Auf dieser Seite
- Wo löste sich der Bergsturz?
- Welchen Weg nahmen die Bergsturzmassen? Wie weit bewegten sie sich?
- Welches Volumen hatte der Bergsturz?
- Welche Fläche bedecken die Ablagerungen?
- Welche Folgen hatte der Bergsturz?
- Was ist am Haslenseeli besonders?
- Was gibt es am Seegrund zu beobachten?
- Wo tritt das unterirdisch abfliessende Wasser des Haslenseelis wieder zu Tage?
Wo löste sich der Bergsturz?
Am Plattenberg westlich von Näfels. Die Ausbruchnische ist rund 400 m breit. Ihr oberer Rand liegt bei etwa 1050 m.ü.M., 300 m oberhalb des Haslenseelis.

Orange: Ausbruchsnische. Gelb: Ausbreitung des Bergsturzes. Rot: Ausdehnung der Bergsturzablagerungen. Hellblaue Punkte / Linien: Quellen in der steilen Talflanke westlich von Näfels (Austritte des unterirdisch abfliessenden Haslenseelis). Das Quellwasser fliesst als Rautibach und Tränkibach zu Tal.
Die Eintragungen in dieser Karte erheben keinen Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit. © Hintergrundkarte: swisstopo digitales Höhenmodell swissALTI3D. Zur interaktiven Version dieser Karte
Welchen Weg nahmen die Bergsturzmassen? Wie weit bewegten sie sich?
Der grösste Teil der Sturzmasse bewegte sich südwärts und blieb im Raum Brandbödeli liegen. Nur der östlichste Teil der Felsmasse stürzte über den steilen Abhang gegen Näfels hinunter.
Welches Volumen hatte der Bergsturz?
Die Ausbruchnische hat eine Fläche von etwa 250’000 m2; das abgestürzte Felspaket war rund 50 bis 80 m mächtig. Dementsprechend hatte die Sturzmasse ein maximales Volumen von 20 Millionen m3.
Welche Fläche bedecken die Ablagerungen?
Der Hauptteil der Bergsturzablagerungen bilden die Hügel im Raum Brandbödeli. Hier gibt es auffallend viele grosse Felsblöcke – vermutlich deshalb, weil sie nur wenige hundert Meter tief stürzten, bevor sie zum Stillstand kamen. Am höchsten Punkt der Ablagerungen liegt ein riesiger Felsblock von etwa 15 Metern Höhe und einem Volumen von rund 2’000 m3.
Der Geologe Albert Heim schrieb über die beeindruckende «Wildheit» der Bergsturzablagerungen: «An den meisten Stellen tritt uns ein grossartiges Chaos von Blöcken aller Dimensionen entgegen; sie sind oft in den sonderbarsten Stellungen lose aufeinandergetürmt und durch tiefe Löcher voneinander getrennt.»
Ein kleinerer Teil des Bergsturzmaterials liegt in der steilen Talflanke westlich von Näfels, im Gebiet zwischen Rautibach und Tränkibach.
Welche Folgen hatte der Bergsturz?
Die Bergsturz-Ablagerungen stauten die aus dem Schwändital und dem Oberseetal abfliessenden Bäche auf. Dadurch entstand das Haslenseeli. Da es den umliegenden Bächen bis heute nicht gelungen ist, sich einen Weg durch den grobblockigen Bergsturz-Staudamm zu bahnen, gibt es den See heute noch. Das Haslenseeli ist also ein Kind eines Bergsturzes – genau so wie der benachbarte Obersee.
Was ist am Haslenseeli besonders?
Das Haslenseeli hat keinen oberirdischen Abfluss. Der Geologe J. Oberholzer schrieb 1900 in seiner „Monographie einiger prähistorischer Bergstürze in den Glarneralpen“, dass das Seeli im Spätherbst (und in der Regel auch im Hochsommer) gänzlich austrockne. Wenn es seinen höchsten Wasserstand erreiche, seie es kaum tiefer als 10 Meter.
Die Füllmenge des Haslenseelis schwankt stark. Es ist zwar kleiner als der Obersee, hat aber ein viel grösseres Einzugsgebiet. Deshalb sind seine Schwankungen häufiger und stärker als beim Obersee.
Was gibt es am Seegrund zu beobachten?
Der Geologe J. Oberholzer beschrieb 1900 in seiner „Monographie einiger prähistorischer Bergstürze in den Glarneralpen“ den Seegrund des Haslenseelis als eine mit feinem Schlamm bedeckte Ebene. In ihren randlichen Bereichen gebe es zahlreiche Versickerungstrichter, durch die das Wasser unterirdisch abfliessen würde.
Wenn der See vollständig leer sei, könne man beobachten, wie die zufliessenden Bäche mäandrierend durch das Seebecken ziehen und ihr Wasser in Versickerungslöcher fliesst. Diese Löcher fände man vor allem im Nordosten des Sees. Es seien grösstenteils kreisrunde Trichter mit einem Durchmesser von bis zu 20, 30 Metern. Das unterirdisch abfliessende Wasser habe sie durch seine kreisende Bewegung im Seeschlamm rund geformt. Welche der von J. Oberholzer beschriebenen Phänomene sieht man wohl noch heute?

Wo tritt das unterirdisch abfliessende Wasser des Haslenseelis wieder zu Tage?
Das Wasser des Haslenseelis findet im Bergsturz-Staudamm relativ leicht unterirdische Fliesswege. Denn dieser besteht nicht nur an der Oberfläche, sondern auch in seinem Innern aus vielen grossen Felsblöcken, zwischen denen es entsprechend grosse Hohlräume gibt.
In der steilen Talflanke westlich von Näfels tritt das Wasser in Form von unzähligen Quellen wieder zu Tage. Die zwei wichtigsten Gruppen von Quellen brechen circa 50 m unter dem Niveau des Haslensees im Raum Plattenboden – Unterbrand hervor und fliessen als Rautibach und Tränkibach zu Tal. Bei hohem Wasserstand des Haslenseelis ist die Quellennische des Rautibaches sehenswert: Das Wasser tritt schäumend und brausend aus unzähligen Felsspalten hervor.
Quellen
- Oberholzer, J.: Monographie einiger prähistorischer Bergstürze in den Glarneralpen. Beiträge zur Geologischen Karte der Schweiz, N.F., 39. Lieferung. 1900 download
Literatur
- Wildi, W. & Pfiffner, O.A., 2025, Auf den Spuren folgenschwerer Naturereignisse in der Schweiz – Mit 25 geologischen Exkursionen. Haupt Verlag, Bern.
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann


