Wo (Epizentrum): im nahen Umfeld der Bohrung, die für das Geothermie-Projekt abgeteuft wurde. Standort des Bohrturms: Sittertobel, St. Gallen
Magnituden: zwischen -1.7 und 3.5
Auf dieser Seite
- Das Geothermieprojekt St. Gallen
- Wie überwachte der Schweizerische Erdbebendienst das Geothermie-Projekt?
- Welche Beben erfasste der Erdbebendienst im nahen Umfeld der Bohrung?
- Gibt es im Gebiet der Geothermiebohrung St. Gallen auch eine natürliche Erdbebenaktivität?
- 11. August 1771
- Zwischen 1975 und 2008
- 1990
Das Geothermieprojekt St. Gallen
Das Geothermieprojekt St. Gallen war das grösste Geothermieprojekt der Schweiz. Seine Ziele:
- Bohrungen auf eine Tiefe von 4500 Meter
- Bau eines Geothermie-Heizkraftwerks
- Ausbau des Fernwärme-Netzes.
Anfang März 2013 wurde mit den Bohrarbeiten begonnen, die rund 100 Tage dauern sollten. Zuerst wurde etwa 1000 m senkrecht gebohrt, dann in zwei Etappen weitere 3000 m seitlich ins Zielgebiet, wo in etwa 4000 m Tiefe unterhalb Abtwil 140 Grad heisses Wasser vermutet wurde. Mit der Bohrung wurde 140 bis 145 Grad heisses Wasser in bedeutenden Mengen sowie Methan in unerwartet grosser Menge und Reinheit gefunden.
Am 20. Juli 2013 um 05:30 Uhr ereignete sich in Zusammenhang mit der Bohrung ein Erdbeben mit Magnitude 3.6. Dieses war für das Geothermie-Projekt von grosser Bedeutung.
Wie überwachte der Schweizerische Erdbebendienst das Geothermie-Projekt?
- 2012 nahm er ein seismisches Netzwerk zur Überwachung des Geothermieprojekts in Betrieb – ein Jahr vor den Bohrarbeiten. Es umfasste fünf Stationen.
- Im Juni 2013 – einen Monat vor dem Beginn der hydraulischen Teststimulationen – verstärkte er das Netzwerk durch vier solarbetriebene, temporäre Stationen.
- Einen Tag nach dem Erdbeben mit Magnitude 3.6 installierte er für einen Zeitraum von zwei Monaten drei weitere Stationen.
Welche Beben erfasste der Erdbebendienst im nahen Umfeld der Bohrung?
Am 20. Juli 2013 um 05:30 Uhr erfasste er ein Erdbeben mit Magnitude 3.6.
- Tiefe des Erdbebenherdes (Hypozentrum): 4 km
- Stärkste Auswirkung (Intensität) des Erdbebens: IV
Intensität IV bedeutet: Von vielen Personen innerhalb von Gebäuden wahrnehmbar, ausserhalb nur von einigen. Manche Schlafende erwachen. Die Stärke der Erschütterungen ist nicht beängstigend. Fenster, Türen und Geschirr klappern, hängende Objekte beginnen zu schwingen. zur Intensitätsskala
- Das Beben wurde im Umkreis von rund 15 km verspürt.
- In den meisten Fällen nahmen die Betroffenen einen dumpfen Knall und einen Stoss wahr.
- Oft wurden auch zwei Stösse in kurzem Abstand (ca. 1 Sekunde) wahrgenommen.
- Lediglich eine Minderheit berichtete von verschobenen Gegenständen, klappernden Türen oder schwingenden Lampen.
- Vereinzelt gingen beim Erdbebendienst Meldungen über Risse im Verputz ein.
Dieses Erdbeben stand in direktem Zusammenhang mit den Test- und Stimulationsmassnahmen im Bohrloch. Konkret handelte es sich um Massnahmen, die eingeleitet wurden, um den am 19. Juli mittags festgestellten Gas-Wasser-Austritt aus dem Bohrloch zu bekämpfen.
Chronologie der Erdbebenaktivität
- Tage vor dem Beben mit Magnitude 3.6 wurden in der Nähe des Bohrloch-Fusspunkts zahlreiche Mikrobeben (sehr schwache Erdbeben) aufgezeichnet.
- In der Nacht vom 19. auf den 20. Juli 2013 begann die seismische Aktivität im nahen Umfeld der Bohrung zuzunehmen. Das bedeutet: die Erdbeben nahmen an Anzahl und Stärke deutlich zu. Gleichzeitig verstärkte sich der Druck im Bohrloch. Diese Druckzunahme wurde vermutlich von eindringendem Gas verursacht.
- Am 20. Juli um 02:40 Uhr ereignete sich ein Beben mit Magnitude 2.1.
- Bis am 27. August 2013 registrierte das seismische Netzwerk im nahen Umfeld des Bohrturms 622 Erdbeben mit Magnituden zwischen -1.7 und 3.5.
Gibt es im Gebiet der Geothermiebohrung St. Gallen auch eine natürliche Erdbebenaktivität?
Ja. Beispiele:
> 11. August 1771
Am 11. August 1771 ereignete sich in der Nähe von Niedersommeri (nördlich von Amriswil) das stärkste historische Beben im Grossraum St. Gallen (Magnitude 5.1).
> Zwischen 1975 und 2008
Im Zeitraum von 1975 bis 2008 zeichnete der Erdbebendienst in einem Umkreis von 20 km um den Standort des Geothermieprojektes 93 Erdbeben mit Magnituden zwischen 1.2 und 3.7 auf.
- In der Mehrheit lagen ihre Erdbebenherde in Tiefen von 0 km bis 10 km. Gewisse Beben entstanden in Tiefen von bis zu 30 km.
- Das stärkste dieser Erdbeben ereignete sich am 24. August 1996. Es hatte eine Magnitude von 3.7. Sein Erdbebenherd lag ungefähr 30 km tief unter Kirchberg.
> 1990
Typisch für die Erdbebentätigkeit der Schweiz ist unter anderem das Auftreten von Erdbeben-Serien. 1990 wurde südlich von Oberuzwil eine solche räumliche und zeitliche Anhäufung von Erdbeben ähnlicher Stärke aufgezeichnet.


Quellen
- Schweizerischer Erdbebendienst: Chronologie Erdbeben Geothermieprojekt St. Gallen. Aktuelle Seismizität. 2013. download
- Prof. Stefan Wiemer, Schweizerischer Erdbebendienst, ETH Zürich: Analysen zur induzierten Erdbebensequenz St. Gallen. 27.08. 2013. download
- Wikipedia: Geothermieprojekt St. Gallen
- Schweizerischer Erdbebendienst
Literatur
- Thomas Bloch: Das Geothermie-Projekt der Stadt St.Gallen. Geothermiekongress 2013, Essen, 14.11.2013. download
- Stadt St. Gallen: Das Geothermie-Projekt der Stadt St.Gallen: Ökologische Energie aus der Tiefe. download
- Stadt St. Gallen: Das Geothermie-Projekt der Stadt St.Gallen: Vergleich der Methoden. download
- Schweizerischer Erdbebendienst: Induzierte Erdbeben bei der Tiefengeothermie – was es zu beachten gilt. April 2020. download
- Stefan Heuberger: The St. Gallen Fault Zone: a long-lived, multiphase structure in the North Alpine Foreland Basin revealed by 3D seismic data. Swiss J Geosci (2016) 109:83–102 download
Links
- Schweizerischer Erdbebendienst
- SED: Geothermie St. Gallen
- St. Gallen – Informationsportal Tiefe Geothermie
- CSD-Ingenieure: Geothermieprojekt Stadt St. Gallen
- Das Geothermieprojekt St. Gallen in Wikipedia
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

