Oberländer Tagblatt, Band 43, Nummer 114, 17. Mai 1919
Der „Prättigauer Zeitung“ wird aus Fideris berichtet: Mittwoch, den 17. Mai hat ein gewaltiger Felssturz das Weiterbestehen des Bades Fideris ernstlich in Frage gestellt. Bei schönstem Wetter löste sich nachmittags ¼ 4 Uhr unter gewaltigem Krachen ein Teil des „Köchistein“ und stürzte unmittelbar ob den Gebäulichkeiten ins Tobel, dasselbe gänzlich ausfüllend und die an der Ratschitscha gelegenen Häuser und Ställe bedrohend.
Und noch ist die Gefahr nicht vorüber, denn immerfort bröckeln Gesteinsmassen herunter und bedrohen die Menschen, die retten wollen, was noch zu retten ist. Ein Augenzeuge schildert den Hergang folgendermassen:
Zwischen 3 und 4 Uhr ging ich in meinen Maiensäss, der dem Bade unmittelbar und als nächster gegenüber liegt. Plötzlich, als ich durch den Wald hinansschritt, glaubte ich ein ganz starkes Erdbeben zu verspüren und nach einer halben Stunde wieder. Selbst dem Gebaren meiner Tiere konnte ich anmerken, dass etwas nicht in Ordnung war. Dieselben waren in grosser Angst und stiessen markerschütternde Schreie aus.
Plötzlich macht ein gewaltiges Krachen den Erdboden erzittern und die Angst meiner Tiere stieg aufs höchste. Ungefähr drei Minuten nach dem Sturze fühlte ich den starken Windstoss, der vom Bad herüberkam und dem sich eine starke Staublawine bis in die obern Maiensässe nachwälzte. Nachdem sich dieselbe verzogen hatte, sah ich, dass das tiefe Tobel ob dem Bade mit Schutt und Steinen aufgefüllt war; von dem ziemlich hohen Wuhr und dem daranstehenden Klafter Holz war keine Spur mehr zu sehen.
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

