Felssturz 1593 · Am Vorder Glärnisch · GL

Die Felsstürze 1593 und 1594 am Glärnisch

Auf dieser Seite Wo lösten sich die Felsstürze? Welches Volumen haben die Felsstürze? Wie verlief der Felssturz von 1593? Wie verlief der Felssturz von 1594? Gab es beim Felssturz von 1594 warnende Vorzeichen? Welchen Weg nahmen die Sturzma

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Wo lösten sich die Felsstürze?

An der Nordkante des Vorderglärnisch, in der Gegend der «Drei Schwestern». Damals waren die «Drei Schwestern» drei in der Felswand vortretende Felssporne in ca. 2000 m Meerhöhe.

Welches Volumen haben die Felsstürze?

Vermutlich mehr als 100 000 m3.

Wie verlief der Felssturz von 1593?

Am 11. 11. 1593 stürzte «bei anbrechender Nacht» die mittlere der drei drei Schwestern in Richtung Norden ab. Gemäss Tschudi war dies darauf zurückzuführen, dass «ein starkes Erdbeben den Kanton Glarus und einen Teil der Schweiz» erschütterte.

Wie verlief der Felssturz von 1594?

Am 3. Juli, morgens 4 Uhr, brach die gespaltene Bergpartie des obern Bruches los. Bei ihrem Aufprall in der Gegend des sogenannten «untern Bruches» löste sich auch da noch eine grosse Partie des Berges ab, wodurch die stürzende und brechende Masse bedeutend vergrössert wurde. Durch das Ablösen des obern Bruches verlor die unterste der Drei Schwestern vollends den halt. So folgte sie unter donnerähnlichem Gekrache der andern abstürzenden Felsmassen.

Das Material, das sich aus dem obern und untern Bruch losgelöst hatte, bestand nicht nur aus Felsbruchstücken, sondern auch zu einem grossen Teil aus Schutt und Erde. Dieses Material wälzte sich wie eine Lawine den Berg hinunter. Gewaltige Blöcke wurden bis mehr als ein Kilometer weit entfernt vom Fuss der Sturzwand geworfen. Einzelne Felsblöcke bewegten sich bis in die Langrüti und die Fäncherngüter gegen den sogenannten Grat, zwei davon bis in den Gallatizaun bei Riedern.

Gab es beim Felssturz von 1594 warnende Vorzeichen?

Ja. Nach dem Felssturz von 1593 lösten sich bis Ende des Jahres und anschliessend wieder im Frühjahr 1594 beinahe täglich einzelne Steine und Felsblöcke und stürzten unter starkem Geprassel zu Tal. Auf diese Weise ging es fort bis zum 2. Juli 1594.

Am 2. Juli war am Glärnisch von morgens 7 Uhr an von Zeit zu Zeit starkes Krachen, «wie Kanonenschläge», zu hören. Einzelne Blöcke stürzten ins Tal. Man sah, dass ein Teil des Berges unterhalb der drei Schwestern in Bewegung war (dies in der ganzen Ausdehnung des so genannten «obern Bruches», der eine Länge von 1000 Fuss und eine Breite von 600 bis 800 Fuss hatte), denn man nahm das Öffnen von Spalten und das Ablösen einzelner Steine deutlich wahr.

Durch den Lärm und die Ablösungen waren die Menschen gewarnt und hatten Zeit zum Fliehen. So verliessen sie mit ihrem Vieh die unterliegenden Ställe und Weiden rechtzeitig.

Welchen Weg nahmen die Sturzmassen von 1594? Wie weit breiteten sie sich aus?

Sie stürzten durch die breite Wustruns-Nische gegen Wyden und Sack hinunter. Gewaltige Blöcke kamen erst mehr als ein Kilometer vom Fuss der Sturzwand entfernt zum Stillstand.

Welche Folgen hatte der Felssturz von 1594?

Während dem Felssturz erzitterte in Glarus und Umgebung die Erde wie bei einem Erdbeben. Nach dem Felssturz war der ganze Talkessel um Glarus herum und bis auf Mollis und Näfels hinab mit rauchartigem Staub angefüllt. Auch war die Luft von Schwefelgerüchen erfüllt, welche man tagelang deutlich wahr nahm.

Welche Auswirkungen hatte der Felssturz von 1594 auf den Oberdorfbach?

Die Hauptmasse des Felssturzes – Felsschutt und Erdmassen – verschüttete die Quellen des Oberdorfbaches vollständig. Es floss kein Wasser mehr. Neun Tage nach dem Felssturz, am 12. Juli 1594 gegen Mittag, brach das aufgestaute Wasser durch. Es schob die Schuttmasse vor sich her und riss sie mit sich fort. Ein Murgang entstand.

Dieser wälzte sich «mit fürchterlichem Getöse» durch die Wyden, die Güter Rufenen, Felder, Oberdorf und Bolen «bis ins Innere des Fleckens Glarus, überall Schrecken und Verderben bringend.»

Die von dieser Katastrophe betroffenen Güter wurden mit einer hohen Schicht aus Schutt zugedeckt. Die Überschüttung der Grundstücke erstreckte sich bis in’s Bolen und Sand und in die Hauptstrasse hinunter. In der Gegend des damaligen Friedhofes blieb die Hauptmasse liegen; das Wasser floss zu beiden Seiten ab.

Im Oberdorf wurden vier Häuser und mehrere Ställe «ganz weggestossen und vernichtet». Viele weitere Gebäude vermochten zwar dem «andringenden ungestümen» Murgang zu widerstehen; sie erlitten aber bedeutenden Schaden, indem sie «hoch hinauf mit Schutt und Schlamm eingemacht und angefüllt wurden.» Fazit: Der Murgang verursachte weit grösseren Schaden als der Felssturz selbst.

Welche Fläche bedecken die Ablagerungen der Felsstürze?

Ihr Ablagerungsgebiet ist der Schuttkegel, der sich vom Ausgange des Wustrunskessels gegen Wyden und die westlichsten Häuser von Oberdorf-Glarus vorschiebt.

Quellen

  • Tschudi (1889): Die Bergstürze am vordern Glärnisch bei Glarus in den Jahren 1593 und 1594. Jahrbuch des Historischen Vereins des Kantons Glarus. download
  • Oberholzer, J. (1933): Geologie der Glarneralpen. Beitr. geol. Karte Schweiz [N.F.] 28.download
  • Heim (1932): Bergsturz und Menschenleben. Beiblatt zur Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich. 1932 No. 20. Jahrg. 77 download

Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

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