Vor dem Felssturz führte die Strasse im Bereich des Val d’Infern durch die Tunnel Val d’Infern Süd und Val d’Infern Nord. Die beiden Tunnels waren durch eine Brücke miteinander verbunden.
Am 3. Februar 2006 gingen im – für seinen Steinschlag berüchtigten – Val d’Infern-Tobel rund 10’000 Kubikmeter Fels nieder. Dabei zerstörten die Felsmassen die Kantonsstrassenbrücke. Sie stürzten rund 150 Meter tiefer bis ins Flussbett der Calancasca. Die Ablagerungen des Felssturzes führten aber glücklicherweise nicht zu einem Rückstau des Flusses.
Im Bereich der beiden Tunnels gab es eine geologische Störungszone.
- Die Störungszone bewirkte anhaltende Felsdeformationen.
- Diese Deformationen führten im Tobel zwischen den beiden Tunnels zu periodischem Block- und Steinschlag.
- Diese Deformationen führten beim Tunnel Val d’Infern Süd zu Verformungen des Nordportals.
Die zunehmende Bewegung der instabilen Felspartien wurde schon früh erkannt.

Riss- und Bruchbewegungen im Umfeld des Tunnelportals. Das Portal wird zunehmend deformiert. Vor dem Portal die Brücke, welche die beiden Tunnels verbindet. Quelle: Ruedi Krähenbühl: Der Felssturz, der sich auf die Stunde genau ankündigte. Bull. angew. Geol. Vol. 11/1 Juli 2006.
Welche Massnahmen ergriff man aufgrund der Vorzeichen?
Im November und Dezember 2001 wurde die Brücke durch einen Felssturz schwer beschädigt.
In der Folge installierte man an der Brücke verschiedene Messinstrumente zur Überwachung der Felsbewegungen (Extensometer, Telejointmeter, usw.). Zusätzlich koppelte man diese mit einer Alarmanlage.
Ende 2003 begann das Tiefbauamt mit den Arbeiten für eine Umfahrung der instabilen Felsmassen. Unter Hochdruck wurde ein Umfahrungstunnel realisiert, welcher bereits im September 2005 in Betrieb genommen werden konnte. So konnte man verhindern, dass ein Absturz der instabilen Felspartien die einzige Strassenverbindung ins Calancatal für längere Zeit unterbrechen würde.
In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar kam es in der Störzone zu sehr starken Deformationen. In der Folge lösten die Sensoren bei den zuständigen Stellen des Tiefbauamtes Alarm aus. Die Fachleute konnten aufgrund der Messungen voraussagen, dass sich der Felssturz am 3. Februar ereignen würde. Dies trat auch ein: um Punkt 12:44 Uhr stürzten rund 10’000 Kubikmeter Fels ab (dies entspricht einem Würfel mit einer Kantenlänge von etwa 22 Metern).
Geologen gehen davon aus, dass der Felssturz durch starke Schneefälle ausgelöst wurde, die Tage vor dem Ereignis niedergingen. Die entsprechend grosse Menge an Tauwasser erhöhte den Wasserdruck in den oberflächlichen Klüften so stark, dass die instabilen Felspartien durch den Druck buchstäblich zu Tale gestossen wurden.
Quelle
Tiefbauamt Graubünden: TOP-Aktuell – 10’000 Kubikmeter Fels wie prognostiziert im Val d’Infern niedergegangen. 03.02.2006. download
Literatur
- Ruedi Krähenbühl: Der Felssturz, der sich auf die Stunde genau ankündigte. Bull. angew. Geol. Vol. 11/1 Juli 2006. download
- Ruedi Krähenbühl: Temperatur und Kluftwasser als Ursachen von Felssturz. Bull. angew. Geol. Vol. 9/1 Juli 2004. download
- Ruedi Krähenbühl: FELSSTÜRZE ISOLIEREN EIN TAL ZUR AUSSENWELT. TIEFBAU 8/2008. download
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

