Gefahrenart

Zukünftige Unwetter

Was erwartet uns? Einschätzungen und Szenarien zum Thema Unwetter in der Zukunft.

Auf dieser Seite

Was geschah bisher?

Während die Niederschlagsmengen zwischen 1971 und 2000 insbesondere an den östlichen Voralpen um bis zu 25% anstiegen, nahmen sie zwischen 1982 und 2011 um rund 15% ab; dies vor allem in der West- und Südschweiz.

> Alpennordseite

Im Mittelland ereignen sich die meisten Hochwasser im Früh- und Hochsommer, wenn die Schneeschmelze in den Bergen gross ist und in weiten Teilen des Einzugsgebietes die höchsten Jahresniederschläge fallen.

Bis 1762 trat der Rhein bei Basel durchschnittlich alle 10 Jahre über die Ufer. In den folgenden 120 Jahren verlangsamte sich dieser Rhythmus. Zwischen 1882 und 1992 blieben extreme Hochwasser völlig aus.

> Langfristige Schwankungen in der Häufigkeit von Überschwemmungen in den zentralen Alpen und auf der Alpensüdseite

In den letzten fünf Jahrhunderten gab es in den vier Kantonen Wallis, Uri, Tessin und Graubünden

  • zwei Perioden mit geringem Auftreten von Überschwemmungen (1641–1706 und 1927–1975)
  • zwei Perioden mit hohem Auftreten von Überschwemmungen (1550– 1580 und 1827–1875).

Langfristige Schwankungen in der Häufigkeit von Überschwemmungen sind durch natürliche Klimavariationen bedingt und stehen nicht in erkennbarer Weise in Zusammenhang mit menschlichen Einflüssen.

Gegenüber den Mittelwerten des 20. Jahrhunderts nahm die Zahl extremer inner- und südalpiner Überschwemmungen in den letzten 15 Jahren zu (August 1987, September 1993, Oktober 2000). Die Häufigkeit dieser Ereignisse liegt aber noch in der Bandbreite bisheriger Ereignisse.

Hochwasser-Katastrophen in der Schweiz in den letzten 200 Jahren.
Hochwasser-Katastrophen in der Schweiz in den letzten 200 Jahren. Quelle: OcCC: Extremereignisse und Klimaänderung. Bern, September 2003

Wie wird sich das Klima zukünftig ändern?

Trockenperioden dürften häufiger auftreten und länger anhalten. Bis Ende des 21. Jahrhunderts wird jeder zweite Sommer mindestens so warm sein wie derjenige von 2003.

Was bedeutet dies für den Wasserhaushalt?

In Zukunft wird es wärmere und feuchtere Winter sowie heissere und trockenere Sommer geben.

Beidseits der Alpen werden die Niederschläge im Sommer zurückgehen (um 20%), in den übrigen Jahreszeiten jedoch zunehmen (ausser im Frühling im Süden). Im Winter wird es mehr Niederschlag in flüssiger Form geben, im Sommer deutlich weniger Niederschlag und reduzierte Schmelzwassermengen.

Zwischen 1980 und 2009 bestand rund 40% des Abflusses aus der Schweiz aus Wasser, das durch die Schneeschmelze entstand. Dieser Anteil wird bis 2085 auf etwa 25% verringern. Damit wird ein immer grösserer Teil des Niederschlags, insbesondere im Winter, sofort abfliessen.

In den Wintermonaten Dezember bis Februar wird der Abfluss wegen der höheren Schneefallgrenze und wegen der generell zunehmenden Niederschläge zum Teil deutlich zunehmen. Damit wird sich im grössten Teil des Mittellandes die potenzielle Hochwasserzeit vom Frühsommer in das Winterhalbjahr verschieben und teilweise auch verlängern. Im Rhein wird sich beispielsweise im Lauf der Zeit zusätzlich zum Frühsommer ein zweites saisonales Maximum im Winter bilden.

In den Sommermonaten Juni bis August wird der Abfluss mit wenigen Ausnahmen stark abnehmen.

Bei erheblicher Erwärmung wird es insgesamt mit grosser Sicherheit zu häufigeren und intensiveren Starkniederschlägen kommen. Dies muss nicht unbedingt eine allgemeine Zunahme der Hochwasser bewirken.

Ohne Klimaschutz (RCP8.5) ergeben die Projektionen bis Ende 21. Jahrhundert zwar eine leichte Zunahme von Häufigkeit und Intensität der Hochwasser. Jedoch fallen diese projizierten Trends nicht signifikant aus.

Hochwasser werden in der Schweiz in Zukunft tendenziell zunehmen, in einem grob geschätzten Bereich von 0 bis 10 %. Bei grossen Hochwasserereignissen bleibt unsicher, ob diese häufiger auftreten werden.

Quellen
> Bundesamt für Umwelt BAFU (Hrsg.) 2012: Auswirkungen der Klimaänderung auf Wasserressourcen und Gewässer. Synthesebericht zum Projekt «Klimaänderung und Hydrologie in der Schweiz» (CCHydro). Bundesamt für Umwelt, Bern. Umwelt-Wissen Nr. 1217. download

  • OcCC: Extremereignisse und Klimaänderung. Bern, September 2003 download
  • MeteoSchweiz, 2014, «Klimaszenarien Schweiz – eine regionale Übersicht», Fachbericht MeteoSchweiz, 243 download
  • NCCS (Hrsg.) 2018: CH2018 – Klimaszenarien für die Schweiz. National Centre for Climate Services, Zürich. 24 S. download
  • MeteoSchweiz, PLANAT: Klimaänderung und Naturkatastrophen in der Schweiz. 01/2007 download
  • Bundesamt für Umwelt BAFU, Bern: BAFU, Pilotprojekt Anpassung Klimawandel. 2018-2020. Technischer Bericht zur Gefahren- und Schadenausmass-Analyse entlang der Aare unter einem sich verändernden Klima. 2023. download
  • Brönnimann, S. et al.: 1868 – das Hochwasser, das die Schweiz veränderte. Ursachen, Folgen und

Lehren für die Zukunft. Geographica Bernensia, G94, 2018 download

Christoph Marty: Klimaänderung und Naturgefahren in Graubünden. Schweiz Z Forstwes 160 (2009) download

Literatur

  • Nicolas Steeb et al.: Vorhersage und Warnung von Unwettern in der Schweiz: Das Zusammenwirken von Bund und Kantonen anhand von zwei Fallbeispielen im Jahr 2020. «Wasser Energie Luft», 2022, Heft 2. download

Links

Warnmeldungen zu Unwettern

Naturgefahrenwarnungen

Zukünftige Unwetter im Kanton Glarus

Literatur

  • Naturgefahren im Kanton Glarus – Faktenblatt Auflage 2 – Februar 2022 download

Links

Schutz vor Naturgefahren im Kanton Glarus

Kontakt

Fachstelle Naturgefahren des Kantons Glarus

Zukünftige Unwetter im Kanton St. Gallen

Literatur

Gefährdungs- und Risikoanalyse Kanton St.Gallen. Ergebnisse der Phase 1 gemäss der Methode KATAPLAN. 30. November 2016 download

Links

Naturgefahrenkarten des Kantons St. Gallen

Erläuterung zu den Naturgefahrenkarten

Gebäudeversicherung St. Gallen: Gebäudeschutzziele im Kanton St. Gallen

Kontakt

Abteilung Naturgefahren des Kantons St. Gallen

Zukünftige Unwetter im Kanton Graubünden

Als Alpenkanton ist Graubünden bei Unwettern stark durch Überschwemmungen und vor allem Murgänge, Hangmuren und Rutschungen gefährdet.

Szenario „erhebliches Unwetter“

In Graubünden ereignet sich durchschnittlich ein Mal in 30 Jahren ein Unwetter, bei dem das Ausmass der Auswirkungen mit folgendem Szenario vergleichbar ist.

Ausgangslage

Auf eine feuchte Vorperiode gehen über der Surselva und Teile Mittelbündens während drei Tagen anhaltende Niederschläge nieder (Starkniederschläge von 350 bis 500 mm/m2 innerhalb von drei Tagen).

Auswirkungen

An verschiedenen Stellen treten aufgrund des ohnehin schon wassergesättigten Bodens Hangmuren auf, die teilweise zu erheblichen Übermurungen und entsprechend zu Schäden an Gebäuden und Verkehrswegen sowie landwirtschaftlichen Flächen führen.

Zahlreiche Bäche treten über die Ufer und überschwemmen Siedlungsgebiete und Verkehrswege. Zudem ereignen sich mehrere, zum Teil grosse Murgänge. die immense Schäden anrichten.

Ein Dorf mit knapp hundert Personen muss noch während des Ereignisses evakuiert werden, da ihre Häuser durch einen Murgang bedroht sind.

Insgesamt sind 65 Gemeinden vom Unwetter betroffen. Ein Murgang fordert zwei Todesfälle. Auch im Wald sind grosse Schäden entstanden. Die Räumungs- und Instandstellungsarbeiten dauern Wochen bis Monate.

Personenschaden

Wenige Todesopfer und wenige Verletzte, Evakuierte: rund 3‘000 Personentage

Schäden

Neben den grossen Schäden an Gebäuden, Verkehrswegen, der Land- und Forstwirtschaft werden auch Brücken zerstört, die die Erreichbarkeit gewisser Gebiete erschweren. Der Sachschaden wird auf 100 Mio. Fr geschätzt.

Quelle

Amt für Militär und Zivilschutz Graubünden: Gefährdungsanalyse Kanton Graubünden. 2014. Referenzszenario Unwetter N09. download

Szenario „grosses Unwetter“

In Graubünden ereignet sich durchschnittlich ein Mal alle 100 bis 300 Jahre ein Unwetter, bei dem das Ausmass der Auswirkungen mit folgendem Szenario vergleichbar ist.

Ausgangslage

Auf eine feuchte Vorperiode treten über der ganzen Alpennordseite – Surselva, Mittelbünden, Prättigau, Churer Rheintal – während drei Tagen heftige Niederschläge auf, die von kurzzeitigen Starkniederschlägen geprägt sind.

Auswirkungen

Grossräumig treten aufgrund des ohnehin schon wassergesättigten Bodens Hangmuren auf, die teilweise zu sehr grossen Übermurungen und entsprechend zu grossen Schäden an Gebäuden und Verkehrswegen sowie landwirtschaftlichen Flächen führen. Zahlreiche Bäche treten über die Ufer und überschwemmen Siedlungsgebiete und Verkehrswege.

Zudem ereignen sich mehrere, zum Teil grosse Murgänge, die immense Schäden anrichten. Mehrere Dörfer werden evakuiert.

Ein Dorf mit knapp hundert Personen kann nicht mehr rechtzeitig evakuiert werden. Ein Murgang richtet immense Schäden an. Es sind mehrere Todesopfer und verletzte Personen zu beklagen. Insgesamt sind 120 Gemeinden vom Unwetter betroffen. Auch im Wald sind grosse Schäden entstanden. Die Räumungs- und Instandstellungsarbeiten dauern Monate bis ein Jahr. Unterstützung durch externe, ausserkantonale Partner zwingend erforderlich.

Personenschaden

Mehrere Todesopfer durch Murgänge. Evakuierte: rund 12‘000 Personentage

Quelle

Amt für Militär und Zivilschutz Graubünden: Gefährdungsanalyse Kanton Graubünden. 2014. Referenzszenario Unwetter N09. download

Literatur

Amt für Militär und Zivilschutz Graubünden: Gefährdungsanalyse Kanton Graubünden. 2014. Referenzszenario N02 Hochwasser. download

Christoph Marty: Klimaänderung und Naturgefahren in Graubünden. Schweiz Z Forstwes 160 (2009) download

Kontakt

Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden

Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

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