Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1142, 23. Juli 1941 Ausgabe 03
Felssturz am „Gspaltenberg“ bei Mels. Ragaz, 23. Juli. (he-Tel.) Am Mittwochmorgen um 7 Uhr 20 ereignete sich am Hagerbachtobel bei Ragnatsch ein gewaltiger Felssturz. Am Gspaltenberg entwickelte sich eine grosse Staubwolke und bald darauf stürzte eine riesige Felsmasse ins Hagertobel, das gänzlich ausgefüllt wurde. In den Vormittagsstunden lagen über dem ganzen St. Galleroberland Staubwolken.
Neue Steinmassen lösten sich den ganzen Vormittag über, und das Gebiet ist noch immer im Rutschen begriffen. Nach Aussagen von Experten umfasst die Schuttmasse viele Hunderttausende von Kubikmetern, doch kann sie noch nicht genau geschätzt werden. Der Gspaltenberg hat einen Riss erhalten und senkt sich langsam und stetig. Grösserer Schaden ist nicht entstanden. Die Bewohner der Häuser von Ragnatsch sind durch die Behörden von Mels und Flums rechtzeitig gewarnt worden und hatten schon vorher ihre Wohnstätten geräumt. Gefahr besteht nur bei einem Gewitter, indem sich dann die Schuttmassen lösen und in die bebaute Ebene vorstossen könnten.
Die Schweizerische Depeschenagentur meldet u. a., dass durch den Felssturz ein Stück Wald überschüttet wurde. Die Felsmassen erreichten beinahe die Staatsstrasse Walenstadt-Sargans. Schon seit einiger Zeit gingen fortwährend kleinere Gesteinsmassen nieder, und die Fachleute rechnen mit weiteren Abstürzen. Der Wildbach, dessen Bett durch die Absturzmassen ausgefüllt wurde, führt nur bei starken Regengüssen Wasser. Er wird sich im Falle eines Gewitters ein neues Bett suchen müssen, wodurch möglicherweise Kulturland und Bauernheimwesen gefährdet werden. An der Absturzstelle sind Beobachtungsposten aufgestellt.
Der durch den Felssturz bedrohte Ort Ragnatsch liegt ungefähr auf der Grenze der Gemeinden Flums und Mels an der Staatsstrasse Walenstadt-Sargans. Der Gspaltenberg ist 1345 Meter hoch und bildet eine Felsstufe in der Alvier-Gonzenkette, westlich vom Gonzen.
Neue Zürcher Nachrichten, Band 37, Nummer 170, 24. Juli 1941
Der Felsabsturz am Gspaltenberg: Die Bevölkerung von Ragnatsch muss ihre Wohnstätten räumen. Sargans, 23. Juli ag. Zum Felsabsturz am Gspaltenberg im Alviergebiet wird ergänzend berichtet, dass den ganzen Mittwoch über sich kleinere Gesteinsmassen lösten und zu Tale stürzten. Im Weiler Ragnatsch (Gemeinde Mels) ist die Bevölkerung zum Verlassen ihrer Wohnstätten aufgefordert worden und die Bewohner der benachbarten Gebiete haben die Weisung erhalten, die Nacht ausserhalb ihrer Heimwesen zu verbringen.
Sie haben die notwendigsten landwirtschaftlichen Geräte und das Vieh mitgenommen. Im Laufe des Tages sind a. a. der Kantonsingenieur und andere Behördevertreter im Absturzgebiet eingetroffen, um sich über den Umfang der Verwüstungen ein Bild zu machen und die nötigen Anordnungen zu treffen zum Schutze der gefährdeten Bevölkerung. Man rechnet mit einem zweiten Absturz, der nach Ansicht der Fachleute dann grösseren Umfang annähme als der erste, wodurch Kulturland und bäuerliche Heimwesen gefährdet wären.
Engadiner Post, Band 50, Nummer 83, 24. Juli 1941
Ein grosser Bergsturz ereignete sich am Mittwoch im Alviergebiet oberhalb Ragnatsch. Eine halbe Million m3 Gesteinsmaterial kam dabei zum Absturz. Mit einem zweiten noch grössern Felssturz wird gerechnet. Der Weiler Ragnatsch ist auf behördliche Weisung geräumt worden.
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1144, 24. Juli 1941
Der Bergsturz im Alviergebiet. 300 000 Kubikmeter Fels in Bewegung.
Ragnatsch, 23. Juli. (tz-Tel.) Der am Mittwochmorgen um 8 Uhr 30 erfolgte Bergsturz, der sich schon seit vierzehn Tagen durch Vorboten ankündigte, hat in die grüne Alvierkette eine talauf, talab weithin leuchtende grosse Wunde gerissen.
Angesichts der drohenden Gefahr waren die Kinder des in der unmittelbarsten Zone liegenden Dörfchens Ragnatsch evakuiert worden, und man rechnet mit einer vollständigen Räumung der Ortschaft. Militärposten waren aufgeboten worden, um durch Kanonenschüsse im Augenblick des Hauptrutsches die Einwohner zum Verlassen des Dorfes aufzufordern. Dem dumpfen Rollen, das merkwürdigerweise in Anbetracht der abgestürzten ungeheuren Felsmassen nicht sehr stark war, folgten sogleich die angekündigten Signalschüsse. Die Leute haben sich sofort in Sicherheit gebracht.
Dichte Staubwolken verhüllten stundenlang die Abbruchstelle, und der feine Staub wurde vom Wind weit in das Tal hinuntergetragen, so dass die von Flums herkommenden Velofahrer, wie uns versichert wurde, lange Zeit ohne Sicht waren. Erst als sich die Staubwolken verzogen hatten, konnte man sich Rechenschaft über die Ausdehnung des in Mitleidenschaft gezogenen Gebietes geben.
Die Abbruchstelle ist der Gspalteberg (1345 Meter) — schon der Name klingt recht gefährlich —, ein der Alp Palfries (1711 Meter) vorgelagerter breiter, massiver Felskopf, dem man auf den ersten Blick nichts Böses zutrauen würde. Die Gesteinsmassen — man rechnet mit 300 000 Kubikmetern — füllen eine tief eingeschnittene, steile Runse völlig aus und begruben ungefähr 2—300 Klafter stehendes Holz. Dieses Tobel wird vom Hagerbach durchflossen, der jedoch im Sommer meistens kein Wasser führt, was sich in diesem Fall als ein ausserordentlich glücklicher Umstand ausgewirkt hat.
Am Fusse des Schuttkegels liegen hausgrosse Blöcke, und.jetzt noch, da diese Zeilen durchs Telephon gehen, steigen im ganzen Absturzgebiet bald hier, bald dort schleierdünne Staubnebel auf. Nur der Tiefe des Tobels ist es zu verdanken, dass das Dorf Ragnatsch vorderhand noch völlig heil davongekommen ist.
Unheimlich gross aber wird die Gefahr, wenn der erwartete zweite Absturz, den man auf 600 000 bis 700 000 Kubikmeter schätzt, nachfolgt. Weder Schluchten noch Wald könnten dann die Massen aufhalten, und das Dorf und mit ihm ein grosser Teil der Ebene würde rettungslos unter ihnen begraben.
Wie uns Augenzeugen berichten, gingen schon im Laufe der Nacht vom Dienstag zum Mittwoch kleinere Gesteinsmassen nieder, und Holzer, die über der Abbruchstelle arbeiteten, wollen beobachtet haben, wie sich die Spalten immer mehr vergrösserten. Da aber das Dorf auf die Gefahr aufmerksam gemacht war, hielten sie es nicht für nötig, davon Nachricht zu geben.
Zur Stunde ist die Gefahr gebannt. Sollten sich aber Gewitter oder längere Regenfälle einstellen, dann könnte sich ein zweites, unabsehbares Unglück ereignen. Die Dorfbewohner verlassen schon heute abend ihre Heimstätten und kehren höchstens für ihre Feldarbeiten tagsüber in die Gegend zurück. Auch für die durchfahrenden Züge sind alle Vorsichtsmassregeln getroffen. Schon der am Unglücksmorgen um 9 Uhr passierende Zug wurde wegen der Luftdruckgefahr während drei Viertelstunden bei der Station Flums aufgehalten. Die Leute haben sich von der Aufregung erholt; sie gehen wie gewohnt in Wiesen und Feldern ihrer Beschäftigung nach und zeigen gelegentlich mit ihren Feldgeräten in die Höhe.
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1146, 24. Juli 1941 Ausgabe 02
Zum Bergsturz bei Mels: Ein Dorf evakuiert. tz. Die ruhige Besonnenheit, welche die Einwohner von Ragnatsch, trotzdem sie fortwährend in Todesgefahr schwebten, die ganze Zeit über an den Tag legten, verliess sie auch nicht, als am Mittwoch, kurz nach 19 Uhr wie ein Lauffeuer der Befehl durch das Dorf ging, unverzüglich mit der Räumung der Wohnstätten zu beginnen. So ganz unerwartet kam zwar diese Weisung nicht, hatte man ja schon seit Wochen jeden Abend mit solchen Vorsichtsmassnahmen rechnen müssen.
Nach dem Urteil der Sachverständigen ist mit den losgelösten Felsmassen erst das erste Drittel des noch zu erwartenden Hauptrutsches abgestürzt. Ausser den dreihundert bereits erwähnten Klaftern Holz haben die Steintrümmer weder an Menschen und Haus, noch an Flur und Feld den geringsten Schaden angerichtet. Sie waren aber das letzte Warnungszeichen vor einem grossen Unglück.
Nach dem Tun und Lassen der Bewohner zu schliessen, schien das Ereignis des Morgens schon fast vergessen zu sein. Wenn sich nicht immer wieder Neugierige mit tausenderlei Fragen an sie herangedrängt hätten, niemand würde geglaubt haben, wie nah Tod und Vernichtung in den Morgenstunden des Mittwochs an ihnen vorbeigegangen waren. Grössere Sorgen haben vielleicht die Frage nach dem nackten Dasein unwesentlich gemacht. „Man kann sich eben an jede Gefahr gewöhnen, so dass man überhaupt nicht mehr daran denkt“, erwiderte uns ein altes Mütterchen, „und wenn es des Herrgotts Willen ist, nützt alles nichts.“
Ein Dorf ohne Kinder, die rotznäsig und schmutzig in den Pfützen spielen, durch ihr Lachen und Geschrei jeder Siedlung erst den wahren Atem verleihen, macht einen trostlosen Eindruck und wirkt verlassener, als wenn die Erwachsenen fehlten. Seit Tagen schon sind sie vorsorglich in den nächsten Dörfern untergebracht, und nun müssen ihnen auch die Grossen nachfolgen. Diese haben tagsüber geerntet, gepflanzt und Unkraut gejätet und haben bei der emsigen Arbeit kaum einmal daran gedacht, dass vielleicht morgen schon alles meterhoch unter Stein und Schutt liegt und alle Mühe umsonst war.
Mit bewundernswerter Ruhe legten diese Leute nach der Heimkehr von den Feldern ihr Werkzeug beiseite und schauten sich in ihrem Urväterhausrat um, was wohl das Unentbehrlichste wäre. Hier wurden Kleintiere auf Karren geladen, Kleider, Bettzeug und Wäsche zusammengebündelt; eine funkelnagelneue Nähmaschine, möglicherweise eine Arbeitskapitalanlage, wurde sorgfältig verpackt und weggefahren. Aus den Tiefen von Schränken tauchten ganze Bündel von Briefschaften auf; von den Wänden verschwanden Postkarten und Familienphotos; farbenfrohe Madonnen- und Heiligenbilder wurden, mit Rosenkränzen verschnürt, in Kisten gelegt, und ganz zu oberst kamen die Weihwasserbecken, Kruzifixe mit den anderen Devotionalien. Plüschsofas und Serienkommoden in Hochglanzpolitur überliess man dagegen ruhig dem Schicksal. So ging die Arbeit in ruhigem Gleichmass weiter; sie ruhte ein paar Augenblicke länger als sonst, als von der nahen Kapelle das Angelusglöcklein bimmelte. Unter einem seidenen Tuch verborgen, trug der Kaplan die heiligen Geräte heraus.
Unterdessen hatte sich aus der ganzen Umgebung viel neugieriges Volk angesammelt. Die Strasse von Sargans nach Ragnatsch glich einem Velocorso. Hoffentlich haben recht viele den bedrängten Dorfbewohnern bei ihren Evakuierungsarbeiten Hilfe gebracht. Als wir in später Stunde heimwärtsfuhren, vermochte man deutlich im Dunkel der Nacht die mächtige, weisse Abbruchstelle zu erkennen. Um den geborstenen Berg ballten sich unheilschwangere Gewitterwolken, die vielleicht in Bälde schon den Untergang des zu seinen Füssen schlafenden, von Mensch und Vieh verlassenen Dorfes beschleunigen helfen.
Freiburger Nachrichten, 24. Juli 1941
Am Mittwochmorgen zwischen 7 und 8 Uhr ereignete sich ein grusser Felssturz oberhalb des Weilers Ragnatsch auf der Grenze der Gemeinden Flums und Mels. Grosse Fels- und Gesteinmassen stürzten vom Gspaltenberg westlich des Gonzen hernieder und füllten die Runse des Hagerbaches aus, der zurzeit kein Wasser führt. Ein Stück Wald wurde überschüttet. Die Felsmassen erreichten beinahe die Staatsstrasse Walenstadt-Sargans. Die ganze Gegend war in dichte Staubwolken gehüllt. Schon seit einiger Zeit gingen fortwährend kleinere Gesteinmassen nieder, und die Fachleute rechnen mit weitern Abstürzen.
Zum Felssturz am Gspaltenberg westlich des Ganzen wird weiter gemeldet, dass noch fortwährend Gestein abbröckelt und ins Tobel stürzt. Der Wildbach, dessen Bett durch die Absturzmassen ausgefüllt wurde und der nur bei starken Regengüssen Wasser führt, muss sich ein neues Bett suchen, wodurch möglicherweise Kulturland und Bauernheimwesen gefährdet wären. An der Absturzstelle sind Beobachtungsposten aufgestellt. Schätzungsweise stürzten etwa eine halbe Million Kubikmeter zutal.
Neue Zürcher Nachrichten, Band 37, Nummer 171, 25. Juli 1941

Am 23. Juli ereignete sich oberhalb Ragnatsch, auf der Grenze der Gemeinden Flums und Mels ein grosser Felssturz. — Unser Bild zeigt die Abbruchstelle und die in der Runse des Hagerbaches liegenden Felsmassen, die auf rund eine halbe Million Kubikmeter geschätzt werden. Zensur Nr. 4919 Br. Behördl. bew. 3.10.39.
der Bericht in e-newspaperarchives
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1150, 25. Juli 1941
Sargans, 24. Juli. ag Zum Bergsturz am Gspaltenberg wurde am Donnerstag mitgeteilt, dass in der Nacht vom Mittwoch auf den Donnerstag und den ganzen Donnerstag über sich kleinere Steinmassen von der Bergkuppe lösten und in die Runse stürzten, ohne irgendwelchen Schaden anzurichten. Die Bauern des Weilers Ragnatsch arbeiteten den ganzen Tag auf dem Felde und verbringen lediglich die Nacht in der Nachbarschaft. Die Feuerwehren von Flums und Mels versehen abwechslungsweise den Sicherheits- und Wachtdienst in der gefährdeten Gegend.
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1156, 26. Juli 1941
Der Bergsturz im Alviergebiet. Sargans, 25. Juli. ag. Am Gspalteberg ereignen sich immer noch grössere und kleinere Teilstürze. Infolge dieser Teilstürze und der Beschaffenheit des Malmgesteins, das weich ist und sich beim Absturz zerschlägt, scheint die grösste Gefahr für das Dorf Ragnatsch behoben zu sein. Dennoch wurden die Dorfbewohner aufgefordert, auch in der Nacht auf den Freitag auswärts zu schlafen. Man erwartet noch weitere Stürze und erwägt die Sprengung eines bestimmten Gebietes.
Engadiner Post, Band 50, Nummer 84, 26. Juli 1941
Den «Glarner Nachrichten» entnehmen wir noch nachstehende Einzelheiten: Etwa ein Drittel der 1,5 Mill. Kubikmeter, deren Abbruch droht, ist am Mittwoch früh zutal gestürzt. Ein grosser Teil des Waldes wurde zerstört. Der Felssturz ist dem sogenannten Hagerbach gefolgt, aber nicht bis an die Landstrasse vorgedrungen.
Ein ungeheurer Knäuel von Staubwolken stieg aus dem Sturzbett auf, rasch in die Höhe wachsend, um sich schliesslich in eine graue Nebel- und Dunstwand zu verflüchtigen, so dass die sich in der Nähe befindenden Leute glaubten, ersticken zu müssen. Mit dem Taschentuch vor Mund und Nase mussten sie sich zurückziehen.
Im Laufe des Tages zeigten sich droben auf der Palfries tiefe Spalten als Spuren des Absturzes. Rings um den Gspaltenberg entstanden grosse Risse. Auf der obersten Höbe senkte sich zudem der Berg um 30 bis 50 cm. Rund 10 Häuser in der umliegenden Gegend mussten geräumt werden. Die Bergmasse war den ganzen Mittwoch über unruhig. Der ganze Berg ist am Abbröckeln; kaum ist eine Staubwolke verflüchtigt, steigt eine neue in die Höhe. Da ein grosses Stück Tannenwald mitgerissen wurde, vermochte die Absturzmasse nicht bis ins Tal vorzudringen. Es ist ein Glück, dass das Abbröckeln langsam vor sich geht. Es wäre sonst zu befürchten, dass die geräumten Häuser zugedeckt oder durch den Luftdruck beschädigt würden.
Wie es den Anschein hat, wird langsam oder plötzlich der ganze Gspaltenberg zu Tale stürzen. Das Militär auf Palfries beobachtet den Vorgang und ist in ständiger telephonischer Verbindung mit dem Tale.
Neue Zürcher Nachrichten, Band 37, Nummer 174, 29. Juli 1941
Starker Absturz am Gspaltenberg. Sargans, 28. Juli., ag. Am Gspaltenberg im Sarganserland ist am M o n t a g k u r z nach 15 Uhr ein sehr starker Absturz niedergegangen; er nahm die Richtung gegen Halbmil (Gemeinde Flums) und gegen den Weiler Ragnatsch in der Gemeinde Mels.
Die Gesteinsmassen trieben weit über ihre bisherige unterste Grenze durch den Wald hinaus. Ein Knäuel von Wolkenballen stieg auf, sich rasch vergrössernd und die Gegend verdunkelnd. Bei den Stürzen in der letzten Nacht handelt es sich um Geschiebe, das in der Bachrunse des Hagerbaches ins Rollen und Rutschen gekommen war.
Der Sturz hat die Landstrasse nicht erreicht. Dagegen ist durch das letzte Nacht niedergegangene Geschiebe der Hagerbach aus seinem Bett gedrängt worden und überschwemmt nun ein westlich des Kiesfanges gelegenes Bauerngut und fliesst über die Strasse.
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1171, 29. Juli 1941
Neuer Absturz am Gspalteberg. Sargans, 28. Juli. ag Am Gspalteberg ist am Montag kurz nach 13 Uhr ein sehr starker Absturz niedergegangen. Er nahm mehr die Richtung gegen Halbmil (Gemeinde Flums) und gegen den Weiler Ragnatsch in der Gemeinde Mels. Die Gesteinsmassen drangen weit über ihre bisherige unterste Grenze durch den Wald hinaus vor und dürften die Landstrasse erreicht oder überschritten haben. Ein Knäuel von Staubwolken stieg auf, der sich rasch vergrösserte und der die Gegend verdunkelte. Der Umfang des Sturzes konnte noch nicht festgestellt werden. Bei den Stürzen in der letzten Nacht handelte es sich um Geschiebe, das in der Runse des Hagerbaches ins Rollen und Rutschen gekommen war.
Nach einer späteren Meldung hat der am Gspalteberg am Montagnachmittag niedergegangene Sturz die Landstrasse nicht erreicht. Dagegen ist durch das in der letzten Nacht niedergegangene Geschiebe der Hagerbach aus seinem Bett gedrängt worden. Der Bach hat einen Bauernhof westlich des Kiesfanges überschwemmt und fliesst nun über die Strasse.
Engadiner Post, Band 50, Nummer 86, 31. Juli 1941
St. Gallen. Vom Absturz am Gspaltenberg schreiben die «Glarner Nachrichten»: Nachdem es die ganze Nacht vom Sonntag auf den Montag geregnet hatte, hat sich die Lage am Gspaltenberg und für den Weiler Ragnatsch und seine Umgebung ganz gefährlich gestaltet.
Der Hagerbach schwoll durch den anhaltenden Regen ganz gewaltig an, so dass sich in der Morgenfrühe des Montags die abgestürzten Fels- und Geröllmassen sowie das Geschiebe durch den Druck des Wassers talwärts in Bewegung setzten.
Eine ungeheure Masse von kubikmetergrossen Steinen und Geschiebe wälzte sich im alten Bachbett des Hagerbaches gegen die Landstrasse Sargans-Walenstadt zu. Felsblöcke und Baumstämme wurden bis in die Nähe der Landstrasse geschwemmt. Am Nachmittag bahnte sich das gestaute Wasser einen Weg durch das Wiesland und floss über die Landstrasse hinaus gegen die Bahnlinie. Das Wasser wurde von Arbeitern der Gemeinde Flums unterhalb der Landstrasse gefasst und in einen Entwässerungskanal geleitet, so dass es für das Kulturland zwischen Strasse und Bahnlinie ungefährlich wurde, wenn es nicht mehr stärker fliesst. Sollte der Regen jedoch andauern und der Hagerbach noch mehr anschwellen, so könnte allerdings unabsehbarer Schaden entstehen.
Den ganzen Montag über konnte man sehen und hören, wie von der obersten Höhe des Gspaltenberges das Wasser grosse Steine und Schutt über die glatten, steil abfallenden Felswände des Berges mit sich führte. Die Felsblöcke schlugen mit Tosen und Donnern in der Tiefe auf. Wie ein Lavastrom ergoss sich die Masse über das Land. Wohnhäuser wurden keine beschädigt; dagegen ist das Wiesland bis über zwei Meter hoch überschüttet, von der Landstrasse bis zum Wald hinauf auf 500 m Breite. Immer noch bringt der Hagerbach neues Material zu Tal. Geht der Regen zurück, so scheint die Gefahr für einmal wieder als gebannt. Es stehen jedoch noch viele tausend Kubikmeter zur Beförderung ins Tal bereit. Da der Ausbruch des Hagerbaches gegen die sog. Masch unterhalb Ragnatsch erfolgte, nimmt man an, dass für Ragnatsch keine weitere Gefahr bestehe.
Der Gspaltenberg soll sich in den letzten zwei Tagen um 30 Meter gesenkt haben und die Gefahr des Absturzes soll nach Aussagen der Fachleute nähergerückt sein. Durch die weitern Abstürze wurde unterhalb des Gspaltenberges die Trinkwasserleitung für den untern Teil von Ragnatsch weggerissen, so dass die Bewohner ohne Wasser sind und es in Oberragnatsch holen müssen.
Engadiner Post, Band 50, Nummer 89, 7. August 1941
St. Gallen. Die Lage am Gspaltenberg. Durch die Regengüsse der letzten Tage ist, wie den «Glarner Nachrichten» aus Meis geschrieben wird, der Hagerbach zum zweiten Male ausgebrochen, und zwar westlich des ersten Ausbruches, etwa 600 Meter davon entfernt gegen Ragnatsch hin.
Neues Wies- und Ackerland wurde verwüstet in einem weit grösseren Ausmasse als das erstemal. Etwa 600 bis 800 Aren Wiesland wurden von Schutt und Steinen bis zu zwei Meter hoch überschwemmt. Die Masse drang weit über die Landstrasse hinaus in die Felder und Wiesen zwischen der Bahnlinie und der Landstrasse. Die Bahnlinie kam diesmal noch nicht in Gefahr, dagegen ist die Landstrasse Sargans—Walenstadt über einen Meter hoch mit Schutt, Steinblöcken und Baumstämmen überschüttet und musste für jeden Verkehr gesperrt werden. Der Hagerbach lief über die Strasse gegen die Bahnlinie in die schönsten Kartoffel- und Maisfelder hinein und ist im Begriff, noch mehr Schaden anzurichten. Der Kulturschaden ist sehr gross. Das Tosen und Donnern der herabstürzenden Massen war bis auf eine Stunde weit deutlich zu hören.
Von der Höhe des Gspaltenbergs wird die Lage als sehr kritisch gemeldet. Man befürchtet, dass der Hauptabsturz in den nächsten 24 Stunden erfolgen kann, wenn die Verschiebungen und Senkungen in dem Masse fortschreiten wie seit Montagmorgen. Alles ist in höchster Alarmbereitschaft; der Alarm erfolgt nun durch eine weithin hörbare Sirene.
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1233, 9. August 1941
Der Felssturz am Gspaltenberg. Nachdem durch Presse und Radio eine Reihe von getrennten Mitteilungen über dieses grosse Naturereignis bekanntgegeben worden ist, mag es vielleicht am Platz sein, heute eine zusammenfassende Darstellung zu entwerfen. Dabei sei vorausgeschickt, dass diese Katastrophe noch nicht zum Abschluss gelangt ist.
Der Gspaltenberg ist einer der vielen Felsköpfe der jäh aus dem Seeztal aufsteigenden Felswand, die linker Hand sichtbar ist, wenn man von Flums nach Mels fährt. Der Grossteil dieser Wand besteht aus Malm (Hochgebirgskalk), dessen Schichten nach dem Berginnern geneigt sind. Es sind somit im Sinne der Schichtungen keine Abrutschungen möglich.
Durch tektonische Einflüsse ist der Berg jedoch in Klüfte zerrissen, die nach dem Seeztal hinweisen und auf glatten Flächen kleinen und grössern Gesteinsmassen Gelegenheit zum Abstürzen geben. Bei näherem Betrachten des Gspaltenbergs wird man inne, dass er seinen Namen verdient; schon vor Jahrzehnten machte er sich übrigens durch Felsabstürze bemerkbar.
Wenn man nun heute an seinen Wänden alle möglichen Risse und Bewegungen zu entdecken glaubt, so ist das eine nervöse Nebenerscheinung allzu eifrigen Spähens. Es wird darüber vergessen, dass ähnliche Risse am ganzen Gebirge vorkommen, die die genau gleichen Gefahren in sich bergen. Gegen das Abwittern und das Abtragen der Gebirge ist nichts zu machen, wir können deswegen auch nicht immer in Angst schweben. Man sollte daher Vorkommnisse wie die gegenwärtige Rutschung am Gspaltenberg mit aller Vorsicht aufnehmen und behandeln.
Das Abrissgebiet befindet sich in einer Mulde zwischen Runa- und Gspaltenberg und wird vom Hagerbach, der in der höherliegenden Alp Palfris seinen Ursprung hat, auf der westlichen Seite berührt. Schon vor einigen Wochen zeigten sich Risse und Bodensenkungen auf dem über der Felswand sich befindenden Plateau. Sie zeichneten die obere Grenze einer Gleitfläche ab, die 150 Meter weiter unten in der Felswand endigte. Dadurch war das ungefähre Ausmass eines keilförmigen Klotzes bestimmt, der ohne „Fuss“ auf der Gleitfläche klebte.
Es handelt sich um etwa 800 000 Kubikmeter, wovon 600 000 Kubikmeter abgestürzt sind. Erst lösten sich am Fusse des gewaltigen Keiles 20 000 Kubikmeter; es war dies nur ein Vorspiel und ein Anzeichen dafür, dass der Berg seinen Halt verloren hatte. Beim ersten Hauptsturz auf der Westseite gingen 300 000 Kubikmeter, beim zweiten Sturz ungefähr gleichviel nieder; nun warten noch etwa 180 000 Kubikmeter auf die „Talfahrt“.
Von den Stürzen selbst war nicht viel zu sehen. Die Beobachter in den Bergen vernahmen das Krachen der reissenden Baumwurzeln, dann versanken die Bäume stehend hinter dem Horizont, der sich neu gebildet hatte. Vom Talgrund aus konnte man zuerst nur ein vermehrtes Abbröckeln am Fusse des keilförmigen Felsens wahrnehmen, welches den Sturz einleitete. Schon während des Herunterfallens begannen die Gesteinsmassen auseinander zu bröckeln. Wegen der unmittelbar darauf eintretenden Staubentwicklung war es nicht möglich, den eigentlichen Absturz in seinem Verlaufe zu verfolgen.
Einige Minuten lang bauschte sich grauer Staub wie Watte über dem Bergwald auf und wurde vom Winde einmal talabwärts, das andere Mal talaufwärts getragen. Die Abrissstelle wurde bald wieder sichtbar, so dass man der Ungewissheit enthoben war, ob hinter den Staubwolken verdeckt noch Nachstürze erfolgen könnten.
Das tiefe Tobel des Hagerbaches wird durch die „Schwarzen Köpfe“ nach Süden gelenkt und weiter unten, bei Punkt 590 nach Westen abgedreht. Dieser knickförmige Verlauf des Bachbettes bremste die Wucht der niederfahrenden Schuttmassen und machte das Bachtobel zum Geschiebesammler. Somit blieben die unten liegenden Häuser verschont, während allerdings der an den Hängen stehende Wald vernichtet wurde.
Als ein weiterer günstiger Umstand darf betrachtet werden, dass der Felskopf in einzelne Teile auseinanderbrach. Beim Sturz der gesamten Gesteinsmassen wären diese sicherlich über die „Schwarzen Köpfe“ hinaus bis auf den Talgrund geschleudert worden. Man darf nicht vergessen, dass von der Abrissstelle bis hinunter ins Tal eine Höhendifferenz von 950 Metern besteht, wobei die Neigung am obern Berghang 40 Grad, am untern Teil immerhin noch 25 Grad beträgt.
Die Bewohner der Gegend fürchten den „Berg“ selber nicht allzusehr, da bis jetzt die Felsstürze immer am Berghang liegen geblieben sind. Immerhin erfolgten sie bis anhin in weit kleinerem Ausmasse. Für die Einheimischen sind eher die Murgänge beängstigend, die sich bei starken Regenfällen aus dem Bergsturzmaterial bilden und den fruchtbaren Boden zudecken.
Leider haben sich die Befürchtungen bewahrheitet. Im Verlaufe einer Woche sind seither in verschiedenen Vorstössen mehr als 100 000 Kubikmeter Material unter dem Gepolter der mitgeführten Steinblöcke und dem Ächzen der durch den Schuttstrom umgerissenen Bäume nach dem Talboden geführt worden.
Der vorhandene grosse Kiesfang oberhalb der Staatsstrasse hat geleistet, was er konnte. 60 000 Kubikmeter wurden dort aufgehalten, für Bergstürze war er allerdings nicht berechnet. 25 000 Kubikmeter Schutt bedecken eine Wiese im Ausmasse von 15 000 Quadratmeter westlich des Kiesfanges und haben einen Stall unbrauchbar gemacht.
Eine ebenso grosse Menge liegt auf der Ostseite, hier misst das überschüttete Kulturland 20 000 Quadratmeter. Auch hier ist ein Stall zwei Meter tief von Schutt umgeben. Bei diesem Anlasse wurde auch die Staatsstrasse überschüttet, in wenigen Tagen konnte sie jedoch wieder freigelegt werden.
Wie ist die Lage heute? Es sind immer noch 180 000 m3 zum Sturze bereit. Nicht nur die vorhandenen Risse und sichtbaren schlechten Lagerungen der Felsmassen belegen diese Ansicht. Seit geraumer Zeit werden von morgens bis abends im Abrissgebiete Messungen vorgenommen, welche eine ständige Bewegung feststellen und bestätigen. Die beobachteten Punkte senken sich nicht nur, sie wandern auch gleichzeitig gegen das Tal vor und verschieben sich nach Westen.
Es besteht fernerhin die Gefahr, dass die in Bereitschaft stehenden Massen über die „Schwarzen Köpfe“ hinweg in Richtung Grünhag stürzen. Geologen und Ingenieure verfolgen den Stand der Dinge mit Interesse und Vorsicht. In den dauernden Dienst für Beobachtung, Verkehrssicherung und Signaleinrichtungen teilen sich Truppen, die Tiefbau- und Strassenverwaltung des Kantons St. Gallen und die Gemeinden Flums und Mels. Durch eine direkte Telephonverbindung werden die Beobachtungsresultate halbstündlich vom Abrissgebiet nach der Talstation gemeldet. Wird die Lage kritisch, so fordert eine Sirene die Leute zur Flucht auf. Gefährdet sind die Häusergruppen Grünhag, March und Ragnatsch. Wohl verrichten die Bewohner tagsüber ihre Feldarbeit, nächtigen müssen sie jedoch ausserhalb dieser Gebiete.
Die in Mitleidenschaft gezogene Bevölkerung befindet sich in einer bedauernswerten Lage, da momentan sowohl Felsstürze als Murgänge zu befürchten sind. Hoffen wir, dass der unvermeidliche Abbauprozess des Berges zu keiner weitern Katastrophe führe.
Ing. J. Schneider, Unterterzen

Der Bund, Band 92, Nummer 381, 17. August 1941
Im Felssturzgebiet des Gspaltenberges. A. R. Ingenieur J. Schneider in Unterterzen hat sich als Fachmann über die Verhältnisse am Spaltenberg wie folgt geäussert: „Der Spaltenberg ist einer der vielen Felsköpfe der jäh aus dem Seeztale aufsteigenden Felswand, die linker Hand sichtbar ist. wenn man von Flums nach Mels fährt. Der Grossteil dieser Wand besteht aus Malm (Hochgebirgskalk), dessen Schichten nach dem Berginnern geneigt sind. Es sind somit im Sinne der Schichtungen keine Abrutschungen möglich. Gegen das Abwittern und das Abtragen des Gebirges ist nichts zu machen und man kann deswegen auch nicht immer in Angst schweben. Man sollte daher Vorkommnisse wie die gegenwärtige Rutschung mit aller Vorsicht ausnehmen und behandeln.
Das Abrissgebiet befindet sich in einer Mulde zwischen Runa- und Gspaltenberg und wird vom Hagerbach, der in der höherliegenden Alp Palfries seinen Ursprung hat, aus der westlichen Seite berührt. Vor Wochen zeigten sich Risse und Bodensenkungen auf dem über der Felswand sich befindenden Plateau. Sie zeichneten die obere Grenze einer Gleitfläche ab, die 150 Meter weiter unten in der Felswand endigt. Dadurch war das ungefähre Mass eines keilförmigen Klotzes bestimmt, der nur noch auf der Gleitfläche klebte. Es handelt sich um etwa 800 000 Kubikmeter, wovon bis zum 9. August 600 000 bereits gerutscht sind.
Dreimal trat der Berg in Bewegung und der vierte und hoffentlich letzte Rutsch wird den Rest zu Tale bringen. Wegen der Staubentwicklung war es nicht möglich, den eigentlichen Absturz in seinem Verlaufe zu verfolgen. Der knickförmige Verlauf des Bettes des Hagerbaches bremste die Wucht der niederfahrenden Schuttmassen und machte das Bachtobel zum Geschiebesammler. Somit blieben die unteren Häuser verschont, während der an den Hängen stehende Wald vernichtet wurde.
Die Bewohner der Gegend fürchten den Berg nicht allzusehr, da bisher die Stürze immer am Berghang liegen geblieben sind. Allerdings in weit kleinerem Ausmasse. Aber die Murgänge sind beängstigend, die sich bei starken Regenfällen aus dem Bergsturz-Material bilden und den fruchtbaren Boden zudecken. So auch diesmal. 25 000 Kubikmeter Schutt bedecken eine Wiese im Ausmasse von 15 000 Quadratmeter westlich des Kiesfanges.
Aehnlich steht es auf der Ostseite. Zwei Ställe wurden im ganzen beschädigt. Bei diesem Anlass wurde auch die Staatsstrasse verschüttet, wodurch bekanntlich der Verkehr Sargans-Walenstadt verhindert wurde.
Nun werden Messungen vorgenommen, die eine ständige Bewegung feststellen. Es besteht die Gefahr, dass die kommenden Massen über die „Schwarzen Köpfe“ hinweg in Richtung Grünhag stürzen. Geologen und Ingenieure walten ihres Amtes. In den Dienst für Beobachtung, Verkehrssicherung und Signaleinrichtungen teilen sich Truppen, die Tiefbau- und Strassenverwaltung des Kanton St. Gallen und die Gemeinden Flums und Mels. Durch eine Telephonverbindung werden die Beobachtungsresultate halbstündlich vom Abrissgebiet nach der Talstation gemeldet. Wird die Lage kritisch, so fordert eine Sirene die Leute zur Flucht aus. Gefährdet find die Häusergruppen Grünhag. March und Ragnatsch. Wohl verrichten die Bewohner tagsüber ihre Feldarbeit, nächtigen müssen sie aber in gesicherten Gebieten. Die direkt betroffene Bevölkerung befindet sich in einer bedauernswerten Lage.“ Soweit der Bericht eines trefflichen Fachmannes.
Meine persönlichen Beobachtungen und Eindrücke sind die folgenden: In Sargans merkte man nichts von irgendwelcher Aufregung. In Mels angelangt, wiesen uns einige freundliche Milizen den rechten Weg und der Melser Pfarrherr geleitet den Reporter ins Rutschgebiet, überall aufmunternd und tröstend.
Im Kapelleli, just vor dem gefährdeten Ragnatsch. kniet ein altes, liebes Mutterli und fleht die Mutter des Heilandes an, ihr kleines Besitztum vor der Wucht des bösen Berges zu bewahren. Ein hübsches Mädchen in einem der bedrohten Ställe ist ganz ruhig, als wir an dem Geschicke des Heimwesens Anteil nehmen und sagt nur: „Der Herrgott wird’s schon recht machen.“
Zahlreiche Arbeiter haben die Staatsstrasse wieder instand gesetzt. Sie sieht wie neu gestrichen aus. Die links und rechts bis zu zwei Meter verschütteten, gut behangenen Obstbäume tun dem Beobachter wehe.
Felsblöcke, die an den Goldauer Felssturz erinnern, bekunden die Wucht seiner Majestät des Berges. Ein weithin sichtbares Plakat meldet Todesgefahr: „Achtung. nicht stehen bleiben, Bergsturzgefahr! Die Beobachter mit ihren photographischen und anderen Apparaten sind auf ihren Posten. Mit dem Feldstecher lässt sich der unheimliche Kerl erkennen, der nun die Absicht hat, Schrecken und Verwüstung denen zu bereiten, die ohnehin vom Leben vor allem Schaffen und Sorgen kennen.
Nach der Besichtigung der Verwüstung kommt es zu lebhaften Gesprächen mit den Fachmännern der Gesteine und der Sprengiechnik. Auch Ariillerieoffiziere werden interpelliert. Der Reporter möchte gerne wissen, ob denn nicht dem porösen Gestein mit wuchtigen Granaten der Befehl erteilt werden könnte, sofort abzustürzen, um dem Schrecken ein rasches Ende zu bereiten, musste aber erfahren es sei nicht empfehlenswert. Wäre dieser Gspaltenberg aus Granit, könnten wir die Herren höherer Schiesskunst begreifen, weil aber Kalk der Granate nicht standhält, so erklären wir uns einstweilen von der Beantwortung der Interpellation absolut nicht einnestanden Dies schon darum nicht, weil eine starke Minderheit, auch Fachleute von Ruf, die Ansicht des Schreibenden teilen.
Berner Tagwacht, Band 64, Nummer 217, 15. September 1956
Strasse wurde überschüttet. ag· Am Donnerstagabend wurde die Staatsstrasse zwischen Flums und Mels bei Ragnatsch vom Hagerbach überschüttet. Auf der Fahrbahn lagen Schlamm und Schutt etwa 40 cm tief, so daB die Strasse nicht mehr befahrbar war und der Verkehr umgeleitet werden musste. Die Feuerwehr arbeitete die ganze Nacht am Wegräumen. Die Strasse konnte am Freitagmorgen für den Verkehr wieder freigegeben werden.
Neue Zürcher Nachrichten, Nummer 191, 18. August 1961 Ausgabe 03
Strasse Zürich-Chur verschüttet. Flums (Kt. St. Gallen), ag. Am Donnerstagabend um 17 Uhr 30, wurde auf der Strecke zwischen F l u m s / Hochwiesen und M e l s / Ragnatsch die Staatsstrasse Zürich – Chur auf einer Breite von rund 20 Metern einen Meter hoch durch niedergehendes Geschiebe verschüttet. Der gesamte Verkehr musste während einer Stunde über Feldwege von Flums nach Mels umgeleitet werden, während zwei Traxe und rund 50 Feuerwehrleute die Strasse räumten. In der Nacht steht ein Detachement Feuerwehrleute Pikett, da Gefahr droht, dass bei den anhaltenden Regengüssen weitere Geschiebemassen niedergehen.
Neue Zürcher Nachrichten, Nummer 183, 8. August 1962 Ausgabe 02
Durchgangsverkehr wieder möglich. Flums. ag. Die schweren Regenfälle in der Nacht auf den Dienstag und am Dienstagvormittag hatten zur Folge, dass am Dienstag um 12.30 Uhr die Staatsstrasse Zürich – Chur zwischen Flums-Hochwiesen und Ragnatsch durch die Rüfirunse mit Wasser und Geschiebe auf einer Breite von etwa 30 Meter rund einen Meter hoch verschüttet wurde. Der Verkehr Zürich – Chur und umgekehrt wurde über Wildhaus – Ricken umgeleitet, während jene Fahrzeuge, die bereits die Umleitung passiert hatten, auf Feldwegen die Runse umfahren müssten. Die Aufräumungsarbeiten waren um 17 Uhr soweit fortgeschritten, dass die Strasse für den Verkehr wieder frei gegeben werden konnte. Am 17. August 1961 ist die Strasse an der genau gleichen Stelle ungefähr gleich schwer verschüttet worden.
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1254, 13. August 1941
Neuer Felssturz am Gspaltenberg. Sargans, 12. Aug. ag Am Dienstagvormittag 8 Uhr 45 ist wiederum ein stärkerer Gesteinsabsturz von der Höhe des Gspaltenberges erfolgt; die abgebrochenen Steinmassen blieben aber in der Runse des Hagerbaches liegen und gelangten nicht bis in den Talgrund. Die Strasse Walenstadt-Sargans, die zweimal durch Geschiebe überdeckt war, ist seit Montag wieder für den Verkehr geöffnet.
Sargans, 12. Aug. ag Am Gspaltenberg sind am Dienstagnachmittag wieder neue beträchtliche Felsabstürze erfolgt, ohne aber die Talsohle zu erreichen.
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

