Der Bund, Band 58, Nummer 478, 10. Oktober 1907 Ausgabe 02
Vor einigen Tagen ist am Eingang des Domleschgertales (Graubünden) bei der Ruine Nieder-Juvalt ein gewaltiger Felssturz gegen den Hinterrhein niedergegangen. Einige hundert Meter über der Talsohle, etwas oberhalb der auf schroffer Felszacke stehenden Ruine, ist ein Felskopf plötzlich vorüber in die Tiefe gestürzt.
Ein Bauer aus der Umgebung erzählte mir, dass er schon seit Monaten an jenem Felskopf handbreite Spalten bemerkt habe. Der Absturz ereignete sich dann eines Nachmittags bei vollkommen ruhigem Wetter. Viele tausend Kubikmeter Gestein stürzten plötzlich mit Donnergetöse den steilen Abhang hinunter. Die Hauptmasse staute sich ungefähr in der Mitte des Laufes. Zahlreiche Felsblöcke aber sprangen bis in das Rheinbett hinunter. Einige davon sind reichlich so gross wie Bahnwärterhäuschen.
Ein Föhrenwäldchen am Abhange wurde teilweise verwüstet. Abgeschlagene Wipfel flogen 100 Meter weit durch die Luft. Die alte Strasse, die auf der rechten Seite des Rheines durch den Vogelsang über schwindlichte Felswände nach dem Domleschg führt, wurde ein Stück weit vollständig verschüttet. Ein Glück, dass niemand in der Nähe gewesen! Von dem Felssturz stieg ein so mächtiger Rauch auf. dass man von Reichenau aus in Rotenbrunnen telefonisch anfragte, was geschehen sei. Man befürchtete zuerst ein schweres Unglück. Der angerichtete Schaden ist indes nur ganz unbedeutend.
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

