Neue Zürcher Zeitung, Nummer 180, 7. August 1981
Schwere Hagelwetter haben an den Abenden des 1. und 3. August Teile des Glarner Hinterlandes und des Sernftales heimgesucht und bedeutende Schäden an Gebäuden, Kulturen und Wäldern im Tal- und Alpgebiet verursacht. Dabei wurden vor allem die Gemeinden Braunwald, Linthal, Rüti, Betschwanden, Diesbach, Engi und Matt betroffen. Die Hagelschlossen, die in der Grösse von Baumnüssen oder kleinen Eiern von einem starken Südweststurm angetrieben mit aussergewöhnlicher Wucht niederprasselten, liessen an zahlreichen Orten Fensterscheiben und Glasüberdachungen von Treibhäusern in Brüche gehen.
Am Landvogt Schiesser-Haus in Linthal, das in den Jahren 1974 bis 1976 unter Anleitung der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege fachgerecht und durchgreifend restauriert wurde, sind von den insgesamt 270 Butzenscheiben nicht weniger als 50 zerstört worden. Am Schulhaus Engi und der angebauten Turnhalle zählt man 44 zerbrochene Fensterscheiben. In Braunwald wurden die prachtvollen Rosenkulturen restlos zerstört, Wiesen verwüstet und nicht wenige Bäume teilweise entlaubt. Die Hagelkörner, die durch die Wassermassen und die sturmähnlichen Windböen auf Plätzen und Strassen zu halbmeterhohen Haufen zusammengetrieben wurden, mussten mit Schaufeln und Schneeblechen weggeräumt werden.
In der Gemeinde Matt im mittleren Sernftal, die am 3. August von einem zweiten Hagelwetter heimgesucht wurde, haben vor allem die Friedhofanlagen und Kartoffelkulturen Schäden erlitten. Erhebliche Schäden verursachte der Hagelschlag auch an im Freien parkierten Autos und an Garagetoren.
Wie sich erst nachträglich herausstellte, haben die Unwetter auch in Wäldern und vor allem an Alpgebäuden und Wegen grosse Schäden verursacht. So sind beispielsweise die Schindeldächer der Ställe und Hütten auf den im Freiberggebiet der Gemeinde Engi gelegenen Alpen «Kreuel» und «Laueli» weitgehend zerstört worden. Mit Schutzblachen, die per Helikopter auf die über 2000 Meter über Meer gelegene Alp «Laueli-Oberstafel» geflogen wurden, sollen die Sennen vor den ärgsten Witterungseinflüssen bis auf weiteres notdürftig geschützt werden. Die Neubedachung der Alpgebäude mit Eternit wird grosse Kosten verursachen. Hagelwetter von dieser Intensität bilden im Glarnerland eine grosse Seltenheit. Alte Leute sprechen denn auch vom «schwersten Hagelwetter seit Menschengedenken».
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Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

