Oberegger Anzeiger, Nummer 26, 1. Juli 1910
Erdschlipf beim Bad Pfäfers. Ein Korrespondent, Dr. H., schreibt uns unterm 28. Juni vom Bad Pfäfers: Soeben komme ich von dem grossen Erdschlipf, von dem man am Abendessen sprach, zirka 20 Minuten vom Bad. Um 4 Uhr, nachmittags, löste sich, wie mir der Wegmeister erzählte, hoch oben an der jähen Felswand eine gewaltige, offenbar durch den Regen der letzten Wochen unterminierte Schiefermasse los und stürzte mit donnerähnlichem Getöse nieder, starke Bäume knickend oder entwurzelnd, ins Beet der angeschwollenen, schäumenden Tamina die Strasse auf zirka 30 Meter verschüttend.
Eine Schule von Altstätten (Rheintal), deren heller Gesang uns nachmittags ergötzt hatte, musste umkehren und über Valens, einem Bergdörflein, dessen katholischer Pfarrer jeden Sonntag in der Kapelle des Bades Gottesdienst hält, und auf einstündiger Fahrstrasse nach Ragaz heimkehren; ziemlich genau, wie wenn man von Oberegg via St. Anton und Bischofberg nach Heiden gehen müsste.
Heute abend ist nun ein Fussweg bereits gegraben, allerdings nicht für Damen, die Strasse selbst aber ist noch hoch mit Felsblöcken und Schuttmassen bedeckt. Morgen früh 4 Uhr werden Leute an Seilen zum Absturzgebiet sich begeben, um noch lockeres Gestein zu lösen, dann werden die Blöcke mit Pulver gesprengt, der Schutt weggeräumt, und dann erst kann man den Hauptschaden bessern.
Der ungeheure Druck hat nämlich die in der Tiefe der Strasse eingebaute, grosse Leitung des Quellwassers nach Ragaz zertrümmert, so dass die zahlreichen Fremden, u. a. zwei preussische Generäle, für 2—3 Tage auf die Bäder verzichten müssen.
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

