Auf dieser Seite
- Welches Volumen hatte der Bergsturz?
- Auf welcher Fläche breiteten sich die Sturzmassen aus?
- Wie verlief der Bergsturz?
- Welche Geschwindigkeit hatte der sich ausbreitende Bergsturz?
- Wie beeinflusste der Tschierva-Gletscher die Ausbreitung des Bergsturzes?
- Welche Auswirkungen hatte das Ereignis?
- Wurde die Erschütterung des Bergsturzes auch in grösserer Distanz wahrgenommen?
- Gab es Vorzeichen?
- Sind Berg- und Felsstürze im Gebiet des Piz Scerscen häufig?
Welches Volumen hatte der Bergsturz?
Das Ausbruchvolumen betrug 5.5 Millionen m3, das Ablagerungsvolumen 7.3 Millionen m3.
Nebst der zertrümmerten Felsmasse und dem Gletschereis bestanden die Ablagerungen zudem aus ca. 4.5 Mio. m3 mitgerissenem Schnee (Die Schneedecke war zum Zeitpunkt des Ereignisses ca. 2 bis 3 Meter mächtig).

Auf welcher Fläche breiteten sich die Sturzmassen aus?
Die Gesamtfläche betrug rund 2.3 Millionen m2.
Wie verlief der Bergsturz?
Fels und Gletschereis lösten sich, stürzten auf den darunter liegenden Vadret da Tschierva und rissen in der Sturzbahn eine dicke Schneedecke und grosse Mengen Gletschereis mit sich. Dieses Gemisch aus Gestein, Eis und Schnee floss über das Gletscherplateau, durch die darunterliegenden Eisfälle und zwischen den Seitenmoränen des Gletschers hinunter. Auf rund 2100 m ü. M., fast 6 Kilometer weit vom Anriss entfernt, lagerte sich das Gemisch im Val Roseg ab.
Welche Geschwindigkeit hatte der sich ausbreitende Bergsturz?

Unmittelbar nach dem Abbruch erreichte der Bergsturz Geschwindigkeiten von rund 250 km/h (70 m/s), wurde aber rasch langsamer. Im unteren Hang in der Nähe des Eisfalls (schwarze Ellipse) erreichte er Geschwindigkeiten in der Grössenordnung von von 180 km/h (50 m/s).
Wie beeinflusste der Tschierva-Gletscher die Ausbreitung des Bergsturzes?
Durch das Gletschereis und den Schnee wurde die Reichweite des Bergsturzes vergrössert. Der Grund dafür: Durch die Reibung des abstürzenden Gesteins entstand Wärme. Diese liess das Gletschereis und den Schnee schmelzen. So konnte der Trümmerstrom besonders gut gleiten. Möglicherweise kam es auch zu einer spontanen Verflüssigung durch mechanische Zerkleinerung. Hätte sich der Bergsturz im Sommer ereignet und wäre er nicht auf einen Gletscher gestürzt, hätte er sich längst nicht so weit ausbreiten können.
Welche Auswirkungen hatte das Ereignis?
Das Ereignis forderte glücklicherweise keine Opfer und verursachte keine Schäden an Infrastrukturen (Strassen, Brücken, usw.).
Wurde die Erschütterung des Bergsturzes auch in grösserer Distanz wahrgenommen?
Ja. Die Erschütterungen des Bergsturzes wurden in der ganzen Schweiz von den Seismometern des Schweizerischen Erdbebendienstes aufgezeichnet. Aufgrund dieser Aufzeichnungen errechnete der Erdbebendienst eine Magnitude von 2.5.

Gab es Vorzeichen?
Die erste Vorsturz-Aktivität wurde im September 2021 entdeckt, die darauffolgende Sturzaktivität neun Monate später. Die höchste Konzentration an Ereignissen gab es 2023 im Juni und Oktober.
In den Wochen vor dem Hauptereignis wurde keine starke Vorsturzaktivität festgestellt. In den sechs Tagen vor dem Sturz wurde eine geringe Aktivität (Steinschlag) im nördlichen Bereich des späteren Anrisses festgestellt, aus dem sich auch der Vorsturz am 15. Oktober 2023 gelöst hatte. Abgesehen von einem Ereignis am 15. Oktober 2023 waren die Ablagerungen der Vorstürze maximal 500 m lang und drangen am Gletscher bis maximal 3100 m ü. M. vor.
Der Vorsturz vom 15. Oktober 2023 breitete sich über einen Kilometer weit bis auf eine Höhe von etwa 2900 m ü. M. aus. Seine Ablagerungen breiteten sich über 500 Meter weit aus.
Sind Berg- und Felsstürze im Gebiet des Piz Scerscen häufig?
Seit 1983 ereigneten sich im Gebiet des Piz Scerscen fünf grosse Felsstürze:
- Piz Scerscen, Aug. 1983, Volumen unbekannt
- Piz Morteratsch, 29.10.1988, 300’000 m3
- Aguagliouls/Piz Roseg, 30.1.2021, 90’000 m3
- Piz Umur, Jan/Feb. 2023, 516’000 m3
- Piz Scerscen, 15.10.2023, ca. 500’000 m3
Sie fanden alle in der gleichen geologischen Gesteinseinheit statt.
Quellen
- Pierhöfer, L. et al.: Bergsturz vom 14. April 2024 am Piz Scerscen, Graubünden. SLF-Ereignisanalyse. Davos, 16. August 2024 download
- Gemeinde Samedan: Piz Scerscen: Beurteilung der Situation und Massnahmen nach dem Bergsturz. 18. Juni 2024 download
Gemeinde Samedan: Gefährdung im Gebiet Val Roseg nach Bergsturz. Gemeindevorstand Samedan, Samedan, 17. Juni 2024. download
- Schweizerischer Bergführerverband: Berninagebiet / Bergsturz am Piz Scerscen. 2024
Links
The Landslide Blog: Images of the 14 April 2024 Piz Scerscen rock avalanche in Switzerland
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann


