Auf dieser Seite
- 1. Der Winter 1998 / 1999
- 2. Niederschläge im Zeitraum vom 20. bis 22. Februar 1999
- 3. Niederschläge im Zeitraum vom März bis April 1999
- 4. Hochwasser im Mai 1999
- 5. Unwetter im Juni 1999
- 5.1. Unwetter vom 2./3. Juni
- 6. Fazit der Hochwasser im Jahr 1999
- Die Hochwasser von 1999 im Kanton Glarus
- Die Hochwasser von 1999 im Kanton St. Gallen
- Die Hochwasser von 1999 im Kanton Graubünden
- Das Hochwasser vom Mai 1999 im Appenzellerland
- Medienberichte zu den Ereignissen
1. Der Winter 1998 / 1999
Der Winter 1998/99 war geprägt von andauernden Schneefällen und einer ausserordentlich prekären Lawinensituation.
2. Niederschläge im Zeitraum vom 20. bis 22. Februar 1999
Im Mittelland führte intensiver Regen dazu, dass die Schneedecke zu schmelzen begann. Auswirkungen des Dauerregens und der Schneeschmelze in tiefergelegenen Landesteilen:
- ansteigen der Flüsse
- lokale Überschwemmungen
- zahlreiche Erdrutsche
- Überflutung zahlreicher Gebäude, insbesondere Kellergeschosse.
3. Niederschläge im Zeitraum vom März bis April 1999
Die Kombination von überdurchschnittlichen Niederschlägen und Schneeschmelze führten
- zur Sättigung der Böden
- zu zahlreichen Rutschungen.
4. Hochwasser im Mai 1999
Im Mai kam es zu einer aussergewöhnlichen Kombination verschiedener Entwicklungen:
- bis Mitte April verhinderten tiefe Lufttemperaturen das Abschmelzen der überdurchschnittlichen
Schneemengen.
- Nach einem Wärmeeinbruch setzte eine intensive Schneeschmelze ein; dies führte zur Sättigung der Böden. Die Böden in höheren Lagen wiesen wegen der fortdauernden Schneeschmelze nur eine geringe Speicherkapazität auf.
- Relativ grosser Dauerregen setzte ein.
Im Mai führte diese Kombination von überdurchschnittlichen Niederschlägen und Schneeschmelze
zu aussergewöhnlichen Hochwassern. So war nicht nur der Niederschlag, sondern auch die Schneeschmelze an der Hochwasserbildung beteiligt.
Folge der hohen Zuflüsse (Schneeschmelze war hierbei eine wesentliche Quelle des Wasserdargebotes) während langer Zeit: an allen grösseren Seen traten hohe bzw. Höchststände ein (Ausnahme: Genfer-, Langen- und Luganersee). Die hohen Seestände ergaben einen hohen langdauernden Abfluss.
Im Mai führten zwei Starkniederschläge zu den intensivsten Hochwassern des Jahres 1999:
- vom 10. bis 15. Mai (Auffahrt)
- vom 22. bis 24. Mai (Pfingsten).
Die beiden Hochwasser
- hatten eine grosse räumliche Ausdehnung (mit Ausnahme des Inneralpinen Raumes waren praktisch alle Gebiete der Deutschschweiz mehr oder weniger stark betroffen)
- dauerten überdurchschnittlich lange an.
- ereigneten sich mitten in der Periode der stärksten Schneeschmelze
- führten zu massiven Überschwemmungen beinahe aller Voralpenseen sowie deren Zu- und vor allem Ausflüsse
- führten auf der Alpennordseite zu zahlreichen Starkniederschlägen und Folgeprozessen (Rutschungen, Murgänge)

Bezüglich der Schäden lassen sich die beiden Ereignisse wie folgt beschreiben:
- Sie verursachten zusammen direkte Kosten im Umfange von ca. 580 Mio. CHF.
- Der von den Hochwassern am stärksten betroffene Kanton war mit einem Gesamtschaden von rund 155 Millionen Franken der Kanton Bern.
- Die Schäden entstanden vor allem durch Ausufern der Seen und der grösseren Flüsse des Mittellandes (Aare, Thur, Rhein).
- Schadenursache war das eindringende Wasser (und nicht dessen dynamische Kräfte wie z.B. 1987, 1993 oder 1997 bei Hochwasserereignissen in inneralpinen Gebieten).
- Schäden an Gütern der öffentlichen Hand entstanden vor allem im Bereich der elektrischen Verteilanlagen, der Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung. Schäden an Strassen und Brücken waren selten.
- Lokal führten Rutschungen zu sehr hohen Schäden. Diese Rutschungen entstanden aufgrund der Tatsache, dass die Schneeschmelze und die häufigen Niederschläge im April den Boden bereits stark durchfeuchtet hatten.
5. Unwetter im Juni 1999
Nach Pfingsten (22. bis 24. Mai) beruhigte sich die Hochwassersituation nur langsam.
- Zwischen Pfingsten und Ende Juni lagen die Hauptschadenorte in den Kantonen Bern und Thurgau sowie im Baselbiet.
- Vielerorts blieb eindringendes Grundwasser ein grosses Problem, was sich bei jedem Gewitter wieder verschärfte.
- An verschiedenen Orten führten die heftigen Unwetter im Juni zu Hangrutschungen.
- Insgesamt richteten die Unwetter von Ende Mai bis Ende Juni Schäden in der Höhe von ca. 15 bis 20 Millionen Franken an.
5.1. Unwetter vom 2./3. Juni
Im Juni entstanden die grössten Schäden während dem heftigen Unwetter vom 2./3. Juni. Ein Hagelzug zog quer durch die Deutschschweiz und richtete alleine im Kanton Bern Überschwemmungsschäden von 10 bis 15 Millionen Franken an.

Überblick über Ort und Stärke der Unwetterschäden im 1. Halbjahr 1999. Quelle: BWG: Hochwasser 1999. Analyse der Ereignisse.
6. Fazit der Hochwasser im Jahr 1999
- Die Schäden im ersten Halbjahr 1999 beliefen sich auf rund 640 Millionen Franken.
- Davon entfielen rund 580 Mio. Franken auf die beiden Mai-Ereignisse.
- Das Zusammentreffen der Schneeschmelze mit seltenen Starkniederschlägen spielte eine entscheidende Rolle.
- Es waren vor allem private Güter und weniger Güter der öffentlichen Hand (Verkehrswege, Infrastrukturanlagen, etc.) betroffen.
- Die grossen Wassermengen im Jahr 1999 führten gerade bei den Seen und ihren Ausflüssen zu den grössten Schäden. Gründe:
- vor allem Seen und grosse Flüsse des Mittellands und des Alpenrandes waren betroffen. An diesen befinden sich zahlreiche Siedlungen.
- vor allem langsam fliessendes Wasser trat über die Ufer. Dieses dringt in Häuser und Keller ein und führt dort zu erheblichen Schäden.
Mit Unwettern, die zu Schäden in einem vergleichbaren Ausmass führen (einige 100 Millionen Franken), muss in der Schweiz alle paar Jahre gerechnet werden.
Quellen
- BWG: Hochwasser 1999. Analyse der Ereignisse. Studienbericht Nr. 10, 2000. download
- Brönnimann, S. et al.: 1868 – das Hochwasser, das die Schweiz veränderte. Ursachen, Folgen und
Lehren für die Zukunft. Geographica Bernensia, G94, 2018.
- BAFU: Dossier Naturgefahren. Naturgefahren gehen alle an. So geht die Schweiz mit Risiken um. die umwelt 2 / 2020.
Literatur
- Hugo Aschwanden: Hochwasser 1999. Analyse der Messdaten und statistische Einordnung. Hydrologische Mitteilungen, Nr. 28, Bern, 2000. download
- Hegg, Christoph / Badoux, Alexandre / Graf, Christoph: Unwetterschäden in der Schweiz im Jahre 1999. Wasser Energie Luft, Band 92, 2000. Heft 3-4. download
- Wolfgang Ostendorp, Klaus Jöhnk: Jahrhunderthochwasser 1999 – Jahrhundertniedrigwasser 2003:
Seespiegeltrends und Extremwasserstände am Bodensee. Natur und Mensch, 2003. download
- Vorsorgliche Absenkung des Zürichsees garantiert keinen Schutz vor extremen Hochwasserständen.
Wasser Energie Luft = Eau énergie air = Acqua energia aria, Band: 91 (1999), Heft: 5-6. download
Links
Pfingsthochwasser 1999 in Wikipedia
Die Hochwasser von 1999 im Kanton Glarus
Im März 1999 löste sich unterhalb von Braunwald eine Rutschung. Ein Teil dieser Rutschung (ca. 300’000 m2 stürzte über eine Felswand und breitete sich in Form von Murgängen in Richtung Rüti aus. Dabei wurden in Rüti zwei (bereits evakuierte) Wohnhäuser beträchtlich beschädigt. Ein leerstehender Stall wurde vollständig zerstört.
Im Kanton Glarus entstanden während den Mai-Hochwassern vergleichsweise geringe Schadensummen. Unter anderem kam es im Raum Niederurnen-Näfels und im Sernftal zu Überschwemmungen, welche zu Schäden und Verkehrsbehinderungen führten.
Geschätzte Schadenkosten (In Mio. Schweizer Franken) während Auffahrt und Pfingsten 1999:
- öffentliche Schäden: 4.4 Mio Fr.
- private Schäden: 3.6 Mio Fr.
- Total (gerundet): 8 Mio Fr.
Die Hochwasser von 1999 im Kanton St. Gallen
Geschätzte Schadenkosten (In Mio. Schweizer Franken) während Auffahrt und Pfingsten 1999
- öffentliche Schäden: 16.5 Mio Fr.
- private Schäden: 85.5 Mio Fr.
- Total (gerundet): 102 Mio Fr.
Im Kanton St. Gallen wurden Gebäude, Strassen, Flurwege und Bahnstrecken während beiden Unwettern an Auffahrt und Pfingsten stark in Mitleidenschaft gezogen. Gesamthaft verursachten die beiden Mai-Hochwasser in St. Gallen Schäden von knapp über 100 Millionen Franken; alleine die Gebäudeschäden beliefen sich auf rund 40 Millionen Franken. Der grösste Teil der Schäden entfiel auf das St. Galler Rheintal, das Walenseegebiet, das Bodenseeufer sowie den Raum um RapperswII und Jona am Zürichsee.
Im Fliwald oberhalb von Weesen geriet am Pfingstsonntag, dem 23. Mai, die Erde ins Rutschen. Das abgerutschte Material gelangte über den Renzletenbach und den Flibach Richtung Dorf Weesen.
Aufgefüllte Gerinne führten zu einem Rückstau. Der Bach trat am Nordrand des bewohnten Gebietes über die Wuhren und überschwemmte zahlreiche bereits evakuierte Gebäude (> Schaden von ca. 5 Millionen Franken. (In Weesen mussten über Pfingsten 400 Personen vorübergehend ihre Häuser verlassen.)
Folgen:
- Insgesamt 60 überschwemmte Liegenschaften
- weggerissene Betonsperren im Renzletenbach
- aufwendigen Räumungsarbeiten im Rutschgebiet
Linthebene. Während beiden Mai-Hochwassern herrschte in der Linthebene eine sehr kritische Situation. Befürchtet wurde aufgrund der grossen Abflussmengen ein Dammbruch, dessen Folgen In den Kantonen St Gallen, Schwyz und Glarus massive Verwüstungen hätten anrichten können. Glücklicherweise waren in der Linthebene schliesslich keine Schäden zu verzeichnen. Rund um den Damm wurden jedoch für Akut- und Sofortmassnahmen mehrere Millionen Franken aufgewendet.
Bodensee. Während und nach den erneuten Niederschlägen an Pfingsten stieg der Pegel des Bodensees weiter an. Nun wurde die Lage an den Seeufern kritisch. Am 24. Mai erreichte der Wasserstand in Romanshorn die Jahrhundert-Höchstmarke von 397.87 m ü.M. Vom hohen Seespiegel am stärksten betroffen waren die Unterseegemeinden Steckborn, Ermatingen, Bedingen und Gottlieben. Rund zwei Monate lang standen dort die ufernahen Häuser im Wasser. Weitere Folgen des hohen Seepegels waren zerstörte Uferbauten, beschädigte Strassen und Wege sowie verschlammte Anlagen (ARA, Strandbäder etc.).
Die Hochwasser von 1999 im Kanton Graubünden
Im Kanton Graubünden kam es vom 22. bis 24. Mai im nördlichen Churer Rheintal, im Schanfigg und in der Bündner Herrschaft zu Überflutungen.
- zahlreichen Rutschungen führten zu Schäden an Wegen
- Bachläufe sowie Geschieberückhaltebecken mussten geräumt werden
Anfangs Mai wurde im Prättigau die Kantonsstrasse nach Davos zwischen Saas und Mezzaselva durch Erdrutsche innerhalb von zwei Tagen dreimal verschüttet. Die alte Brücke der Kantonsstrasse musste abgebrochen werden. Erst nach dem Bau einer Notbrücke war Davos über die Prättigauerstrasse wieder erreichbar.
Geschätzte Schadenkosten (In Mio. Schweizer Franken) während Auffahrt und Pfingsten 1999
- öffentliche Schäden: 13,7 Mio Fr.
- private Schäden: 5 Mio Fr.
- Total (gerundet): 19 Mio Fr.
Das Hochwasser vom Mai 1999 im Appenzellerland
In Appenzell Ausserrhoden ereigneten sich vonwiegend während dem Auffahrtsereignis mehrere Rutschungen. Unter anderem wurden am 13. Mai die Gleise der Appenzeller Bahnen zwischen Bühler und Gais auf einer Länge von rund 50 Meter durch über 100 m3 Steine und Schlamm verschüttet.
Medienberichte zu den Ereignissen
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 117, 25. Mai 1999
Überflutungen und Erdrutsche in der Schweiz. Höchster Pegelstand des Jahrhunderts am Bodensee.
Heftige Regenfälle über Pfingsten haben die Hochwasserlage in der Schweiz wieder verschärft. Die grössten Überflutungen sind dabei am Bodensee zu verzeichnen. Zudem haben die aufgeweichten Böden dazu geführt, dass in der Ost- und der Zentralschweiz Hänge ins Rutschen gerieten und Siedlungen bedrohten. Hunderte von Personen mussten evakuiert werden. In Uri kam ein deutscher Tourist ums Leben.
stb. Rorschach, 24. Mai Nach den intensiven Regenfällen Ende letzter Woche hat der Wasserspiegel des Boden- wie des Untersees an Pfingsten Marken erreicht, wie sie in diesem Jahrhundert noch nie verzeichnet wurden. Die in Romanshorn am Sonntag abend gemessenen 397,87 Meter über Meer und die in Berlingen registrierten 397,68 Meter stellen die höchsten Werte seit 1890 dar. Dass im Verlauf des Montags eine Stabilisierung auf diesem Extremniveau eintrat und – heftige Gewitter Vorbehalten – in den nächsten Tagen ein leichtes Sinken der Wasserstände erwartet werden kann, ist weder für die betroffenen Anwohner noch für die während der Feiertage fast pausenlos geforderten Feuerwehr-, Zivilschutz- und Bauamts-Equipen ein grosser Trost.
Zum einen werden die Aufräumarbeiten noch lange dauern. Zum andern ist auf Grund der Erfahrungen früherer Jahre zu befürchten, dass das jeweils erst im Sommer und diesmal wohl in gewaltigen Mengen zufliessende Schmelzwasser – kombiniert allenfalls mit weiteren Regenfluten – weitere kritische Situationen verursachen wird. Man rechne deshalb mit einem ständigen Auf und Ab, erklärte am Montag der Sprecher der Thurgauer Kantonspolizei.
Von den Überschwemmungen der Hafenanlagen sowie angrenzender Gebäude, Plätze und Strassen am stärksten betroffen waren über Pfingsten die Gebiete Staad – Rorschach – Hom – Steinach am Obersee und Seerhein – Ermatingen – Berlingen – Steckbom am Untersee. Die örtlichen Hauptstrassen waren hier für Personenwagen zum Teil nicht und für Fussgänger nur über Holzstege passierbar. Für die Eisenbahn, deren Trassee beim Rorschacher Hafenbahnhof wie ein Kanal anmutete, war seeaufwärts in Hom Endstation; Reisende bis Rorschach und umgekehrt wurden mit Bussen befördert. Die Personenschifffahrt ist vorerst weiterhin auf dem ganzen See eingestellt. Einzig der vorübergehend ebenfalls betroffene Fährbetrieb zwischen Romanshom und Friedrichshafen konnte am Sonntag abend wiederaufgenommen werden, während anstelle der Fähre Konstanz-Meersburg einstweilen Busse wenigstens Fussgänger sowie Radfahrer mit ihren Vehikeln rund um den Überlingersee transportieren. –
Damit der für Siedlungen, Bootsfelder, Energie- und Trinkwasserversorgungen sowie die Abwasserentsorgung zusätzliche Gefährdungen bedeutende Wellenschlag möglichst verhindert werden kann, empfehlen die Seepolizeien dringend, Fahrten mit privaten Schiffen zu unterlassen. Auch die Absperrungen in Seenähe sind auf jeden Fall zu beachten. Wie punktuelle Augenscheine zeigten, hielten sich die Adressaten im wesentlichen an diese Empfehlungen bzw. Vorschriften. Das schloss nicht aus, dass manchenorts – beispielsweise in Rorschach Hafen und beim dortigen, wie ein Wasserschloss im See stehenden Komhaus – ein Publikumsbetrieb herrschte, der von ferne an die Stimmung während der Seegfrörnii von 1963 erinnerte.
Unerwartete Erdrutsche in der Zentralschweiz. mjm. Luzern, 24. Mai Die Unwetter haben in der Zentralschweiz vor allem am Pfingstsamstag Erdrutsche ausgelöst. Trotz Wetterberuhigung ging noch am Sonntag zwischen Beckenried und Emmetten eine Gerölllawine nieder, bei der auch ein riesiger Felsbrocken auf die Hauptstrasse stürzte. Die Bewohner von vier Häusern unterhalb des Rutschgebiets wurden vorsorglich evakuiert und das Gebiet grossräumig abgesperrt. Für die darunterliegende Gotthard-Autobahn bestand keine Gefahr. Spreng.Equipen waren am Montag nachmittag im Einsatz, um im oberen Rutschgebiet den grössten Felsbrocken zu zertrümmern.
Erstes Todesopfer im Maderanertal. Eine Erd- und Schlammlawine forderte in Bristen im Maderanertal am Samstag morgen ein erstes Todesopfer. Die durchnässte Erdmasse ging auf einer Breite von 20 Metern über ein Ferienhaus nieder. Zwei deutsche Touristen wurden im Schlaf überrascht. Während die Frau mit mittelschweren Verletzungen befreit werden konnte, hatte ihr Begleiter keine Chance und konnte nur noch tot geborgen werden. Laut Polizeiangaben befand sich das Haus nicht in der Gefahrenzone. Im weiteren gingen am Samstag an unzähligen Hängen im Schächen- und Maderanertal kleinere Erdrutsche nieder, und zwar an Orten, an denen man es nicht erwartet habe. Der Pegel des Vierwaldstättersees sank am Montag morgen zum erstenmal nach Tagen um zwei Zentimeter auf 434,91 Meter.
Das rechte Seeufer in Luzern im Bereich Verkehrshaus – Lido, Teile der Quaipromenade auf der rechten Seite und der Rathausquai bleiben aber weiter überschwemmt. Gesperrt bleiben die Durchfahrten in Stansstad und Flüelen. Die Axenstrasse zwischen Sisikon und Flüelen ist damit weiterhin unterbrochen. Gedränge auf der Kapellbrücke in Luzern. Am Sonntag und Montag lockte das Hochwasser zahlreiche Schaulustige an die kritischen Orte entlang der Reuss in der Luzerner Altstadt und am Schweizerhofquai. An einigen Stellen spritzte das Wasser mit der Wucht eines kleinen Springbrunnens aus Kanalisationsdeckeln. Vor allem auf der Kapellbrücke herrschte an beiden Tagen drangvolle Enge.
Auf der Terrasse des Restaurants des Alpes wurde aus aktuellem Anlass mit Schnaps und Rahm verfeinerter «Baywatch-Kaffee» verkauft. Trotz oder gerade wegen des Hochwassers verzeichnete auch das von Wasserlachen umgebene Verkehrshaus am Sonntag rund 5000 Besucherinnen und Besucher. Weil die Pumpen seit Tagen ununterbrochen laufen, blieb wertvolles Museumsgut in den Kellerräumen bisher im Trockenen. – In Sörenberg, wo in der Nacht auf Samstag eine vier Meter hohe Geröll- und Erdlawine niedergegangen war, wurden am Montag der Rutschkanal und das darunterliegende Auffangbecken im Tal vergrössert.
der Bericht in e-newspaperarchives
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 117, 25. Mai 1999
Gewaltige Geröllawine oberhalb von Weesen. 400 Personen aus Gefahrenzone evakuiert.
pem. Weesen, 24. Mai Nach den ergiebigen Niederschlägen der Vortage sind über das Pfingstwochenende oberhalb von Weesen im Kanton St. Gallen gegen 1 Million Kubikmeter Erde, Schlamm, Felsen und Bäume ins Rutschen gekommen. Die Anrissstelle befindet sich im Gebiet Fliwald rund 600 Meter oberhalb der Walenseegemeinde. Das Material wurde vom Renzletenbach in den Flibach transportiert, der auf einer Länge von 200 Metern mit einem vier Meter hohen Schuttwall zugeschüttet wurde.
Die Dorfbewohner befürchten, dass sich im wasserreichen und seit je rutschgefährdeten Gebiet des Fliwaldes eine grössere Schlammlawine lösen und das darunterliegende Wohngebiet im Flibachdelta zerstören könnte. Wie der Gemeindeammann von Weesen am Montag nachmittag mitteilte, mussten über das verlängerte Wochenende rund 400 Einwohner aus rund 100 Wohnhäusern vorsorglich evakuiert werden. Damit befinden sich keine Personen mehr innerhalb der Gefahrenzone. Diese erstreckt sich über das Gemeindegebiet von Amden und Weesen.
Am Pfingstmontag haben um die Mittagszeit neue Rutschungen den Flibach mit Schlamm, Geröll und zertrümmerten Bäumen weiter aufgefüllt. In der Folge ist der Bach stellenweise über die Ufer getreten und hat an zwei Häusern im evakuierten Gebiet grössere Schäden angerichtet. Nach Zollers Worten versuchen örtliche Feuerwehr- und Zivilschutzkräfte sowie Mannschaften der Katastrophenhilfe St. Gallen rund um die Uhr mit Baumaschinen das Bachbett des Flibachs von den Schuttmassen zu befreien, so dass sich der Bach ungehindert in den Walensee ergiessen kann.
Laut Zoller versuchen die Hilfsmannschaften mit allen Kräften zu verhindern, dass sich der Flibach an der aufgefüllten Stelle staut. Solange kein grösserer Rückstau entstehe, könne das Gewässer die Geröll- und Schlammassen in den Walensee verfrachten, ohne grösseren Schaden anzurichten. Die Strasse von Weesen hinauf nach Amden wurde für den Verkehr zunächst gesperrt, später aber wieder für kurze Zeitabschnitte geöffnet. Die Zufahrt ins Dorf Weesen ist nur Einheimischen gestattet.
der Bericht in e-newspaperarchives
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 117, 25. Mai 1999
Zürichsee-Spiegel auf historischem Höchststand. Erdrutsche und Überschwemmungen an verschiedenen Orten der Region. Andauernde Gefahrensituation am Linthkanal pem. Auch zehn Tage nach dem Überschreiten der Hochwassermarke ist im Linthgebiet die Gefahr eines Dammbruchs noch immer nicht vollständig gebannt. Zivilschutzmannschaften haben über die Pfingsttage an den kritischen Stellen des Linthdammes Ausbesserungen vorgenommen. Zur Stärkung der Wälle wurden Geröll und schwere Steinblöcke abgelagert.
Nach Angaben des interkantonalen Führungsstabes vom Montag sinkt der Wasserpegel der Linth derzeit um etwa 1 Zentimeter pro Stunde. Die Gemeinden des Linthgebietes haben inzwischen beim Bund energisch interveniert und eine durchgreifende Gesamtsanierung des Linthkanals verlangt. In der Resolution zuhanden der eidgenössischen Linthkommission zeigten sie sich skeptisch gegenüber Stimmen, die einer Umwandlung des Linthgebietes in eine Auenlandschaft das Wort reden. Die Sanierung habe sich am Escherschen Konzept zu orientieren, das die Menschen in der Linthebene während 200 Jahren vor Hochwasser geschützt habe. In Bem hatten letzte Woche Vertreter verschiedener Bundesämter eine Sanierung des Dammes in Aussicht gestellt. Ein Zeitplan wurde indes nicht vorgelegt.
Wieder Katastrophenalarm an der Thur asp. Bei anhaltenden Regenfällen in der Ostschweiz hat die Thur bei Andelfingen am Samstag um 15 Uhr den Höchststand erreicht. Der Pegel lag jedoch um etwa 60 cm tiefer als beim Hochwasser vom 15. Mai. Angesichts der unsicheren Lage wurde der Thur-Krisenstab unter Leitung des Winterthurer Statthalters Peter Rubin am Freitagabend um 21 Uhr 30 erneut alarmiert.
Durch Polizeipatrouillen wurde am Pfingstwochenende das Vorland der Thur nach Zeltlern abgesucht, wobei einige Unentwegte auf das bevorstehende Hochwasser aufmerksam gemacht werden mussten. Die Lage spitzte sich am Samstag um die Mittagszeit in Flaach vor allem wegen des viel Wasser führenden Rheins zu. Die Feuerwehr verstärkte den Thurdamm an kritischen Stellen erneut. Auf der Höhe des Restaurants Ziegelhütte musste zudem der Damm des Flaacherbaches zum Rhein aufgeschüttet werden, weil das Wasser das Pumpwerk der NOK gefährdete. Bereits am Freitag wurden zusätzliche mobile Pumpen eingesetzt, um das Wasser des Binnenkanals in den Rhein abzuführen.
Die Rüdlinger Rheinbrücke wurde sicherheitshalber bis am frühen Sonntagnachmittag gesperrt. Noch länger nicht passierbar ist auch für Fussgänger – die dem Verbot jedoch kaum Beachtung schenkten – die Thurbrücke nach Eilikon an Rhein, weil das vorangegangene Hochwasser einen Brückenpfeiler freigespült hatte.
Hochgehender Rhein Die Strassen im Dorfkern von Ellikon wurden vom hochgehenden Rhein trotz dem grossen Einsatz der Feuerwehr erneut überflutet; viele Keller stehen nach wie vor unter Wasser, weil ständig Grundwasser einfliesst. Gestern Montag nachmittag konnte das kleine Dorf dank gesunkenem Rheinpegel aber wieder begangen werden. Nachdem das Wasser der Thur bis zum Sonntag nachmittag um rund 2,4 Meter gefallen war, konnte unterhalb der Altemer Brücke beobachtet werden, wie sehr die Gewalten der Fluten das ihnen freigegebene Ufer umgestaltet haben.
Trinkwasserverschmutzung rechts der Limmat. ege. Das Hochwasser der Limmat hat in der Nacht auf Pfingstsamstag das Pumpwerk Schanzen der Gruppenwasserversorgung Geroldswil-Oetwil-Weiningen überflutet und eine Verschmutzung des Trinkwassers verursacht. In allen drei Gemeinden wurde die Bevölkerung umgehend mit Megaphonen und später mit Flugblättern darauf aufmerksam gemacht, dass Wasser zum Trinken, Kochen und Zähneputzen bis auf weiteres unbedingt abzukochen sei. Die öffentlichen Brunnen wurden mit der Warnung «Kein Trinkwasser» versehen. Da die Grundwasserpumpen ausser Betrieb gesetzt werden mussten, ist die Bevölkerung angehalten, mit Wasser sparsam umzugehen.
Ein Versorgungsnotstand besteht indessen nicht. Weiter gelangte der Krisenstab an die lokalen Ladengeschäfte, um sicherzustellen, dass ein genügender Vorrat an Mineralwasser vorhanden ist. Nach Auskunft der Behörden ist die Warnung in allen drei Gemeinden mehrheitlich ruhig aufgenommen worden, die Nottelefone wurden von verunsicherten Personen in Anspruch genommen.
Um den effektiven Grad der Verschmutzung festzustellen, sind für die bakteriologischen Untersuchungen drei Tage notwendig. Da das Kantonale Labor über Pfingsten geschlossen blieb und auch kein Pikettdienst- zur Verfügung stand, hat die Gruppenwasserversorgung ein privates Labor in Schlieren, das am Pfingstsamstag für einen Einsatz bereit war, mit der Analyse von Wasserproben beauftragt. Erste Zwischenresultate ergaben am Pfingstmontag, dass die gesetzlichen Werte, die an die Trinkwasserqualität gestellt werden, nicht erfüllt sind. Weitere Resultate werden heute Dienstag erwartet. Auch das Kantonale Labor wird am Dienstag bakteriologische Analysen vornehmen.
Die Behörden werden die Bevölkerung der drei Gemeinden über den Stand der Verschmutzung auf dem laufenden halten. Bis eine anders lautende Meldung erfolgt, muss das Wasser zum Kochen und Trinken abgekocht werden. Keine Probleme bestehen bei der äusseren Verwendung von Leitungswasser zum Waschen und Duschen.
der Bericht in e-newspaperarchives
Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

