Erdbeben 1504 · GR

Das Erdbeben in der Region Ardez, 1504

Wo (Epizentrum): Region Ardez Magnitude: 5.4 Stärkste Auswirkung (Intensität) des Erdbebens (im Epizentralgebiet): VII Intensität VII bedeutet: Die meisten Personen in Gebäuden erschrecken und flüchten nach draussen. Möbel verrutschen und v

Wo (Epizentrum): Region Ardez

Magnitude: 5.4

Stärkste Auswirkung (Intensität) des Erdbebens (im Epizentralgebiet): VII

Intensität VII bedeutet: Die meisten Personen in Gebäuden erschrecken und flüchten nach draussen. Möbel verrutschen und viele Gegenstände fallen aus Regalen und offenen Schränken. Viele normale Gebäude werden beschädigt, so etwa durch Mauerrisse und teilweise einstürzende Kamine. zur Intensitätsskala

Zu welchen Auswirkungen führte das Beben?

In den Jahren 1573 bis 1576 verfasste Ulrich Campell eine mehrbändige Publikation mit dem Titel «Rätische Geschichte». Im siebten Band, den «Topographien des Curischen Raetiens», berichtet er von einem Turm in Ardez, der im März 1504 angeblich aufgrund eines Erdbebens zerstört worden sein soll, wobei fünf Menschen zu Tode gekommen sind:

«Turris autem illa olim anno salutis 1504 mense martio, terrae motu concussa corruit, ubi majori ex parte eversa homines quinque in illa peremit, nempe Notinum Scheckium cum duabus filiabus et nepote et nepte ex fratre Balthasare. Circa quod tempus in Ingadina eodem die tredecies März 1504 (alii affirmant decies septies) terra ingenti cum hominum horrore necnon stupore mota contremuit.» [«Im Jahre 1504 im März wurde in Ardez ein Turm durch ein Erdbeben zerstört, fünf Menschen wurden darin getötet (Aufzählung der Getöteten). Ungefähr zu dieser Zeit wurden im Engadin auch dreizehn (andere sagen siebzehn) starke Beben verspürt, die Angst und Staunen verursachten.»] (Campell, 1884, S. 184).

Der Bericht Campells ist die älteste Abschrift einer unbekannten Quelle zu diesem Ereignis. Alle später erschienenen Beschreibungen gehen direkt oder indirekt auf Campell zurück.

Campell wurde um 1510 geboren, war also nicht Augenzeuge des Erdbebens. Da er keine Angaben zur Herkunft der Informationen machte, sind weder die Zuverlässigkeit des unbekannten Originals noch der Zusammenhang zwischen dem Einsturz und einem möglichen Beben bekannt. Die Tatsache, dass sich offensichtlich Menschen im Turm aufhielten, weist zwar darauf hin, dass dieser in nicht allzu schlechtem Zustand gewesen sein kann. Andererseits wissen wir nicht, wie hoch er war.

Wurde effektiv ein gut erhaltener Turm durch ein Erdbeben zerstört, kann man davon ausgehen, dass es sich um ein relativ starkes Ereignis gehandelt haben muss. In diesem Fall wären aber weitere zeitgenössische Quellen, auch aus entfernteren Gebieten, zu erwarten, zumal die Schriftlichkeit nach 1500 im zentraleuropäischen Raum im Zunehmen begriffen war. Solange keine weiteren Berichte bekannt sind, kann das Erdbeben deshalb nicht als gesichert bezeichnet werden. Denn von einem historisch gesicherten Erdbeben kann erst dann ausgegangen werden, wenn mindestens zwei bis drei unabhängige Augenzeugenberichte vorliegen, die zeitlich übereinstimmen.

Diese Karte zeigt, wo das Beben welche Auswirkungen (Intensität) hatte.
Diese Karte zeigt, wo das Beben welche Auswirkungen (Intensität) hatte. Hier werden die Intensitätswerte erläutert. Quelle: Schweizerischer Erdbebendienst. zur interaktiven Version dieser Karte

Quellen

  • Monika Gisler, Markus Weidmann, Donat Fäh: Erdbeben in Graubünden. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Verlag Desertina, 2005
  • Schweizerischer Erdbebendienst

Literatur

Bibliographie gemäss Erdbebenkatalog ECOS-09

  • Anonymus, (1855): [Le tremblement de terre], Journal de Genève, Genève, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 776, FRg 385
  • Candreia, Jakob (1905): Zur Chronik der Erdbeben in Graubünden bis zum Jahre 1879, Bern, Wyss, Schweizerischer Erdbebendienst Zürich, ZUERICH, ohne Signatur
  • Leonhardi, G. (1878): Ün excursiun tres l’Angiadina bassa. Da Lavin ad Ardez, Fögl d’Engiadina. Feuilleton, Samedan, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, Ai 24 (1878)
  • Röder, Georg Wilhelm und Peter Conradin von Tscharner (1838): Der Kanton Graubünden, historisch, geographisch, statistisch geschildert. Ein Hand- und Hausbuch für Kantonsbürger und Reisende, St. Gallen und Bern, Huber und Companie, ETH Bibliothek Zürich, ZUERICH, KERN 1355:15
  • Der neue Sammler, ein gemeinnütziges Archiv für Bünden, Ökonomische Gesellschaft, Chur, Heft 1, 1804, Wissenschaftshistorische Sammlung ETH Zürich, ZUERICH, P 91393
  • Bündner Kalender für das Schaltjahr 1856, Chur, Zentralbibliothek Zürich, ZUERICH, Kal 1642

Links

> Erdbebenkatalog ECOS-09 (Earthquake Catalog of Switzerland 2009)

Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

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