Auf dieser Seite
- Welches Volumen hatten die Bergstürze?
- Wie lange dauerten die Bergstürze?
- Kam es zu Nachstürzen?
- Zu welchen Auswirkungen führten die Bergstürze?
- Mit welchen Gefahren waren die Bergsturzablagerungen verbunden?
- Wie ging man mit den Gefahren um?
- Warum kam es zu den Bergstürzen?
- Was löste die Bergstürze aus?
- War bei den Bergstürzen Permafrost im Spiel?
- Gab es am Zuetriibistock schon früher Bergstürze?
- Anhang: Medienberichte zum Ereignis
Welches Volumen hatten die Bergstürze?
- Beim ersten Bergsturz am 24. Januar lösten sich am Zuetriibistock rund 0.47 Mio. m3 Fels. Die Ablagerungen beliefen sich auf circa 0.75 Mio. m3.
- Beim zweiten Bergsturz vom 3. März 1996 stürzten rund 1.75 Mio. m3 Fels ins Tal. Volumen der Ablagerungen: rund 2.2 Mio. m3.
- Fazit: Insgesamt stürzten 2.22 Mio. m3 Fels ins Tal und führten zu Ablagerungen von 2.95 Mio. m3.
- Die Ablagerungen waren rund 700 m breit und teilweise mehr als 40 Meter mächtig.

Orange: Ausbruchsnische. Gelb und Rot: Ausbreitung des Bergsturzes / Bergsturzablagerungen. Unten links das Ausgleichsbecken der Kraftwerke Linth-Limmern; unten rechts der durch die Bergsturzablagerungen aufgestaute See. In der Bildmitte der künstlich erstellte Kanal, mit dem man den aufgestauten See entleerte. Die Eintragungen in dieser Karte erheben keinen Anspruch auf wissenschaftliche Exaktheit. © Hintergrundkarte: swisstopo digitales Höhenmodell swissALTI3D.
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Ausbrüche und Ablagerungen der Bergstürze. Quelle: Keusen, Hans Rudolf: Die Bergstürze auf der Sandalp 1996. Risikobeurteilung und Gefahrenmanagement.
Wie lange dauerten die Bergstürze?
Bei beiden Bergstürzen dauerte es rund 60 bis 80 Sekunden, bis das abstürzende Felsmaterial den Boden erreicht und sich abgelagert hatte. Dies weiss man so genau, weil der Aufprall der abstürzenden Felsmassen auf dem Talboden von verschiedenen seismischen Stationen des Schweizerischen Erdbebendienstes (SED) registriert wurde.
Kam es zu Nachstürzen?
Ja. Nach den Bergstürzen ereigneten sich immer wieder kleinere Felsstürze und Blockstürze. So ging beispielsweise am 24. Januar 1996 aus einer – nördlich an das Bergsturz-Ausbruchsgebiet angrenzenden – Felswand ein Felssturz nieder. Dieser hatte ein Volumen von rund 0.5 Mio. m3.
Zu welchen Auswirkungen führten die Bergstürze?
Auf 1316.9 m.ü.M. unterbrachen die Bergsturzablagerungen den Abfluss der umgebenden Bäche. Weil die Ablagerungen nur eine geringe Wasserdurchlässigkeit aufwiesen, stauten sie einen See auf.
Als im Juli 1996 Starkregen fiel, überlief der Stausee ins benachbarte Ausgleichsbecken der Kraftwerke Linth-Limmern. Im weiteren wurden Gebäude der Vorderen Sandalp zerstört.

Schuttkegel der Sandalpbergstürze von Westen. Seeaufstau infolge des Starkregens vom Juli 1886. Links der Bildmitte das Ausgleichsbecken der Kraftwerke Linth-Limmern; unmittelbar rechts davon der durch die Bergsturzablagerungen gestaute See. Photo Th. Rageth. Quelle: Keusen, Hans Rudolf: Die Bergstürze auf der Sandalp 1996. Risikobeurteilung und Gefahrenmanagement
Mit welchen Gefahren waren die Bergsturzablagerungen verbunden?
Bei einer Risikobeurteilung zeigte sich, dass zwei Szenarien möglich waren. Beide Szenarien hätten eine Flutwelle ausgelöst, die im Tal zu verheerenden Auswirkungen geführt hätte.
- Szenario 1 Der durch die Bergsturzablagerungen gestaute See läuft über und leert sich rasch, indem sich das ausfliessende Wasser in die Ablagerungen eintieft.
- Szenario 2 In den durch die Bergsturzablagerungen gestauten See geht ein weiterer Bergsturz nieder.
Wie ging man mit den Gefahren um?
Wichtigstes Element des Gefahrenmanagements war die Erstellung eines Kanals durch den Damm. Damit konnte man einen Aufstau eines Sees, ein katastrophales Auslaufen und eine Flutwelle im Tal verhindern. Am Gegenhang realisierte man – als sicheren Zugang zur Sandalp – eine neue Wegführung.
Warum kam es zu den Bergstürzen?
In den massigen Gesteinen der Zuetriibistocks gibt es markante Trennflächen. Diese haben auf eine Felsmasse eine stark durchtrennende Wirkung (zB Kluftsysteme). Und sie sind ungünstig ausgerichtet (zB Schichtflächen resp. Schieferungsflächen, die steil gegen das Tal abfallen).
Am Zutriibistock bestimmen im Wesentlichen diese natürlich vorkommenden Trennflächen, wo sich eine Felsmasse bevorzugt löst, welche Grösse und Form sie hat und in welche Richtung sie abbricht.

Was löste die Bergstürze aus?
In Trennflächen kann in vielen Fällen Wasser eindringen – manchmal mehr, manchmal weniger. So war es auch bei den Bergstürzen von Sandalp.
Geologen, welche die Bergstürze untersuchten, vermuten, dass in ein für die Stabilität des Gebirges wichtiges Kluftsystem Schmelzwasser einsickerte – bereits lange vor dem Sturzereignis. In diesem Kluftsystem baute sich zunehmend Wasserdruck auf. Dieser schwächte den Zusammenhalt der von den Klüften durchzogenen Felsmassen so sehr, dass diese den Halt verloren. Schlussendlich lösten sich die hohen und schmalen Felsmassen durch eine Kombination von Gleiten und Kippen vom Gebirge los.
War bei den Bergstürzen Permafrost im Spiel?
Nach Ansicht der untersuchenden Geologen bestand zwischen den Bergstürzen und Permafrost kein unmittelbarer Zusammenhang.
Gab es am Zuetriibistock schon früher Bergstürze?
Ja. Schon in der Vergangenheit lösten sich aus der Ostwand des Zuetriibistockes Bergstürze. Wann die Ereignisse stattfanden, ist jedoch nicht bekannt. Die einstigen Bergstürze schütteten den Talboden der Sandalp um mindestens 15 Meter auf und führten zu einem Rückstau des Sandbaches. Dadurch kam es zu Schuttablagerungen bis auf die Höhe der heutigen Sandalp.
Quelle
Keusen, Hans Rudolf: Die Bergstürze auf der Sandalp 1996. Risikobeurteilung und Gefahrenmanagement. Bulletin für angewandte Geologie, Vol. 3, 1998. download
Literatur
- Wildi, W. & Pfiffner, O.A., 2025, Auf den Spuren folgenschwerer Naturereignisse in der Schweiz – Mit 25 geologischen Exkursionen. Haupt Verlag, Bern.
Anhang: Medienberichte zum Ereignis
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 22, 27. Januar 1996
Felssturz im Tödi-Gebiet. Mehrere hunderttausend Kubikmeter in der Nähe von Stausee niedergegangen. Linthal, 26. Jan. (ap). Ein Felssturz von einigen hunderttausend Kubikmetern ist Mitte Woche beim Ausgleichsbecken eines Stausees im Tödi-Gebiet (GL) niedergegangen. Personen kamen keine zu Schaden. Der Berg ist weiter in Bewegung, wie ein Experte am Freitag sagte. Hinter dem Schuttkegel ist ein Wasserrückstau zu befürchten.
Der Felssturz ereignete sich bereits am vergangenen Mittwochmorgen um 9 Uhr und wurde vom Schweizerischen Erdbebendienst mit einer ungefähren Stärke von 3,4 auf der Richter-Skala registriert. Das Kalkgestein brach auf einer Höhe von rund 2000 Metern unterhalb des «Zutribistocks» ab und stürzte auf die dem Tödi vorgelagerte Sandalp auf 1300 Metern über Meer. Ein Schuttkegel mit einem Ausmass von 70 000 bis 90 000 Kubikmetern kam etwa 300 Meter neben das Ausgleichsbecken des Stausees Limmem zu liegen.
Der Schuttkegel dürfte nun den Sandalpbach stauen. Wie der zuständige Kreisförster auf Anfrage erklärte, führt der Bach zurzeit zwar kein Wasser. Bei starken Regenfällen, spätestens aber im Mai, werde es wahrscheinlich zu einer Stauung kommen; das Ausgleichsbecken der Kraftwerk Linth-Limmern AG könnte überflutet werden und wäre dann nicht mehr benutzbar. Auch die Sandalp könnte überschwemmt werden. Zurzeit seien Spezialisten mit einer Lageanalyse beschäftigt. Die Gefahr kleinerer Felsstürze bestehe weiterhin, der Berg sei nach wie vor unruhig. Um das genaue Ausmass der Lage abzuklären, werde am Montag ein Geologe die Anrissfläche des Felssturzes von etwa 20 000 Quadratmetern Grösse per Helikopter untersuchen. Das kantonale Forstamt und das Tiefbauamt zogen auch Experten des Bundesamtes für Wasserwirtschaft zu. Eine erste Begehung des Gebietes fand bereits am Donnerstag statt.
Als der Felssturz niederging, waren etwa 2,5 Kilometer neben dem Abbruchgebiet zwei Forstleute an der Arbeit. Sie hörten den Lärm; kurz darauf ging eine Staubwolke auf sie nieder. Sie schlugen kurze Zeit später Alarm. Fast gleichzeitig telefonierten Experten des Bundesamtes für Wasserwirtschaft aus Bem nach Linthal. In der Mauer des Stausees Limmern, der etwa acht Kilometer vom Abbruchgebiet entfernt ist, hatte ein Seismograph die Erschütterung registriert und automatisch nach Bem gemeldet.
der Bericht in e-newspaperarchives
Thuner Tagblatt, Band 120, Nummer 22, 27. Januar 1996
Felslawine donnerte auf Alp nieder. Glarner Alpen: Nach dem Bergsturz droht eine Überschwemmung. (sda) Felsbrocken bis zur Grösse eines Einfamilienhauses sind am Donnerstag vormittag im Glarner Linthal auf eine Alp hinunter gedonnert. Alles, was ihnen im Weg stand, wurde zertrümmert. Am Montag soll ein Geologe feststellen, ob weitere Abbrüche drohen.
Die mehreren hunderttausend Kubikmeter Felsmassen verschütteten zwischen den Alpen Vordersand und Hintersand eine Fläche von rund 90 000 Quadratmetern, wie der Glarner Kreisforstingenieur Thomas Rageth gestern auf Anfrage eine Meldung in den «Glarner Nachrichten» bestätigte. Der Sandbach wurde 40 Meter tief begraben, auf der rechten Talseite reichen die Ablagerungen bis auf die Alpstrasse hinauf.
Finanziell sei der Schaden nicht sehr hoch, sagte Rageth, da der Bergsturz nicht auf bebautes Gebiet, sondern auf eine Alp niedergegangen war. Immerhin wurden zwei Jagdhäuschen und rund drei Hektar Wald völlig zerstört. Starke Beschädigungen erlitten zudem ein drittes Jagdhäuschen sowie Hütte und Stall der Alp Vordersand. Nach dem Bergsturz blieben Schneefelder, Wald, Strassen und Bäche in einer weiten Umgebung von einer dicken Staubschicht überdeckt.
Nach Ansicht der Fachleute drohen nun zwei Gefahren: Erstens kann der verschüttete Sandbach nicht mehr ablaufen. Er könnte die Alp Hintersand überschwemmen und auch den nahen Speichersee der Kraftwerke Linth Limmern samt Anlagen überfluten. Zudem ist es möglich, dass weitere Abbrüche folgen. Dieses Risiko wird am Montag ein Geologe abzuklären versuchen. Vorerst bleibe aus Sicherheitsgründen die Strasse ins Bergsturzgebiet gesperrt, sagte Rageth. Immer wieder kollere nämlich nach wie vor Geröll zu Tal.
der Bericht in e-newspaperarchives
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 55, 6. März 1996
Erneuter Felssturz im Tödi-Gebiet. Bis zu einer Million Kubikmeter Gestein Glarus, 5. März, (ap) Im Tödi-Gebiet ist am Zuetribistock zum zweitenmal innert sechs Wochen ein riesiger Felssturz niedergegangen, und zwar am vergangenen Sonntag um 19 Uhr 30, wie der Kreisförster Thomas Rageth am Dienstag erklärte. Zwischen 500 000 und 1 Million Kubikmeter Gestein, darunter Würfel mit einer Seitenlänge von 20 Metern, stürzten auf die auf 1300 Metern Höhe gelegene Hinter-Sandalp. Der Abriss lag dabei erneut am Zuetribistock auf ungefähr 2000 Metern über Meer, und zwar südlich direkt an die Abrissstelle vom vergangenen 24. Januar anschliessend.
Der Felssturz ging damit bereits näher bei den Stauanlagen der Sandalp nieder, beschädigte diese aber auch diesmal nicht. Der Felssturz zerstörte laut Rageth ein Alpgebäude und einen Stall auf der Sandalp sowie rund 50 Hektar Wald und Alpweiden. Die Schadenhöhe war zunächst nicht geklärt. Hinter dem Schuttkegel staut sich nun der Sandalpbach. Er wird bei Schneeschmelze das Ausgleichsbecken der dortigen Stauanlage mit grosser Wahrscheinlichkeit überfluten. Im Ablagerungsgebiet überdecken die Felsmassen des zweiten Sturzes das Geröll des ersten vollständig.
Damals waren mehrere hunderttausend Kubikmeter Fels abgebrochen, zwei- bis dreimal weniger als beim jüngsten Fall. Ein dritter Felssturz ist nicht ausgeschlossen. Wie Rageth sagte, war der Felssturz am Sonntag abend unbeobachtet niedergegangen. Geologen wagten sich dann am Montag erstmals ins Gebiet. Auch am Dienstag waren wieder Spezialisten im Gelände. Wie sich herausstellte, ist das Abrissgebiet weiterhin stark lebendig.
Wenn der Fels noch weiter südlich abbricht und es zu einem dritten Sturz kommt, werden laut Rageth das Ausgleichsbecken, ein Maschinenhaus sowie ein Alpgebäude und ein weiterer Stall voraussichtlich zerstört werden. Vorkehrungen gegen das Naturereignis seien praktisch ausgeschlossen. Auch der Rückstau hinter dem Schuttkegel werde nicht zu verhindern sein. Der Kreisförster forderte im weiteren alle Tourenskifahrer dazu auf, das Gebiet auf dem Weg zur Fridolinshütte zu meiden.
der Bericht in e-newspaperarchives
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 234, 9. Oktober 1997
Erneut Felssturzgefahr im Tödigebiet. Linthal, 8. Okt. (ap) Nach über einjähriger Ruhe hat sich im Tödigebiet die Felssturzgefahr wieder akut verschärft. Über der Linthaler Sandalp kann ein Felspaket von bis zu 100 000 Kubikmetern jederzeit abbrechen, wie das Kantonsforstamt Glarus am Mittwoch bekanntgab. Anfang 1996 waren über drei Millionen Kubikmeter Fels abgestürzt.
Anfang September seien die Steinschläge intensiver geworden, schreibt das Forstamt. Ende September sei es dann zu zwei grösseren Abbrüchen von einigen zehntausend Kubikmetern gekommen. Abklärungen an Ort und Stelle hätten ergeben, dass die Abbrüche aus der Abbruchzone des zweiten Bergsturzes stammten. Die Geologen hätten im weiteren festgestellt, dass ein grosses, keilförmiges Felspaket, welches auf einer Scherfläche liegt, neu von mehreren Rissen durchzogen sei. Dieses Paket habe einen Umfang von 50 000 bis 100 000 Kubikmetern und könne jederzeit – innert weniger Tage oder innert Jahren – abbrechen. Der Felsbrocken sei von der Felswand bereits stark gelöst.
Unsicher ist laut dem Forstamt, ob die Felsmasse als Ganzes oder weiterhin paketweise ins Tal stürzen wird. Bei diesen Abbrüchen sei in erster Linie ein Scheitelkanal gefährdet, der zur Entleerung eines kleinen Sees nach den beiden Felsstürzen vor mehr als einem Jahr gebaut wurde. Der Aufenthalt in diesem Bereich sei lebensgefährlich. Bedingt gefährdet sei zurzeit die Strasse Vordersand-Hintersand, an welcher auch ein Wanderweg entlangführt. Das Risiko sei hier aber mit normalen Gefahren im Gebirge vergleichbar, daher bleibe dieser wichtige und beliebte Zugang zu den Tourengebieten rings um den Tödi vorläufig offen.
Ende Januar und Anfang März 1996 war in zwei Stürzen eine Felsmasse von insgesamt rund drei Millionen Kubikmetern vom Zuetribistock auf die Sandalp gestürzt. Beim ersten Ereignis gingen fast 100 000 Kubikmeter Fels etwa 300 Meter neben dem Ausgleichsbecken des Stausees Limmem nieder. Beim zweiten Felssturz wurden zwei Gebäude und 50 Hektaren Wald sowie eine Alpweide verschüttet.
der Bericht in e-newspaperarchives
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann


