Auf dieser Seite
- Wann ereignete sich der Bergsturz?
- Wo löste sich der Bergsturz?
- Welchen Weg nahm der Trümmerstrom? Wie weit bewegte er sich?
- Gab es Nachstürze?
- Welches Volumen hat der Bergsturz?
- Welche Auswirkungen hatte das Ereignis?
- Welche Auswirkungen hatte der Flimser Bergsturz auf die Ablagerungen des Taminser Bergsturzes?
Wann ereignete sich der Bergsturz?
Geländebefunde zeigen, dass der Taminser Bergsturz eindeutig älter ist als der Flimser Bergsturz. Dieser ist vor 9493 ± 2 Jahre alt. Dementsprechend ist der Taminser Bergsturz älter als 9493 ± 2 Jahre.
Aufgrund der Datierung der Expositionsdauer von Felsblöcken durch kosmische Nuklide beträgt das Alter des Taminser Bergsturzes 9420 Jahre – mit einer relativ grossen Unsicherheit von ±880 Jahren.
Somit ist der Taminser Bergsturz
- älter als 9493 ± 2 Jahre.
- maximal 9420 + 880 = 10’300 Jahre alt.
Wo löste sich der Bergsturz?
Nördlich von Tamins, im Raum Tamins – Säsagit – Kunkelspass.

Welchen Weg nahm der Trümmerstrom? Wie weit bewegte er sich?
Die gesamte Felsmasse löste sich en bloc aus dem Gebirge. Der Trümmerstrom erreichte innerhalb weniger Sekunden das Churer Rheintal. Da der Taluntergrund aus wassergesättigten Ablagerungen besteht, konnte sich der Trümmerstrom auf diesen Ablagerungen ins Rheintal hinaus ausbreiten. Dabei entstand der langgestreckte Riegel westlich der EMS-Chemie. Beim Anbranden an den südlichen Gegenhang teilte sich der Trümmerstrom und breitete sich in Richtung Bonaduz-Rhäzüns sowie in Richtung Chur aus.
Gab es Nachstürze?
Nein, es gab keine Nachstürze.
Welches Volumen hat der Bergsturz?
Rund 1.2 km3. Dies entspricht 1’200 Millionen m3. Zum Vergleich: Der Bergsturz am Pizzo Cengalo (23. August 2017) hatte ein Volumen von ca. 3 Millionen m3.
Welche Auswirkungen hatte das Ereignis?
Die Bergsturzablagerungen bildeten einen rund 150 Meter hohen Riegel quer durch das Rheintal. Dadurch stauten sie den Hinterrhein und den Vorderrhein auf. Es entstand ein Stausee, der bis nach Thusis und Ilanz reichte. Beide Flüsse lagerten in diesem See Kies, Sand und Lehm ab.
Welche Auswirkungen hatte der Flimser Bergsturz auf die Ablagerungen des Taminser Bergsturzes?
Als der Flimser Bergsturz in den Bonaduzer See niederging, erzeugte er mächtige Flutwellen. Bei Reichenau prallten diese Flutwellen auf den Riegel der Taminser Bergsturz-Ablagerungen. Sie schlugen eine Bresche in diesen Riegel und verfrachteten Teile der Taminser Bergsturztrümmer
in Richtung Chur. Diese blieben weiter talabwärts als Hügel liegen. Die bekanntesten Hügel sind die Tumas in und rund um Domat/Ems; weitere befinden sich in Felsberg und Chur.
Ein Teil der Flutwellen wurde durch den Riegel des Taminser Bergsturzes in Richtung Thusis abgelenkt, riss Teile der Ablagerungen mit und verfrachtete diese ins Domleschg. Imposante Zeugen dieser Reise sind der Tuma im Raum Pardisla sowie die Felsmassen im Raum Pro Curtgegn.

Pfeile 1 und 2: Ausbreitung des Taminser Bergsturzes. Gelb: Ablagerungen des Taminser Bergsturzes. Pfeil 3: durch den Flimser Bergsturz erzeugte Flutwellen. Diese durchbrachen die Ablagerungen des Taminser Bergsturzes südlich von Tamins. Pfeil 4: die Flutwellen rissen im Gebiet Tamins Ablagerungen des Taminser Bergsturzes mit und lagerten sie im Raum Domat/Ems als Tumas ab (orange). Aus: Pfiffner 2021.
Quellen
- O. Adrian Pfiffner, Susan Ivy‑Ochs, Zhasmin Mussina, Jordan Aaron, Olivia Steinemann, Christof Vockenhuber, Naki Akçar: The Tamins rock avalanche (eastern Switzerland): timing and emplacement processes. Landslides (2023) 20:877–899. download
- Adrian Pfiffner: Der Taminser Bergsturz. In: Geoschlau. Mitgliederzeitschrift des Fördervereins Welterbe & Geopark Sardona. April 2021. download
- Pfiffner, O.A.: Die Bergstürze von Flims und Tamins (2023), UNESCO-Welterbe
Tektonikarena Sardona. download
Literatur
- Wildi, W. & Pfiffner, O.A., 2025: Auf den Spuren folgenschwerer Naturereignisse in der Schweiz – Mit 25 geologischen Exkursionen. Haupt Verlag, Bern.
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann


