetzt und in Zukunft unbedingte Pflicht. Ein dichterer Wald wird die Mehrzahl der Steinschläge aufhalten.
In allen Alpentälern gibt es zeitweise zu Steinschlägen geneigte Stellen. Der Steinschlag im Hochgebirge ist etwas Gewöhnliches. Am besten tut der Mensch nach dem alten Prinzip, „Der Gescheidtere gibt nach“, indem er Steinschlagstellen möglichst ausweicht, falls sie nicht durch Schutzmittel sicher gebändigt werden können.
Quelle: Albert Heim: Bergsturz und Menschenleben. Beiblatt zur Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich. 1932 No. 20. Jahrg. 77. Seite 64 ff. download
Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann