Erdbeben 1917 · GR

Das Erdbeben in der Region Silvaplana, 1917

Wo (Epizentrum): Region Silvaplana Tiefe des Erdbebenherdes (Hypozentrum): 15 km Magnitude: 4.6 Stärkste Auswirkung (Intensität) des Erdbebens (im Epizentralgebiet): VI Intensität VI bedeutet: Wird von den meisten Personen innerhalb von Geb

Wo (Epizentrum): Region Silvaplana

Tiefe des Erdbebenherdes (Hypozentrum): 15 km

Magnitude: 4.6

Stärkste Auswirkung (Intensität) des Erdbebens (im Epizentralgebiet): VI

Intensität VI bedeutet: Wird von den meisten Personen innerhalb von Gebäuden wahrgenommen, ausserhalb von den meisten. Viele Personen in Gebäuden erschrecken und flüchten nach draussen. Kleine Gegenstände fallen herunter. Leichte Schäden an normalen Gebäuden, so etwa Risse und Ausbrüche in Verputzen. zur Intensitätsskala

Zu welchen Auswirkungen führte das Beben?

Das Beben begann am 9. Dezember 1917 um 22:41 Uhr mit einer ersten Erschütterung, die aus zwei starken Stössen bestand. Diesen folgten einige schwächere, aber deutlich verspürbare Nachstösse, die ersten um 23 Uhr desselben Tages. Zu weiteren deutlich spürbaren Nachstössen kam es am 10., 20. und 26. Dezember sowie am 24. Januar 1918.

Im Haupterschütterungsgebiet wurden die Menschen aus dem Schlaf gerissen, worauf einige die ganze Nacht durchwachten. Von verschiedenen Orten wurden kleinere Schäden gemeldet. Die Erschütterungen wurden in weiten Teilen der Ostschweiz und des Mittellandes sowie im Veltlin verspürt (vgl. Karte). Die kantonale Erdbebenwarte in Chur berichtete:

«Das von vielen Orten unseres Kantons gemeldete Erdbeben wurde vom Seismographen der Kantonsschule registriert. Beginn des Bebens Sonntag abend um 10 Uhr 40 Min 28,2 Sek., der Hauptstoss 10 Uhr 40 Min. 50,6 Sek., das Ende der Erschütterung 4 Uhr 44 Min. Weitere schwächere Erschütterungen wurden heute morgen 4 Uhr 48, 6 Uhr 39 und 11 Uhr 01 verzeichnet. Der Herd dürfte zirka 40 Kilometer südlich von Chur liegen.» (Der Freie Rätier, 11. Dezember 1917).

Abbildung zu «Das Erdbeben in der Region Silvaplana, 1917»

Diese Karte zeigt, wo das Beben welche Auswirkungen (Intensität) hatte. Im Epizentralbereich hatte es mit Intensität VI die stärksten Auswirkungen. Hier werden die Intensitätswerte erläutert. Quelle: Schweizerischer Erdbebendienst. zur interaktiven Version dieser Karte

Quellen

> Schweizerischer Erdbebendienst

> Das Silvaplana 1917 Erdbeben im Erdbebenkatalog ECOS-09 (Earthquake Catalog of Switzerland 2009)

  • Monika Gisler, Markus Weidmann, Donat Fäh: Erdbeben in Graubünden. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Verlag Desertina, 2005

Bibliographie gemäss Erdbebenkatalog ECOS-09

  • Schweizerische Erdbebenkommission (ed.), (1880-1962): Jahresberichte des Schweizerischen Erdbebendienstes, Schweizerischer Erdbebendienst Zürich, ZUERICH, ohne Signatur
  • Thurgauer Zeitung, Frauenfeld, Huber & Co, Frauenfeld, Mi, 12.12.1917, Nr.292, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1114
  • Thurgauer Zeitung, Frauenfeld, Huber & Co, Frauenfeld, Di, 11.12.1917, Nr. 291, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 1114
  • Gazetta Ticinese, Lugano, 10.12.1917, Archivio di Stato, BELLINZONA, 0/068/04B1
  • Basler Nachrichten, mit Finanz- und Handelsblatt – Intelligenzblatt der Stadt Basel – Sonntagsbeilage, Basel, Buchdruckerei z. Basler Berichthaus A.-G., Di, 11.12.1917, Nr. 617, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 766, FRg 380
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Di, 11.12.1917, Nr. 290, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Do, 13.12.1917, Nr.292, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Der freie Rätier. Bündner Nachrichten. Organ der Freisinnigen Graubündens, Chur, Rätier, Mi, 12.12.1917, Nr. 291, Schweizerische Landesbibliothek, BERN, Zf 713
  • Il Dovere, Bellinzona, 10.12.1917, Archivio di Stato, BELLINZONA, 0/068/16D1
  • Corriere del Ticino, Lugano, 10.12.1917, Archivio di Stato, BELLINZONA, 0/068/07E2
  • Engadiner Post und Anzeige-Blatt für das Ober- und Unter-Engadin, St. Moritz, Manatschal, Ebner & Cie., Mi, 12.12.1917, Kantonsbibliothek Graubünden, CHUR, Bz 100
  • La Rezia. Giornale democratico del Cantone Grigione, Grono (Mesolcina), 15.12.1917, Archivio di Stato, BELLINZONA, 0/068/01E1
  • La Cronaca Ticinese. Giornale Popolare, Locarno, A. Pedrazzini, 11.12.1917, Archivio di Stato, BELLINZONA, 0/068/03B2 (6)

Literatur

Monika Gisler, Markus Weidmann, Donat Fäh: Erdbeben in Graubünden. Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft. Verlag Desertina, 2005

Links

Erdbebenkatalog ECOS-09 (Earthquake Catalog of Switzerland 2009)

Medienberichte zum Ereignis

«Freie Rätier», 11. Dezember 1917

«Erdbeben. Das Ereignis […] hat sich offenbar im ganzen Kantonsgebiet nördlich der Alpen bemerkbar gemacht. Es liegen uns schon Berichte vor aus den verschiedensten Gegenden. Aus Schiers: Sonntag abend 1/4 11 Uhr leichtes Erdbeben, 3 Stösse, Richtung West nach Ost. Leichte Erschütterung der Häuser, Rollen vernehmbar. In Splügen wurden zwei starke rollende Stösse konstatiert, mit kräftigem «Wagengerassel». […] Grüsch: Gestern abend 10.43 Uhr erfolgten zwei starke, rasch aufeinanderfolgende Erdbebenstösse. Zimmerwände ächzten! Im Bett wurde man stark hin und her gerüttelt. Zwischen den Stössen war starkes, windähnliches Rauschen vernehmbar! Richtung: Südwest-Nordost! Weitere Meldungen kommen aus Ems (10:22).

Ja, auch das Gebiet jenseits der Alpen ist in die Erschütterung einbezogen. Man meldet uns telegraphisch aus Alp Grüm (Bernina): Letzte Nacht wurden hier zehn zum Teil starke Erdbebenstösse verspürt. Die beiden ersten und stärksten folgten sich rasch aufeinander und waren von lawinenartigem Getöse begleitet. Die Zimmerböden zitterten, als ob darunter ein Maschinengewehr abgefeuert worden wäre. Richtung Nordwest-Südost. Es war eine beängstigende Situation bei stockfinsterer Nacht.

Im Engadin dauerte die Erscheinung heute vormittag noch an, wie man folgendem Bericht aus Samaden entnehmen kann: Gestern abend 10 Uhr 40 erfolgte zuerst ein schwacher, dann ein starker Stoss, der die Häuser und das Mobiliar heftig erzittern liess, Bücher von den Gestellen warf und zuerst den Gedanken an Bombenabwürfe erzeugte. […]

Chur. […] In der Sonntagnacht 10 ¾ Uhr wurde von manchen Einwohnern ein Erdbeben von drei Stössen verspürt. Die Stärke muss je nach Stadtgegend verschieden gewesen sein. In der einen Gegend seien sogar Schlafende erschreckt worden, während in andern der Schlaf nicht gestört wurde.

Ein Churer berichtet uns noch: Wir vernahmen ein starkes Geräusch, als ob ein Zug der Arosabahn gegen das Haus fahren würde, darauf folgte eine starke Erschütterung und dieser gleich eine zweite. Die Täfer krachten, die Kinder erwachten. […]»

«Freie Rätier», 12. Dezember 1917

«Weitere Erdbeben-Berichte vom 9./10. Dez. Bergell. (Korr.) In Vicosoprano und zweifelsohne auch in den andern Gemeinden des Bergells wurden ängstlichere Gemüter Sonntag abends 10 Uhr 40 Min. durch zwei rasch sich folgende recht heftige Erdstösse erschreckt. Auch Leute mit recht gutem Schlaf erwachten.

Meine alte Schwarzwälderuhr erzitterte und ertönte, als hätte man sie stark geschüttelt. […] Schlag 11 Uhr setzte mit kurzen Intervallen eine Reihe leichterer Erschütterungen ein, und am Montag morgen 4 Uhr 40 Min. waren nochmals zwei an Heftigkeit wieder gewachsene Erdstösse wahrnehmbar, die manchem zu einer etwas frühzeitigen Tagwacht verhalfen. Hoffentlich beruhigt sich damit die gute alte Mutter Erde wieder, obschon man es ihr eigentlich schon zu gute halten muss, wenn sie angesichts der Weltereignisse gelegentlich eine Gänsehaut oder einen richtigen Schüttelfrost bekommt. […]

Münstertal. (Korr.) Sonntag abends 10 Uhr 37 wurden in St. Maria zwei rasch aufeinander folgende Erdbebenstösse verspürt. Diesen ging ein donnerähnliches Rollen voraus mit nachträglichem starkem Gekrach im Dachgebälk und in Holzwänden. Dauer etwa 2 – 3 Sekunden. Richtung Südost-Nordwest.

In Pontresina und Schuls verliessen viele Leute die Häuser und mehr als ein Riss im Gemäuer der Häuser zeugt von der Intensität der Stösse. Wiesen. Zwei schnell aufeinanderfolgende, heftige Erdstösse, Richtung Nord-Süd. Man hatte das Gefühl, als ob das ganze Gebäude in die Höhe gehoben und fortgeschoben werde.

Rheinwald. Sonntag abends, 10 Uhr 40 Min., wurden in Hinterrhein zwei ziemlich starke Erdbebenstösse bemerkt. Richtung wahrscheinlich Nord-Süd.

Nufenen: Zwei aufeinanderfolgende Stösse machten das ganze Haus erbeben. Die alten Holzwände stöhnten und krachten derart, dass ich ihren Einsturz befürchtete. Thusis konstatierte zwei zusammenhängende, ca. drei Sekunden dauernde, die Häuser merkbar erschütternde Stösse. […]

Sils i. E. (Korr.) Hier wurde in der Nacht vom Sonntag auf den Montag etwa 1/4 vor 11 Uhr ein ziemlich heftiges Erdbeben mit schwächeren und stärkeren Stössen verspürt, das sich später noch mehrmals wiederholte, so am Montag morgens 2, 5, 7 und 11 Uhr. Um 12 Uhr 15 folgte dann sogar noch ein ganz heftiger Stoss. Diese zum Teil kräftigen Erschütterungen, begleitet von starkem Rollen, wurden auch im ganzen Fextal verspürt und wirkten überaus unheimlich.

NB. Ein weiterer Bericht bestätigt das Obige und fügt bei: Die Heftigkeit einzelner Stösse war so gross, dass Gegenstände zu Boden fielen. Besonders unheimlich war das starke Knallen und das langandauernde Rollen. Viele Leute gingen auch in der Montagnacht nicht zu Bette. In der Montagnacht 2.25 wurde bis jetzt der letzte Stoss verspürt; er war noch von ziemlicher Intensität. […]

Davos: Sonntag abend zwei kräftige, rasch aufeinanderfolgende Stösse von einer Stärke, wie man sie hier nicht oft beobachtet. Voraus ging ein wellenförmiges Zittern, die Möbel fingen an zu wackeln, und in den Wänden war ein starkes, recht unheimliches Krachen vernehmbar. […]

Von ausserhalb unseres Kantons wurden Spuren des Bebens (10 Uhr 40) gemeldet aus Lugano, Zürich, Frauenfeld, Bern, Thun.

(Mitg.) Auf der Erdbebensammelstelle in Chur sind bis zur Zeit Berichte aus dem Oberengadin und Klosters i. P. eingegangen, nach denen der zweite, Sonntag nachts ca. 10 Uhr 41 Min. erfolgte Stoss im obern Inntal als von seltener Stärke empfunden wurde. In Bevers hatte man das Gefühl, wie wenn ein schweres Lastauto daherrollte, in Ponte brauste es wie von einem ungeheuren Sturm. In dieser Gegend wäre nach der Aussage alter Leute kaum je ein solch starkes Erdbeben verspürt worden. Den [unsichere Lesung] Zeitintervall vom ersten zum zweiten Stoss hat der Beobachter in Bevers zu 30 Sekunden angegeben; nach den Aufzeichnungen des Seismographen in Chur betrug er 22.4 Sekunden. […]»

Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

Videos zum Thema

Alle 12 anzeigen →

Literatur zum Thema

Weitere Ereignisse dieser Art

  • Ein Erdbeben ist ein Ereignis, das aus einem Hauptbeben sowie zahlreichen schwächeren Nachbeben besteht.

    Erdbeben 2020 · GL

    2020 Erdbebenserien Elm GL

    Wo (Epizentren): Südwestlich von Elm Auf dieser Seite Was ist eine Erdbebenserie? Wann ereignete sich die Erdbebenserien? Wo lagen die Epizentren (Erdbebenherde)…

  • Ein Erdbeben ist ein Ereignis, das aus einem Hauptbeben sowie zahlreichen schwächeren Nachbeben besteht.

    Erdbeben 2013 · SG

    2013 Geothermieprojekt St. Gallen

    Wo (Epizentrum): im nahen Umfeld der Bohrung, die für das Geothermie-Projekt abgeteuft wurde. Standort des Bohrturms: Sittertobel , St. Gallen Magnituden: zwischen…

  • Ein Erdbeben ist ein Ereignis, das aus einem Hauptbeben sowie zahlreichen schwächeren Nachbeben besteht.

    Erdbeben 2007 · GR

    2007-2009 Erdbebenserie Paspels GR

    Was ist eine Erdbebenserie?

Alle 20 anzeigen →