Felssturz GR

Das Felssturzgebiet Felsberg

Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg Der berühmte Geologe Albert Heim schrieb 1932 in seinem Buch “Bergsturz und Menschenleben”: “Ein sehr typisches Beispiel für einen dauernden Felsrutsch ist derjenige bei Fel

Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg

Der berühmte Geologe Albert Heim schrieb 1932 in seinem Buch “Bergsturz und Menschenleben”:

“Ein sehr typisches Beispiel für einen dauernden Felsrutsch ist derjenige bei Felsberg am Calanda. Er wird wahrscheinlich nie eine katastrophale Tat begehen, aber er wird auch nie fertig und hält die Bewohner immer in Unsicherheit. (…) Block um Block, der sich ablöst, stürzt die 30° steile Schutthalde hinab, oft bis in oder an das Dorf. Das wird noch Jahrhunderte, vielleicht Jahrtausende so gehen, wenn nicht weiter oben die Neigung der Malmkalkfelsen etwas abnimmt. Da wird ein schwerer Felsschlipf ständig in Steinschläge aufgelöst. Es ist nichts zu machen, als den Ort zu verlassen, was teilweise geschehen ist. 1834-1867 waren die Abstürze lebhaft und beträchtlich. Seither ist das Tempo ruhiger geblieben.“

Das Felsturzgebiet von Felsberg.
Das Felsturzgebiet von Felsberg. Darstellung von Albert Heim, 1932. Quelle: Albert Heim: Bergsturz und Menschenleben, 1932.

Die wichtigsten Sturzereignisse

4. bis 11. März 1834

Vom 4.3.1834 an „… rollten einige Felsstücke von namhafter Grösse hinunter, das grösste 16-80 Fuss im Durchmesser. Von da an wollte es nie mehr recht ruhig werden.“ (Pfr. Ludwig in Schneller).

Am 11. März 1834 erfolgte ein erster Absturz des sogenannten Leonhardskopfes, einer ungefähr 300 Meter hohen Felswand. Der eigentliche Felssturz ereignete sich erst im September. Infolge des Absturzes und der drohenden Gefahr musste ein Teil des Dorfes verlegt werden. 134 Familien mussten umsiedeln. Die Kosten beliefen sich auf zirka eine Million Franken (damaliger Wert). Eine Liebesgabensammlung brachte 107‘760 Franken ein.

Quelle

Staatsarchiv Graubünden. In: Elementarschäden und Versicherung. Studie des Rückversicherungsverbandes kantonal-schweizerischer Feuerversicherungsanstalten zur Förderung der Elementarschadenversicherung. Band II. Bern, 1936.

September 1843

Tagsüber stürzten öfters Felsblöcke ab. Um Mitternacht breitete sich ein Felssturz in die Talebene aus. Dabei wurde ein Stall zerstört.

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 251, 8. September 1843

Die Nacht vom letzten Samstag auf den Sonntag war für die benachbarte Gemeinde Felsberg wieder eine Schreckensnacht. Eine bedeutende Steinmasse hatte sich nach 1 Uhr von dem hoch über dem Dorfe senkrecht emporsteigenden Felsen am Calanda gelöst und war an den Fuss des Berges heruntergestürzt. Einzelne Steine waren mehrere Schuh tief in den Boden gedrungen. Die Häuser des bloss einige Steinwürfe vom Fusse des Berges befindlichen Dorfes wurden zwar von den Felsentrümmern nicht erreicht, sondern bloss ein näher gelegener Stall, in dem zwei Schweine und eine Ziege zermalmt wurden.

Abermals ist zwar eine grosse Gefahr für das bedrohte Dorf ohne erheblichen Schaden vorübergegangen; um so grösser und gegründeter ist aber die Besorgniss für die Zukunft. Denn einestheils hat sich die Einsturz drohende Masse noch keineswegs ganz, ja nicht einmal zum grössern Theile gelöst und dann ist der zwischen dem Dorf und dem Fusse des Berges befindliche Raum durch wiederholte Einstürze angefüllt, so dass neue Brüche sich leicht darüber weg bis zum Dorfe hinschieben. Zudem ist wieder ein Streifen des über dem Dorfe befindlichen, schützenden Waldes zerstört worden. Der erste beträchtliche Felsenbruch geschah im Jahr 1817, der zweite im Jahr 1833.

der Bericht in e-newspaperarchives

2. November 1859

“Am 2. November Morgens 5 Uhr fielen bei Felsberg bedeutende Felsenmassen. Dies wiederholte sich am 3. und 4. Dieser Felssturz ist weit bedeutender, als es auf den ersten Blick scheint. Der Hauptblock ist gerade auf das Dorf zugerutscht und hat sich dann an einigen schon vorhandenen Blöcken aufgestaut. Vor ihm her sind verschiedene kleine Blöcke gegangen und haben in den Gütern allerlei Verwüstungen angerichtet; einer ist fast bis in das Dorf gelaufen. Die Bäume, die hier standen, sind grösstenteils rasirt oder zerschmettert, kleinere Steine weit umhergeschleudert; wo die Blöcke hingelaufen sind, ist der Boden wie aufgeackert.

Indessen ist dies nur der kleinste Theil der herabgestürzten Masse; viel ansehnlicher ist das gesammte Volumen der seitwärts in verticaler Richtung zerstreuten Blöcke und Gerölle, welche sich in der ganzen Breite des alten Bergsturzes flächenartig ausgebreitet haben. Sie liegen unter den alten Blöcken umher, leicht kenntlich an ihrer hellern Farbe, einige haben sich an den alten zerschellt, zum Theil sind auch die alten durch die neuern zersplittert worden. Einige haben sich tief in die Erde eingewühlt und sind liegen geblieben, bei andern bezeichnen tiefe Löcher die Sprünge, welche sie gemacht haben.

Der Abhang des Berges, woher die Steine kommen, und wo früher nur Geröll sichtbar war, ist jetzt mit der aufgewühlten Erde bedeckt, welche durch Verwitterung des Dolomits unter dem Gerölle angesammelt war; zum Theil mag diese Erde auch ein Produkt der Zerreibung und Zerstäubung des stürzenden Felsen sein, denn während des Sturzes war alles in Staub eingehüllt. Einige der kleinern, aber immer noch sehr ansehnlichen Blöcke sind einer Art Rüfe weiter östlich gefolgt, welche sie zu einem tiefen Graben ausgetieft haben, und dieser Umstand ist für Felsberg wahrscheinlich vortheilhaft, indem die nachfolgenden Blöcke wohl diesem Wege folgen werden.

Auf den ersten Felsbruch folgte am andern Tage ein zweiter, weniger bedeutender. Der angerichtete Schaden ist im Verhältniss zu den herabgekommenen Felsmassen unbedeutend.“

Quelle

Verschiedene Mitteilungen. Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden. Band (Jahr): 5 (1858-1859)

12./13. Mai 1867

1867, 12/13. Mai. Bedeutender Felssturz; „Das donnerartige Dröhnen wurde bis Chur vernommen und im Dorfe selbst zitterten alle Häuser.“ (JB 1869). “In der Nacht vom 12./13. Mai fand ein starker Felssturz ob Felsberg statt; das donnerartige Dröhnen wurde bis Chur vernommen und im Dorfe selbst zitterten alle Häuser.”

Quelle: Naturchronik 1867. Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden. Band 14 (1868-1869)

“Der Felssturz ob Felsberg hat sich durch herunterstürzende Felsmassen wiederholt (am 11. März, 19. April, 19. und 25. Mai, 12. Juni und 16. Juli) kundgegeben.”

Quelle: Naturchronik 1868. Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden. Band 15 (1869-1870)

23. Mai 1916

Bedeutender Felssturz. „Der kleine Wald unterhalb der Rüfe ist beinahe vollständig zerstört. Felsblöcke von der Grösse eines Backofens bis zur Grösse kleiner Häuser stürzten bis in die

umliegenden Wiesen.“ (BM 1916)

Am 23. Mai, zwischen 1 und 1/2 2 Uhr, ging unter starkem Getöse im alten Bergsturzgebiet ein Felssturz nieder, wie er schon seit langer Zeit nicht mehr beobachtet wurde. Der kleine Wald unterhalb der Rüfe ist beinahe vollständig zerstört. Felsblöcke von der Grösse eines Backofens bis zur Grösse kleiner Häuser stürzten bis in die umliegenden Wiesen. Ein Beispiel von der Heftigkeit des Sturzes gibt deutlich ein in der Wiese stehender starker Kirschbaum, der ganz zerfetzt wurde. („N. B. Ztg.“)

Quelle: C. Coaz. Naturchronik für den Monat Mai 1916. In: Bündnerisches Monatsblatt: Zeitschrift für bündnerische Geschichte, Landes- und Volkskunde. Band 1916, Heft 6.

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 825, 24. Mai 1916

Felssturz. Chur, 28. Mai. ag Am Dienstag mittag ging unter starkem Getöse im alten Bergsturzgebiet bei Felsberg ein Felsensturz nieder, wie er schon seit langer Zeit nicht mehr beobachtet wurde. Der kleine Wald unterhalb der Rüfe ist beinahe vollständig zerstört. Felsblöcke von der Grösse eines kleinen Hauses rollten bis in die umliegenden Wiesen. Es wurde niemand verletzt:

der Bericht in e-newspaperarchives

18. bis 20. April 1935

“In der Zeit vom 18. bis 20. April stürzen vom Calanda Felsblöcke gegen Felsberg herunter. Einzelne dringen bis in die Baumgärten ein.”

Abbildung zu «Das Felssturzgebiet Felsberg»
Abbildung zu «Das Felssturzgebiet Felsberg»
Abbildung zu «Das Felssturzgebiet Felsberg»

Quelle: Naturchronik für das Jahr 1935. Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden. Band 74 (1935-1936)

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 660, 15. April 1935

Felssturz. Chur, 14. April. ag Grössere Steinmassen und Felsblöcke lösten sich am Calanda oberhalb Felsberg und stürzten in der Gegend des Rosstobels in der Richtung gegen Tamins zu Tal. Sie kamen in einem Wald zum Stillstand und richteten am Baumbestand erheblichen Schaden an.

der Bericht in e-newspaperarchives

25. Juli 1991

Grösserer Felssturz in der Gross Rüfi.

1998/1999

Felsbewegungen an der Gälwand und einzelne Abbrüche.

Februar 1999

Taminserstrasse an der Grenze Felsberg-Tamins verschüttet.

16. März 2000

Felssturz von 3000-4000 m3 aus der Gälwand.

15. Mai 2001

Felssturz im Rappentöbeli / Grossrüfi (3000 m3).

25. Juni 2001

Felssturz im Rappentöbeli / Grossrüfi (10’000 m3)

1. Juli 2001

Felssturz in der Grossrüfi (50’000 m3).

6. Juli 2001

«Jahrhundert-Felssturz» in der Felsberger «Gross Rüfi». Um 23:23 Uhr stürzten rund 250’000 Kubikmeter Gestein Richtung Dorf. Weder Menschen noch Gebäude kamen zu Schaden; jedoch wurde der Schutzwald zu einem grossen Teil zerstört.

Abbildung zu «Das Felssturzgebiet Felsberg»

Ablagerungen des «Jahrhundert-Felssturzes» vom 6. Juli 2001 in der Felsberger «Gross Rüfi». Bild: Amt für Wald Graubünden, Region Rheintal/Schanfigg. Quelle: Deflorin, R., Tschirky, A., Rageth, M.: Jahrhundertsturz Felsberg. Amt für Wald Graubünden, Faktenblatt Nr. 8, Dezember 2001

22. März 2002

Felssturz Grossrüfi (2000 m3).

6. August 2002

Felssturz Grossrüfi (1000-2000 m3).

27. November 2002

Felssturz Gälwand (5000 m3). Blöcke erreichen die Talebene und treffen 5 Rinder in einem Stall.

11. Februar 2021

Am 11. Februar 2021 löste sich aus der «Gamsplatta» oberhalb von Felsberg ein Felssturz mit einem Volumen von etwa 20‘000 bis 30‘000 Kubikmetern. Einer der Splittersteine, welche während dem Sturz der Felsmassen entstanden, flog im Sinne eines «Querschlägers» in die bebaute Zone und beschädigte eine Hausfassade. Er hatte ein Volumen von etwa einem halben Kubikmeter.

In der Folge wurden drei Häuser vorsorglich für zwei Tage evakuiert. Personen kommen keine zu Schaden.

Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg werden auf dieser Seite detailliert präsentiert.

Quellen / Literatur

  • Heim, Albert: Bergsturz und Menschenleben. Beiblatt zur Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich. 1932 No. 20. Jahrg. 77 download
  • Gemeinde Felsberg: Felssturz. Spezialausgabe des Infoblattes der Gemeinde Felsberg vom August 2021. download
  • C. Burkhardt: Notizen zu der Ansicht von Felsberg. Zürich, 1846. download
  • Elisabeth Maidl, Matthias Buchecker: Social Representations of Natural Hazard Risk in Swiss Mountain Regions. November 2018. download
  • Pieth, F.: Der Felsberger Bergsturz und die Siedlung Neufelsberg. Bündnerisches Monatsblatt: Zeitschrift für bündnerische Geschichte, Landes- und Volkskunde. Heft: 9, 1948. download
  • Renato Deflorin, Anton Tschirky, Magnus Rageth: Jahrhundertsturz Felsberg. Amt für Wald und Naturgefahren, Faktenblatt Nr. 8, erste Ausgabe, Dezember 2001. download
  • Liechti, K., Matter, D., Lustenberger, F., Badoux, A.: Unwetterschäden in der Schweiz 2021. In: «Wasser Energie Luft» 2022, Heft 2-
  • JB, Schneller (1983): Felsberg, ein geschichtlicher Rückblick-
  • Christian Böhm: Felssturzchronik Felsberg
  • Heim (1882): Ueber Bergstürze; Jber. Natf. Ges. Graubünden
  • Vierteljahresschrift der Naturforschenden Gesellschaft Zürich
  • Bergsturz in Felsberg. In: Bündnerisches Monatsblatt. Erster Jg. 1850.
  • Bündner Monatsblatt
  • Bündner Tagblatt BT
  • Dosch (2001): Kunst und Landschaft in Graubünden
  • Die Südostschweiz

Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg

Alle Tage fürchtet man die Nachricht aus Chur zu erhalten: „Felsberg ist nicht mehr!“

Wochenblatt für die vier löblichen Kantone Ury, Schwytz, Unterwalden und Zug, Nummer 12, 22. März 1844

Die Aussteckungen aus dem Emsergebiete, wo die Felsberger wegen der Nähe ihrer Güter sich lieber ansiedeln möchten, haben schon begonnen; indessen sind die Emser, wahrscheinlich von ihren Seelenhirten (!) angestiftet, so sehr gegen den energischen und in der Noth der Felsberger allein nützenden Beschluss des Gr. Raths aufgebracht, dass sie die ausgestellten Pfosten muthwilligerweise ausgerissen haben. Sie sollen erklärt haben, nur unter der Bedingung die reformirte Felsberger in ihrer Noth sich auf Emserboden ansiedeln zu lassen, wenn sie katholisch werden wollen. Diess haben wir selbst von Felsbergern in der Nähe des gestern heruntergestürzten Felsens vernommen, zu gleicher Zeit aber von den armen Leuten gehört: lieber wollen wir uns unter den Felsen begraben lassen, als diese Bedingung eingehen.

Berner Volksfreund, Band 14, Nummer 61, 1. August 1844

Graubünden. Bis einmal was Ernstliches gethan wird, schweigen wir über Felsberg. Wir bereuen alle verwendete Druckerschwärze, wenn den Leuten, die immer noch ihr Dorf bewohnen, nicht geholfen wird.

Der Erzähler, 10. Mai 1844

Der Beschluss wegen Uebersiedelung von alt Felsberg in neu Felsberg könne nicht durchgeführt werden. Es will uns immer mehr bedünken, diese ganze Felsbergergeschichte sei eine wahre Affenschande, an die man besser thäte, gar nicht mehr zu erinnern.

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 7, 18. Februar 1853

Die Einwohner aber, anstatt, wie wohl die Meisten erwarten möchten, zu fliehen, liefen zum Theil noch hinter das Dorf zurück gegen den Berg, um desto näher die heruntertanzenden Kolosse zu sehen.

Eidgenössische Zeitung, Nummer 186, 6. Juli 1856

Diese fünf Zeitungsausrisse illustrieren, wie ziespältig, schrecklich, enttäuschend, hoffungslos für Felsberg und die Nachbargemeinden die Zeit zwischen 1834 und 1910 war.

Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg

Im Frühjahr und Winter 1834 drohte dem Dorfe Felsberg erstmals die Gefahr, unter gewaltigen Felsmassen des Calanda begraben zu werden. Felsabstürze von 1841 gingen vorüber, ohne Menschen und Eigentum zu schädigen. Anfangs September und Oktober des Jahres 1843 brachen neue gewaltige Massen los. Die bedrohten Felsberger suchten bei ihren Nachbarn Hilfe und eine neue Heimat. In Chur fanden die wesentlichsten Massnahmen zur bleibenden Rettung der Bewohner wenig Widerstand. Obschon anfänglich die unentgeltliche Abtretung von gutem urbarem Gemeindeboden als ein grosses Opfer erschien, so ergab die Abstimmung darüber am 22. März 1844 dennoch ein beinahe einstimmiges Mehr. Für die augenblickliche Rettung und Aufnahme aller sich nach Chur flüchtenden Familien ergriff eine Hilfskommission wirksame Massnahmen. Sie erstellte in Felsberg Nothütten.

Die Frage einer Eingemeindung der Felsberger Siedlung auf Churer Boden in politischer, gerichtlicher, polizeilicher und ökonomischer Beziehung beschäftigte die Churer Bürgerschaft und Stadtbehörden wochenlang, ohne dass ein befriedigendes Ergebnis zustandegekommen wäre. Schliesslich richtete Felsberg am 15. April 1844 das Gesuch an den Stadtrat, für einmal in der Sache nichts vorzukehren.

Mitte Juni besuchte eine von der Kantonsregierung erbetene Kommission schweizerischer Geologen die drohende Felspartie. Die Kommission stellte in ihrem Gutachten eine grosse Gefahr für das Dorf fest. Der Grosse Rat beauftragte hierauf die Regierung, mit der Nachbargemeinde Ems wegen Abtretung eines Teils ihres Gebietes zum Zweck der Übersiedlung der Felsberger in Unterhandlungen zu treten. Diese führten jedoch zu keinem befriedigenden Resultat. Inzwischen löste sich vom 22. auf den 23. Juli eine beträchtliche Felsmasse vom Berge ab und stürzte auf die unter dem Dorf liegenden Wiesen, doch ohne die Bewohner oder ihre Häuser zu schädigen.

Einer der herabgefallenen Felsblöcke übertraf an Grösse alle früher herabgestürzten. Anlässlich der Tagung der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in Chur besuchte am 31. Juli ein Teil derselben die dem Untergang des Dorfes drohende Stelle und fand die gefährliche Felsmasse über alles Erwarten gross, zerklüftet und zerspalten. Arnold Escher von der Linth, der schon im Juni als Mitglied der Expertenkommission an Ort und Stelle gewesen war, erklärte, dass seit jener Zeit sich die Spalten bedeutend erweitert hätten und die Gefahr um vieles dringender geworden sei.

Nachdem in den Jahren 1844 und 1845 durch die höchst verdankenswerte Verwendung der löblichen Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft eine namhafte Summe für die Übersiedlung des durch Felsabsturz bedrohten Dorfes Felsberg von edlen Menschenfreunden des In- und Auslandes an Hilfsgeldern verabreicht worden war, hatte es sich die von unserer Kantonsregierung eingesetzte Hilfskommission zur Aufgabe gemacht, für möglichst zweckmässige Verwendung der eingegangenen Liebesgaben im Sinne der Geber Bedacht zu nehmen.

Schon die Ausmittlung eines geeigneten Bauplatzes für das neu anzulegende Dorf war im Hinblick auf die Erfordernisse, welche dabei möglichst berücksichtigt werden mussten, bei den besondern Gemeindeverhältnissen mit nicht geringen Schwierigkeiten verbunden. Nach langen diesfälligen Beratungen hatte sich die Standeskommission dahin geeinigt, dass die Ansiedlung auf dem ungefähr eine halbe Viertelstunde unter dem alten Dorf gelegenen Wiesenplan stattfinden soll.

Es liess sich nicht verkennen, dass dieser Platz, obschon in manchen Beziehungen für die Bewohner von Felsberg Vorteile darbietend, dennoch wegen seiner tiefern Lage gegen den Rhein sowohl in bezug auf Anlegung von Kellern als selbst auf einen möglichen Einbruch des Rheins ebenso entschiedene Nachteile hatte; allein diesem Übelstande glaubte der Kantonsingenieur dadurch begegnen zu können, dass eine zweckmässigere Korrektion des Flusses auf dem Gebiete der Gemeinden Chur, Ems und Felsberg vorgenommen werde. Diese Korrektion kam denn auch wirklich unter Mitwirkung der Kantonsbehörden zustande, so dass die bedeutenderen Nachteile, welche der Anlegung des neuen Dorfes auf dem bezeichneten Platze entgegenstanden, als beseitigt betrachtet werden konnten.

Nachdem nun diese Vorarbeiten zu sicherer Anlage des neuen Felsberg getroffen, wurde die Ausmessung und Verlosung der Bauplätze vorgenommen und jeder Bauende angewiesen, sich nach einem diesfalls aufgestellten Bauplan zu verhalten, wobei in bezug auf Steuer-Verteilung der von der Regierung gutgeheissene Grundsatz aufgestellt wurde, dass jeder Wohnungsbesitzer in Alt-Felsberg ohne Rücksicht auf seine sonstigen Hilfsmittel Anspruch auf eine Steuerquote haben soll und dass zur Erleichterung der Bauenden ratenweise Vorschüsse aus der Hilfskasse je nach dem Vorwärtsschreiten des Baues gemacht werden sollen.

Nach einer Überschlagsberechnung konnten jedem Steuerberechtigten zirka 400 Gulden (Bündner-Währung) verabfolgt werden, eine Summe, welche leider nicht hinreichend war, die Kosten eines noch so kleinen, steinernen und mit Ziegel bedeckten Hauses zu bestreiten. In diesem Umstand liegt auch ein Hauptgrund, warum verhältnismässig nur wenige Felsberger sich entschliessen konnten, die Übersiedlung auf den neuen Bauplatz zu bewerkstelligen. Einerseits dieser Umstand, dann aber auch die jetzt noch bei vielen Bewohnern des alten Dorfes waltende Ansicht, dass der Felssturz nur teilweise und ohne erhebliche Gefahr für das Dorf erfolgen werde, dann ferner die gesündere und sicherere Lage des alten Dorfes gegen eintretendes Hochwasser des Rheins waren die Hindernisse der so langsam vorwärtsschreitenden Übersiedlung.

Viele hatten den Bau in Neufelsberg begonnen, aber aus Mangel an weiteren Hilfsmitteln wieder einstellen müssen und andere hatten sich entschlossen, nach Amerika auszuwandern und die ihnen noch gutkommenden Hilfsgelder zu ihrer Reise und überseeischen Ansiedlung zu verwenden.

Der Gesamtbetrag der eingegangenen Steuern beläuft sich auf die Summe von 83,796 Gulden 35 Kr. (inklusive kapitalisierte Zinse). (1 Gulden Fr. 1.75.). Ausgegeben wurden bis dato teils an Wuhrbauten, Erstellung von Nothütten, Vorschüssen zum Steinsprengen und Holzfällen, Steuerbeiträgen und sonstigen kleinen Ausgaben F. 49,571 14 Kr., so dass der Bestand der disponiblen Hilfsgelder sich gegenwärtig noch auf die Summe von 34,225 Gulden 21 Kr. B.-W. beläuft.

Auf den 100 verlosten Bauplätzen sind gegenwärtig aufgeführt: 12 wohnbar gemachte Häuser von 10 bis 12 Familien bewohnt; 11 sind bereits unter Dach gebracht, wovon einige ebenfalls bewohnbar; 2 bis zur Giebelhöhe aufgeführt; 4 bis zum zweiten Stockwerk; 31 angefangen, jedoch meistens nur mit einer zirka drei Schuh hohen Mauer, darunter einige wenige bis zur ersten Stockhöhe; 40 noch gar nicht in Angriff genommen.

Um dem Haupthindernis eines schnelleren Aufbaues der Wohnungen auf dem angewiesenen Bauplatze zu begegnen, hatte die Gemeinde Felsberg der Hilfskommission einen Plan vorgelegt, zufolge welchem mittelst eines Aktienunternehmens zirka 30 bis 40,000 Gulden zusammengebracht werden sollten, um den Unbemittelten die Möglichkeit zu verschaffen, ihre Häuser aufbauen und sich und die Ihrigen der immer drohender werdenden Gefahr des Bergsturzes entziehen zu können. (…)

Quelle

Bündner Kalender 1845 / Bericht der Hilfskommission für Felsberg, abgedruckt in den Verhandlungen der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft 1850, Seite 183 ff. In: Pieth, F.: Der Felsberger Bergsturz und die Siedlung Neufelsberg. Bündnerisches Monatsblatt: Zeitschrift für bündnerische Geschichte, Landes- und Volkskunde. Heft: 9, 1948. download

Medienberichte zu den Ereignissen in der Zeit zwischen 1834 und 1910

> 1834 bis 1839

Berner Volksfreund, Band 4, Nummer 23, 20. März 1834

Graubünden. Chur, 15. März. Dieser Tage wurde das Dorf Felsberg bedroht, von einem sich lostrennenden Felsen am Calanda verschüttet zu werden. Die meisten Bewohner des Dorfes zogen fort in das gastfreundlich aufnehmende Dorf Ems und in die benachbarte Stadt Chur. Mitleiden erregten die Züge der Felsberger auf den Strassen; denn auf allen Gesichtern zeigten sich Spuren der Verzweiflung.

Am 13. März Morgens löste sich der Felsen mit furchtbarem Getöse und sank gegen das nur von wenigen Personen bewohnte Dorf Felsberg. Das Dorf blieb verschont und die ausgewanderten Bewohner desselben können nun mit ihrer Habe wieder heimkehren, zwar nicht sorgenlos, denn noch ist die ganze Gefahr nicht vorüber, und früher oder später wird Felsberg doch von einem ähnlichen Bergsturze heimgesucht werden, und das Unglück scheint, nach menschlichen Ansichten, nicht mehr ferne zu sein.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 12, 20. März 1834

Bergsturz. Die Bündner Zeitung meldet aus Chur: Seit einigen Tagen war man hier für unsere Nachbar Gemeinde Felsberg in grosser Besorgniss. Hoch über diesem Dorfe heben sich am Calanda senkrechte Felswände, die nach oben in zerrissene Köpfe auslaufen. In diesen Felsen bemerkte man seit dem 4. dies einsturzdrohende Bewegungen, und von Zeit zu Zeit rollten kleinere und grössere Steinblöcke herab. Bei näherer Untersuchung entdecke man sehr weithin laufende Sprünge und Ablösungen in den Felsmassen, wahrscheinlich weil sie gemeinschaftlich auf einer verwitterten Grundlage fussen welche unter der aufgethürmten Ueberlast zu weichen begonnen hatte. Da die Sprünge und Ablösungen immer drohender wurden, so war der grösste Theil der Einwohner in eine Nachbargemeinde geflüchtet.

Am 13. früh Morgens um 4 Uhr erfolgte dann der Einsturz einer der Hauptparthien jener Felswände, zum Theil als Massen in der Grösse kleiner Häuser, und thürmte sich ausserhalb des Dorfes zu einem furchtbaren Walle auf, der wahrscheinlich gegen die noch nachfolgenden Massen eine Abwehr für das Dorf bildet. Noch ist nämlich erst der geringere Theil der Ablösungen zur Tiefe gewälzt und die andern werden über kurz oder lang ihnen nachfolgen, doch, wie man nun hofft, ohne das Dorf selbst zu treffen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 12, 21. März 1834

Bündten. — Am 13. Merz, Morgens 4 Uhr, erfolgte ob dem Dorfe Felsberg der Einsturz einer Hauptparthie der ob demselben senkrecht stehenden Felsen, mit zerrissenen Köpfen, am Gallanda-Berge, und es thürmen sich die losgerissenen Steine, in der Grösse kleiner Häuser, zu einem furchtbaren Walle, ausserhalb des Dorfes an, der, wie man hofft, das Dorf gegen die nachstürzenden Massen schützen werde.

Das Dorf selbst war von seinen Einwohnern verlassen, indem man seit dem 4. Merz eine Einsturz drohende Bewegung an diesen Felsen wahrnahm, und bei Untersuchung weithin laufende Sprünge und Ablösungen bemerkte, welche das Weichen einer verwitterten Grundlage vermuthen liessen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Wochenblatt für die vier löblichen Kantone Ury, Schwytz, Unterwalden und Zug, Nummer 12, 21. März 1834

Schweizerische Eidgenossenschaft. Chur. Seit einigen Tagen war man hier für unsere Nachbargemeinde Felsberg in grosser Besorgniss. Hoch über diesem Dorfe heben sich am Calanda senkrechte Felswände, die nach oben in zerrissene Köpfe auslaufen. In diesen Felsen bemerkte man seit dem 4. diess einsturzdrohende Bewegungen, und von Zeit zu Zeit rollten kleinere und grössere Steinblöcke herab.

Bey näherer Untersuchung entdeckte man sehr weithin laufende Sprünge und Ablösungen in den Felsmassen, wahrscheinlich weil sie gemeinschaftlich auf einer verwitterten Grundlage fussen, welche unter der aufgethürmten Ueberlast zu weichen begonnen hatte. Da die Sprünge und Ablösungen immer drohender wurden, so war der grösste Theil der Einwohner in eine Nachbargemeinde geflüchtet.

Am 13 früh Morgens um 4 Uhr erfolgte dann der Einsturz einer der Hauptparthien jener Felswände zum Theil als Massen in der Grösse kleiner Häuser, und thürmte sich ausserhalb des Dorfes zu einem furchtbaren Walle auf, der wahrscheinlich gegen die noch nachfolgenden Massen eine Abwehr für das Dorf bildet. Noch ist nemlich erst der geringere Theil der Ablösungen zur Tiefe gewälzt und die andern werden über kurz oder lang ihnen Nachfolgen, doch, wie man nun hofft, ohne das Dorf selbst zu treffen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 37, 7. Mai 1834

Unlängst hatte sich ein Felsensturz beim Dorfe Felsberg ereignet, ohne jedoch das Dorf selbst zu beschädigen. Jetzt aber droht eine mehrere hundert Mal grössere Felsenmasse gerade in der Richtung des Dorfes sich loszulösen. Schon seit 11 Tagen bröckeln kleinere Steinblöcke herab. Die Bewegung der Felsen hat sich bereits auf die Strecke von mindestens 600 Fuss ausgedehnt, die Klüfte haben sich im Allgemeinen um mehrere Fuss erweitert, und einige Vordermassen sich schon um 25 Fuss gesenkt. Die bedrohten Einwohner sind daher schon darauf bedacht, sich mit ihren Habseligkeiten in die benachbarten Gemeinden zu retten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 20, 15. Mai 1834

Graubünden. Es ist schon früher die Rede gewesen von der Gefahr, welche dem Dorfe Felsberg, bei Chur, droht, indem der daran stehende Berg Calanda sich anschickt, eine Masse von Felsen über das arme Dörflein herabfallen zu lassen. Seit einigen Wochen rollen kleinere Felsfücke herunter, in der Länge von 600 Fuss liegen Sprünge, und einige vordere Massen sollen sich schon um 25 Fuss gesenkt haben.

Man räth den Bewohnern des unglücklichen Dörfleins, mit ihrer Fahrhabe auszuwandern, und die Heimath unter den neigenden Felsen mit dem Rücken anzusehen, in der Hoffnung, dass die Nachbardörfer ihnen die gastfreundliche Thüre öffnen werden. Andere sind der Meinung, die Gefahr sei nicht so nahe, und es können die Bewohner von Felsberg unter ihren Dächern und unter den überhängenden Felsen noch manche Nacht ruhig schlafen. Wer kann es wissen?

Ist aber nicht aller Menschen Leben also beschaffen? Ein Augenblick, und wir sind nicht mehr da!

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 40, 17. Mai 1834

Bündten. Auf die Anzeige von neuen Erweiterungen der Sprünge und Senkungen der Gebirgsmassen bei Felsberg hat der kleine Rath den Kantons-Ingenieur Hrn. Major Lanicca an Ort und Stelle gesendet, um die Grösse der Gefahr durch genauere Untersuchung ausmitteln zu lassen.

Hr. Lanicca konnte mit den früheren Angaben nicht ganz übereinstimmen, fand die Gefahr für den gegenwärtigen Augenblick weniger nahe, und gab also einen beruhigenden Bericht. Aber im Allgemeinen fand er auch, dass bei einem allfälligen Losbruch der zerklüfteten Massen allerdings eine Zerstörung bevorstehe, die jede menschliche Berechnung übersteige, und er glaubte, dass es zweckmässig sei, die Vordermassen durch Pulvergewalt zu sprengen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Volksfreund, Band 4, Nummer 66, 17. August 1834

Graubünden. Hr. Prof. Studer von Bern, auf auf einer geognostischen Reise begriffen, hat sich auf Ansuchen des Kl. Raths von Graubünden, nach Felsberg begeben, um den gefahrdrohenden Felsen zu untersuchen. Er wird einen Bericht über den Befund eingeben; vorläufig erfährt man, dass er den berstenden Felsen für Dolomit erkannte, und sich für künstliche Ablösung desselben aussprach.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 47, 20. November 1834

Eidgenossenschaft. In der Nacht vom 8s. auf den 9. November wurde wieder in den losgerissenen Felsmassen oberhalb Felsberg ein drohendes Krachen gehört. Dennoch bleiben die Felsberger in ihrem Dorfe wohnen, wie so viele Menschen noch sicherer unter den ob ihnen schwebenden Strafgerichten Gottes.

Der Erzähler, 25. November 1834

In Felsberg bei Chur soll die Bewegung unter den zerklüfteten Felsmassen noch immer fortdauren

— Die Bündner Zeitung fragt daher mit Recht, ob nicht oberpolizeiliche Schutzmassnahmen zu treffen seyen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 48, 27. November 1834

Bündten. Eine Beobachtungskommission ist ins Leben getreten, um über den Stand der sich losreissenden Felsmassen bei Felsberg zu machen. Bei einer Untersuchung am 14. Nov zeigte sich, dass nicht nur eine Million Centner in Bewegung ist, und dass man mit jeder Stunde den Sturz gewärtigen muss. Viele sehen noch keine Gefahr — Viele zittern zu sehr. Der Herr sei uns gnädig!

der Bericht in e-newspaperarchives

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 6, Nummer 145, 4. Dezember 1834

Aus Auftrag der schweiz. gemeinnützigen Gesellschaft begaben sich den 26. Nov. die Herren Kommissarien v. Escher, v. Erlach und v. Dürler nach Felsberg, um von der Natur der Gefahr Kenntniss zu nehmen und zu untersuchen, ob durch eidgen. Beistand geholfen werden könne.

Die Furcht vor einem Einsturze der Felsenwände ist nur allzu begründet. Die Spalten ziehen sich hinter dem Rande der senkrechten Felsenwand netzartig und in wirrem Laufe, in Ablösungsbreiten von 2 bis 6 Fuss durch den Waldboden hin; ihre Tiefe übersteigt hin und wieder 600 Fuss senkrecht in das Innere des Berges hinab, andere eben so mächtige Klüfte sind zum Theil mit einem bewachsenen Erdreich bedeckt, so dass man sorglos auf tückisch verborgenen Untiefen umherwandelt.

Hat man den Muth, auf einer Brücke von Baumstämmen die grössere Kluft zu überschreiten, so steht man gleichsam auf einer Inselgruppe von gelösten Felsköpfen, und wird leicht von der Besorgniss eines Losbruches unter seinen Füssen jeden Augenblick beschlichen. Die grössern Sprünge und Klüfte sind alt, mögen schon seit vielen Jahrhunderten da gewesen seyn; aber neben diesen ältern Ablösungen bieten sich neue Brüche und Senkungen in Menge dar, in welche hin und wieder grosse Steinblöcke und grünende Baume eingesunken sind.

Schauerlich ist der Blick in die Tiefe der Spalten, wo das Auge keinen Grund erreichen kann — und wer die durchgehends hervortretende innere Zerklüftung der grössern Einzelmassen betrachtet, kann sich des Gedankens nicht erwehren, dass sie bei irgend einer kräftigern Einwirkung der Kälte, des Regens und des Frühlings-Unwetters zu einem theilweisen Ruin der anliegenden Thalfläche hinabstürzen werden.

Kommt es bloss zum Ueberstürzen der obern Felsgehänge, so dürften sie vielleicht sich als ein schützender Steindamm vor dem Dorfe aufschichten. Erfolgt aber durch den Druck ihrer eigenen Schwere eine allgemeine Abgleitung von der Unterlage, so ist mit grosser Bestimmtheit vorauszusagen, dass der ganze losgetrennte und bereits hangende Hintergrund mit einem Massengehalt nachstürze, worüber keine Abschätzung, geschweige eine Berechnung wenn auch nur in runden Zahlen, möglich ist. In diesem letztern Fall erleben wir eine Katastrophe wie bei Goldau, und es ist alsdann nicht bloss das Dorf, sondern der ganze Thalgrund und das Flussbett des Rheins mit einer schreckhaften Ueberschüttung bedroht.

So viel scheint uns gewiss, dass ein theilweiser Einsturz nicht lange ausbleiben kann, denn die Bewegung dauert fort und die keilartig einsenkende Zwischenmasse wirkt langsam auf einen Uebersturz der äussersten Gehänge hin. Mit Menschenkraft ist in diesen Zerklüftungen nichts zu hindern, schwerlich sogar viel zu befördern. Nur eine seltene Ergebung in den Schutz des Allerhöchsten kann Denjenigen ruhigen Schlaf und Aufenthalt verleihen, welche unter so schrecklichen Anzeichen von Gefahr und Tod durch längere Dauer der Ungewissheit mit ihrer Lage gleichsam vertraut werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 6, Nummer 156, 30. Dezember 1834

Chur, 23. Dez. Heute Morgens um 5 Uhr wurde das schon mehrmals geängstigte Dorf Felsberg aufs Neue durch einen Felsensturz in Schrecken gesetzt. Mit fürchterlichem Getöse und starker Erschütterung der Wohnungen wälzten sich aus dem Felsengehänge etwa 8 bis 10 grössere Felsmasssen, ähnlich den im Frühjahr gestürzten, über die Halde herab und zerstreuten sich auf der hinter dem Dorfe liegenden Wiesenfläche. Weitern Schaden verübten sie nicht. Im ersten Augenblick des Schreckens sollen diesen Morgen einige Mütter nebst ihren Kindern noch unangekleidet durch den Schnee bis gegen die Rheinbrücke geflohen seyn.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 53, 31. Dezember 1834

Den 23. Dez. in der Morgenfrühe sind wieder etwa 10 grosse Felsblöcke bei Felsberg hinuntergestürzt, welche, ohne weitern Schaden zu thun, in der Nähe des Dorfes liegen blieben. Der fallende Schnee hinderte die alsbaldige Untersuchung der etwa weiter drohenden unmittelbaren Gefahr. Uebrigens erklärt sich die Gemeinde, dass sie vorerst von den Anerbietungen der Nachbarn, sie im Falle der Auswanderung aufzunehmen, so lange keinen Gebrauch machen werde, bis die Gefahr durch den Felsensturz grösser geworden als die durch Auswanderung herbeigeführte des ökonomischen Ruins. Eine Beobachtungskommission bewacht indess die Veränderungen in der Lage der vorrückenden Bergmassen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 1, 2. Januar 1835

Bünden. — Am 28. Dez., des Morgens 5 Uhr, geschah abermals ein Felssturz ob dem Dorfe Felsberg. Die herabgestürzte Masse war 8 bis 10 Mal grösser, als die im letzten Frühjahr, doch blieb sie ziemlich ferne von den Wohnungen liegen. In Folge der Untersuchung zeigte es sich, dass jene Masse heruntergestürzt war, deren nahen Einsturz man vorher sah, und da man keine neue Nachrutschungen bemerkte, so glaubt man, dass die Gefahr auf längere Zeit vorüber sey. —

Die Bündtn. Zeit, hat indess mehr als recht, wenn sie die Leute vor zu grosser Sorglosigkeit warnt, und sie ernst auffordert, die gefahrdrohenden Stellen, besonders bei Thauwetter, und überhaupt nie ausser Acht zu lassen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Volksfreund, Band 7, Nummer 36, 4. Mai 1837

Graubünden. Die Bündnerzeitung berichtet: Als wir vor drei Jahren Bericht erstatteten über den Einsturz einer der Hauptpartien der Felsenwände ob Felsberg, sprachen wir die Hoffnung aus, dass spätere Ablösungen in den Felsmassen, die man damals als nahe bevorstehend befürchtete, ohne Gefahr für das Dorf sich zur Tiefe walzen würden.

In dieser Hoffnung fanden wir uns nicht getäuscht. Den 27. April, Nachmittags 3 Uhr, rollte unter furchtbarem Getöse eine grosse Masse grösserer und kleinerer Steinblöcke herunter und thürmte sich ausserhalb des Dorfes auf, ohne den geringsten Schaden zu verursachen. Die Felsberger betrachten dieses Ereigniss als einen Gewinn, indem ihnen durch dasselbe eine Menge zur Bewuhrung des Rheins vorzüglich geeigneter grosser Steine ohne Unkosten zur Stelle geschafft wurden.

der Bericht in e-newspaperarchives

> 1840 bis 1849

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 36, 8. September 1843

In Felsberg, in Bündten, hat ein neuer Felssturz stattgefunden; es wurden einige leere Stallungen zertrümmert, und da die Felsmasse in andauernder Bewegung ist, so werden die Wohnungen, die sich in der nächsten Richtung befinden, geräumt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 251, 8. September 1843

Die Nacht vom letzten Samstag auf den Sonntag war für die benachbarte Gemeinde Felsberg wieder eine Schreckensnacht. Eine bedeutende Steinmasse hatte sich nach 1 Uhr von dem hoch über dem Dorfe senkrecht emporsteigenden Felsen am Calanda gelöst und war an den Fuss des Berges heruntergestürzt. Einzelne Steine waren mehrere Schuh tief in den Boden gedrungen. Die Häuser des bloss einige Steinwürfe vom Fusse des Berges befindlichen Dorfes wurden zwar von den Felsentrümmern nicht erreicht, sondern bloss ein näher gelegener Stall, in dem zwei Schweine und eine Ziege zermalmt wurden.

Abermals ist zwar eine grosse Gefahr für das bedrohte Dorf ohne erheblichen Schaden vorübergegangen; um so grösser und gegründeter ist aber die Besorgniss für die Zukunft. Denn einestheils hat sich die Einsturz drohende Masse noch keineswegs ganz, ja nicht einmal zum grössern Theile gelöst und dann ist der zwischen dem Dorf und dem Fusse des Berges befindliche Raum durch wiederholte Einstürze angefüllt, so dass neue Brüche sich leicht darüber weg bis zum Dorfe hinschieben. Zudem ist wieder ein Streifen des über dem Dorfe befindlichen, schützenden Waldes zerstört worden. Der erste beträchtliche Felsenbruch geschah im Jahr 1817, der zweite im Jahr 1833.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Morgenstern, 8. September 1843

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 280, 7. Oktober 1843

Chur, 2. Okt. Die Felsberger haben wieder ihre alten Wohnungen bezogen; es scheint aus Mangel an anderweitigem Unterkommen, denn am 1. d. wiederholte sich ein Felssturz, erreichte aber glücklicherweise die Gebäude nicht; es ist jedoch eine Frau vor Schrecken ohnmächtig und geisteskrank geworden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 253, 10. September 1843

Chur, 8. Septb. Gestern begab sich Hr. Oberingenieur Lanicca nach Felsberg, um den dortigen Felsenbruch zu untersuchen. Das Resultat seiner Untersuchung war, dass sich noch eine Felsmasse von ungeheurer Ausdehnung in steter Bewegung befindet, welche auf der vordern Seite nur durch einen ebenfalls allmälig am Fusse weichenden bedeutenden Felsen im Vorwärtssturze aufgehalten wird. Von einem grössern Bruche ist die Verschüttung eines grossen Theiles des Dorfes zu besorgen. Die Bewohner haben bereits angefangen, die zumeist bedrohten Häuser zu räumen. (Bünd. Zt.)

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 73, 12. September 1843

Graubündten. Felsberg war aufs Neue ernstlich bedroht. Eine bedeutende Steinmasse hatte sich von dem hoch über dem Dorfe senkrecht emporsteigenden Felsen am Calanda gelöst und war an den Fuss des Berges heruntergestürzt. Einzelne Steine waren mehrere Schuh tief in den Boden gedrungen. Die Häuser des bloss einige Steinwürfe vom Fusse des Berges befindlichen Dorfes wurden zwar von den Felsentrümmern nicht erreicht, sondern bloss ein näher gelegener Stall, in dem zwei Schweine und eine Ziege zermalmt wurden.

Abermals ist zwar eine grosse Gefahr für das bedrohte Dorf ohne erheblichen Schaden vorübergegangen; um so grösser und gegründeter ist aber die Besorgniss für die Zukunft. Denn einestheils hat sich die Einsturz drohende Masse noch keineswegs ganz, ja nicht einmal zum grössern Theile gelöst und dann ist der zwischen dem Dorf und dem steil in die Ebene springendem Fusse des Berges befindliche Raum durch wiederholte Einstürze angefüllt und die Steigung dadurch geringer geworden, so dass neue Brüche sich leicht darüber weg bis zum Dorfe hinschieben. Zudem ist wieder ein Streifen des über dem Dorfe befindlichen, schützenden Waldes zerstört worden.

Schon Anno 1833, wo seit 1817 wieder der erste betrachtliche Felsenbruch erfolgte, ist viel geredet und geschrieben worden, wie Felsberg vor der drohenden Gefahr zu sichern sei. Auch diessfällige Untersuchungen wurden veranstaltet. Allein weder in der einen noch andern Weise geschah Etwas, oder konnte Etwas geschehen. Die Bewohner von Felsberg waren an die Gefahr gewöhnt und hielten sie nicht für bedeutend.

Berichte aus Chur vom 8. September melden nun weiter: Die Lage unserer Nachbarn in Felsberg gestaltet sich immer bedenklicher; täglich, ja stündlich entschliessen sich einzelne Familien, ihre so sehr gefährdete Heimath zu verlassen. — Erneuerte Untersuchungen, die gestern auch noch von unserem Herrn Ober-Ingenieur Lanicca vorgenommen worden, bestätigen leider, dass der Felsenbruch ob Felsberg ausserordentlich zugenommen hat, und sehr grosse Massen in Bewegung sich befinden, und jeden Augenblick ihre Ablösung drohen. Die Gefahr, in welcher das Dorf schwebt, ist daher sehr gross, und auch Herr Lanicca hält dafür, dass ohne Verzug an eine Wegsiedelung der Einwohner, welche ganz bestürzt sind, gedacht werden muss.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 37, 13. September 1843

Die Felsen des Calanda in Bünden haben den Bewohnern von Felsberg wieder Angst gemacht; einige Hütten mussten verlassen werden, die nachher zertrümmert wurden. Eine neue Untersuchung der Felsen hat gezeigt, dass sich noch eine Felsmasse von ungeheurer Ausdehnung in steter Bewegung befindet und nur noch durch einen Felsen, der aber gleichfalls weicht, vom verheerenden Sturze, der Felsberg fast ganz zerstören könnte, abgehalten wird. — Die Bewohner haben schon angefangen, die zunächst bedrohten Häuser zu verlassen. — Muss es uns Schweizern nicht manchmal Allen werden als wohnten wir am Fusse der wankenden Calanda-Felsenl

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 257, 14. September 1843

Graubünden, 11. Sept. (Korr.) Die Gemeinde Felsberg, etwa eine gute halbe Stunde von Chur entfernt, am Fusse des Calanda gelegen, hat ein trauriges Ereigniss getroffen. In der Nacht vom 2. auf den 3. Sept. brach von den hoch ob dem Dorfe hängenden zerklüfteten Felsen eine grosse Masse los, stürzte mit furchtbarem Getöse auf das Dorf zu. Drei Ställe, die dem Berge am nächsten liegen, wurden zusammengedrückt wie Kartenhäuser. Grössere und kleinere Steine flogen bis in die Mitte des Dorfes hinein. Ein Mann, der in einem der zerstörten Ställe sich befand, konnte, gewarnt vom Nachtwächter, kaum entfliehen. Zwei Schweine und eine Ziege wurden den folgenden Tag todt aus den zertrümmerten Ställen ausgegraben. Das Feld zwischen dem Berge und dem Dorfe ist übersäet mit kleinen und grossen Steinen.

Hr. Ingenieur Lanicca, der einige Tage darauf den Berg beftieg, um den Zustand der noch hängenden Steinmassen zu untersuchen, erklärte, von Tag zu Tag vergrössere sich die Gefahr, es könne nicht mehr lange anstehen, bis die ganze vom Berge losgetrennte Masse herunterstürze. Auf dessen Bericht hin ernannte der Kl. Rath eine Kommisston, bestehend aus den Herren Bundespräsident Pestalozzi, Bundeslandammann Buol, Landrichter Vieli, Bürgermeister Cappeller und Landammann Zarn von Ems, um den unglücklichen Bewohnern von Felsberg mit Rath und That an die Hand zu gehen. Man überspannte die Spalten zwischen den hängenden und den festen Felsen mit Tramen und Drähten. Die tägliche Beobachtung derselben ergab, dass die Felsenmasse in den wenigen Tagen seit jener unglücklichen Nacht um mehrere Zoll vorwärts gewichen ist.

In der Nacht vom 8. auf den 9. rollte wieder einiges Gestein bis an das Dorf hinunter. Bei dieser drohenden Gefahr wagten es nur wenige Bewohner, die Nacht in ihren Häusern zuzubringen. Mehr als die Hälfte ist einmal provisorisch in Ems und Chur untergebracht worden. Die Uebrigen werden durch die Verwendungen der obigen Kommisston für einstweilen wenigstens auch ein Unterkommen finden. Der Winter rückt aber bald heran; wo dann die armen Leute unterbringen? Was soll in der Zukunft aus dem unglücklichen Dorfe werden?

Den 8. hat die Gemeinde auf freiem Feld im Mondschein Versammlung gehalten, und beinahe einstimmig beschlossen, ihren heimatlichen Ort zu verlassen, und wenn möglich auf der andern Seite des Rheines ein neues Dorf zu gründen. Alte Männer sagten da weinend: „Es thut uns weh, unsere Heimat zu verlassen, wo wir Freud und Leid genossen, aber es ist unsere Pflicht, unsern Kindern eine sichere Zukunft zu bereiten.“

Das Dorf ist arm, 500 Seelen stark. Sie werden daher ohne reichliche Unterstützung kaum im Stande sein, ein neues Dorf zu gründen; aber diese wird ihnen gewiss zu Theil werden; dafür bürgt die allgemeine Theilnahme, die die unglücklichen Felsberger finden, und die Wohlthätigkeit der Eidgenossen, die sich im Jahr 1834 so glänzend bewährt hat.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 15. September 1843

Graubünden. Die Felsberger sind Heimathlose geworden. Hieher, ihr Empfindsamen, mit Euerer Theilnahme, Euerer Hülfe! Auf letzten Freitag Abend berief Ammann Christ. Danuser, der Vorsteher des Dorfes, die Gemeinde. Auch kein Stimmfähiger fehlte. Die VerhandInngen wurden im Freien beim falben Scheine des Mondes gepflogen, was ihnen einen um so düsterer Charakter verlieh, als sie selbst eine sehr ernste Angelegenheit, eine Lebensfrage der unglücklichen Gemeinde beschluge. Es handelte sich nämlich um die grosse Gefahr, in der das ganze Dorf schwebt, und um die Mittel, derselben auszuweichen.

Danuser eröffnete die schweigsame Versammlung, in der kein anderes Gefühl als das der tiefsten Wehmuth waltete, und nach einer zu wahren Schilderung der Sachlage, die jedermann die gerechtesten Besorgnisse einflösst, fasste die Gemeinde den einhelligen Beschluss: in Gottes Namen auszuwandern. Man kann sich denken, welchen heissen, innern Kampf dieser Entschluss kostete. Männer, die auf diesem Flecke geboren, herangewachsen und alt geworden waren — Männer, deren Tage gezählt sind, und die daher in Bälde auf diesem theuern, heimischen Flecke ihr Haupt ruhig niederzulegen hofften, stimmten mit blutendem Herzen zur Auswanderung; sie stimmten hiezu im Hinblick auf ihre Söhne und Enkel, die unter den dräuenden Felsenthürmen — sollte die Gefahr auch nicht so bald hereinbrechen — nie zum frohen Genusse ihres Daseins gelangen würden.

Auf den Bericht des Hrn. Oberingenieur Lanicca und einer Deputation der Gemeinde Felsberg säumte der Kl. Rath nicht, eine Kommission, bestehend aus den HH. Bundespräsident v. Pestalozzi, Bundeslandammann Buol, Landrichter Vieli, Bürgermeister Capeller, Kanzleidirektor Hössli und Landammann Zarn, zu ernennen, welche die Aufgabe hat, der Gemeinde im weitesten Sinne des Worts mit Rath und That an die Hand zu gehen und sie namentlich bei der am 8. beschlossenen Auswanderung zu unterstützen. Bereits ist der grösste Theil des Dorfes geräumt, und eine beträchtliche Anzahl hat für einmal im benachbarten Ems und Chur Unterkunft gefunden. Das Dorf besteht in einer Hauptgasse, welche in ihrer ganzen Front den herabstürzenden Felsblöcken Angriffspunkte darbietet. Vom Fusse des Bergs, der ganz schroff sich niedersenkt, ist die ganze Häuserreihe bloss etwas über 100 Schritte entfernt; etwa in einer Höhe von 3000 Fuss befindet sich der Hauptbruch, der in einzelnen Kegeln und Thürmen überzuhängen scheint. Dort ist fortwährend Alles in Bewegung, und nach dem Bericht von Sachkundigen wird der Sturz der Hauptmasse nur noch durch einen Felsenthurm von beträchtlicher Ausdehnung zurückgehalten, der aber auch bereits im Fundamente zu weichen beginnt. Seit 1834 ist er, 2 Zoll gewichen und seit dem 2. Sept. des Jahres. wieder 2 Zoll bis Ende der verwichenen Woche.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Morgenstern, 15. September 1843

Graubünden. Der hochlöbl. Kleine Rath hat, wie von seiner väterlichen Fürsorge zu erwarten war, für Felsberg eine eigene Kommission bestellt, in den Herren Bundespräsident von Pestalozzi, Bundeslandammann Buol, Landrichter Vieli, Bürgermeister M. Capeller, Kanzleidirektor Hössli und Landammann Zarn, die unter Zuzug des Herrn Oberst Lanicca den Auftrag hat, der Gemeinde Felsberg im weitesten Sinne des Wortes mit Rath und That an die Hand zu gehen, und sie namentlich bei der am 8. d. beschlossenen Auswanderung zu unterstützen. — Sämmtliche Einwohner sind bereits weggezogen und halten sich einstweilen im benachbarten Ems und Chur auf.

Die Kommission war voriger Tage auf dem Augenschein der drohenden Stelle; in einer Höhe von 3000 Fuss ist die Zerklüftung der Felsmasse am beträchtlichsten, und wird nun noch von einem Felsenpfeiler zurückgehalten, dessen Fuss aber schon früher beweglich erkannt wurde, und nun neulich gewichen ist. — Die Ungewissheit der Ausdehnung und ob sich durch die Erschütterung nicht noch grössere Massen des verwitterten Gebirgsabhanges ablösen möchten, setzt einer Sprengung mit Schiesspulver gewichtiges Bedenken entgegen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 269, 26. September 1843

Chur, 22. Sept. Gestern fanden sich Mitglieder der zur Unterstützung der Felsberger niedergesetzten Kommission in Felsberg und Ems. Es soll sich um Ausfindigmachung eines Uebersiedelungsplatzes gehandelt haben. Die Emser, die sich überhaupt viel gefälliger gegen die verlassenen Felsberger benehmen als deren Glaubensgenossen in Chur, zeigten sich im Allgemeinen bereitwillig, einen solchen auf ihrem Gebiet abzutreten, bloss kann man sich nicht recht über die Wahl des Ortes vereinigen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Morgenstern, 26. September 1843

Wenn die Kantonalkommssion im Hinblick auf die Ereignisse von Plurs und Goldau, auf der gänzlichen Räumung von Felsberg besteht, und die geregelte Vertheilung und Unterbringung der sämmtlichen heimischen Einwohner dieses unglücklichen Ortes in die benachbarten Gemeinden Chur, Ems, Tamins und Haldenstein, wenigstens für den bevorsthenden Winter anordnen wird,

— wenn sie auf dem rechten Rheinufer zwischen Chur und Ems, wo sich grosse Allmeindstrecken längs der Hauptstrasse sich zur Anlage von Neu-Felsberg in der Nähe der eigenen Privatgüter vorzüglich eignen, das hiezu erforderliche Terrain durch günstige Erpropriationen erwerben wird

— wenn sie ferner mittelst einstweiliger Vorschüsse aus der Standeskasse die Fundamentirung der neuen, planmässig anzulegenden Häuser und Stallungen, und schleunigen Abbruch der Häuser in Alt-Felsberg und die Benutzung aller daherigen brauchbaren Materialien und Einrichtungen leiten und vollziehen lassen will – so dürfte es an der Zeit sein, Namens des Kantons ernstlich für die Gemeinde Felsberg zu interveniren und mit Chur und Ems über Bodenabtretung, Territorialverhältnisse, und die damit in allfälligem Interesse in Verbindung zu bringende sichernde Korrektion der dies- und jenseitigen Rheinufer zu unterbandeln uud abzuschliessen.

Dann wird man anch den Umfang der Sache und die Hilfsmittel erkennen, welche zu gänzlicher und schneller Ausführung benötigt sind, und wohlbegründet wird man alsdann in Bünden und überall im eidgenössischen Vaterlande werktätige Hilfe anrufen, und, wir sind dessen innigst überzeugt im schönsten Masse erhalten. Der Wohltätigkeitssinn ist der unvergängliche Schmuck eidgenössischer Liebe und Treue in allen Gauen des Vaterlandes; dieser Sinn, der das abgebrannte Haldenstein wieder aufbauen half, wird sich in Neu-Felsberg ein neues Denkmal setzen, und Chur und sein Magistrat werden bewähren, dass werktätige Nächstenliebe auch hier gleich geblieben ist.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 39, 29. September 1843

Bündten. — Die in einige Blätter übergegangene Nachricht, es haben die Felsberger wegen mangelnder Theilnahme wieder in ihre bedrohten Häuser zurückkehren müssen, zeigt sich als gänzlich unwahr; im Gegentheil werden Anstalten getroffen, die Häuser in Felsberg schleunig abzubrechen, um die noch brauchbaren Materialien zu retten. Die Leute werden in Chur, Ems, Tamins und Haldenstein untergebracht, und für ein Neu-Felsberg auf dem rechten Rheinufer ist bereits der Plan entworfen. Dass indess die Stadt Chur nicht allein alle Hülfe leisten kann und soll, ist begreiflich.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 282, 9. Oktober 1843

Felsberg in Bündten. (Mitgetheilt.) Felsberg, ein Dörfchen von 530 Einwohnern (oder 120 Familien), liegt ¾ Stunden von Chur und ¼ St. von Ems auf der linken Seite des Rheins, etwa 200—300 Schritte von Letzterm, und ebensoviele vom Fusse des Kalanda; die Häuser bilden eine Gasse, die grossentheils ziemlich parallel mit dem Kalanda-Fusse läuft, dann aber beim Kirchenhügel in einem rechten Winkel umbeugt und sich bis hart an den Berg hinzieht, (letzterer Theil des Dorfes heisst der Lux).

Hinter den Häusern, an diese angebaut, sind die Scheunen und Ställe. Dem ganzen Gebiete von Felsberg entlang steigt der Fuss des Berges steil an; in einer bedeutenden Höhe erhebt sich fast senkrecht eine 200—300 Fuss hohe Felswand von leicht verwitterndem Kalk (dolomid), dessen Unterlage aber ein stark abschüssiger Thonschiefer ist.

Vor etwa 20 Jahren wurde ein Stück Wald auf der Felswand gerade über dem Dorfe abgeholzt, und seither wurden die sich weit verzweigenden Zerklüftungen erst recht bemerkt, und die Leute auf eine mögliche Gefahr aufmerksam gemacht.

Im Frühjahr 1834 kündeten einzeln herabrollende Steine, dann das öfter sich wiederholende Krachen im Felsen einen baldigen gefährlichen Sturz an. Endlich noch zur rechten Zeit rüsteten sich die erschrockenen Felsberger zur Flucht; wenige die Gefahr nicht Glaubende blieben in ihren Häusern, die Andern alle kampirten bei Feuern in der Nähe des Rheins oder weiter gegen Tamins zu, bis gegen Morgen mit entsetzlichem Krachen und Poltern eine bedeutende Masse stürzt, den dichten Wald am Abhange vor sich hin wegbläst, dass die rollenden Steine an einander schlagend sich gleichsam auf der schnellen Fahrt leuchteten.

Der Schrecken war gross, nicht so die Verheerung. Ganz nahe am Fusse des Berges blieb alles ohne weitern Schaden liegen. Geraume Zeit noch erwartete man andere Felsstürze; besuchte die kranke Stelle des Berges, sich zu überzeugen, was man vernünftiger Weise zu hoffen oder was zu fürchten habe. Die hohe Regierung und die helvet. gemeinnützige Gesellschaft sandten sachverständige Männer hinauf (die Hrn. Ingenieur La Nicea, Escher v. d. Linth, Dürrler und Studer). Alle diese Herren hatten durch Augenschein die Ansicht gewonnen, dass früher oder später Felsberg mit seinem Gebiete ähnlich verschüttet würde, wie vor undenklichen Zeiten die Gegend, auf welcher jetzt das Taminser Gebiet liegt.

Sie riethen schon damals, auf eine Uebersiedlung an einen sichern Platz ernstlich bedacht zu sein. Nun erst erkannte man die Art der Zersplitterung der Felsmasse. Man sah, dass, während der Fuss des Felsens ganz gut ist, die Spalten in Kreuz und Quere mehrere grössere Keile bilden, die durch ihr eigenes Gewicht die vordere Masse wegsprengen und dann selber nachstürzen, wodurch erst wieder eine andere ähnliche Felsmassse die überstanden geglaubte Gefahr erneuert.

Vom März des Jahres 1834 an zeigte sich keine besonders merkliche Veränderung im losen Felsen, und die etwa einzeln herabrollenden Steine kommen alle schadlos herab. Ja, man fand das Stürzen und Springen der Steine über die steile Halde recht sehenswerth, und eilte jedesmal denselben so weit entgegen, bis man sie ganz ohne Hinderniss beobachten konnte. So ward man dieser Sache gewohnt; und die Ansicht bildete sich, die ganze lose Felsmasse, so gross sie auch sein möge, werde nur in kleinern Partien bis an den Fuss des Berges rollen, und ohne Schaden das Dorf mit den nöthigen Steinen zum Bauen und Eindämmen des Rheines versehen. Je öfter und je grössere Brüche auf diese Weise herabstürzten, desto sicherer ward man in der Meinung, alle Steine müssten den bisher gezeichneten Weg machen, erst rechts gegen einen grossen, festen Felskopf, der den grössten Sturz plötzlich aufzuhalten im Stande sei, dann über den theils von tiefem Schutt, theils weichem Erdreich bedeckten Abhang, in welchem jeder grössere Stein grössern Widerstand finde.

So kam es, dass trotz den seit letztem Frühjahr sich immer häufiger wiederholenden kleinern Stürzen – anerkannt sichere Vorboten von grössern – man dennoch wenig sich fürchtete, und selbst auf die allerstärksten Mahnungen, fortwährendes Rieseln und Krachen wenig mehr achtete.

Sonntag den 3. Sept. nämlich kamen dreimal Steine herab, und von 10 Uhr Abends an folgt sich das Krachen im Berg und das Rieseln immer schneller, so dass der sonst auch keine bedeutende Gefahr fürchtende Schullehrer alles Ernstes zur Vorsicht ermahnte, und ein Mann noch selbigen Abend seine Familie anderswohin brachte; Einige blieben überhaupt auf der Gasse; alle Andern legten sich wie sonst zur Ruhe.

Der Eigenthümer des Hauses zunächst am Berg (Hr. Ammann im Lux) schlief – ohne Rücksicht auf den Berg, aus andern Gründen – auf seinem Stalle, ebenso ein Knabe in derselben Reihe in einem andern Stalle. Als um Mitternacht die Vorboten des Schreckens immer stärker wurden, wusste der Wächter nicht mehr, was er thun sollte, Lärm machen im Dorf oder nicht; thäte er Ersteres und ginge dann alles ohne bedeutendere Folgen vorüber, so hätte er Vorwürfe und Spott wegen übertriebener Aengstlichkeit zu besorgen gehabt; denn allgemein war die Sucht geworden, sich vom Berge nicht mehr erschrecken zu lassen, und sogar unter den Weibern galt es für Feigheit, Furcht blicken zu lassen.

Endlich konnte der Wächter nicht mehr anders; er ging zu einem benachbarten Familienvater und rieth ihm heimlich, mit Frau und Kindern zu fliehen. Dieser antwortete nur: „Aber der Ammann im Lux!“ Und schnell eilte der Wächter, diesen zu wecken. Der kam sogleich, rief seinen Söhnen im Hause oben, und unverweilt eilen sie einem sichern Platze zu; aber kaum waren sie einige Schritte weg – der Wächter noch nicht beim Kirchenhügel – so krachts im Berge und wie mit den Donnern des jüngsten Gerichts stürzen die Felsen von Felskopf zu Felskopf herab, und unter entsetzlichem Krachen zertrümmern sie die ganze Reihe von Ställen (viere an Zahl). Alles ein Werk weniger Sekunden – und stille ward’s oben; laut aber auf der Gasse vom Zettergeschrei der Fliehenden. Es war Montag Morgen ½ 2 Uhr; der Mond eben untergegangen. Nach und nach besinnt man sich, man fragt, man erzählt, man vermuthet – vor allem fürchtet man eine folgende Salve. Einzelne wagen es nachzusehen, was die Steine angerichtet, aber man hat keinen rechten Ueberblick, und so erzählt der Eine von diesem Stalle, der Andere von jenem, er sei zerschmettert, und bald stellt man sich die Verwüstung noch umfassender vor, als sie wirklich ist.

Doch als der Tag graute und sich die Leute zu den Trümmern wagten, war der Eindruck allgemein überwältigend; mit Staunen und stummem Beben sah man einen haushohen Felsen an der Stelle des ersten Stalles, eine Menge groösserer und kleinerer Steine unter und über zerstörten Heustöcken, zerstobenem Korn, kreuz und quer strebenden Balken. Und wie es heller wird, staunt man sich gegenseitig an, welche Blässe und Zerstörtheit der nächtliche Schrecken auf unsern Gesichtern gemalt hat; die Einen haben Thränen, die Andern nur ein sonderbares Zucken in den Gesichtsmuskeln; diese erinnern sich noch der kleinsten Umstände, jene nur eines entsetzlichen Schreckens; und von Frauen wird erzählt, dass sie während der schrecklichen Gefahr besonnen und muthig waren, hier aber, am Orte der Verwüstung, beim Anblicke, wie es Allen hätte gehen können, ohnmächtig wurden.

Allgemein jedoch war der Dank gegen Gott, dass der Schaden nicht grösser war; kein Menschenleben war zu betrauern, keine Wohnung betroffen; auch in den Ställen waren nur 2 Ziegen und 2 Schweine erdrückt, 1 Schwein und 2 Ziegen konnte man noch aus dem Schutte lebendig heraus bringen. Dass die Zerstörung leicht noch umfassender und der Verlurst noch grösser hätte sein können, sah man bald ein. Welch ein Schlachten wäre entstanden, wenn das Vieh nicht in der Alp gewesen wäre! Wie viele Menschen hätten mehr oder minder verletzt werden können, wãre nicht der Sturz so reissend schnell gewesen, dass die Leute während desselben noch nicht im Stande auf die Gasse zu fliehen waren!

Denn immer mehr erstaunte man, wie viele grössere und kleinere Steinsplitter über den grössten Theil des Dorfes zerstreut lagen. Aber siehe, Niemand war verletzt; gering war die Wunde einer fliehenden Tochter, noch geringer die Quetschung eines Mannes. Aus war es nun mit der zuversichtlichen Behauptung, „kein Stein wird das Dorf berühren, höchstens das äusserste Haus im Berg“ – aus mit der Hoffnung, erst dann noch entfliehen zu können, wenn eine Masse oben losbricht; aus mit dem Troste, es löse sich die Zerklüftung nur in kleinern Partien. Eine unbeschreibliche Rathlosigkeit trat an die Stelle der bisherigen Sicherheit. (Schluss solgt.)

der Bericht in e-newspaperarchives

Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 9. Oktober 1843

Graubünden. In der Nacht vom 1. auf den 2. d. zwischen 1 und 2 Uhr löste sich mit donnerähnlichem Getöse wieder ein bedeutendes Stück der ob Felsberg hangenden Felsmassen ab, ohne jedoch diesmal Zerstörungen anzurichten. In fürchterlicher Todesangst stürzten die Bewohner des unglücklichen Dorfes, im blossen Hemde, aus ihren Häusern und suchten das Freie zu gewinnen. Eine Frau wurde vom Schrecken so ergriffen, dass sie auf der Thürschwelle des Hauses niedersank, unfähig sich weiter zu bewegen; sie hat seither den Verstand verloren.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 284, 11. Oktober 1843

Felsberg in Bündten. (Schluss.) Das Erste was man that, war, die zerschmetterte Brunnenleitung wieder herzustellen, das Heu und Stroh. aus den Steinen und Trümmern an sichere Plätze zu retten, und die Wiesen zwischen dem Dorfe und dem Berge zu mähen, so gut als möglich. Gegend Abend suchten einige Familien ausser dem Dorfe, in Ems und auf einigen Ställen auf Churergebiet Nachtruhe; die Meisten betteten sich in Häusern und Ställen vor und über dem Kirchenhügel – nur ganz Wenige blieben in ihren Häusern.

In Ems nahm man Alle die kamen freundlich auf, ausdrücklich „nicht um Zins, sondern um Gotteslohn“; Leute, die in Chur Wohnung suchten, fanden deren genug, aber nur um einen Miethzins, der ihnen unter den gegenwärtigen Umständen unerschwinglich ist. Schwierig ist es jedenfalls für die Leute, sich stark zu zerstreuen, denn die Besorgung ihrer Güter, und das Vieh, so jetzt aus der Alp zurückkehrt, erheischt ihre tägliche Anwesenheit daheim.

Am Donnerstag kam Hr. OberIngenieur La Nicca mit einigen Herren der Regierung den Berg zu besehen. Ersterer fand nur seine schon 1834 gethane Behauptung bestätigt, dass früher oder später wenigstens das Dörfchen verschüttet werde, nur waren die Vorzeichen eines solchen Unglückes jetzt viel augenfälliger und die Gefahr sichtbar näher gebracht. Sein Rath war schnelles Verlassen des Ortes. (…)

In der Nacht vom 8. auf den 9. rief der Wächter die Leute auf, doch hörten es nur wenige, und schadlos waren die Steine ins Thal gestürzt; ein Mann, durch den Ruf des Wächters oder von den Steinen selber aufgeschreckt, will nicht ganz leer fliehen, ergreift einen Wagen, rennt mit demselben über die Tenne hin, und über die Gasse dem Rheine zu. Dieses Geräusch hatte die Wirkung, dass die Leute insgesammt mit eben dem Entsetzen auffuhren, als wären ihnen die Steine schon auf dem Nacken, selbst eine Wöchnerin eilte mit ihrem Kleinen auf die Gasse; so war denn von Morgen 2 Uhr an alles lebendig auf den Beinen …

An einem andern Tage fing jemand an, das Korn durch die Staubmühle zu treiben, und siehe, wie ein Donnerschlag schreckte dieses die Nachbarschaft auf von ihrer stillern Arbeit. Solcher kleinerer und grösserer Beispiele von der gespannten Aufregung der Gemüther gäbe es eine Menge; es mag hinreichen, zu zeigen, wie tief der Schrecken und die grause Erwartung in die Nerven der armen Leute sich gesetzt haben, und wie bedauerlich ein Zustand ist, Wochen und Wochen lang voller Unruhe Tag und Nacht ein Unglück zu erwarten.

Was thut denn die kleinräthliche Kommisston? Sie hat sich die Mühe gegeben, den Berg mehrmals zu besichtigen, zum Ausziehen noch vor Winter zu ermahnen, einen Bauplatz fürs künftige Jahr auszumitteln, und sich anzutragen zu Rath und Beistand, wenn sich die Gemeinde zu irgend etwas entschliesse.

Was gedenkt die Gemeinde zu thun? Die Gemeinde gleicht einem Menschen, dem es die grösste Wohlthat wäre, es nähme sich Jemand seiner an und würde ihn zu einem bestimmten entscheidenden Schritte zwingen. Sie sieht die Gefahr ein, und sieht sie nicht ein; sie will fliehen und nicht fliehen, ehe wirklich eine bedeutendere Masse zu stürzen anfange; sie will, es soll zwei, drei, vier Mal im Berg krachen; sie will, es sollen öfter und schnell nacheinander von einem anerkannt gefährlichen Orte Steine losstürzen; sie will, es soll 3 —4 Stunden vor einem wirklichen schrecklichen Sturze so warnen, dass es auch die Verhärtetsten für eine Warnung ansehen, dann will sie mit Weib und Kind und Vieh fliehen; sie will die gefährlichste Stelle mit Pulver säubern, und will das nicht wagen, es möchte dieses mehr schaden, als es der Fall wäre, wenn die Steine ohnehin stürzten; endlich, sie will thun, was die Kommission befiehlt; und die Kommisstin will nichts befehlen, weil sie für das Risiko nicht einstehen kann *).

* Seitherige Berichte sagen, sämmtliche Einwohner von Felsberg seien wieder in ihr Dörfchen zurückgekehrt, trotz dem, dass ein grösserer, doch unschädlicher Sturz in den letzten Tagen erfolgt sei. Die vorstehende Schilderung eines Augenzeugen lässt aber hinlänglich schliessen, welches die Motive zu diesem Entschlusse, welches die Lage der Felsberger in diesen Umständen sei. Wir denken, es dürfte bald an der Zeit sein, dass das ganze Vaterland durch werkthätige Hülfe einem so unglücklichen Zustande ein Ende mache. Wir unsererseits werden gerne das Unserige dazu beitragen. Die Red.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 284, 11. Oktober 1843

(…) Eine von der Regierung bestellte Kommisston, die HH. Bundespräsident Pestalozzi, Bundeslandammann G. Buol, Landrichter Vieli, Bürgermeister Capeller und Landam. Zarn, fragten daher die Gemeinde an, was sie zu thun Willens sei. Freitag den 8., Abends 9 Uhr, bei schönem Mondschein, versammelte sich die Bürgerschaft. Hier war man über die Grösse und die Nähe der Gefahr nicht einig. Diejenigen Bürger, welche seit mehrern Jahren nie mehr die Zerklüftungen oben im Felsen in der Nähe betrachtet hatten, wollten die Art, wie letzten Sonntag die Steine gefallen, für eine ganz ausnahmsweise und kaum mehr zu erwartende angesehen wissen, die Regel, meinten sie, sei, dass sie wie 1834 und seither gestürzt.

Die grosse Mehrheit aber, wenn ich nicht sehr irre, Alle, welche die Gefahr an Ort und Stelle ihres Ursprunges genau geprüft, waren der Ansicht, die Gefahr, dass wenigstens ein Theil des Dorfes ein Schutthaufen werde, sei gross, und höchst wahrscheinlich näher, als man sich’s vorstelle. Nach einigen lebhaften Erörterungen liess man sich berichten, es handle sich gegenwärtig nicht um einen Beschluss sogleich sammt und sonders mit allen Habseligkeiten auszuziehen und die Heimat ihrem traurigen Schicksale zu überlassen, sondern nur, dass man der uns mit Hülfe entgegenkommenden Regierungskommission erkläre, man bitte um ihre kräftige Unterstützung bei einer nächstes Frühjahr zu erfolgenden Uebersiedlung an einen sichern Platz. Hierauf nun ward einstimmig die Ansicht ausgesprochen: Ruhe habe man hier nicht mehr; die Gefahr sei nach jedem kleinern oder grössern Felssturze immer dieselbe, und unter diesen Umständen sei ein früheres oder späteres Ausziehen der Gemeinde doch nothwendig vorauszusehen, und weil jetzt Hülfe angeboten werde, wolle man diese mit Dank annehmen und auf nächstes Frühjahr ein neues Dörfchen bauen.

Ueberdiess ward aber von mehrern Seiten der Rath ertheilt, es möchten sich die Leute schon jetzt Bergungsorte suchen, weil man keinen Tag sicher sein könne in den Wohnungen, das stehe aber jedem frei. Endlich wurde noch beschlossen, es sollten die Bewegungen der losen Felsmassen regelmässig genau beobachtet und der Gemeinde jedesmal Bericht erstattet werden, dass man allfällig der sichtbar nahenden Gefahr noch entfliehen könne. Man könnte sich wundern, dass die Gemeinde nur noch so lange und unentschlossen sich berieth, sich wundern, dass nicht sofort Anstalten zur Uebersiedelung getroffen wurden; allein wir geben zu bedenken, welche Ueberwindung es kostet, welche Schwierigkeiten es mit sich führt, eine Heimat zu verlassen. Hiezu bedarf es der werkthätigen Unterstützung von Seiten der Behörden und Mitbürger, es bedarf für den Felsberger selbst einer noch weit augenscheinlicheren Gefahr, die ihn aus seiner Rathlosigkeit herausreisse.

Diejenigen, welche so glücklich waren, im nahen Ems und auf Stadtgebiet eine freie Wohnung zu finden, sind zu bedauern, weil sie täglich Morgens und Abends mit den Ihrigen eine oft beschwerliche Wanderung machen müssen. Und welch trauriges Loos die Zurückgebliebenen zu theilen haben, das mögen einige Züge aus den vielen schildern, die wir anführen könnten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 85, 24. Oktober 1843

Graubünden. Die Bündner Blätter berichten, dass am 16. Oktbr. die für Felsberg bestellte Kommission ein Lokalaugenschein über die Ansiedlung von Neufelsberg abgehalten, und dass dabei der Plan obwaltete, diese auf das Gebiet von Ems zu verlegen. Da indessen die Abgeordneten dieser Gemeinde sich mit dem vorgeschlagenen Landstriche nicht einverstanden erklärt haben, so sollte am folgenden Tage eine neue Besprechung stattfinden, von der man ein günstigeres Resultat erwartete. Auf diese hin hat nun der Kl. Rath den vorgeschlagenen Platz für zweckmässig erklärt, und wird für die Abtretung desselben durch die Gemeinde Ems die nöthigen Schritte einleiten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 299, 26. Oktober 1843

Graubünden. Die Unterhandlungen mit der Gemeinde Ems für Abtretung eines Gebietstheiles an die Gemeinde Felsberg haben zu keinem Ergebniss geführt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 43, 27. Oktober 1843

Bündten. — Der neue Bauplatz für Felsberg ist nun auf dem Territorium der Gemeinde Ems ausgemittelt. Dass die Felsberger wieder in ihrem Dorfe wohnen, darf nicht der Regierung zur Last gelegt werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Morgenstern, 27. Oktober 1843

Graubünden. ( Etwas verspätet. ) * Oberengadin, d. 16. Okt. Am gestrigen Herbstfeste wurde in einigen Gemeinden von den Kanzeln herab, in andern durch die löbl. Vorstände derselben folgende Proklamation unserer löbl. Hochgerichtsbehörden veröffentlicht: „Theure Bewohner des Engadins! Wir sind von der gütigen Vorsehung begünstigt, wir leben in ruhiger Sicherheit, in süssem Frieden und im Wohlstande; unser Inn durchfliesst sanft unser liebliches Thal und unsre Berge bieten allen Lebenden tausend Annehmlichkeiten und Wohlthaten dar. – Aber bei der freudigen Empfindung dieses Eures Glückes wendet zugleich auch Euer Auge, begleitet von dem warmen Mitgefühle des wahren Christen, auf Eure Landsleute, auf die unglücklichen Felsberger hin! Ach! in welcher wahrhaft bedauernswerthen Lage befinden sich nicht dieselben?! Für sie gibts keine Sicherheit mehr, nur beständige Angst und stets neuen Schrecken!

Während auf der einen Seite die Fluthen des Rheines ihnen den ohnehin schon spärlichen Boden entreissen, überragt sie auf der andern Seite eine Gebirgsmasse, die in ihrer Auslösung stündlich die gesammte Bevölkerung mit einem furchtbaren Grabe bedroht. — Von dieser drohenden Gefahr gedrängt, haben daher die unglücklichen Einwohner Felsbergs, da ihnen ihr Gebiet keine andere Stätte zu einem sichern Aufenthalte gewährt, den harten Entschluss gefasst, ihre alte Heimat zu verlassen und an einer günstigeren Stelle sich einen bessern Wohnort zu bauen. Auch hat der hochlöbl. Kl. Rath bereits eine Kominission ernannt, um ihnen die Auswanderung möglichst zu erleichtern und sie bei ihrer neuen Niederlassung kräftig zu unterstützen.

Mitbürger des Engadins! Die Behörden Eures Hochgerichtes wünschen ebenfalls den oben Genannten hülfreich entgegen zu kommen und die Unternehmungen derselben zu fördern. Sie sehen sich daher lebhaft aufgefordert, zu Gunsten dieser tiefgebeugten Gemeinde das Mitleiden und den oft erprobten Wohlttätigkeitssinn ihrer Mitbürger anzurufen, indem sie von denselben freiwillige Gaben erwarten, die dazu dienen sollen, ein neues, ein glücklicheres Felsberg begründen zu helfen.

Weitere Ermahnungen sind hier unnöthig, denn die Thatsachen selbst reden laut und die Noth drängt. Folgt demnach dem Gebote der Pflicht und bedenkt, dass die Belohnung niemals demjenigen ausbleibt, der Mitleiden übt. Scanfs, 14. Oktober 1843. Mit hoher Achtung zeichnet sich Der Amtslandammann: Scipio v. Juvalta. Der Landschreiber: Nic. Cloetha.

In Folge des allgemeinen Anklanges, mit dem dieses Schreiben aufgenommen wurde, hat sofort in den meisten Gemeinden das Sammeln von Subscriptionen begonnen, die bis jetzt ein höchst erfreuliches Ergebniss geliefert haben. Möge das Beispiel des Oberengadins in allen Thälern unseres Kantons Nachahmung finden; so wird selbst dieses traurige Ereigniss dazu dienen, in uns Bündnern von Neuem das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu beleben und zu kräftigen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 3. November 1843

Hr. Maler Högger aus St. Gallen hat folgende Studien nach der Natur, von Felsberg gezeichnet:

1 ) das Geklüfte des Adlerkopfs und des Vogelkopfs am sog. Thürmchen;

2 ) Verwüstung beim Dorfe, wovon 3 Blätter in Tusch ausgeführt sind und ein sehr lebhaftes, getreues Bild der bisher angerichteten Verwüstungen geben;

3 ) Felsberg und Umgebung, von der Schlosshalde am Hügel über dem Rhein und von der Halde, wo der Sturz kann aufgenommen werden;

4 ) Felsberg bei Morgenbeleuchtung in Aquarell;

5 ) sechs malerische Partien aus Felsberg.

Sämmtliche Zeichnungen bekunden den Meister im Fache und dürften daher geeignet sein, das öffentliche Interesse für das Unternehmen des Hrn. Högger anzuregen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 50, 15. Dezember 1843

Bündten: Felsberg ist aufs Neue bedroht. Will man zuwarten, bis das Unglück geschehen ist?

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 22. Dezember 1843

Graubünden. Die Emser wollten dem neuerdings für die Felsberger wegen Uebersiedlung unterhandelnden Regierungskommissär, Hrn. Oberst Meli, nicht entsprechen. Auf dieses hin wandte sich die Gemeinde an den Stadtrath von Chur, mit der Anfrage, unter welchen Bedingungen die Ansiedlung längs der Landstrasse an der westlichen Grenze des Stadtgebiets, gegen Ems hin, gestattet werden könne. Der Stadtrat ernannte eine Vorberathungskommission, um die Begehren der Felsberger des Weitern einzuvernehmen und diessfällige Vorschläge auszuarbeiten.

Von Seite dieser Kommission wurde nun der erweiterten Behörde von Rath und Gericht ein Vorschlag vorgelegt, der im Wesentlichen die Inkorporalion der Gemeinde Felsberg mit Land und Leuten mit der Stadt Chur und die Gründung von Neu-Felsberg am obbezeichneten Orte beantragt. Dieser Vorschlag wurde von Rath und Gericht (einer Behörde von 19 Mitgliedern) am 16. Dez. einhellig angenommen. Die edelgesinnte Bürgerschaft von Chur wird diesen Beschluss ohne Zweifel sanktioniren.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 358, 24. Dezember 1843

Chur. Felsberg. In Folge der neuerdings stattgefundenen Ablösung der Felsmassen ob Felsberg hat sich die Gemeinde noch allgemeiner von der Nothwendigkeit einer baldigen Versetzung des Dorfes überzeugt und sich an den kl. Rath mit dem Gesuche gewendet, es möchte derselbe durch einen Kommissar die Gemeinde Ems anfragen lassen, ob und unter welchen Bedingungen diese ihr hinlänglichen Raum zur Uebersiedlung an der Südseite der Landstrasse von der Einmündung des Feldiser-Fussweges an bis zur Vertiefung bei den Boppen – da der gewünschte Raum in Naraina nicht erhältlich, abtreten würde.

Diesem Gesuch entsprechend wurde Hr. Oberst P. Vieli vom kl. Rath zu diesem Behufe an die Gemeinde Ems abgeordnet, musste aber unverrichteter Sache wieder umkehren, da der Vorstand ihm anzeigte, es habe die Gemeinde die Felsberger abgewiesen. Auf dieses hin wandte sich diese an den Stadtrath von Chur, mit der Anfrage, unter welchen Bedingungen die Ansiedlung längs der Landstrasse an der westlichen Gränze des Stadtgebiets, gegen Ems hin, gestattet werden könne.

Der Stadtrath ernannte eine Vorberathungs-Kommisston, um die Begehren der Felsberger des Weitern einzuvernehmen und diessfällige Vorschlge auszuarbeiten. Von Seite dieser Kommission wurde nun der erweiterten Behörde, Rath und Gericht, ein Vorschlag vorgelegt, dahin gehend, es möge den Felsbergern zu dem Bau von 100 Häusern auf Churer Stadtgebiet der erforderliche Grund und Boden (100 Klafter für jedes Haus) abgetreten und dieselben dann in den vollen Bürgerverband aufgenommen werden, so dass beide Gemeinden in politischer und ökonomischer Beziehung mit einander verschmolzen würden.

Rath und Gericht der Stadt Chur (eine Behörde von 19 Mitgliedern) haben den Vorschlag einstimmig angenommen. Er bedarf noch der Genehmigung der Bürgerschaft. Möge ihr der Kampf zwischen vaterländischer Humanität und spiessbürgerlichen Interessen nicht zu schwer fallen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Volksfreund, Band 13, Nummer 104, 28. Dezember 1843

Graubünden. Zwischen der durch einen Bergsturz bedrohten Gemeinde Felsberg und der Stadmagistratur von Chur ist folgende merkwürdige Uebereinkunft abgeschlossen worden: »Die Stadt Chur überlässt längs der Strasse zwischen Plankis und Eimsergebiet für 100 Wohnungen den erforderlichen Boden unentgeltlich, so dass nach einem gemeinsam zu entwerfenden Plan die Erbauung von Häusern und Ställen zu geschehen hat. Für jedes Haus mit Scheune und Stall werden 100 Klafter Boden gegeben. Die Stadt Chur verpflichtet sich ferner, diesen Wohnungen gerade hinüber eine neue Strasse und Brücke auf das Felsberger Gebiet, so weit thunlich, noch diesen Winter aufzuführen und für die Folge zu unterhalten. – Alle dermaligen Bürger von Felsberg werden als Bürger von Chur angenommen und haben die nämlichen Rechte zu geniessen und die nämlichen Lasten zu tragen, wie jeder andere Churer Bürger, sowohl für ihre Person als für ihr Eigenthum, sei es auf bisherigem Churer- oder Felsberger-Gebiet.

Die Stadt Chur verpflichtet sich auch, für eine umfassende Pastoralpflege durch die Herren Stadtgeistlichen gleich wie in der Stadt selbst und für den erforderlichen Schulunterricht der Neu-Angesiedelten zu sorgen. Dagegen erklärt die Gemeinde Felsherg: alles bisherige Gemeindeeigenhum, Fonds und Stiftungen, welcher Art sie sind, so wie alle ihre Waldungen, Alpen und Allmeinden, sind, von Erlangung ihres Stadtbürgerrechts an, bürgerliches Gemeingut Löbl. Stadt Chur, an welchem die Felsherger nicht mehr noch minder Antheil haben, als die übrigen Stadtbürger.

— Alles Benützen der jetzigen Wohnungen und Ställe, so wie alles Bauen, Wohnen und Ansiedeln auf dem bisherigen Felsberger-Gebiete ist aufs Strengste verboten.

— Die Gemeinde hat sich zu verwenden und dafür zu sorgen, dass für die Folge die Gerichtsbarkeit des bisherigen Felsbergergebiets rnit demjenigen von Chur verschmolzen werde.

— Das Holz zur neuen Brücke und zu den sämmtlichen neuen Gebäulichkeiten wird, wo das der jetzigen Brülle und Gebäulichkeiten und das allfällig Geschenkte nicht hinreicht, aus den bisherigen Felsberger Waldungen angewiesen. Bei Ertheilung von Gemeingütern, Benutzung von Waldungen, Alpen und Weiden wird darauf Rücksicht genommen, dass die Neu-Angesiedelten diessfalls auf das dermalige Felsbergergebiet gewiesen werden. Diese Uebereinkunft wird nächstens der Bürgergemeinde von Chur zur Genehmigung oder Verwerfung vorgelegt werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 3, 3. Januar 1844

Graubünden. Durch Ausschreiben vom 22. Dez. setzt der Stadtrath von Chur die Gründe auseinander, die ihn zum Einverständniss mit der Gemeinde Felsberg hinsichtlich der Einverleibung derselben bewogen haben. Da die Gemeinde Felsberg nicht in das Gericht der Stadt Chur, sondern in das Hochgericht Im Boden gehört, so schien dem Stadtrath die Abtretung eines Gebietstheiles an die Gemeinde Felsberg behufs ihres selbstständigen Fortbestandes in einem andern Hochgericht bedenklich und unthunlich; eben so schien dem Stadtrath eine Vereinigung mit der Gemeinde Felsberg bloss in richterlicher, polizeilicher und lokaler Beziehung, während sie das politische Bürgerrecht fortwährend im Hochgericht Im Boden ausüben würde, Schwierigkeiten und Verwickelungen herbeizuführen. Er strebte daher vor allem nach einer gänzlichen Ablösung der Gemeinde Felsberg von diesem letztern Hochgericht und vom obern Bund.

Sie im Hochgericht Chur als eine selbstständige Gemeinde anzuerkennen, dazu konnte sich der Stadtrath deswegen nicht entschliessen, weil es eine Menge neuer organischer Bestimmungen hervorrufen und durchgreifende Aenderungen, sowohl in der Verfassung als Verwaltung der Stadt zur Folge haben müsste. Als wesentlichen Gewinn betrachtet der Stadtrath bei einer solchen gänzlichen Vereinigung von Land und Leuten der Gemeinde Felsberg mit Chur die Möglichkeit, den Rheinstrom von Felsberg an bis zur Einmündung in die Plessur einer Korrektion zu unterwerfen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 7, 7. Januar 1844

Graubünden. Chur, 4. Jan. Künftigen Sonntag kommt die Frage über die Aufnahme der Felsberger in den Stadtverband vor die hiesige Bürgergemeinde. Wie sie ausfallen werde ist noch ungewiss; ebenso, ob die Felsberger oder die Churer bei dieser Vereinigung mehr gewinnen. Jedenfalls wird zur Uebersiedelung eidgenössisische Hülfe angesprochen werden müssen. Mittlerweile dürfte es nicht unangemessen sein, die Eidgenossenschaft mit dem Plane selbst etwas näher bekannt zu machen, von dem man nicht weiss, ob er dem hochherzigen Sinne oder dem intelligenten Geiste des Churer Magistrates mehr Ehre bringe.

Unterm 11. Dez. abhin wandte sich die Gemeinde Felsberg von neuem an den Stadtrath von Chur, um, gestützt auf die allgemein anerkannte Nothwendigkeit einer Versetzung des Dorfes und auf die Unmöglichkeit, auf eigenem oder Emser Gebiet einen geeigneten Platz hiefür zu erlangen, an denselben die dringende Frage zu stellen, „unter welchen Bedingungen die Stadt Chur der Gemeinde Felsberg ein hinlängliches Gebiet zur Uebersiedlung an ihre westliche Gränze, längs der Landstrasse, mit Wasserrecht, abtreten würde?“ beifügend, dass die Gemeinde Felsberg freilich nicht wisse, ob, wie und wann diese Uebersiedelung, wenn sie auch gestattet würde, geschehen könnte, da sie an Mitteln hiezu entblösst sei; auf der andern Seite aber keine öffentliche Theilnahme und Unterstützung gewärtigen könne, bevor sie einen diesfälligen Plan mit beiläufigem Kostenanschlag zu machen im Falle sei.

Ungesäumt befasste sich nun der Stadtrath von Chur mit der vorgelegten Frage und setzte zu ihrer Untersuchung eine eigene Kommisston nieder. Es handelte sich ihm nicht darum, ob, sondern einzig, wie zu helfen sei. Unter allen Projekten empfahl sich jedoch einzig dasjenige einer Einverleibung der Gemeinde in den Bürgerverband der Stadt dadurch, dass es nicht nur die Schwierigkeiten der übrigen gedenkbaren Auskunftsmittel vermied, sondern einen Anknüpfungspunkt für wichtige Vortheile zu Gunsten der Stadt darbot. „Einer ganz besondern Berücksichtigung unterlag dabei, so sagt das Ausschreiben des Stadtrathes an die Bürgerschaft von Chur vom 22. Dez., die unbestreitbare Thatsache, dass eben durch die Gewinnung des bisherigen Felsberger Gebietes, für unser Gemeinwesen die schon seit einer Reihe von Jahren vergeblich erzielte bessere Einschränkung des Rheinstromes, von Felsberg hinab bis an die Ausmündung der Plessur, nun endlich vermöglichet werden kann.

Wir bedürfen nicht zu erwähnen, welche Summen alljährlich durch die bisher bestandene, so zweck- und naturwidrige Wuhrlinie, deren Beseitigung nicht in der Macht unseres Gemeinwesens lag, von Seiten des Stadtärars und der Bürgerschaft, zum Schutz ihres Gebietes, geopfert werden mussten; welche bedeutende Opfer sie noch in Zukunft erheischen würde und wie weit weniger kostspielig und andauernder dagegen, in dem Falle der Annahme des Vorschlags, die vereinfachten Wuhrarbeiten daselbst bewerkstelligt werden könnten.

Es ist nämlich gewiss, dass durch eine zweckentsprechende und gerade Wuhrlinie, längs des fraglichen Gebietes, so wie durch die Anbringung tüchtiger Wuhrköpfe, an deren äussersten Spitzen gegen die Gemeinde Ems, der Rheinstrom sich selbst ein normales Flussbett zu graben gezwungen und in der Folge darin weit leichter auch festgehalten wird; wodurch sowohl unsere werthvolle Au, als der weiter zu gewinnende Boden, mit weniger Gefahr vor neuen Verwüstungen der Kultur überlassen werden kann.“

So kam dann vor dem Stadtrathe von Chur der Vorschlag zu einer Konvention zwischen der Stadt Chur und der Gemeinde Felsberg zu Stande, welche sowohl wegen der dadurch ermöglichten Rheinkorrektion, als auch in verschiedenen andern Hinsichten und abgesehen davon, dass sie einer Kalamität zuvorkommt, eine Wohlthat für die beiden Gemeinden werden dürfte. Nach dieser Konvention würde die Stadt Chur den Felsbergern (beiläufig 500 Seelen, worunter mehr als 200 Minderjährige) zwischen Plankis und Emsergebiet, längs der Strasse 100 Bauplätze, für jedes Haus mit Scheune und Stall 100 Klafter, unentgeldlich abtreten und, wo möglich diesen Winter noch, eine neue Strasse und Brücke auf das ehemalige Felsbergergebiet erbauen. Die dermaligen Bürger von Felsberg werden im vollsten Sinne des Worts als Bürger von Chur aufgenommen und namentlich auch mit Hinsicht auf Pastoralpflege und Schulunterricht den letztern gleichgestellt. Dagegen werden alles bisherige Gemeindeigenthum, alle Fonds und Stiftungen der Gemeinde Felsberg bürgerliches Gemeingut der Stadt Chur und es soll für die Folge ein gemeinschaftlicher Gemeindgüterplan entworfen werden, wonach die neuangesiedelten Bürger in gleiche Rechte mit den dermaligen eintreten, jedoch so viel möglich auf Felsberger Gebiet verwiesen werden.

Die Wuhrungen am Rhein betreffend, fallen sie sämmtlich der Stadt anheim; behufs einer geradern Linie und zweckmässigen Korrektion sollen aber die Felsberger nöthigenfalls die erforderlichen Güter gegen Ueberlassung anderer gleichwerthiger abtreten und dafür sorgen, dass eine hiezu nöthige Sandfläche, der Gemeinde Ems gehörig, als Eigenthum der Stadt Chur überlassen wird. Felsberg hat überdem für Entlassung seines Gebietes aus dem Hochgerichtsverband Im Boden zu sorgen. Endlich ist alles Bauen und Wohnen auf dem bisherigen Felsbergergebiet auf’s Strengste verboten.

Bereits unterm 18. Dez. hat die Gemeinde Felsberg an die Behörde von Chur ihre Zustimmung zu dem grossartigen Projekte erklärt und am 31. Dez. über die ihr überbundenen Bedingnisse in Betreff der Rheinkorrektion berathen, ohne zu einem definitiven Resultat zu gelangen, das jedoch nicht ausbleiben wird. Am 7. d. wird die Bürgerversammlung von Chur, der inzwischen die Aktenstücke in einer Druckschrift mitgetheilt worden sind, einen Entscheid fassen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 7, 7. Januar 1844

Graubünden. Von den in Triest niedergelassenen Schweizern ist auf Anregung des Hochg. Hrn. Amtsbundsprästdenten Ant. Phil. Ganzoni und durch die Vermittlung desselben bei der Standeskasse die schöne Summe von 507 fl. Augsb. Währ. (über 750 hiesiger Währung) für die Einwohner von Felsberg auf den Fall ihrer Auswanderung und Ueberstedelung, eingegangen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 4, 12. Januar 1844

Graubünden. Auf nächsten Sonntag ist die Bürgergemeinde von Chur zusammenberufen, um über die zwischen dem Stadtrathe von Chur und der Gemeinde Felsberg über die Uebersiedelung der letztern zu Stande gekommene Konvention abzustimmen. Nach diesem Vertrage würde die Stadt Chur den Felsbergern (beiläufig 500 Seelen, worunter mehr als 200 Minderjährige) zwischen Plankis und Emsergebiet, längs der Strasse 100 Bauplätze für jedes Haus mit Scheune und Stall 100 Klafter unentgeldlich abtreten und wo möglich diesen Winter noch eine neue Strasse und Brücke auf das ehemalige Felöbergergebiet erbauen.

Die dermaligen Bürger von Felsberg werden im vollsten Sinne des Wortes als Bürger von Chur aufgenommen und namentlich auch mit Hinsicht auf Pastoralpflege und Schulunterricht den letztern gleichgestellt. Dagegen werden alles bisherige Gemeindeeigenthum, alle Fonds und Stiftungen der Gemeinde Felsberg bürgerliches Gemeingut der Stadt Chur, und es soll für die Folge ein gemeinschaftlicher Gemeindgüterplan entworfen werden, wonach die neu angesiedelten Bürger in gleiche Rechte mit den dermaligen eintreten, jedoch so viel möglich auf Felsberger Gebiet verwiesen.

Die Wuhrungen am Rhein betreffend, fallen sie sämmtlich der Stadt anHeim; behufs einer geradern Linie und zweckmässigen Korrektion sollen aber die Felsberger nötigenfalls die erforderlichen Güter gegen Ueberlassung anderer gleichwertiger abtreten und dafür sorgen, dass eine hiezu nöthige Sandfläche, der Gemeinde Ems gehörig, als Eigenthum der Stadt Chur überlassen wird. Felsberg hat überdem für Entlassung seines Gebietes aus dem Hochgerichtsverband Im Boden zu sorgen. Endlich ist alles Bauen und Wohnen auf dem bisherigen Felsbergergebiet aufs Strengste verboten.

Die neuesten Bündtner Blätter bringen noch nichts über die wahrscheinliche Entscheidung, vielmehr scheint die Churerzeitung zu befürchten, dass die Engherzigkeit eines Bürgervereines der gehofften Erledigung Gefahr drohen dürfte.

der Bericht in e-newspaperarchives

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 16, Nummer 7, 16. Januar 1844

Graubünden. Der am 8. versammelte sogenannte Bürgerverein soll sich in seiner grossen Mehrheit dem Vorschlag der Obrigkeit für Aufnahme der Felsberger in die Churer Bürgerschaft, abgeneigt gezeigt haben. Auch von andern Seiten sind, wie man vernimmt, abweichende Vorschläge zu Handen des Magistrats eingereicht worden. Die,Churer-Zeitung«, der diese Nachrichten entnommen, ruft dem Bürger- und Schützenverein zu: »Felsberg sey’s Panier, Felsberg der Prüfstein für Alle, mögen wir uns an demselben bewähren!

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 19, 19. Januar 1844

Graubünden. Chur. Wie der freie Rhätier meldet, hat sich letzten Sonntag eine Anzahl wohldenkender Bürger zu dem Zwecke versammelt, Mittel und Wege ausfindig zu machen, wie die Felsberger-Angelegenheit, wegen welcher in der Bürgerschaft Spaltungen drohen, zu einem für jene Unglücklichen günstigen Resultate gebracht werden könnte. Man beschloss, beim Rathe mit einer Bittschrift einzukommen, dahin gehend, es möchte derselbe, falls dessen Vorschlag zu ökonomischer und politischer Inkorporation der Felsberger verworfen würde, einen andern in dem Sinne bringen, dass Felsberg bloss in den Hochgerichtsverband (also mit Trennung der ökonomischen Verwaltung) aufgenommen werde, und zwar nach einem genauen Einverständnis mit jener Gemeinde hinsichtlich der Rheinkorrektion.

Zugleich wurde das Dringende der Sache vorgestellt und angehalten, es möchte die Ueberstedelung so sehr als möglich beschleunigt werden. Bei der Gemeinde Felsberg haben übrigens die Vorschläge der Churerobrigkeit fast einstimmigen Anklang gefunden, nur vier Gemeindsbürger haben bei der Abstimmung vom 18. Dez. gegen dieselben protestirt. (…)

Das Schreiben der Felsberger-Obrigkeit und Hülfskommisston verneint, dass auf Felsbergergebiet sich ganz sicherer Raum zur Versetzung des Dorfes befinde, indem eine solche der Gemeinde erwünschter sein müsste, als gänzliche Ueberstedlung. Das Vermögen der Gemeinde Felsberg beträgt gegenwärtig an Kirchen-, Schul-, Armen- und anderm gemeinschaftlichem Gut etwa 14,639 fl. (Louisdor zu 12 fl.) nebst 1510 Klafter fast schuldenfreiem Boden. Leute, die ihr Brod in gesunden Tagen nicht erwerben könnten, hat Felsberg keine, ausser einem Greise. Die Felsberger schliessen ihre Bitte um baldige Hülfe mit der Zuversicht: Derjenige, der ihre Felsen löste, werde auch die Herzen der Menschen erweichen. (…)

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 19, 19. Januar 1844

(…) Die B. Ztg. theilt über den Stand des drohenden Bergsturzes aus einem Schreiben der Obrigkeit und Hülfskommisston in Felsberg folgende nähere Aufschlüsse mit:

Nach den Barometermessungen der eidgenössischen Kommissars vom 29. Dez. 1834 liegt die Mitte des untern Theils der zerklüfteten Felsen bei Gamsplatten-Pischen gerade über dem Dorfe 2,300 Par. Fuss. Von da bis zur höchsten Höhe der jetzigen Klüfte sind es laut gleicher Angabe noch 590 Par. Fuss. Oie Oberfläche, der Scheitel dieser Felsen misst an Länge (nach neueren Vermessungen) zirka 500 Par. Fuss. und oben nach der Breite 200 Par. Fuss. Nach unten spitzt sich dieser Scheitel zu. Der Fuss dieser Massen bildet einen Winkel von theilweise mehr, theilweise weniger als 70—800.

Die Tiefe der neuesten Risse ist jedenfalls an einigen Orten über 300. Sichtbar senkt fich der Fuss, der keine Gefahr ahnen liesse, sähe man nicht die ganz neuen bis auf einen halben Schuh weit geöoffneten Spalten, wovon mehrere vor acht Jahren noch nicht vorhanden waren. Die neuesten Wahrnehmungen zeigen eine wenn auch sehr langsame und einstweilen nur theilweise, doch sichtbare Bewegung. Die ganze in Bewegung befindliche Masse beträgt jedenfalls mehr als 40 Mill. Kubikfuss; und sollte diese noch so glücklich sich ablösen, so ist eine fernere Ablösung von einer mehr als fünf Mal grössern Masse zu besorgen. Auf der Höhe der Felsen lasst sich ein beständiges Rieseln und Dröhnen vernehmen. (…)

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 4, 24. Januar 1844

Bünden. Die Basler Zeitung theilt aus einem Briefe aus Chur über die Lage von Felsberg folgendes mit: Das benachbarte unglückliche Felsberg, dessen bevorstehender völliger Untergang durch einen Bergsturz nicht mehr zweifelhaft und dem nur der Tag noch unbekannt ist, wo es unter den herabstürzenden Massen erliegen wird, ist der Gegenstand der allgemeinen Theilnahme und Berathung. Der umfang der herabzustürzen drohenden Massen wird nach gemachten Berechnungen auf mehr denn 20 Millionen Kublkschnh geschätzt, deren höchster Gipfel wohl 3000 Fuss ob der Ebene emporsteigen mag.

Da liegt dieses Felsberg in gerader Linie wohl nicht über eine halbe Stunde von hier entfernt, und neben ihm hebt sich zur Seite, uns im Profil sichtbar, der furchtbare Nachbar in beinahe senkrechter Richtung bis zu den Wolken empor, um darauf noch eine Weile — in keinem Fall über nächstes Frühjahr hinaus — drohend herabzublicken und es dann auf ewig unter seinen Felstrümmern zu begraben.

Die Bürgerschaft wird über die Frage abmehren ob die Stadt den unglücklichen Bewohnern (etwa 500 Seelen) einen Raum von 10’000 Klaftern für 100 Wohnunen auf ihrem Gebiet unentgeldlich abtreten und fernere Hülfe zu dieser Uebersiedlung gewahren wolle Die nächstliegende Gemeinde Ems hat den Felsbergern den bequemsten und tauglichsten Anbauplatz abgeschlagen. Für jenen Hauptgrundsatz, den unglücklichen einen Raum zu gewähren, wird sich in Ehur doch hoffentlich eine Mehrheit ergeben; über manche andere dabei eintretende Frage aber, namentlich über die eigentliche Einverleibung in die Stadtgemeinde werden bedeutende Widersprüche zur Erledigung kommen, die einen heissen Kampf von Meinungen und Jnteressen hervorrufen müssen —

Alles ist auf den Ausgang im hochsten Grade gespannt, denn von ihm hängt vorzüglich das Schicksal jener unglücklichen Bevölkerung ab, welche hier abgewiesen, keinen andern möglichen Ausweg mehr finden kann, sondern sich im Einzelnen da und dorthin zerstreuen müsste.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 10, 2. Februar 1844

Felsberg. In der Hoffnung, binnen Kurzem, vielleicht heute noch, den Entscheid über das künftige Loos dieser unglücklichen Gemeinde unsern Lesern mittheilen zu können, wollen wir nicht länger säumen, dieselben in einem zusammengedrängten Bilde mit diesen Verhältnissen bekannt zu machen, und ihre Aufmerksamkeit in höherem Grade, als bloss es durch einen gewöhnlichen interessanten Zeitungsstoff geschieht, in Anspruch zunehmen.

Wer kennt nicht das tragische Schicksal des freundlichen, am Fuss des hohen Calanda in einem der schönsten Thäler Bündens gelegenen Dörfchens Felsberg, dessen wackere, arbeitsame Bevölkerung von 500 Einwohnern genöthigt ist, ihren schwerbedrohten Wohnsitz, ihre friedlichen Hütten und Triften auf immer zu verlassen, um dem unvermeidlichen Schicksal, ein zweites Goldau zu werden, zu entgehen?

Und wie erhebend tritt nicht auf der andern Seite das edle Bestreben der Bürgerschaft von Chur hervor, die Felsberger in ihr Bürgerrecht aufzunehmen, sie mit der Stadtgemeinde zu verschmelzen, oder doch wenigstens aus ihrem Gebiet ihnen ein Neufelsberg gründen zu helfen! Wahrlich, man glaubt sich wiederum in die schönern Tage der Eidgenossenschaft versetzt, wenn man von dem kühnen, edeln Vorschlag der Aufnahme in’s Churer Bürgerrecht hört. Wie ein Held aus alter Zeit tritt er auf, tröstend unsere Gegenwart, beschwichtigend unsern Hader, und uns verkündend, dass dahinten in den Bergen noch grosse Gesinnungen walten, die, so Gott will, in den Stunden der Prüfung einst dem weitern, wie jetzt dem engern Vaterlande zu gut kommen sollen!

Zwar begreifen wir, wie viele Besorgnisse gegen eine solche grossartige Hülfeleistung auftauchen, wollen uns auch nicht vermessen, ein Urtheil über die vollendete Zweckmässigkeit derselben zu fällen; hiezu bedarf es der Kenntniss aller Lokalverhältnisse, die nur an Ort und Stelle möglich ist; inzwischen scheint die Beharrlichkeit, mit welcher Bürgermeister und Rath der Stadt Chur auf diesem Projekte beharren, und dasselbe neuerdings in einem Erlass vom 20. Januar der Bürgerschaft empfohlen haben, denn doch zu beweisen, wie viel innere Begründung die Erledigung der Angelegenheit auf diese Weise habe, und dass sie nicht in’s Reich blosser gutmüthiger Träume gehöre.

Wie am Ende auch der Entscheid ausfallen möge, so viel scheint aus dem Stande der Verhandlungen klar hervorzugehen, dass auf die eine oder andere der oben angedeuteten Arten die Felsberger dem drohenden Untergange entzogen, und ohne längere, bedenklich werdende Zögerung gerettet werden sollen. Da dieses ohne vielfache wohlthätige Mitwirkung von nahe und fern nicht möglich ist, so werden auch hier einige Details um so willkommener sein.

Felsberg liegt eine Stunde westlich von Chur, am Fuss steiler Felswände, am linken Rheinufer; es ist ein Dörfchen von etwa 100 Wohnungen mit 500 reformirmirten Einwohnern, die durch den nahen Rhein zu stetem gemeinschaftlichem Kampf gegen ihn vereinigt sind, und sich durch Thätigkeit und Gemeinsinn auszeichnen. Nur wenige Bürger sind wohlhabend, kein Einziger reich, aber Viele arm, sich mühsam mit ihrer Hände Arbeit durchhelfend. Diese Gemeinde hat sich in ökonomischer und moralischer Beziehung, mitten in ihrer schwierigen Lage gehoben, was um so mehr Anerkennung verdient; sie hat ein eigenes, schön gelegenes, fleissig besuchtes Kirchlein, seit etwa 80 Jahren einen eigenen Pfarrer, besitzt seit 1824 zwei gute Schulen und seit 12 Jahren eine schöne, aus eigenen Mitteln angekaufte Alp.

Felsberg gehört dem obern Bunde und dem katholischen Gericht im Boden an, es bildet eine eigene Gemeinde, hat aber nicht viele Güter, einen geringen Viehstand, aber viele Handwerker, namentlich Zimmerleute, Tischler und Maurer, die meist im Sommer im Engadin ihr Brod suchen und finden.

Die herannahende Noth kündigte sich zum erstenmal den 4. März 1834 durch einen losstürzenden Stein von mehreren 1000 Zentnern an; neue Stürze wiederholten sich am13ten desselben Monats; schauderhafte an Zahl und Umfang bedeutende Zerklüftungen in den Schlünden von 4 — 10′ Breite und mehreren hundert Fuss Tiefe, gaben Grund zu den ernsthaftesten Besorgnissen; allein der heimathliche Boden fesselt den Menschen, er gewöhnt sich an die augenscheinlichste Gefahr, und als vollends am 23. Dezember 1834 ein neuer weit grösserer Sturz glücklich stattgefunden hatte, schlief man wieder sanft, und noch sanfter, als im Frühjahr 1835 keine wesentliche Veränderung mehr wahrgenommen wurde.

Auch wiederholte grössere und kleinere Ablösungen, namentlich im Sommer 1841 verursachten nur vorübergehenden Schrecken; erst die letzten Stürze vom 3. auf den 4. September und vom 1. Oktober 1843 weckten wieder die alten Besorgnisse, und vereitelten die Meinung Vieler, an den alten hinter dem Dorfe liegenden Felstrümmern eine sichere Schanze zu haben. Seit jener Zeit sind denn auch die ernstlichen Bemühungen für eine Uebersiedelung dieser Gemeinde im Gange; zuerst wurde dieselbe bei den nächsten Nachbarn in Ems nachgesucht, und auf wiederholten Abschlag wandten sich die unglücklichen Felsberger an die Churer, wo nun die Angelegenheit der nahen Entscheidung harrt. Zwar machen sich auch jetzt noch einzelne Stimmen geltend, als sei die obschwebende Gefahr nicht so gross und dringend, allein die Churer Zeitung vom 16. Januar theilt einen Bericht der Gemeindeobrigkeit mit, worin es u. A. heisst: „Die meisten Berichte zeigen eine, wenn auch sehr langsame und einstweilen nur theilweise, doch sichtliche Bewegung an; und diese ganze in Bewegung befindliche Masse beträgt jedenfalls mehr als 40 Millionen Kubikfuss, und sollte diese noch glücklich sich ablösen, so wartet unser eine mehr als fünffach grössere Masse. Wer in diese gähnenden Abgründe noch nie selbst geblickt, wer das beständige Rieseln und öftere Dröhnen dort oben noch nie vernommen, möge sein Urtheil: „es sei wenig Gefahr«« bis dahin verschieben!«

Wir enthalten uns für heute, auf die grossen ökonomischen Erfordernisse einer solchen Uebersiedelung einzutreten, noch neben Demjenigen, was eigene Anstrengungen und die Grossmuth der Churer zu thun willens sind. Wie wir vernommen, so hat bereits die Direktion der schweizerischen gemeinnützigen Gesellschaft, eingedenk, dass auch dieser Verein in unserer Zeit durch Handeln dem Vaterlande mehr frommen möge, als durch Forschen, sich mit einigen ihrer Mitglieder in Chur in Verbindung gesetzt, um die zweckmässige Art und Weise der zu spendenden Hülfe zu beräthen, und unter den nöthigen Garantien für sorgsame Verwendung ihre eidgenössische Vermittlung anzubieten, – auch in andern Kantonen diess Werk eines echten Gemeinsinns zu fördern, und wie es früher schon einigemal erfolgreich geschehen, die Bundesbrüder zur Vereinigung im Wohlthun, zu einem gemeinsamen Werk christlicher Liebe, welche keine konfessionelle Trennung kennt, in alter Treue aufzurufen!

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 33, 2. Februar 1844

Graubünden. Chur, 30. Jan. (Korr.) Heute Vormittage hat die verhängnissvolle Bürgergemeinde statt gefunden, in welcher über das Schicksal des obrigkeitlichen Vorschlags, betreffend Inkorporation der bedrohten Nachbargemeinde Felsberg in die Stadtgemeinde Chur entschieden werden sollte. Der Entscheid, wie man so ziemlich zum Voraus wusste, ist mit grosser Mehrheit gegen den Vorschlag ausgefallen. Wenn auch diess Ergebniss betrübend ist, so verzweifeln wir nicht daran, dass den armen Felsbergern auf diese oder jene Art geholfen werde, so dass sie doch wenigstens theilweise für die Zukunft gesichert werden.

Die Obrigkeit wird diessfalls beförderlichst, den in der Bürgerversammlung mehrseits ausgesprochenen Wünschen gemäss, Anträge an die Bürgerschaft gelangen lassen, die hoffentlich ein besseres Schicksal haben werden, als der obrigkeitliche heute gehabt hat.

Unterdessen, bis definitiv über die Zukunft Felsbergs vor der Bürgerversammlung, so weit es von ihr abhängt, abgestimmt werden wird durch Annahme oder Verwerfung von ferner ihr vorzulegenden Vorschlägen, sollen von hiesiger Behörde und auf Instanz derselben von den Kantonsbehörden provisorische Massregeln getroffen werden, um die bedrohten Felsberger hier und in den benachbarten Gemeinden unterzubringen. Beim eidgenösstschen Organisationskomité sind Schritte gethan worden für Errichtung einer Scheibe zu Gunsten der unglücklichen Felsberger.

der Bericht in e-newspaperarchives

Nidwaldner-Wochenblatt, Nummer 6, 6. Februar 1844

Bünden. Unter den Bürgern von Chur sind die Meinungen, hinsichtlich der Übersiedelung und Einbürgerung der unglücklichen Nachbarn von Felsberg, sehr getheilt. Inzwischen steigt die Gefahr mit jedem Tage. Die Tiefe der neuesten Risse in der, über Felsberg hängenden Felswand ist an einigen Orten über 300 Fuss; die ganze in Bewegung befindliche Masse beträgt jedenfalls mehr als 40 Millionen Kubikfuss. Und sollte diese noch so glücklich sich ablösen, so ist eine fernere Ablösung von einer mehr als 5mal grössern Masse zu besorgen. Auf der Höhe der Felsen lässt sich ein beständiges Rieseln und Dröhnen vernehmen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 6. Februar 1844

Für Einbürgerung der Felsberger sprachen die HH. Bürgemeister Bavier, Bundespräsid. Friedr. v. Tscharner und Maj. Ludwig Christ. Die Gegenredner werden nicht genannt. Uebrigens soll die Mehrheit schon mit einer entschiedenen Meinung auf den Platz gekommen sein.

Wenn auch nicht mit voller Einbürgerung, so sollten denn doch die Felsberger qua selbständige Korporation irgendwo einen Ort finden, wo sie ihr Haupt sicher niederlegen können. Man scheint in Chur sie nicht ganz fahren lassen zu wollen. Wir vernehmen, dass auch die Direkton der gemeinnützigen Gesellschaft das Ihre tun werde. In einem Lande, das bei 40’000 Fr. alle Jahre nur der Propaganda überliefert, dürfte doch auch eine Ansiedelungsstelle für Felsberg gefunden werden. Läge es einst verschüttet wie Goldau und Plurs, welche Anklage für die Eidgenossen!

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 6, 7. Februar 1844

Graubünden. Jn Bezug auf Felsberg hat sich für den Augenblick die Sache so gestaltet, dass am 30. Januar der obrigkeitliche Vorschlag, die Incorporation Felsbergs mit Chur betreffend, mit 162 gegen 67 Stimmen von der Bürgerschaft von Chur verworfen worden ist. Indessen ist die Aussicht vorhanden, dass bei einer zweiten Abstimmung von Seiten der Bürgerschaft Churs eine Zustimmung zur unentgeldlichen Einräumung eines geräumigen Anbauplatzes in ihrem Gebiete dennoch erfolgen werde.

Wenn man hört wie die Aufnahme der Felsberger für Chur mit eigenthümlichen Schwierigkeiten verbunden ist; wie mit grossen Kosten über den Rhein eine neue dauerhafte Brücke muss gebaut werden, damit die Felsberger dann auch zu ihren Gütern, Wäldern u. s. w so viel davon übrig bleibt, gelangen können, so begreift man, dass die Sache in Chur auf Schwierigkeiten trifft. Schauerlich ist freilich der Gedanke, dass während man noch zaudert, den Bedrohten zu einer neuen Heimath zu verhelfen, der Fels sich täglich mehr dem schrecklichen Sturze entgegenneigt. Erfreulich ist es, dass die schweizerische gemeinnützige Gesellschaft, deren Direction dermalen in Zürich ist, sich der Sache annimmt. Aus dem ganzen Vaterlande sollte man da freudig zu Hülfe kommen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 7, 14. Februar 1844

Empfangsbescheinigungen. Vom 8. Januar bis 12. Februar 1844 sind bei der Redaktion des V. B. folgende Liebesgaben eingegangen: (…) Für die Bedrängten in Felsberg in Bünden: „Ein Schärflein zur Linderung der leiblichen Noth.“Von F. C.: Fr. 3. (…)

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 53, 22. Februar 1844

Graubünden. Hier fürchtet man bei dem eingetretenen Föhn und Thauwetter besonders auch für Felsberg.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 56, 25. Februar 1844

Graubünden. Die Gemeinde Felsberg hat auf neulich gestellte ziemlich lästige Anträge erklärt, dass sie vorziehe, auf ihrem Gebiete zu verbleiben, wenn man ihr in der Gemeinde Chur nur vorübergehend eine Aufnahme gestatten wolle.

der Bericht in e-newspaperarchives

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 16, Nummer 25, 27. Februar 1844

Graubünden. Chur. Mit Bedauern vernimmt man, dass die Einwohner von Felsberg sich nicht entschliessen konnen, von dem Anerbieten einer provisorischen Aufnahme in hiesiger Stadt Gebrauch zu machen. In der Sonntags den 11. d. M. abgehaltenen Gemeindsversammlung sprach sich allgemein die Ansicht ans, einstweilen im Dorfe verbleiben, gegen den Frühling aber auf eigenem Gebiet, an sichern Stellen provisorische Barraken für Menschen und Vieh erbauen zu wollen. Als Hauptmotiv zu diesem Entschluss wird die abermals unter dem Vieh ansgebrochene Seuche bezeichnet.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 67, 7. März 1844

Graubünden. Chur, 8. März. Durch die Theilnahme, welche die schweizerische gemeinnützige Gesellschaft den armen Felsbergern zugesichert hat, wird diese Angelegenheit eine gemeineidgenössische, und es wird daher jede wichtige Schlussnahme diessfalls, sie möge von Kantons- oder Stadtbehörden herrühren, interessiren. Diess ist der Grund auch dieser Mittheilung.

Nachdem die Bürgerschaft am Ende letzten Januars den ihr vorgelegten obrigkeitlichen Vorschlag verworfen hatte, nahm die Obrigkeit dem in der Bürgerversammlung vielseitig ausgesprochenen Wunsche gemäss die wichtige Angelegenheit wieder zur Hand, und ernannte eine Kommission, zum Theil aus nicht obrigkeitlichen Mitgliedern bestehend, zur Ausarbeitung neuer Vorschläge.

Von dieser Kommission wurden sofort 3 Vorschlge nacheinander ausgearbeitet und von der Stadtobrigkeit insofern genehmigt, als sie beschloss, alle diese sammt einem vierten, der von einer Anzahl Bürger ausging und verfassungsgemäss der Bürgerschaft vorgelegt werden musste, zur Abstimmung zu bringen, vorher aber dieselben der Gemeinde Felsberg mitzutheilen, um ihre Bemerkungen darüber anzuhören.

Eine Deputation von Felsberg überbrachte sodann ihre Wünsche, dass einer der vier Vorschläge aufgegeben, und an den andern diese und jene Veränderung getroffen werden möchte. Darauf ging die Kommisston, und mehr oder weniger in der Folge auch die Obrigkeit von Chur ein, so dass beschlossen wurde, drei Vorschläge, welche gedruckt unter die Bürger vertheilt werden, der Bürgerversammlung zur Abstimmung vorzulegen: nämlich

1) einen Konventionsentwurf, wornach die Gemeinde Felsberg mit ihrem ganzen Gebiete sich mit der Stadt zu einem Hochgerichte verbindet, ökonomisch selbstständig, politisch und polizeilich vereinigt, an die Hochgerichtskosten durch Grund- und Gewerbsteuer mit beitragend; Chur übergibt 10’000 Klafter zum neuen Anbau eines Dorfes und hilft Felsberg einen Weg an den Rhein und eine Brücke bauen, unter Bedingungen zu Gunsten der Gemeindefonds.

2) Den oben genannten, von Bürgern eingegebenen Entwurf mit einigen Modifikationen; er enthält folgende Grundlagen: Abtretung des bezeichneten Bodens sammt Judikatur zum Behuf des Dorfbaues an Felsberg, das im gleichen politischen Verhältniss bleibt, wie bisher.

3) Diesen Entwurf ohne Modifikationen.

Diese drei Entwürfe näher hier zu beleuchten, ist nicht nöthig. Für beide Grundstze, für denjenigen der Vereinigung zu einem Hochgericht sowohl, als für einfache Bodenabtretung lassen sich Gründe anführen. Neigungen und politische Ansichten mögen hiebei den Entscheid geben. Genug, dass auf diesem oder jenem Weg den bedrohten Felsbergern ein Platz angewiesen wird, wo sie sicher ihr Dorf hinbauen dürfen, und dadurch der sonst immerwährend über ihnen schwebenden Gefahr entrissen werden. Dass der eine oder andere Weg von der Bürgerschaft am nächsten Donnerstage, wo die Gemeindsversammlung wahrscheinlich gehalten wird, angenommen werde, hegt Einsender die Hoffnung.

Chur hat, wenn dieses geschehen, etwas geleistet, es ist dann an der Eidgenossenschaft, am Kantone, an den Privaten in Chur und andern Gemeinden, den Unglücklichen ferner unter die Arme zu greifen, so dass sie in den Stand gesetzt werden, die grossen Auslagen, welche ihnen bevorstehen, zu tragen, um nicht auf halbem Wege zur Rettung zu unterliegen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 74, 14. März 1844

Graubünden. Felsberg. Ein vor ein Paar Tagen eingenommener Augenschein brachte keine erfreuliche Kunde ins Dorf zurück: die im Herbst gespannten Dräthe fand man zum Theil in Folge der Felsenbewegung zerrissen, den Fuss des sog. Thürmchens um mehrere Zolle gewichen. Das eingetretene Thauwetter muss die Katastrophe beschleunigen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 15. März 1844

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 16, Nummer 33, 16. März 1844

Die von Her löbl. Stadtobrigkeit zur Bearbeitung neuer Vorschläge niedergesehte Kommission hatte sich sogleichan die Arbeit gemacht und obiger Behörde ein Gutachten eingereicht, wie nach ihrer Ansicht der bedrängten Gemeinde am Besten und Wirksamsten geholfen werden könnte. Die Obrigkeit versagte jedoch demselben ihre Genehmigung und wies die Kommission an, einen neuen Vorschlag auszuarbeitem welchem die Aufnahme der Gemeinde Felsberg in den Hochgerichtsverband zu Grunde gelegt werden sollte. Die Kommission unterzog sich willig dem neuen Anstnnen und arbeitete in mehreren Sitzungen einen ans obige Grundlage gebauten Vorschlag aus, welchem zufolge Felsberg ferner eine ökonomisch unabhängige Gemeinde bliebe, der die oftgenannten 10,000 Klafter Boden unentgeltlich abgetreten würden, aber in politischer Beziehung mit dem Hochgerichte Chur vereinigt werden sollte.

Diesen Vorschlag theilte die Kommission einer Deputation der Gemeinde Felsberg- welche, nebst Hrn. Pfarrer J. M, Ludwig von Langwies, einer ihrer Sitzungen beiwohnte, mit, genehmigte einige von letzterer gewünschte Abänderungen und Zusätze, und nachdem dann auch noch die Gemeinde Felsberg sich damit einverstanden erklärt hatte, reichte sie ihn der wobllöbl. Obrigkeit ein. Diese änderte aber, freilich mit sehr geringer Mehrbeit, den Vorschlag in mehreren wesentlichen Punkten zum Nachtheile der Gemeinde Felsberg ab, und theilte ihn dann der letztern mit. Diese erklärte aber unterm ö. d. ihn nicht annehmen zu können und wandte sich an die Tit. Landesregierang, damit diese ihr rathe· was sie thun solle. Die-Regierung beauftragte sodann die Tit. Kantonal-Hiilfskommission mit Abgeordneten von Chur und Felsberg zusammenzutretenum sich, wo immer möglich, über die divergirenden Punkte einzuverstehen, zu welchem Behus dann gestern eine einlässliche Besprechung statt fand. Das Resultat derselben ist uns znr Stunde noch nicht bekannt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 78, 18. März 1844

Graubünden. Chur, 15. März. Unfere wiederholt ausgesprochenen Befürchtungen für Felsberg rechtfertigen stch immer mehr. In der Nacht vom 13. auf den 14. setzte dröhnendes Krachen der ob den Häuptern schwebenden Felsmassen die Bewohnerschaft abermals in grosse Unruhe; jedoch ereignete sich kein Unfall. Der männliche Theil der Einwohner hat sich bei der steigenden Besorgniss des hereinbrechenden Unglücks in drei Sektionen getheilt, von denen je acht Mann die Nacht über wachen, um die Einwohnerschaft noch bei Zeiten aus dem Schlummer zu wecken, wenn sich Vorboten eines Sturzes vernehmen lassen. In den Allarmzeichen wird eine gewisse Stufenfolge beobachtet. (B. 3tg.)

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 12, 20. März 1844

Bünden. Die Verhandlungen, welche von Chur aus mit Felsberg gepflogen werden, ziehen sich sin die Länge — inzwischen aber kracht’s in den Felsen und als man neulich die Nisse untersuchte, zeigte sich, dass die im Herbst gespannten Drähte zerrissen waren und der Fuss des sogenannten Thürmchens um mehrere Zoll gewichen war. Mit Schrecken sieht man dem Thauwetter entgegen. Mit jedem Tage, so wird von St. Gauen gerufen, befürchten wir aus Chur die Nachricht zu erhalten: Felsberg ist nicht mehr! es liegt sammt seinen Bewohnern unter den herabgestürzten Felsmassen begraben.

In der Nacht vom 13. auf den 14. vernahm man auch bereits ein dröhnendes Krachen. Das brachte wieder grosse unruhe ins Dorf. Die Männer des Ortes haben sich jetzt in drei Theile getheilt, von denen je acht Mann die Nacht über wachen um die Einwohnerschaft noch bei Zeiten aus dem Schlummer zu wecken- wenn sich Vorboten eines Sturzes Vernehmen lassen. In den Allarmzeichen soll eine gewisse Stufenfolge beobachtet werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 21. März 1844

Graubünden. Die Befürchtungen, dass das Dörfchen Felsberg das Schicksal von Goldau erfahren werde, scheint sich immer mehr durch das von Zeit zu Zeit sich wiederholende Krachen der Felsen zu rechtfertigen. Dennoch ziehen dle Bewohner nicht weiter, sondern glauben, wenn sie Nachtwachen aufstellten, die sie zeltig von den Vorboten eines Sturzes benachrichtigten, sie dann noch immer eine Zeitfrist von 12 Stunden zum Ausziehen mit ihren Habseligleiten vor sich hätten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 82, 22. März 1844

Graubünden. Die Unterhandlungen für die Uebersiedelung der Gemeinde Felsberg auf das Gebiet der Stadtgemeinde Chur sind seit der Verwerfung des Vorschlages des Churerstadtrathes durch die Bürgerschaft, welche auf den Grundlagen der Rechtsgleichheit eine vollständige Vereinigung mit der Gemeinde Felsberg nicht zugeben wollte, ins Stocken gerathen. Die Felsberger haben das Anerbieten der stadtischen Hülfskommisston, sie bis zur Beendigung der langwierigen Unterhandlungen in Wohnungen zu Chur unterzubringen, die von Privaten und Korporationen zu diesem Zweck auf uneigennützige Weise zur Verfügung gestellt wurden, verdankend abgelehnt, weil eine vorübergehende Uebersiedelung mit allzu grossen Kosten und Beschwerden verbunden sein würde.

Von Seite Churs kamen hierauf drei verschiedene Vorschläge zu bleibender Annahme der Felsberger zum Vorschein; einer ging von 63 Stadtbürgern, die zwei andern von der Obrigkeit, d. h. vom Stadtrath und Stadtgericht Chur aus, wovon aber der zweite bloss eine Modifikation des erstern war. Alle drei Vorschlge vereinigten sich dahin, dass die Güterverwaltung bei der Gemeinden getrennt bleibe. Dabei verlangte aber der erste Vorschlag von der Gemeinde Felsberg für die Abtretung von 10’000 Klafter Boden gewisse, nicht nur ihre Oekonomie, sondern auch ihre politische Selbstständigkeit beeinträchtigende Beschränkungen in Bezug auf die Rheinkorrektion, Einwohner- und Fremdenpolizei. Der zweite Vorschlag ist nur eine bestimmtere Auseinandersetzung des erstern, so dass er mit diesem in Bezug auf Abtretung der Hoch- und Gemeindgerichtsbarkeit unter oben erwähnten Beschränkungen ühereinstimmt.

Der dritte Vorschlag unterscheidet sich dadurch wesentlich von beiden andern, dass er die Gemeinde Felsberg dem Hochgericht im Boden entziehen und die Hochgerichtsbarkeit von Chur über den abzutretenden Boden beibehalten will. Der Hochgerichtsverband in Graubünden hat gemeinschaftliche Gerichtsbarkeit, gemeinschaftliche Vertretung im Gr. Rath und gemeinschaftliche Abstimmung über die grossräthlichen Gesetzesvorschlge zur Folge. Dieser Vorschlag wäre der annehmbarste gewesen, wenn sich Felsberg einerseits nicht geweigert hätte, einen Theil der Hochgerichtsausgaben zu übernehmen, und anderseits die von der Kommisston der Stadtobrigkeit beantragte Selbstständigkeit der Gemeinde Felsberg keinen so bedeutenden Widerstand gefunden hätte.

Durch Stichentscheid des Hrn. Bürgermeister Abys wurde der Vorschlag von der Stadtobrigkeit mit Bestimmungen umgeben, die der Gemeinde Felsberg eine anständige freie Bewegung in ökonomischer und politischer Beziehung sehr erschwert oder vielmehr unmöglich gemacht hätten. Es wurde nämlich den Felsbergern eine Gewerbssteuer und ihren Niedergelassenen überdiess eine Beisässenabgabe, und zwar beides zu Gunsten der Stadtkasse vorgeschrieben und der für Gebäude zu benutzende Boden mit einer Grundsteuer belegt, anderer Beschränkungen nicht zu gedenken. Dadurch wäre freilich die Besorgniss der Churerzünfte vor einer Konkurrenz der Gewerbsleute in Neu-Felsberg beseitigt worden. Allein Felsberg hat sämmtliche drei Vorschlage in dem Augenblicke, als sie die Churerobrigkeit durch Ausschreiben vom 2. März ihren Mitbürgern zur Abstimmung vorlegen wollte, verworfen und sich an die Kantonsregierung gewandt.

Durch Vermittelung dieser letztern sind nun neue Unterhandlungen angebahnt worden. Felsberg hat sich nämlich in einer am 17. Mätz abgehaltenen Gemeindsversammlung mit einer Mehrheit von 57 gegen 22 Stimmen (23 Anwesende enthielten sich der Abstimmung) von dem Gedanken, in Felsberg selbst eine sichere Wohnstatte ausfindig zu machen, abbringen lassen und sich bereit erklärt, auf den Vorschlag der Stadtobrigkeit zur Vereinigung mit dem dortigen Hochgerichtsverband einzugehen, wenn die von den Gebäulichkeiten zu entrichtende Grundsteuer statt nach 4, erst nach 20 Jahren erhoben, seiner Gemeindekasse der bisherige jährliche Ertrag der Niederlassungsgebühren vergütet werden wollte, die Vermögensverwaltung seiner frommen Stiftungen, denen die Befreiung von der Grundsteuer zugedacht ist, ihm ohne Einmischung der Churerstadtgemeinde überlassen bleibe, und die zugemutheten Wuhrlasten etwas erleichtert werden.

Es wird sich nun zeigen, ob diese Fügsamkeit der bedrängten Gemeinde Felsberg nach vierteljährigen Unterhandlungen zum Ziele führe. Die Stadtobrigkeit von Chur hat die von Felsberg verlangten Zugeständnisse bereits genehmigt. Die Kantonalhülfskommission für die Felsberger erstattet seit dem 18. März in hiesigen öffentlichen Blättern fortlaufenden Bericht über jeden Vorfall in dieser Angelegenheit.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 22. März 1844

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Der Wahrheitsfreund, 22. März 1844

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Wochenblatt für die vier löblichen Kantone Ury, Schwytz, Unterwalden und Zug, Nummer 12, 22. März 1844

Alle Tage fürchtet man die Nachricht aus Chur zu erhalten: „Felsberg ist nicht mehr!“

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 84, 24. März 1844

Graubünden. Einem Briefe von Chur entnehmen wir die Nachricht, dass die dortige Bürgerschaft am 22. März Vormittags den Vorschlag ihrer Stadtobrigkeit, dem Felsberg beigestimmt, mit 115 gegen 110 Stimmen (3 Anwesende hatten nicht gestimmt) verworfen habe, so dass die Hoffnung eines gegenseitigen Einverständnisses wieder in die Ferne gerückt ist. Nachmittags verwarf die Bürgerschaft auch die übrigen Vorschläge, nahm jedoch den Grundsatz an, dass den Felsbergern zur Ansiedelung auf Churergebiet Boden eingeräumt werden möge. Umständlicheres in der nächsten Nummer.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 85, 25. März 1844

Graubünden, Chur, 22. März. (Korr.) Heute Vormittag versammelte sich die hiesige Bürgerschaft zum zweiten Male zu einer Abstimmung in der Felsbergerangelegenheit. Es galt nicht mehr der Annahme eines Vorschlags, wonach die Felsberger Boden zum Ansiedeln erhalten und zugleich unsere Mitbürger werden sollten, dieser Vorschlag war am 30. Jan. mit grosser Mehrheit verworfen worden; heute handelte es sich nur um Abtretung eines bestimmten Bodens zum Behuf der neuen Ansiedelung und Aufnahme in’s Hochgericht Chur unter besondern Bedingungen. Die Diskusston dauerte von 9 Uhr bis ½ 12 Uhr. Es wurde das Für und Wider den Vorschlag ziemlich weitläufig und gründlich erörtert; die Abstimmung ergab eine Mehrheit von 5 Stimmen für Verwerfung des Vorschlags bei Anwesenheit von 228 Bürgern, wovon jedoch 3 sich der Stimme enthalten haben.

Obgleich nur dieser Vorschlag der Bürgerschaft vorgelegt war, so wollte man die Sache nach dessen Verwerfung nicht fallen lassen. Es ward der Wunsch in der Versammlung ausgesprochen und unterstützt, dass der Petitionsvorschlag, wonach die Felsberger sich an angewiesenen Plätzen niederlassen, aber im gleichen Gerichtsverband verbleiben sollten, entweder mit oder ohne Modifikationen sogleich oder am Nachmittag vorgebracht werden möchte; ferner auch der Wunsch, jetzt schon den Beschluss zu fassen, falls sich wirklich gemäss sachkundiger Untersuchung nicht sicherer Platz zur Anstedelung auf Felsbergergebiet findet, den betreffenden Boden an Felsberg abzutreten.

Diesen Wünschen Rechnung tragend, legte sofort die Behörde von Rath und Gericht, welche diessfalls von 2—3 Uhr Nachmittags Berathung gepflogen hatte, folgende Vorschläge der Gemeinde um 3 Uhr vor:

1) Die Bürgerschaft möge sich aussprechen ob sie den einfachen Petitionsvorschlag annehmen wolle oder nicht;

2) im letztern Falle möge sie aussprechen, ob sie überhaupt den betreffenden Boden zum Behufe des Anbaues einer neuen Gemeinde an Felsberg unentgeltlich abtreten wolle oder nicht, und endlich

3) im Bejahungsfalle ob mit Abtretung oder Beibehaltung der Judikatur.

Nachdem darüber wieder eine, wenn auch nicht so lange, doch lebhafte Diskusston geführt worden, ward der Petitionsvorschlag verworfen; nur 67 Stimmen vereinigten sich auf denselben. Für den obigen zweiten Punkt erhob sich die Bürgerschaft beinahe ohne Ausnahme; endlich bei der Abstimmung über den dritten Punkt ergaben sich nur 38 Stimmen für die Abtretung der Judikatur. Der Grundsatz ist also jetzt ausgesprochen, dass man Boden geben wolle. Es ist nun an der Obrigkeit, vor die Bürgerschaft einen auf obige Grundsätze basteten detaillirten Vorschlag zu bringen, der derselben angenehm und auch für Felsberg annehmbar sein wird. Dass diess baldigst geschehe, und dass dadurch der lange, ja nur zu lange herumgeschleppten Felsbergerangelegenheit ein genügendes Ziel gesetzt werde, ist unser innigster Wunsch.

der Bericht in e-newspaperarchives

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 16, Nummer 37, 26. März 1844

Graubünden. Die Gemeinde Felsberg hat sich den 17. entschlossen, auf das Gebiet der Stadt Chnr überzusiedeln und die von dem löbl. Stadtmagistrate gestellten Bedingungen angenommen. Von 102 Anwesenden stimmten 57 für, 22 wider die Uebersiedelung und 28 enthielten sich der Abstimmung. Es steht nun an der Bürgerschaft der Stadt, den obrigkeitlichen Vorschlag auch ihrerseits zu genehmigen und man hofft auf eine günstige Entscheidung. Sobald diese erfolgt ist, wird die Hülfskommission im Einverständniss mit der wohllöbL Obrigkeit von Chur und mit der Gemeinde Felsberg zur Entwerfung der erforderlichen Pläne und Schatzungen schreiten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 26. März 1844

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 13, 27. März 1844

Felsberg. Welcher Schweizer sollte nicht theilnehmend nach Felsberg hinüberblicken. Folgende Mittheilungen eines Freundes ans Bünden werden daher von Interesse seyn: „Das arme Felsberg kommt, wie ich fürchte, zu keinem neuen Dorfe; ich ahne, dass ein Theil über kürzer oder länger erschlagen, ein Theil wunderbar erhalten wird; ein bedeutender Theil sich zersplittert.“

„Ich war am 7. December d. J.. auf den Felsen, von denen herab des Dorfes Untergang droht. Die schauderhaften Klüfte, die ganz neuen Risse, die grossartigen Veränderungen die mich an einigen Stellen nur noch langsam und mit Mühe den, Stand von 1841 im September, wo ich zum letzenmale dort war, erkennen liessen, — erschreckten mich bei weitem nicht, wie der Anblick des Fusses. An dem Fusse der Masse kommt man nach einer starken halben Stunde Umwegs, durch schwierige Felsgänge hinunter.

Hier fand ich solche Trümmerstätten, solche Verwüstung, dass ich auf dem Wege, den ich 1834 mehrere Mal gemacht, 20 bis 40 Fuss hoch über Felsblöcke klettern musste. Binnen 20 Mintuten hatten sich oben viele Steinchen abgelöst, und waren von den 500 Fuss hohen Wänden heruntergekommen; nur keines während wir dort standen. Es galt, die Sache recht zu besehen. Ich war meines Rufes gewiss, und so kam auch kein Gedanke von Furcht in meine Seele- bis ich längst zurück war. Ja, bei fortgerückter Zeit eilten wir gerade durch das Ries dem Dorfe zu, durch welches bisher die Steine herunterrollten, ohne dass von uns einer daran dachte — so gewöhnt man sich.“

„Am Fusse nun sah ich nicht nur ganz neue Risse, und zwar von bedeutender Ausdehnung und in genauesten Zusammenhange mit den obern Zerklüftungen, ich bemerkte solche auch an Stellen, wo sie wohl nur durch die Senkung in der Grundlage der ganzen Masse haben entstehen können.

Jetzt verliess ich meine frühem Gedanken: die Felsberger zur Ruhe und Vorsicht zu mahnen und weiteres zu verschieben, bis die jetzige Masse in Bewegung sey. Ich hatte mir damals gedacht, dass höchstens drei Millionen Kubikfuss herunterkommen würden. — Nein, jetzt heisst es handeln und doch mit solcher Hingebung, die da sagt: „Dein Wille geschehe!“,,Einstweilen könnte wohl so geholfen werden, dass für Güter- und Viehbesttzer in der Nähe ihrer Güter nur Interimswohnungen erbaut würden; so dass alles Holz, Eisen, Fenster, Thüren u. s.w. wieder gebraucht werden könnten zu einem Neufelsberg, wenn’s zu Stande kommen sollt

Zwei, vier bis sechs Familien könnten dann die Besorgung ihrer Güter einer so zurückbleibenden übergeben, die aus den eigenen Verwandten selber erwählt würde. Die übrigen ziehen nach Chur und Ems und so könnte man ruhig die Krisis kommen lassen. Die das neu zu gründende Dorf betreffenden Angelegenheiten, Bürgerverband, Gerichtsbarkeit, Boden, Rhein u. s. w., könnten mit Musse besprochen wer den und erst, nachdem die Sache reif wäre, liesse sich Gediegenes leisten.

Aber wer gäbe 20’000 bis 22’000 Gulden zu einem Unternehmen „her, das viel Mühe kostet und am Ende doch nur provisorisch ist? — Und bliebe dann dies Sache dem Publikum wichtig genug um später eine so grosse Unterstützung zu senden, denn wenn auch 10,000 Quadratfuss Boden in der Nähe von Chur ein grosses Geschenk wäsren, so wären sie nutzlos, wenn nicht 80 bis 100 Tausend Gulden Steuer und eine Rheinkorretion bis zur neuen Brücke zu Stande kömmt.“

„Und alles das, wenn’s gegeben würde, wenns käme mit der nächsten Post, schützt nicht vor dem nahen Sturz. — Inzwischen leiden einzelne Felsberger, sie sind arm, dürfen nicht daheim wohnen, manches geht ihnen zu Grunde. Es sieht in jeder Beziehung bedenklich aus — und doch strahlen einzelne Züge der Gnade aus dem tiefsten Dunkel hervor! “

Wir haben bereits gemeldet, wie die neuern Verhandlungen in Bezug auf Felsberg sich in die Länge ziehen; um so weher that es Einem zu vernehmen, dass kürzlich in Chur, der von der Obrigkeit vorgelegte Vorschlag in Bezug auf eine Gebietsabtretung, welcher auch von der Gemeinde Felsberg angenommen war, mit 115 gegen 110 Stimmen verworfen wurde. Indessen zeigte es sich doch bald darauf bei einer folgenden Abstimmung, dass man in Chur die armen Felsherger doch nicht ganz im im Stiche lassen will; es wurde beinahe einstimmig beschlossen: „Um die dermaligen Bürger und-Angehörigen von Felsherg der ihrem Dorfe drohenden Gefahr zu entziehen, überlässt die Stadt Chur der Gemeine Felsberg zum Anbau von 100 Wohnungen, Ställen und Scheunen, sowie auch der nöthigen öffentlichen Gebäude und Anlagen einen Flächenraum von 10’000) Quadratklaftern ihres Bodens.“

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Volksfreund, Band 14, Nummer 25, 28. März 1844

Graubünden. Felsberg hat die letzten Vorschläge Churs zur Uebersiedelung darum abgelehnt, weil dieselben ihm eine anständige freie Bewegung in ökonomischer und politischer Beziehung sehr erschwert oder vielmehr unmöglich gemacht hätten. Es wurde nämlich den Felsbergern eine Gewerbssteuer und ihren Niedergelasseuen überdiess eines Beisässenabgabe, und zwar beides zu Gunsten der Stadtkasse vorgeschrieben und der für Gebäude zu benutzende Boden mit einer Grundsteuer belegt, anderer Beschränkungen nicht zu gedenken.

Dadurch wäre freilich die Besorgniss der Churerzünfte vor einer Konkurrenz der Gewerbsleute in Neu-Felsberg beseitigt worden. Allein Felsberg hat sämmtliche drei Vorschläge in deim Augenblicke, als sie die Churerobrigkeit durch Ausschreiben vom 2. d. ihren Mitbürgern zur Abstimmung vorlegen wollte, verworfen und sich an die Kantonsregierung gewandt. Durch Vermittlung dieser letztern sind nun neue Unterhandlungen angebahnt worden.

Felssberg hat sich nämlich in einer am 17. d. abgehaltenen Gemeindsversammlung mit einer Mehrheit von 57 gegen 22 Stimmen (23 Anwesende enthielten sich der Abstimmung) von dem Gedanken, in Felsberg selbst eine sichere Wohnstätte aussfindig zu machen, abbringen lassen und sich bereit erklärt, auf den Vorschlag der Stadtobrigkeit zur Vereinigung mit dem dortigen Hochgerichtsverband einzugehen, wenn die von den Gebäuilichkeiten zu eutrichtende Grundsteuer statt nach 4, erst nach 20 Jahren erhoben, seiner Gemeindekasse der bisherige jährliche Ertrag der Niederlassungsgebühren vergütet werden wollte, die Vermögensverwaltung seiner frommen Stiftungen, denen die Befreiung von der Grundsteuer zugedacht ist, ihm ohne Einmischung der Churerstadtgemeinde überlassen bleibe, und die zugemutheten Wuhrlasten etwas erleichtert werden.

Es wird sich nun zeigen, oh diese Fügsamkeit der bedrängten Gemeinde Felsberg nach vierteljährigen Unterhandlungen zum Ziele führe. Die Stadtobrigkeit von Chur hat die von Felsberg verlangten Zugeständnisse bereits genehmigt. Die Kantonalhülfskommission für die Felsberger erstattet seit dem 18. d. in hiesigen öffentlichen Blättern fortlaufenden Bericht über jeden Vorfall in dieser Angelegenheit.

der Bericht in e-newspaperarchives

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 16, Nummer 38, 28. März 1844

Graubünden. Einem Briefe von Chur entnehmen wir die Nachricht, das die dortige Bürgerschaft am 22. März Vormittags den Vorschlag ihrer Stadtobrigkeit, dem Felsberg beigestimmt, mit 115 gegen 110 Stimmen (3 Anwesende hatten nicht gestimmt) verworfen habe, so dass die Hoffnung eines gegenseitigen Einverständmsses wieder in die Ferne gerückt ist. Nachmittags verwarf die Bürgerschaft auch die übrigen Vorschläge, nahm jedoch den Grundsatz an, dass den Felsbergern zur Ansiedelung auf Churergebiet Boden eingeräumt werden möge.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 26, 29. März 1844

Graubünden. In Chur verwarfen am 22. März 115 gegen 110 Stimmen den obrigkeitlichen von Felsberg angenommenen Vorschlag. Nachmittags wurde sodann die unentgeldliche Abtretung von Boden als Ansiedlungsplatz fast einhellig genehmigt, dagegen die Abtretung der Jurisdiktur verworfen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 91, 31. März 1844

Graubünden. Chur, 29. März. Der neue, Felsberg betreffende, Vorschlag der löbl. Obrigkeit wurde in der heutigen Bürgerversammlung mit 127 gegen 92 Stimmen verworfen, die Obrigkeit wurde beauftragt. auf der Basts eines frühern Kommisstonalgutachtens einen neüen Vorschlag auszuarbeiten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 92, 1. April 1844

Graubünden. Der am 29. März von der Bürgerschaft von Chur verworfene Vorschlag der dortigen Stadtobrigkeit wich von dem frühern, den die Felsbergergemeinde bereits angenommen hatte, in zwei Punkten ab. Erftens sollten die 20 Jahre Steuerfreiheit für die auf dem abgetretenen Churerboden zu errichtenden Gebäude der Felsberger auf 12 Jahre heruntergesetzt, und wenn nicht die Gemeinde als solche sich übersiedle, die einzelnen Uebergesiedelten als Beisässen der Stadtgemeinde Chur behandelt werden. Es scheint also, dass dieselben Bedingungen, welche Felsberg schwer fallen dürften, der Bürgerschaft von Chur als ein zu bedeutendes Zugeständniss vorkommen.

der Bericht in e-newspaperarchives

St. Galler Zeitung, 3. April 1844

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 95, 4. April 1844

Graubünden. Am 1. April, Mittags, lösten sich wieder einige Felsstücke ob Felsberg, deren Sturz in Chur gehört wurde.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 14, 5. April 1844

Bündten. — Ueber die Abtretung von Bauplätzen an die Felsberger ist noch immer nicht entschieden. Will man zuwarten, bis über Felsberg das Gebirge zusammengefallen ist.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 28, 5. April 1844

Graubünden. Am 29. v. M. wurde der Bürgerschaft von Chur ein neuer Vorschlag über die nähern Bestimmungen für die beschlössen. Boden-Abtretung an Felsberg mitgetheilt. Dieser Vorschlag war von frühern nicht wesentlich verschieden und beruhte auf dem Grundsatz der Aufnahme in den Hochgerichtsverband. Sobald nämlich die Mehrheit der Felsberger Bürger die neue Ansiedelung bezogen und den Beschluss gesasst haben würde, den Sitz der Felsberger Gemeinde dahin zu verlegen, so sollte solche mit Vorbehalt eigener ökonomischer Verwaltung mit dem Hochgericht Chur vereinigt werden.

Dieser Vorschlag wurde von 127 gegen 92 Stimmen abermals verworfen, dagegen die Obrigkeit beauftragt, nach den Grundsätzen eines von 74 Bürgern Tags vorher noch eingereichten, von der Obrigkeit in verwerfendem Sinne begutachteten Petitionsvorschlags, einen neuen artikulirten Vorschlag auszuarbeiten. Jene Grundsätze sind, die Uebersiedler einstweilen als blosse Einwohner anzusehen, und diese mit alleiniger Ausnahme der Gewerbssteuer für wirklich Gewerbtreibende, von allen Abgaben frei zu halten. Sollte sich im Verlauf der Zeit zeigen, dass die ganze Gemeinde als solche übersiedelte, so sollen alsdann die nöthigen Bestimmungen festgesetzt werden. Diejenigen Felsberger, welche nicht übersiedeln wollen, gleichwohl ihre jetzigen Wohnungen verlassen müssen und sich auf Felsberger Gebiet neu anbauen, sollen nach Massgabe der ihnen zufliessenden Steuerbeiträge mit 100 bis 200 fl. für jede 100 Klafter diesseits nicht okkupirten Bodens entschädigt werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 100, 9. April 1844

Graubünden. In Felsberg sind für Nothfälle bereits zwei sehr geräumige Bretterhäuser am Ufer des Rheines errichtet worden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 16, Nummer 43, 9. April 1844

Felsberg. In den Felsen zeigt sich eine neue Bewegung oder sichtbare Veränderung. Der hohe Schnee erlaubt es noch nicht, dieselben zu besteigen, und ihren jetzigen Zustand zu untersuchen.

der Bericht in e-newspaperarchives

St. Galler Zeitung, 10. April 1844

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 102, 11. April 1844

Graubünden. Letzten Freitag wurde von mehrern Männern im Auftrage der Gemeinde Felsberg beim Felsenbruch ein Augenschein eingenommen. Derselbe ergab, dass der zweite derjenigen Dräthe, die im letzten Herbst zur Beobachtung der Felsenbewegung gespannt worden waren, ebenfalls zerrissen war (den andern fand man schon früher entzwei); auch aus den andern Zeichen ergab sich die traurige Wahrnehmung, dass die Hauptmasse seit zirka 10 Wochen abermals um 21/ Zoll abwärts gewichen ist. Dass die Katastrophe in rascher Entwicklung sich befindet, beweisen auch die fortwährenden Ablösungen vom Fusse des zerklüfteten Felsens, sowie im Innern des Bruches.

Dieser Tage rollten wieder einzelne Felsstücke bis in die zwischen dem Dorf und dem Fuss des Calanda’s befindliche Ebene. In Folge dieser bedrohlichen Anzeichen haben sich am 8. April 110 Felsberger neuerdings für Uebersiedelung auf Churerboden ausgesprochen, falls für sie auch nur einigermassen annehmbare Bedingungen festgestellt würden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 16, 17. April 1844

Graubünden. Jn Bezug auf Felsberg wird gemeldet: das der Stadtrath von Chur nunmehr durch die Behörde ermächtigt ist, jedem Einwohner von Felsberg, der sich zur Uebersredelung melden wird, sogleich die betreffenden 100 Klafter Boden anzuweisen und dann, unter ohrigkeitlicher Leitung, die Anlegung und den Bau der Kolonie Neu-Felsberg beginnen zu lassen. Bereits haben sich 107 zur Uebersiedelung angemeldet. Die drohenden Felsen sind in den letzten Tagen von Sachkundigen abermals bestiegen worden; diese haben bestätigt, dass die Bewegung fortdauere. Neben den zwei grossen, gemeinschaftlichen Nothbarraken, haben nun auch Einzelne sich solche erbaut.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 32, 19. April 1844

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 19. April 1844

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 32, 19. April 1844

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 113, 22. April 1844

In dem letzten Berichte der Hülfskommission für Felsberg heisst es in Bezug auf den Zustand der Felsmassen: „Von den Felsmassen ob Felsberg finden fortwährend einzelne Ablösungen statt. Die Frage, ob die Hauptmasse in Bewegung sei, lässt sich nicht mit Zuverlässigkeit beantworten, denn wenn auch die über die Felsenspalten gespannten Drähte bei einer neulich vorgenommenen Besichtigung zerrissen gefunden wurden, und also eine Bewegung der Masse vorausgesetzt werden sollte, so kann doch mit eben so viel Wahrscheinlichkeit aus der unveränderten Lage der hölzernen Signalstangen auf das Gegentheil geschlossen werden. Zu Erzielung grösserer Zuverlässigkeit der Beobachtungen werden nunmehr eiserne Stangen über die Spalten gelegt werden, die auf der einen Seite in den Boden festgemacht, an der andern Seite aber frei gelegt und hier mit einem Massstabe versehen werden sollen, um so die geringste Bewegung genau bemessen zu können.“

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 119, 28. April 1844

Chur, 26. April. Heute Mittag vor 12 Uhr sind mit furchtbarem Gekrache wieder bei Felsberg Felsstücke heruntergestürzt, so dass das Getöse hier in Chur gehört wurde.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 18, 1. Mai 1844

Neueres über Felsberg. Ueber die gegenwärtige Lage von Felsberg wird dem V. V. folgendes berichtet: „Die Kantonsregierung hat der Gemeinde Felsberg im Ganzen die Mittel zugesichert, um grössere Barraken zu errichten, welche bei einbrechender Gefahr zu einem gemeinschaftlichen Zufluchtsorte bestimmt sind und die sich zu diesem Zwecke bereits ziemlich brauchbar erzeigen mögen. — Doch ist dieser Rettungsweg immer noch äusserst ungenügend, weil in den gedachten Schöpfen keine Veranstaltung zu nächtlichem Aufenthalt der Familien für die dermalige Zeit der ängstlichen Erwartung getroffen, sondern mit allzu zuversichtlicher Voraussetzung angenommen worden ist, man werde bei eintretender Gefahr früh genug gewarnt werden, um aus den bedrohten Häusern auch bei Nacht in jene Nothhütten zu entfliehen, welche in solchem Falle allerdings als Sammel- und Rettungsplätze für den Augenblick ganz erwünschte Dienste leisten mögen.

Da aber allmählig die Besorgniss, dass das Unglück weit plötzlicher, als man sonst dachte, hereinbrechen könnte, auch in Felsberg immer mehr um sich griff — in Chur hatte man das schon früher weit lebhafter empfunden; — so suchten sich vorsichtigere Hausväter bald da, bald dort, eigene kleine Nothhütten an möglichst sichern Plätzen anzulegen; welche sie für die nun fortschreitende mildere Jahreszeit brauchbar genug zu eigentlichen Wohnungen einrichteten, und sodann wirklich mit ihren Familien bezogen. Denn mit wenigen Ausnahmen konnten sich die an ihren Herd gewöhnten Leute, sei es aus Anhänglichkeit an die alte Heimath, sey es aus Rücksicht auf die Nähe ihrer Grundstücke, bisher nicht entschliessen, ausser ihrem Dorfe Unterkunft zu suchen, oder die freiwillig dargebotene anzunehmen; wie sie denn z. B. zu Ems, in einer nur ganz geringen,vielleicht kaum viertelstündigen Entfernung, zu einem blos provisorischen Aufenthalte für Personen und Vieh (wenn die Seuche es zulässt) willige und hinlängliche Anträge gefunden hätten, obgleich eine Abtretung an Boden dort unter keinen Bedingungen für sie zu erhalten seyn wird.

Chur, schon merklich weiter entfernt, konnte ihnen also noch viel weniger annehmbar erscheinen, obgleich die hiesige Commission ihnen ausdrücklich allgemeine Aufnahme angetragen und die Wenigen, so sich meldeten, sofort wirklich versorgt hat. Der zugesicherte neue Ansiedelungsplatz auf dem Stadtgebiete von Chur, hat ihnen, wie schon früher bemerkt, durchaus keine Möglichkeit zur augenblicklichen Rettung dargeboten.

Wichtig ist es daher, dass die Erbauung der Privat-Nothhütten befördert werde; immer mehrere Hausväter scheinen sich auch allmählig dazu entschliessen zu wollen. Für den unbemittelten Theil der Bewohner Felsbergs ergiebt sich dabei freilich die Schwierigkeit, dass sie während solcher Veranstaltungen ihren Verdienst (als Zimmerleute und Tagelöhner u. s. irr) einbüssen und dadurch in Verlegenheiten gerathen müssen, welche nur allzuleicht ein Hinderniss jener unerlässlichen Rettungsanstalten abgeben könnten.

„Ueber die Nähe der Gefahr ist man stets getheilter Metnung. Noch dieser Tage war eine dicht unter dem Felsen wohnende junge Person bei uns, welche sich halb lachend über die Aengstlichkeit ihrer Nachbarn änsserte, und überzeugt war, in jedem Falle noch Zeit genug zum Fliehen zu finden. Von diesem Vorurtheile sind ihrer Viele, wie von einer unheilbaren Krankheit durchdrungen, und selbst den Vorstehern ist es schwer, dasselbe völlig zu benehmen. Die Meisten legen sich ganz ruhig und ausgekleidet, wie gewönlich, schlafen und verlassen sich darauf, wenn es Noth thue, vom Nachtwächter geweckt zu werden.

Und doch bezeugen die nächsten Umwohner des Platzes mitten im Dorfe, der im letzten September mit Felstrümmern von Hausgrösse bedeckt wurde, dass man damals vom ersten Anzeichen einer Ablösung bis zu dem erschütternden Schlage, der grosse Stallungen wie Kartenhäuser zerschmetterte, kaum Zeit gefunden hätte ein paar Hundert Schritte zu laufen; wie denn ein Mann, der auf seinem Stalle schlief, ihn kaum verlassen hatte, als er hinter ihm zusammenkrachte.

„Die Gemeinde, unter sich zwiespältig zwischen Bleiben und Weiterziehen, hat nun den Entscheid einer Kommission von Sachkundigen anheimstellen wollen, welche die gemeinnützige Gesellschaft bezeichnen sollte; diese hat jedoch solchen Auftrag abgelehnt. Weil aber nächstens drei eidgenösssiche Experten die Rheincorrektion in Domleschg zu untersuchen veranlasst sehn werden, so bietet sich dadurch die beste Gelegenheit dar, ihrem Wunsche zu entsprechen, zumal Felsberg dicht am Wege dahin liegt. Alsdann wird ein gemeinsamer Entschluss so oder anders gefasst werden müssen und hoffentlich mehr Folgerichtigkeit und Zweckmässigkeit als bisher in ihren Veranstaltungen eintreten. Gott gebe, dass sie von gutem und sachkundigem Rath geleitet und mit Gedeihen ausgeführt werden.

In einem spätern Briefe aus Chur wird beigefügt: Bei Felsberg kam ein Stein herunter, ohne Schaden zu thun; doch was das Bedenkliche ist, sich ablösend am Leonhardskopf nach Ems hin, welchen Ort man bisher für fest hielt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 123, 2. Mai 1844

Graubünden. Felsberg. Der letzten Freitag Mittag erfolgte Felssturz, dessen Getöse im Umkreis von mehr als einer Stunde vernommen wurde, hatte das Dorf glücklicher Weise nicht berührt, sondern in der Ebene am Fusse des Calanda einen Halt gefunden. Nichtsdestoweniger rief er unter der Bewohnerschaft eine gewaltige Bestürzung hervor, da die Felsen von einer Stelle unweit des sogen. Leonhardkopfes gewichen waren, von der man durchaus keine Abbröckelung vermuthete.

Die abgelöste Masse war nicht so beträchtlich wie die im letzten Herbst erfolgte Ablösung, betrug jedoch immerhin nach der Schätzung Sachverständiger zirka 30 —40 Tausend Zentner. Dieser neue Sturz hat wieder auf eclatante Weise das hin und wieder laut gewordene, leichtfertige Urtheil widerlegt, als ob die Gefahr nicht so gross wäre, als sie gewöhnlich geschildert wird, weshalb auch die unglücklichen Felsberger äusserst ungehalten über den Urheber dieses Urtheils sind, da sie von dergleichen Ausstreuungen mit Recht eine nachtheilige Wirkung für die ihnen so nöthige Theilnahme besorgen. Unmittelbar nach erfolgter Ablösung eilten Mitglieder des Kl. Rathes, der Hülfskommisston und Andere an Ort und Stelle. (B. Ztg.)

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 123, 2. Mai 1844

Graubünden. Felsberg. Der letzten Freitag Mittag erfolgte Felssturz, dessen Getöse im Umkreis von mehr als einer Stunde vernommen wurde, hatte das Dorf glücklicher Weise nicht berührt, sondern in der Ebene am Fusse des Calanda einen Halt gefunden. Nichtsdestoweniger rief er unter der Bewohnerschaft eine gewaltige Bestürzung hervot, da die Felsen von einer Stelle unweit des sogen. Leonhardkopfes gewichen waren, von der man durchaus keine Abbröckelung vermuthete. Die abgelöste Masse war nicht so beträchtlich wie die im letzten Herbst erfolgte Ablsung, betrug jedoch immerhin nach der Schätzung Sachverständiger zirka 30 —40 Tausend Zentner.

Dieser neue Sturz hat wieder auf eclatante Weise das hin und wieder laut gewordene, leichtfertige Urtheil widerlegt, als ob die Gefahr nicht so gross wäre, als ste gewöhnlich geschildert wird, weshalb auch die ünglücklichen Felsberger äusserst ungehalten über den Urheber dieses Urtheils sind, da sie von dergleichen Ausstreuungen mit Recht eine nachtheilige Wirkung für die ihnen so nöthige Theilnahme besorgen. Unmittelbar nach erfolgter Ablösung eilten Mitglieder des Kl. Rathes, der Hülfskommisston und Andere an Ort und Stelle.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 36, 3. Mai 1844

Graubünden. Wir haben bereits der Ablösung neuer Felsstücke ob Felsberg erwähnt. Die Bündner Blätter geben darüber nachträglich folgende Berichte: „Die Mitglieder des Kleinen Rathes und der Hülfskommission, die sich, nebst einer ziemlichen Anzahl hiesiger Einwohner, unmittelbar nach dem wahrgenommenen Getöse an Ort und Stelle verfügten, fanden glücklicherweise ihre traurigen Ahnungen nicht gerechtfertigt. Fünfzehn Felsblöcke, von denen mehrere von sehr bedeutendem Umfange ganze Häuser füglich hätten niederschmettern können, hatten sich wirklich und zwar von einem Punkte des Bergabhanges abgelöst, von dem her man sonst keine Gefahr ahnen zu müssen glaubte, und waren mit furchtbarer Gewalt den Berg heruntergestürzt. Allein Gott wachte über das unglückliche Völklein und liess den schreckensvollen Augenblick vorübergehen, ohne dass nur ein Menschenleben oder an Eigenthum irgend ein Unglück zu betrauern ist.

Die einen Felsblöcke waren bei weitem nicht in die Nähe der Häuser gerückt, während die andern mitten auf ihrer verhängnissvollen Wanderung plötzlich an andere, früher heruntergekommene Massen stiessen, die ihnen den Weiterzug versperrten. Indessen erinnern diese neuen Felsmassen, welche die Anzahl derjenigen, die schon das Dorf umlagern, ansehnlich vermehrten, das schwergeprüfte Völklekn nur desto lebhafter an die Grösse der Gefahr, der es fortwährend ausgesetzt ist, und werden vielleicht dazu dienen, bei ihm einen festen und unabänderlichen Entschluss zu seiner Rettung um so schneller hervorzurufen.«

Nach dieser vorgenommenen Untersuchung hat die Hülfskommission am 29 April folgende Bekanntmachung erlassen: „Die höchst bedauerliche Lage, in der sich die vom Felssturz bedrohten Einwohner Felsbergs befinden, hat in Folge des am verwichenen Freitag abermals erfolgten Losbruchs mehrerer Felsblöcke die unterzeichnete Kommission veranlasst, neuerdings dahin zu wirken, dass eine erforderliche Anzahl kleiner Wohnhütten, wie bereits mehrere einzelne errichtet sind, ohne Verzug an sicherer Stelle auf dortigem Gebiete erbaut werden, die von einzelnen oder mehreren Familien zugleich bei Tag und Nacht bewohnt werden können, da man sich von der Unzweckmässigkeit der zwei grössern, von der Gemeinde errichteten Baracken, welche als Zufluchtsort bei hereinbrechender Gefahr hätten benutzt werden sollen, an Ort und Stelle überzeugt hatte.

Da jedoch die Ausführung dieser höchst dringenden provisorischen Sicherheitsmassregel, mit welcher die löbl. Vorsteherschaft von Felsberg ganz einverstanden ist, ohne eine Geldunterstützung an die einzelnen Familien nicht möglich ist, so hat die Kommission zu diesem Behuf für nöthig erachtet, diejenigen Geldbeiträge, welche seiner Zeit von der hiesigen Einwohnerschaft, behufs provisorischer Uebersiedelung unterzeichnet worden sind, erheben zu lassen und zweifeln nicht, dass die edelmüthigen Beitragleistenden, denen gewiss vor Allem die Sicherung des Lebens ihrer Nachbarn am Herzen liegt, mit einer solchen Verwendung einverstanden und ihre Beiträge verabfolgen lassen werden, worüber dann seiner Zeit öffentliche Rechnungsablage erfolgen wird.«

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 36, 3. Mai 1844

Graubünden. Wir haben bereits der Ablösung neuer Felsstücke ob Felsberg erwähnt. Die Bündner Blätter geben darüber nachträglich folgende Berichte: „Die Mitglieder des Kleinen Rathes und der Hülfskommission, die sich, nebst einer ziemlichen Anzahl hiesiger Einwohner, unmittelbar nach dem wahrgenommenen Getöse an Ort und Stelle verfügten, fanden glücklicherweise ihre traurigen Ahnungen nicht gerechtfertigt. Fünfzehn Felsblöcke, von denen mehrere von sehr bedeutendem Umfange ganze Häuser füglich hätten niederschmettern können, hatten sich wirklich und zwar von einem Punkte des Bergabhanges abgelöst, von dem her man sonst keine Gefahr ahnen zu müssen glaubte, und waren mit furchtbarer Gewalt den Berg heruntergestürzt.

Allein Gott wachte über das unglückliche Völklein und liess den schreckensvollen Augenblick vorübergehen, ohne dass nur ein Menschenleben oder an Eigenthum irgend ein Unglück zu betrauern ist. Die einen Felsblöcke waren bei weitem nicht in die Nähe der Häuser gerückt, während die andern mitten auf ihrer verhängnissvollen Wanderung plötzlich an andere, früher heruntergekommene Massen stiessen, die ihnen den Weiterzug versperrten.

Indessen erinnern diese neuen Felsmassen, welche die Anzahl derjenigen, die schon das Dorf umlagern, ansehnlich vermehrten, das schwergeprüfte Völklein nur desto lebhafter an die Grösse der Gefahr, der es fortwährend ausgesetzt ist, und werden vielleicht dazu dienen, bei ihm einen festen und unabänderlichen Entschluss zu seiner Rettung um so schneller hervorzurufen.

Nach dieser vorgenommenen Untersuchung hat die Hülfskommission am 29 April folgende Bekanntmachung erlassen: „Die höchst bedauerliche Lage, in der sich die vom Felssturz bedrohten Einwohner Felsbergs befinden, hat in Folge des am verwichenen Freitag abermals erfolgten Losbruchs mehrerer Felsblöcke die unterzeichnete Kommission veranlasst, neuerdings dahin zu wirken, dass eine erforderliche Anzahl kleiner Wohnhütten, wie bereits mehrere einzelne errichtet sind, ohne Verzug an sicherer Stelle auf dortigem Gebiete erbaut werden, die von einzelnen oder mehreren Familien zugleich bei Tag und Nacht bewohnt werden können, da man sich von der Unzweckmässigkeit der zwei grössern, von der Gemeinde errichteten Baracken, welche als Zufluchtsort bei hereinbrechender Gefahr hätten benutzt werden sollen, an Ort und Stelle überzeugt hatte.

Da jedoch die Ausführung dieser höchst dringenden provisorischen Sicherheitsmassregel, mit welcher die löbl. Vorsteherschaft von Felsberg ganz einverstanden ist, ohne eine Geldunterstützung an die einzelnen Familien nicht möglich ist, so hat die Kommssion zu diesem Behuf für nöthig erachtet, diejenigen Geldbeiträge, welche seiner Zeit von der hiesigen Einwohnerschaft, behufs provisorischer Uebersiedelung unterzeichnet worden sind, erheben zu lassen und zweifeln nicht, dass die edelmüthigen Beitragleistenden, denen gewiss vor Allem die Sicherung des Lebens ihrer Nachbarn am Herzen liegt, mit einer solchen Verwendung einverstanden und ihre Beiträge verabfolgen lassen werden, worüber dann seiner Zeit öffentliche Rechnungsablage erfolgen wird.

der Bericht in e-newspaperarchives

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 16, Nummer 54, 4. Mai 1844

Graubünden. Felsberg. Der letzten Freitag Mittag erfolgte Felssturz, dessen Getöse im Umkreis von mehr als einer Stunde vernommen wurde, hatte das Dorf glücklicher Weise nicht berührt, sondern in der Ebene am Fusse des Calanda einen Halt gefunden. Nichts desto weniger rief er unter der Bewohnerschaft eine gewaltige Bestürzung hervor, da die Felsen von einer Stelle unweit des sogen. Leonhardkopfes gewichen waren, von der man durchaus keine Abbröckelung vermuthete.

Die abgelöste Masse war nicht so beträchtlich wie die im letzten Herbst erfolgte Ablösung, betrug jedoch immerhin nach der Schätzung Sachverständiger zirka 30 — 40 Tausend Zentner. Dieser neue Sturz hat wieder auf eklatante Weise das hin und wieder laut gewordene, leichtfertige Urtheil widerlegt, als ob die Gefahr nicht so gross wäre, als sie gewöhnlich geschildert wird, weshalb auch die unglücklichen Felsberger äusserst ungehalten über den Urheber dieses Urtheils sind, da sie von dergleichen Äusserungen mit Recht eine nachtheilige Wirkung für die ihnen so nöthige Theilnahme besorgen. — Unmittelbar nach erfolgter Ablösung eilten Mitglieder des Kl. Rathes, der Hülfskommission und Andere an Ort und Stelle.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 10. Mai 1844

Graubünden. Bis einmal was Ernstliches gethan wird, schweigen wir über Felsberg. Wir bereuen alle verwendete Druckerschwärze, wenn den Leuten, die immer noch ihr Dorf bewohnen, nicht geholfen wird.

der Bericht in e-newspaperarchives

Wochenblatt für die vier löblichen Kantone Ury, Schwytz, Unterwalden und Zug, Nummer 19, 10. Mai 1844

Graubünden. Felsberg. Der letzten Freitag Mittag erfolgte Felssturz, dessen Getöse im Umkreis von mehr als einer Stunde vernommen wurde, hatte das Dorf glücklicherweise nicht berührt, sondern in der Ebene am Fusse des Calanda einen Halt gefunden. Nichtsdestoweniger rief er unter der Bewohnerschaft eine gewaltige Bestürzung hervor. Die abgelöste Masse war nicht so beträchtlich, wie die im letzten Herbst erfolgte Ablösung, betrug jedoch immerhin nach der Schätzung Sachverständiger circa 30 — 40,000 Zentner. Unmittelbar nach der Ablösung eilten Mitglieder des Kleinen Rathes der Hülfskommission und Andere an Ort und Stelle.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 38, 10. Mai 1844

Graubünden. Felsberg. Die neuerlich abgelöste Felsenmasse war nicht so beträchtlich wie im vorigen Herbst, betrug aber doch nach der Schätzung Sachverständiger 30— 40 Tausend Zentner. Dieser neue Sturz hat wieder auf eklatante Weise das hin und wieder laut gewordene, leichtfertige Urtheil widerlegt, als ob die Gefahr nicht so gross wäre, als sie gewöhnlich geschildert wird, wesshalb auch die unglücklichen Felsberger äusserst ungehalten über den Urheber dieses Urtheils sind, da sie von dergleichen Ausstreuungen mit Recht eine nachtheilige Wirkung für die ihnen so nöthige Theilnahme besorgen.

Hr. Högger, Kunstmaler von St. Gallen, der letzten Herbst in Felsberg war und eine sehr interessante Sammlung Bilder von öem bedrohten Dorfe und den ob ihm hangenden zerrissenen Bergen mitbrachte, ist auf die Nachricht von dem letzten bedeutenderen Felsensturze wieder an Ort und Stelle gereist, um die neu entstandenen Ansichten aufzunehmen. Er schreibt dem „Schweizer-Freund“ von daher: „Am 2. Mai bestieg ich die Höhen ob Felsberg und zeichnete bei den merkwürdigen Maienlöchern am Fusse des Leonhardskopfes die älteren Merkmale der drohendsten Massen dieser wilden Gebirgswelt.

Der Wind heulte heftig durch die gähnenden Spalten der Massen. Ein grosser Adler schwebte um die obersten Felsen. Ich verstehe den Flug der Vögel nicht zu deuten, und kann also nicht sagen, ob seine Kreise Felsberg Gluck oder Unglück bringen. Den 3. Mai stand ich auf dem Leonhardskopf, Vogel, Adlerkopf und Thürmli. Die Stange Nr. 1. zeigte eine Weichung abwärts von 21/2 Linien; Nr.. 2. war eine Linie seitwärts gewichen. Während meiner dreitägigen Anwesenheit fanden immer kleinere Ablösungen statt, besonders hinter dem Leonhardskopf. Frühere Versenkungen über dem Hasenkopf lassen befürchten, dass es auch in dieser Richtung gefährlich werden dürfte.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 20, 15. Mai 1844

Felsberg sah kürzlich abermals mit Schrecken, wie wir schon gemeldet, Felsenstücke herniederstürzen. „Diese letzten Ahlösungen,so wurde dem B.B. aus Bünden geschrieben, waren nicht unbedeutend. Steine, deren etwa 20 bis 30 unter den älteren Trümmern, wenige Schritte von den hintersten Häusern herumliegen, messen wohl jeder 120 bis 150 Cubikfuss, ausser dem kleinen Gerölle, welches mitfolgte.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 22, 29. Mai 1844

In Bezug auf Felsberg ist dermalen Alles still; der Präsident der schweizerischen gemeinnützigen Gesellschaft ist auf den Wunsch der Gemeinde ersucht worden, die drohende Felsmasse und den Grad der Gefahr nochmals durch Experten genau untersuchen zu lassen. Inzwischen sind nicht nur zwei grosse zur Aufnahme von Menschen und Vieh eingerichtete hölzerne Barraken gebaut worden, sondern es haben sich auch bereits sechs oder acht einzelne Familien an sichern Stellen auf dem Gebiet der Gemeinde und unweit vom Dorfe, jede eine kleinere, doch immerhin hinlänglich geräumige Barrake zu ihrem besondern Gebrauche, ebenfalls für Menschen und Vieh, errichtet und zwar so, dass die Leute dieselben im Nothfall auch nächsten Winter bewohnen zu können hoffen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 16, Nummer 66, 1. Juni 1844

Die hiesigen Behörden haben die HH. Escher von der Linth, Professor Studer in Bern und Salinedirektor Charpeutier in Bex ersuchen lassen, den Felsberg auch seiner geographischen Beschaffenheit nach zu untersuchen und über die drohende Gefahr des Bergsturzes ihr Gutachten abzugeben. Sie werden sich zu diesem Zweck Anfangs Juni nach Chur begeben.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 23, 5. Juni 1844

In Felsberg, so wird aus Bünden gemeldet, sind bereits so viele Nothhütten an sicher geglaubten Orten, als erforderlich ist, um den grössten Theil der Einwohner aufzunehmen, von welchen dermalen wirklich fast keine mehr im Dorfe übernachten sollen, wie mir gestern der Ammann berichtete. Am 6. Juni sollen die schweizerischen Ingenieurs eintreffen, von deren Gutachten die Felsberger ihren endlichen Entschluss in Betreff der Uebersiedelung auf Churer Gebiet oder des Verbleibens auf eigenem, abhängig machen wollen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 24, 12. Juni 1844

In Felsberg hat man an den Klammern und zerrissenen Baumwurzeln neuerdings wieder gesehen, dass die Risse und Spalten in den Felsen wachsen; es sind auch neue Risse entstanden und in den Felsen wird häufig ein gewaltiges Getöse wie von Schüssen gehört. Zur Auswanderung sollen jetzt alle bis auf drei entschlossen seyn.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 24, 12. Juni 1844

Empfangsbeschenigungen. Vom 7. Mai bis 11. Juni sind bei der Redaktion des V. B. folgende Liebesgaben eingegangen. (…) Für die Bedrängten in Felsberg in Bünden: Von R.M.: Fr.3.50 Rp. Von N.N.: Fr.7. Ungenannt: Fr. 3.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 165, 13. Juni 1844

Die Experten, welche mit der Untersuchung der Felsklüfte ob Felsberg beauftragt sind, erklären in ihrem Berichte, dass über die Gefahr, in welcher das Dorf sich befinde, kein Zweifel erhoben werden könne. Wann die fürchterliche Katastrophe eintreten muss, das kann, so heisst es im Bericht, nicht einmal annähernd bestimmt werden; nach aller Wahrscheinlichkeit ist der Einsturz bedeutender Massen in nicht ferner Zeit zu erwarten: daher die beförderlichste Versetzung des Dorfes dringende Nothwendigkeit. Eine neue Ansiedlung auf Felsbergergebiet ist nicht rathsam, weil jenes Terrain theils vom Rhein, theils vom Gebirge selbst bedroht ist. Zu einer neuen Wohnstätte für die Felsberger empfehlen die Experten vorzugsweise die auf dem Gebiete der Gemeinde Ems vorgeschlagene Stelle.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 182, 30. Juni 1844

Da nach dem Erxperten-Gutachten dem Staat nichts anderes übrig bleibt, als die Gemeinde Felsberg auf Emser Gebiet anbauen zu lassen, so wird die löbl. Gemeinde Ems vom Gr. Rath aufgefordert, bis den 27. d Abends sich zu erklären, ob sie den Felsbergern Boden einrämen wolle oder nicht, in welch letzterm Falle die weitern Massnahmen vorbehalten bleiben.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 55, 9. Juli 1844

Graubünden. In der Sitzung des Gr. Rathes vom 28. Juni berichtete die aus seiner Mitte früher an die Gemeinde Ems abgeordnete Kommission: Die Gemeinde Ems hätte sich in Bezug auf das an sie gestellte Ansuchen zur Abtretung eines Gebietsstückes noch nicht bestimmt aussprechen können. Dagegen Habe sie sich bereit erklärt, zu jeder Stunde nicht nur sämmtliche Bewohner Felsbergs, sondern auch die Früchte u. s. w. derselben aufzunehmen, wenn die Gefahr dränge.

Der Gr. Rath beschloss hierauf: Es sei der Kl. Rath beauftragt, durch eine zu ernennende Kommission, mit Zuzug der bereits bestellten Hülfskommission, einen geeigneten Bauplatz für Felsberg bestimmen zu lassen. Hievon sei die betreffende Gemeinde, sei es Ems oder Chur, sofort zu benachrichtigen. Komme innerhalb acht Tagen ein gütliches Einverständniss zu Stande, so sei es gut und wünschenswerth; sonst solle der Kl. Rath bevollmächtigt sein, zur nöthigen Expropriation zu schreiten. Die Bewohner Felsbergs, die allenfalls ihre jetzige Wohnstätte im Falle einer Uebersiedelung der ganzen Gemeinde nicht verlassen wollen, sollten hiezu ohne Weiteres angehalten werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 197, 15. Juli 1844

Graubünden. Im Juni sind die Felsmassen oberhalb Felsberg auf der einen Seite um 1 Linie, auf der andern 1 ⅓ Linie auseinander gewichen. Fast in gleichem Verhältniss pflanzt sich die eine Bewegung im gegenwärtigen Monat fort.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 209, 27. Juli 1844

Graubünden. Chur, 25. Juli. (Korr.) Vorgestern Abends zwischen 10 und 11 Uhr ist eine grosse Masse vom Calanda losgebrochen und hat ganz Felsberg und die Umgegend in Schrecken gesetzt. Es ist ein Felsblock heruntergestürzt, so gross wie ein bedeutendes Haus, jedoch ohne Schaden zu verursachen; er hat eine solche Masse Erde vor sich hergeworfen, dass die Strassen des Dorfes bis an den Rhein hin damit bestreut wurden. Gestern Vormittags sind wieder mit furchtbarem Getöse Steine heruntergerollt.

Den armen Leuten wird bald geholfen werden, da in Folge des grossrathlichen Beschlusses ein Ansiedlungsplatz sich jedenfalls finden wird. Die Aussteckungen auf dem Emsergebiete, wo die Felsberger wegen der Nähe ihrer Güter sich lieber ansiedeln möchten, haben schon begonnen, indessen sind die Emser, höchst wahrscheinlich von ihren Seelenhirten angestiftet, so sehr gegen den energischen und in der Noth der Felsberger allein nützenden Beschluss des Gr. Rathes aufgebracht, dass sie die ausgestellten Pfosten muthwilligerweise ausgerissen haben. Sie sollen erklärt haben, nur unter der Bedingung die reformirten Felsberger in ihrer Noth sich auf Emserboden ansiedeln zu lassen, wenn sie katholisch werden wollen. Dies haben wir selbst von Felsbergern in der Nähe des gestern heruntergestürzten Felsens vernommen, zu gleicher Zeit aber von den armen Leuten gehört: lieber wollen wir uns unter den Felsen begraben lassen, als diese Bedingung eingehen.

der Bericht in e-newspaperarchives

St. Galler Zeitung, 31. Juli 1844

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Volksfreund, Band 14, Nummer 61, 1. August 1844

Graubünden. Chur, 25.Juli. Vorgestern Abends zwischen 10 — 11 Uhr ist eine grosse Masse vom Calanda losgebrochen und hat ganz Felsberg und die Umgegend in Schrecken gesetzt. Es ist ein Felsblock heruntergestürzt so gross wie ein bedeutendes Haus, jedoch ohne Schaden zu verursachen; er hat eine solche Masse Erde vor sich hergeworfen, dass die Strassen des Dorfes bis an den Rhein hin damit bestreut wurden. Gestem Vormittags sind wieder mit furchtbarem Getöse Steine heruntergerollt. Den armen Leuten wird bald geholfen werden, da in Folge des grossräthlichen Beschlusses ein Ansiedelungsplatz sich jedenfalls finden wird.

Die Aussteckungen aus dem Emsergebiete, wo die Felsberger wegen der Nähe ihrer Güter sich lieber ansiedeln möchten, haben schon begonnen; indessen sind die Emser, wahrscheinlich von ihren Seelenhirten (!) angestiftet, so sehr gegen den energischen und in der Noth der Felsberger allein nützenden Beschluss des Gr. Raths aufgebracht, dass sie die ausgestellten Pfosten muthwilligerweise ausgerissen haben. Sie sollen erklärt haben, nur unter der Bedingung die reformirte Felsberger in ihrer Noth sich auf Emserboden ansiedeln zu lassen, wenn sie katholisch werden wollen. Diess haben wir selbst von Felsbergern in der Nähe des gestern heruntergestürzten Felsens vernommen, zu gleicher Zeit aber von den armen Leuten gehört: lieber wollen wir uns unter den Felsen begraben lassen, als diese Bedingung eingehen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Wahrheitsfreund, 2. August 1844

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 217, 4. August 1844

Graubünden, 31. Juli. Neueste Berichte über die Lage von Felsberg. In der ersten Sitzung der schweizerischen naturforschenden Gesellschaft in Chur ward beschlossen, den 30. Juli zur Besichtigung und Untersuchung des drohenden Bergsturzes bei Felsberg zu verwenden, und daher die künftige Sitzung auf den 31. zu verlegen. Zu diesem Ende erboten sich eine bedeutende Anzahl der Mitglieder, den Berg zu besteigen, wozu von Chur aus etwa 3 Stunden erfordert werden. Man wollte am Morgen um ʒ Uhr aufbrechen, allein in der Nacht regnete es stark und der Morgen des 30. zeigte den Calanda mit Wolken umhüllt, daher musste die Untersuchung für diesen Tag aufgeschoben werden. Die Sektionssitzungen der Gesellschaft wurden dagegen gehalten und späterhin nach allgemeiner Sitzung möglichst treu die Protokolle der Sektionssitzungen verlesen und von Hrn. Oberst Pestalozzi von Zürich ein weitläufiger Bericht über die von Hrn. Lanikka bewerkstelligte Rheinkorrektion in Domleschg und den erwünschten Erfolg erstattet.

Nach Beendigung der Sitzung vom 30. Juli begab sich die ganze Gesellschaft am gleichen Tage noch nach Felsberg. Allgemein überzeugte man sich von der sehr bedauerlichen Lage dieser armen Gemeinde, deren sehr wahrscheinlich gänzlicher Untergang mit Gewissheit vorauszusehen ist. Zwar hatte der wenige Tage vorher erfolgte Sturz eines mehr als Haus grossen Felsstückes keinen erheblichen Schaden gethan, und war zwischen dem Dorfe und dem Berge liegen geblieben, indem die Masse sich zum Theil in die Erde versenkt hatte, zum Theil aber mit nachgerolltem Schutte sich bedeckte; ringsumher aber lagen grosse Felstrümmer, von denen eines sogar über die mehr als 200 Schritte entfernte Dorfkirche weggesprungen war, wodurch die Gefahr sich genugsam bezeichnet.

Drohend hängen gewaltige Felsmassen an der Höhe des Berges und kein Tag vergeht, an welchem nicht einzelne Stücke herabrollen, und die fortdauernde Bewegung bezeichnen. Traurig begleiteten eine Menge Bewohner des Dorfes die Gesellschaft, ängstlich auf die Aussprüche der Beschauer horchend, welche ihnen leider wenig Trost geben konnten. Die Besteigung des Berges konnte für den Tag nicht mehr unternommen werden. Aber frühe den 31. Juli Morgens, wurde sie von 19 Mitgliedern unter Anführung des Hrn. Lanikka und Arnold Escher von der Linth ausgeführt.

Das Ergebniss der Untersuchung ist, dass die Gefahr täglich grösser werde. Man fand die Spaltungen kreuz und quer seit der letzten Besteigung im Juni merklich grösser; eine Spalte ist so gross, dass ein Mann leicht hinunterfallen könnte. Hinuntergeworfene Steinchen liessen durch ihr hörbares Anschlagen vernehmen, dass die Spalte bereits sehr tief gehe. Diese Spaltungen bezeichnen den Umfang des sich losreissenden Stückes, dessen Gewicht nach einer, natürlich unbestimmten, Berechnung, sich auf vielleicht 30 —40’000’000 Zentner, vielleicht auf das Doppelte oder Dreifache oder noch viel höher belaufen möchten.

Die nahe oder entfernte Zeit der Losreissung kann eben so wenig bestimmt werden, sie kann Stunden, Tage, Wochen, ja Monate und Jahre sich verzögern, aber auch alle Augenblicke in einzelnen Stücken oder in der ganzen Masse eintreffen. In letzterm Falle würde nicht nur das ganze Dorf mit seinen 400 Bewohnern sehr wahrscheinlich gänzlich verschüttet, sondern die Möglichkeit ist da, dass vielleicht der Lauf des Rheines gänzlich gehemmt, ja sogar der ganze Thalgrund überschüttet würde. Die Folge davon wäre nicht zu berechnen und könnte sich möglicher Weise sogar auf das Thal des Wallen- und Zürichsees erstrecken, wenn der zum See angeschwollene Rhein plötzlich sich wieder entleeren würde.

Man beschäftigt sich allerdings mit Berathungen zur Hülfe der armen Bedroheten, welche noch überdiess mit der Lungenseuche ihres Viehes geplagt sind; allein es ergeben sich so viele Hindernisse, selbst von Seite der Bewohner, dass zu befürchten ist, ehe die Ausführung begonnen und beendigt wird, sei Felsberg nicht mehr, und die Hülfe komme zu spät.

Die theilnehmenden Mitglieder der Besteigung gaben nun ihr Befinden der Regierung ein. Hoffentlich wird das Befinden so vieler Sachkundigen die Massnahmen, welche zu nehmen sind, möglichst beschleunigen. Am 30. wurde bei dem Mittagessen in Reichenau, welches der Präsident von Planta der Gesellschaft gab, eine kleine Steuer zusammengelegt. Auf jeden Fall darf die Gesellschaft hoffen, den armen Felsbergern einen Dienst geleistet zu haben, wenn es ihr gelungen ist, die Rettungsmassregeln in etwas· zu beschleunigen und dadurch die freundeidgenössische Aufnahme, welche der Kanton derselben nun zum zweitenmale erzeigte, einigermassen verdankt zu haben.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 6. August 1844

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Thuner Wochenblatt, Band 7, Nummer 33, 13. August 1844

Graubüden. Die „N. Z. Z.“ enthält nun Genaueres über die Untersuchung des Zustandes von Felsberg durch die naturforschende Gesellschaft. Bei dem letzten Felssturz war ein Block über die mehr als 200 Schritt entfernte Dorfkirche weggesprungen, was wohl einen Massstab der drohenden Gefahr geben mag. Alle Tage rollen einzelne Stücke herab, was das Fortschreiten der Massen unläugbar beweist. Als am 30. v. M. die Gesellschaft die Felsstürze besichtigte, begleiteten sie viele Einwohner des Dorfes, welche ängstlich und traurig auf den Bescheid der Naturforscher horchten.

Den 31. v. M. bestiegen 19. der letztere den Berg selbst, und fanden, dass die Gefahr täglich steige, die Spalten waren seit dem Juni beträchtlich weiter geworden (eine bis auf Mannsdicke); hinunter geworfene Steinchen bewiesen durch den Schall eine sehr bedeutende Tiefe. Wann sich das drohende Stück, dessen Gewicht wohl mindestes 30 Millionen Zentner beträgt, losreissen wird, ist nicht zu ermitteln, möglicher Weise erst nach Jahren, vielleicht aber schon in der nächsten Stunde. Stürzt die ganze Masse, so wäre nicht nur das ganze Dorf völlig begraben, sondern vielleicht auch der Lauf des Rheins gehemmt, welcher, zum See aufgestaut und dann plötzlich wieder durchbrechend, leicht auch das Thal des Wallenstatter- und Zürchersees überschwemmen könnte. Die theilnehenden Mitglieder der Besteigung gaben ihr Befinden der Regierung ein.

der Bericht in e-newspaperarchives

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 16, Nummer 124, 15. Oktober 1844

Graubünden. Ch u r. Dass das anhaltende Regenwettet seinen Einfluss auf das Geklüfte ob Felsberg ausüben werde, stand zu erwarten. Zwar hatten noch keine neuen Ablösungen statt; seit dem 4. d. M. soll aber das Gedröhne und Getöse in jener unheimlichen Felsregion so stark sein, wie es früher nie der Fall war. Ohne gerade hieraus ans eine nahe Katastrophe schliessen zu wollen, so muss man doch erkennen, dass die Gefahr täglich und bedeutend wächst. Stellt man dann diesem den Stand der Dinge in den Felsberger Unterhandlungen gegenüber, so drängt sich unwillkürlich der Gedanke aus, man wolle in die Geschichte unseres Landes ein Blatt einschieben das der Nachwelt sage, dass noch im neunzehnten Jahrhundert dem bündnerischen Nationalcharakter, dem »Allem ruhig seinen Lauf lassen« ein schrecklichs Opfer verfallen sei.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 293, 19. Oktober 1844

Graubünden. Am 11.d. Abends gegen 7 Uhr stürzte mit gewaltigem Krachen wieder eine grosse Steinmasse von den Höhen Felsbergs herunter. An Umfang kommen die grössten diessmal gegen das Dorf Felsberg heruntergestürzten Blöcke zwei Vorgängern zwar nicht gleich, haben aber in Verbindung mit der fortgewälzten Erde die vorhandene Schuttmasse auf eine Weise vermehrt, die das Ueberspringen für die nachfolgende erleichtern dürfte. Die Kluft auf der Höhe des Berges hat sich seit dem 4. bis 13. Okt. um 41/2 Linien erweitert.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 29. Oktober 1844

Chur. Am 25, Nachts nach 1 Uhr, lösten sich wieder beträchtlich Felsmassen ob Felsberg bei halbem Mondschein sah man von Chur aus die herabstürzenden Felsen, grausenhaft erdröhnte der Sturz weit durch die Nacht hin. Von bedeutenden Verheerungen hat man jedoch Göttlob nichts vernommen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Volksfreund, Band 14, Nummer 87, 31. Oktober 1844

Graubünden. In der Nacht vom 24. auf den 25. haben in dem Geklüfte ob Felsberg neuerdings Auflösungen stattgefunden. Vier grosse Felsblöcke stürzten gegen das bedrohte Dorf, ohne jedoch irgend welchen Schaden anzurichten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 45, 8. November 1844

Bündten. — Nicht allein die Gemeinde Felsberg, sondern auch die Gemeinde Soglio im Bergell wird von einem Erdschlipf mit dem Untergang bedroht. Schon seit längerer Zeit deutete das Absterben des Waldes oberhalb Soglio auf die drohende Gefahr hin.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 46, 13. November 1844

Empfangsbeschenigungen. Vom 15 October bis 12 November 1844 sind bei der Redaktion des Volksboten folgende Liebesgaben eingegangen: 1) Für die Bedrängten in Felsberg: Von M.D.: Fr. 21.

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Volksfreund, Band 14, Nummer 91, 14. November 1844

Graubünden. Bei den Besorgnissen, die man in neuester Zeit wieder um das Schicksal des graubündnerischen Dorfes Felsberg hegt, dürften folgende Angaben, die sich auf Erkundigungen — erst vor Kurzem an Ort und Stelle eingezogen — stützen, nicht ohne Interesse sein.

Die Felsen, deren Abtrennung vom Grundstock des Gebirges man befürchtet, liegen zweitausend und etliche hundert Fuss unmittelbar über dem genannten Dorfe. Bekannt ist nun, dass sich im Laufe des Jahres schon mehrere Blocke losgelöst haben, einige von einer solchen Grösse, dass sie während ihres Falles mehrere Häuser zertrümmerten. Die Hauptbesorgnis erregt jedoch der durch und durch zerklüftete Zustand der über Felsberg liegenden Gebirgsmasse und vor Allem die Tatsache, dass die Felsspalten immer weiter und weiter werden und bis zu einer ungemessenen Tiefe in das Innere des Gebirges sich hinein erstrecken. Ein eigens dazu angestellter Mann misst mehrere Male in der Woche die Weite einer bestimmten Spalte, und hiebei hat es sich herausgestellt, dass dieselbe, wenn auch langsam, doch ohne Unterbrechung sich vergrössert.

Dieser Umstand sowohl, als das Ergebniss einer genauen Untersuchung, welche die ausgezeichnetsten Geologen der Schweiz im Laufe dieses Sommers, auf Aufforderung der bündnerischen Behörden hin, an Ort und Stelle vornahmen, haben es zur Gewissheit erhoben, dass ein Bergsturz unvermeidlich ist. Leider gestatten es aber die Lokalverhaltnisse nicht, den Zustand des Gebirges so genau zu untersuchen, um auch nur vermuthungsweise etwas Über den Umfang des befürchteten Bergfalls vorauszusagen; es kann derselbe möglicherweise ein unbedeutenderer sein, als man jetzt allgemein glaubt; er kann aber auch ebensogut eine furchtbare Ausdehnung haben.

Es fehlt ebenfalls an sicheren Kennzeichen, aus welchen auf die Zeit geschlossen werden könnte, innerhalb welcher das unvermeidliche Ereigniss eintreten muss.

Ob nun gleich heute eben so gut als morgen Felsberg das Schicksal Goldaus theilen kann, so ist dermalen das bedrohte Dorf doch noch immer bewohnt, und sind nur diejenigen Häuser verlassen, welche der Gefahr der Zerstörung zu allernächst sich ausgesetzt befinden. Man kann sich vorstellen, mit welchen ängstlichen Gefühlen die Bewohner von Felsberg jeden Abend sich niederlegen, und wird die Thatsache wohl begreifen, dass sie, vom geringsten Geräusch erschreckt, schon mehr als einmal ohne Kleider und in der Mitte der Nacht aus ihren Häusern entflohen sind. Unbegreiflich bleibt aber, dass bei einem solchen Zustande der Dinge noch nichts für die Felsberger geschehen ist, und dass man fortwährend das Schwert des Damokles über ihrem Haupte schweben lässt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 345, 10. Dezember 1844

In seiner Sitzung vom 30. Nov. hat der Gr. Rath die Felsbergersache behandelt. Der Kl. Rath erstattete Bericht über das Ergebniss seiner Schritte für Ausmittelung und Anweisung eines hinlänglich sichern und geeigneten Bauplatzes zur Ansiedelung der Gemeinde Felsberg, wozu diese Behörde am 28. Juni vom Gr. Rath war beauftragt worden. Diesem Bericht zufolge hatte die Gemeinde Ems einige von der Kommission untauglich gefundene Bauplätze auf ihrem Gebiete angetragen, dagegen die Abtretung des Bodens in der Isla entschieden verweigert und zugleich erklärt, wenn das Expropriationsgesetz allfllig auch auf die Abtretung des Privateigenthums anwendbar wäre, so könnte dasselbe doch in keinem Falle sie verpflichten, auch die ökonomischen und polizeilichen Rechte auf dem fraglichen Boden abzutreten, und eine so ausgedehnte Abtretung dürfte nur mit Gewalt vollzogen werden können.

Nach Verlesung des Grossrathsbeschlusses vom 28. Juni, in welchem die gezwungene Abtretung der ökonomischen und polizeilichen Rechte nicht ausgesprochen war, und nach Anhörung der verschiedenen Kommisstonalberichte war die Versammlung allgemein von der Ueberzeugung durchdrungen, dass es in der Pflicht der Kantonsbehörden liege, für die künftige Sicherstellung der bedrohten Gemeinde Felsberg die erforderlichen Anordnungen zu treffen. Die Abänderung des grossräthlichen Beschlusses vom 28. Juni wurde als dringlich erklärt und weiters folgende Beschlüsse gefasst:

1) Dem Kl. Rath und der Standeskommission wird der Auftrag ertheilt, für die neue, gesicherte und zweckmassige Ansiedlung der bedrohten Gemeinde Felsberg mit solcher Beförderung einen geeigneten Bauplatz, sei es auf dem linken oder auf dem rechten Rheinufer anzuweisen, dass der Neubau wo möglich im nächsten Frühjahr begonnen werden kann.

2) Zu diesem Ende überträgt der Gr. Rath zugleich der Standeskommission das ihm zustehende Recht, falls das neue Felsberg auf dem Gebiet einer andern Gemeinde angesiedelt werden müsste, das Verhältniss dieses neuen Gemeinwesens sowohl in politischer als auch in ökonomischer und polizeilicher Beziehung zu regeln und festzustellen.

3) Endlich erklärt der Gr. Rath, dass wenn bei einer allfalligen Uebersiedelung von Felsberg auf ein anderes Gebiet Kl. Rath und Standeskommission die Anwendung des Expropriationsgesetzes nothwendig finden sollte, es der betroffenen Territorial-Gemeinde nicht zustehen könne, diese Anwendung dem Kanton auf Recht abzuschlagen.

Gegen diese letzte Bestimmung verwahrten die Deputirten der Stadt Chur, des Gerichts im Boden und desjenigen von Tamins die Rechte ihrer Kommittenten. Auf kleinräthlichen Antrag und mehrseitige Empfehlungen verschiedener Mitglieder wurde sodann dem eingekommenen Gesuch des seit 7 Jahren an der hiesigen Kantonsschule angestellten Professors Früh aus Würtemberg, der Ertheilung des Kantonsbürgerrechts wünscht, unter der Bedingung entsprochen, dass er die noch fehlenden Ausweisschriften beibringe, über Erwerbung des Bürgerrechts in einer bündnerischen Gemeinde, über ein Gerichts- und Bundesrecht sich ausweise und eine Siegelgebühr von 50 fl. bezahle.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 51, 20. Dezember 1844

Deutsche Blätter fordern zu milden Beiträgen für die Felsberger auf, und es wird dabei der Protestantismus gegen den Katholizismus in Aufregung gebracht, indem man sagt: „ihre Mitbürger wollten sie nicht aufnehmen, wenn sie nicht ihren Glauben verlassen.“ Der Frankfurter Liederkranz hat bereits eine grosse Gesangsoiree zum Besten der Felsberger angekündigt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 3, 3. Januar 1845

Graubünden. Die Dankschreiben des „Hülfskomite für Felsberg“ für eingelaufene Liebesgaben enthalten folgende Schilderung der jetzigen Lage der Felsberger Angelegenheit: „Die vom Kanton und der Stadt Chur aufgestellten Hülfskommissionen sind indessen nicht unthätig geblieben und haben gemeinsam die zweckdienlichsten Massregeln angeordnet, um den Felsbergern wenigstens provisorisch ein Unterkommen zu verschaffen.

Flussaufwärts, an einem steilen Abhange, der sie vor dem Nordwinde schützt, wurden hölzerne Hütten gebaut und auch für den Winter dadurch bewohnbar gemacht, dass man die Wände verdoppelte, inwendig mit dickem Packpapier ausklebte und mit gut gemauerten Oefen versah. Die Bewohner befinden sich in diesen so ausgerüsteten Hütten ganz warm und wohl, also dass sie den Winter darin auszuhalten kein Bedenken tragen.

Damit ist aber die Noth einer bleibenden Uebersiedlung nicht gehoben. Das Dorf muss verlassen werden, und doch hat die Anlegung eines neuen Dorfes so unendlich viel Schwierigkeiten zu überwinden, die theils in den Gemeindsverhältnissen, noch mehr aber in der Beschaffenheit des Bodens und der Lage ihren Grund haben, dass deren Hebung kaum möglich scheint.

Auf fremdem Gebiete sich anzusiedeln ist schwierig, theils wegen der zu grossen Entfernung von Gütern, Wald und Weide, theils wegen Mangel an Trinkwasser oder wegen zu tiefer und durch Ueberschwemmungen gefährdeter Lage des Bodens. Die Verlegung des Dorfes auf eine andere Stelle des eigenen Gebietes ist eben so schwierig, und zwar flussaufwärts wegen Unsicherheit auch dort vorkommender theilweiser Felsstürze und flussabwärts wegen zu niedriger, einer um sich greifenden Versumpfung ausgesetzter Fläche. Zu allen diesen natürlichen Beschwerden kommen noch hinzu die unüberwindlichen Bedenklichkeiten, Besorgnisse und verschiedenartigen Wünsche der Bewohner selbst, welche die Lösung der Aufgabe noch schwieriger machen. —

Sie muss indessen gelöst werden, wozu sich eine letzte Aussicht in einer vorzunehmenden allgemeinen Korrektion des Rheinlaufes bietet, wodurch die vor Felsstürzen vollkommen gesicherte, dagegen aber zur Versumpfung geneigte Fläche des Felsbergergebietes trocken gelegt und zur Aufnahme des neuen Dorfes geeignet würde. Genaue Vermessungen haben die Ausführbarkeit dieses Planes dargethan, die Stadt Chur und die Gemeinde Ems sind bereit, die, zwar mit grossem Opfer verbundenen, aber auch für sie möglichen Arbeiten auf ihrem Gebiete vorzunehmen, und nur bei den Felsbergern selbst walten noch grosse Bedenklichkeiten ob, theils wegen der grossen Kosten der Wasserbauten, theils wegen der künftigen Unterhaltungslast derselben. Die Entscheidung steht nun bei den Behörden. (Churerztg.)

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 11, 11. Januar 1845

Graubünden. Nach der „Churer Zeitung“ hat den 6. d. eine abermalige Konferenz mit Abgeordneten von Felsberg stattgefunden und ist die Standeskommission den 7. d. ausschliesslich zu Behandlung dieser Angelegenheit zusammen getreten.

der Bericht in e-newspaperarchives

St. Galler Zeitung, 11. Januar 1845

Graubünden. Felsberg. Nach einem neuern Berichte des Hülfskomitees wird bald ein Aufruf zur Rettung Felsbergs an alle Menschenfreunde ergehen. Die von, Kanton und der Stadt Chur aufgestellten Hülfskommissionen bleiben inzwischen nicht unthätig, und sie haben bereits auch die zweckdienlichsten Massregeln angeordnet, um den Felsbergern wenigstens provisorisch eine Unterkunft zu verschaffen.

Damit ist aber die Noth einer bleibenden Uebersiedlung nicht gehoben. Das Dorf muss verlassen werden,, und doch hat die Anlegung eines neuen Dorfes so unendlich viel Schwierigkeiten zu überwinden, die theils in den Gemeindeverhältnissen, noch mehr aber in der Beschaffenheit des Bodens und der Lage ihren Grund haben, dass deren Hebung kaum möglich scheint.

Zu allen diesen Hindernissen kommen noch die Bedenklichkeiten, Besorgnisse und verschiedenartigen Wünsche der Bewohner selbst, welche die Lösung der Aufgabe noch schwieriger machen. Sie muss indessen gelöst werden, wozu sich eine letzte Aussicht in einer vorzunehmenden allgemeinen Korrektion des Rheiulaufes bietet, wodurch die vor Felsstürzen vollkommen gesicherte, dagegen aber zur Versumpfung geneigte Fläche des Felsbergergebietes, trocken gelegt und zur Aufnahme des neuen Dorfes geeignet würde.

Genaue Vermessungen haben die Ausführbarkeit dieses Planes dargethan, die Stadt Chur und die Gemeinde Ems sind bereit, die Arbeiten auf ihrem Gebiete aufzunehmen und nur bei den Felsbergern walten der grossen Bau- und Unterhaltskosten wegen noch grosse Bedenklichkeiten. Die Entscheidung steht nun bei den Behörden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 16, 16. Januar 1845

Graubünden. Nach einem Beschlusse der Standeskommisston vom 10. soll die Gemeinde Felsberg auf ihrem eigenen Gebiete, namlich auf dem sogen. Schlossbüchel eine neue Ansiedlung veranstalten, wenn die Gemeinden Chur und Ems innert 14 Tagen der hiefür erforderlichen Rheinkorrektion beitreten. Wird hingegen der Antrag für die Rheinkorrektion von letzteren Gemeinden abgelehnt, was jedoch sehr unwahrscheinlich ist, so soll Felsberg einen Ansiedlungsplatz auf dem rechten Rheinufer erhalten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 17, 17. Januar 1845

Graubünden. Die Standeskommission hat nach.genommenem Augenschein und vielseitiger Prüfung den 9. diess in der Felsberger Angelegenheit mit 9 gegen 4 Stimmen, welche Felsberg sogleich auf dem rechten Rheinufer ansiedeln wollten, folgenden Beschluss gefasst: „Auf den Fall, dass l. Stadt Chur und die Ehrs. Gemeinde Ems innert der nächsten 14 Tage von der Mittheilung des Gegenwärtigen an gerechnet ihre Zustimmung zu dem wesentlichen Inhalt der vorgeschlagenen Konvention, die planmässige Ausführung und künftige Unterhaltung der rechtseitigen Uferbauten betreffend, erklären, wird die unter dem Schlosshügel gelegene und durch kleinräthl. Beauftragte näher zu bezeichnende Stelle als Ansiedlungsplatz für die Gemeinde Felsberg bezeichnet, und letztere pflichtig erklärt, den neuen Wuhrplan auch ihrerseits anzunehmen, und die zur Schützung und Wohnbarmachung des neuen Dorfes unumgänglich nöthigen Arbeiten sofort, die übrigen aber gelegentlich, je nach Erfordernis und je nachdem ihre Kräfte und die Zeit es gestatten, auszuführen.

Sollte innert obiger 14 Tage die fragliche Zustimmung erklärt werden, so ist der Kleine Rath sowohl mit der beförderlichen Ausführung der Uebersiedlung als auch mit der Ausschreibung und zweckmässigen Verwendung der eingehenden Liebesgaben für die Gemeinde Felsberg beauftragt.

Sollte die fragliche Zustimmung wider Erwarten nicht erfolgen, so wird jetzt für dann erklärt, dass ein geigneter Ansiedlungsplatz auf dem rechten Rheinufer anzuweisen sei, und diese Anweisung der sofort wieder einzuberufenden Standeskommission vorbehalten. —

Als Regel bei der bevorstehenden Ansiedlung des neuen Felsberg wird festgesetzt, dass Alle das jetzige Dorf verlassen müssen; sollten dagegen Einzelne, deren Häuser der Gefahr der Verschüttung nicht ausgesetzt sind, dieselben fernerhin bewohnen wollen, so ist der Kleine Rath mit Zuzug der aufzustellenden Baukommission und allfälligen Erperten ermächtigt, hiezu die Bewilligung zu ertheilen, jedoch immer in dem Sinne, dass die Zurückbleibenden auf die eingehenden Steuern keinen Anspruch haben werden.“

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 19, 19. Januar 1845

G r au b ü n d e n. In Felsberg ist in den letzten Tagen eine neue bedeutende Senkung der bedrohlichen Felsen wahrgenommen worden, und die so lange befürchtete Katastrophe dürfte wahrscheinlich schneller als man glaubt erfolgen. Mit Vertrauen und dankerfülltem Herzen sehen indess die guten Landleute der Wendung ihres Schicksals entgegen, und hoffen, mit Gottes Hülfe und dem Beistand edler Menschenfreunde ihre neuen Wohnstätten an sicherm Orte zu erbauen. Für die eben so unerwartete als grossmüthige Theilnahme in Frankfurt und Heidelberg wissen sie kaum genug Ausdrücke des Dankes zu finden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Volksfreund, Band 15, Nummer 6, 19. Januar 1845

Graubünden. Die Standeskommifsion hat nach genommenem Augenschein und vielseitiger Prüfung der Felsberger Angelegenheit mlt 9 gegen 4 Stimmen, welche Felsberg sogleich auf dem rechten Rheinufer ansiedeln wollten, folgenden Beschluss gefasst: »Auf den Fall, dass l. Stadt Chur und die ehrf. Gemeinde Ems innert der nächsten 14 Tage von der Mittheilung des Gegenwärtigen angerechnet ihre Zustimmung zu den wesentlichen Inhalt der vorgeschlagenen Konvention, die planmässige Ausführung und künftige Unterhaltung der rechtseitigen Uferbauten betreffend, erklären, wird die unter dem Schlosshügel gelegene und durch Kleinräthlich Beauftragte näher zu bezeichnende Stelle als Ansiedlungsplatz für die Gemeinde Felsberg bezeichnet, und letztere pflichtig erklärt, den neuen Wuhrplan auch ihrerseits anzunehmen, und die zur Schätzung und Wohnbarmachung des neuen Dorfes unumgänglich nöthigen Arbeiten sofort, die übrigen aber gelegentlich, je nachdem ihre Kräfte und die Zeit es gestatten, auszuführen.

Sollte innert obiger 14 Tage die fragliche Zustimmung erklärt werden, so ist der Kleine Rath sowohl mit der beförderlichen Ausführung der Uebersiedlung als auch mit der Ausschreibung und zweckmässigen Verwendung der eingehenden Liebesgabesgaben für die Gemeinde Felsberg beauftragt. Sollte die fragliche Zustimmung wider Erwarten nicht erfolgen, so wird jetzt für dann erklärt, dass ein geeigneter Ansiedlungsplatz auf dem rechten Rheinufer anzuweisen sei, und diese Anweisung der sofort wieder einzuberufenden Standeskommission vorbehalten. —

Als Regel bei der bevorstehenden Ansiedlung des neuen Felsberg wird festgesetzt, dass Alle das jetzige Dorf verlassen müssen; sollten dagegen Einzelne, deren Häuser der Gefahr der Verschüttung nicht ausgesetzt sind, dieselbe fernerhin bewohnen wollen, so ist der Kleine Rath mit Bezug der aufzustellenden Baukommission und allfälligen Experten ermächtigt, hier die Bewilligung zu ertheilen, jedoch immer in dem Sinne, dass die Zurückbleibenden auf die eingehenden Steuern keinen Anspruch haben werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Wochenblatt für die vier löblichen Kantone Ury, Schwytz, Unterwalden und Zug, Nummer 4, 24. Januar 1845

Graubünden. In Felsberg ist in den letzten Tagen eine neue bedeutende Senkung der bedrohlichen Felsen wahrgenommen worden und die so lange gefürchtete Katastrophe dürfte wahrscheinlich schneller als man glaubt, erfolgen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 5, 31. Januar 1845

Der Sängerverein des untern Kreises vom linken Seeufer hält seine zweite Gesangaufsührung zum Besten der schwer bedrohten Felsberger nächsten Sonntag, den 2. Februar, Abends 4 Uhr, im Löwen zu Bendlikon. Programme, die als Eintrittskarten dienen, sind zu 15 ss. bei der Kasse zu haben. Zu zahlreicher Theilnahme ladet ergebenst ein: Thalweil, den 29. Januar 1845. Der Aktuar.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 38, 7. Februar 1845

Graubünden. Die Felsberger werden den neuen Ansiedelungsplatz unter dem Schlosshügel auf der Ebene des linken Rheinufers so bald als möglich beziehen. Nach dem Kostenanschlag erfordert der Bau einer neuen Kirche sammt Pfründ- und Schulhaus 30’000 fl.; der Bau von 80 Häusern sammt Stallung und Hof (zu 3030 fl.) 134 Familien 282’400 fl.; die wegen des sumpfigen Bodens nöthige Auffüllung der nächsten Umgebungen der Häuser 5000 fl.; der Auskauf des zur Anlegung des Dorfes zu benutzenden Privatbodens, 13’000 Quadratklafter zu 80 Fr. 6500 fl.; der Wasserbau zum Schutze des neuen Dorfes und der daran stossenden Ebene 88’396 fl., und der Bau einer neuen Brücke über den Rhein zur Verbindung der Ansiedlung mit den jenseitigen Gemeinden 14’000 fl., zusammen also 421’296 fl. oder 505’555 Frk. 2 Btz.

Diese Unkosten übersteigen nach der Erklärung des Kl. Rathes die Kräfte der Gemeinde Felsberg bei weitem, da diese gewärtigen muss, einen grossen Theil ihrer liegenden Güter beim Felssturze einzubüssen. Die Regierung hat daher am 31. Jan. an die übrigen Gemeinden des Kantons eine Einladung zu freiwilligen Unterstützungsbeiträgen erlassen und eine Kommission niedergesetzt, welche die eingehenden Hülfsgelder in Empfang nehmen soll. Diese werden bis Anfangs März erwartet, worauf die Mildthätigkeit ausser dem Kanton in Anspruch genommen werden soll. Die gleiche Kommission ist mit der Anordnung und Leitung des Baues beauftragt.

Vorläufig wird jedoch nur derjenige Theil der vorgeschlagenen Wasserbauten ausgeführt werden, welcher zum Schutze und zur Bewohnung des neuen Dorfes sehr dringend nothwendig ist. Eben so soll der Brückenbau verschoben werden, bis Neufelsberg sich von seinen Anstrengungen einigermassen erholt haben wird. Die Leistungen der Gemeinde zur Verminderung obiger Kosten werden sich hauptsächlich auf Lieferung des Holz- und Steinmaterials und auf Handarbeit beschränken müssen.

Zu der bisherigen Summe von 4699 fl. 30 kr. rh., die der Frankfurter Liederkranz gesammelt, sind demselben für die Felsberger neuerdings 404 fl. 10 kr. rh. (worunter 5 fl. 12 kr. vom Bataillon der freiwilligen Jäger in Frankfurt) zugekommen, so dass der diessfällige Betrag auf 5103 fl. 40 kr. rh. gestiegen. An diese Sammlung reihte sich eine andere, die Hr. Konsistorialrath Dr. G. Friedrich in Frankfurt a. M. durch eine Predigt veranstaltet und bereits 197 fl. 59 kr. rh. abgeworfen hat, ebenso der Ertrag eines vom Männergesangverein zu Wiesbaden gegebenen Konzertes mit 450 fl. rh.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 7. Februar 1845

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Thuner Wochenblatt, Band 8, Nummer 12, 11. Februar 1845

G r a u b ü n d e n. Die Felsberger werden nun ihren neuen Ansiedelungsplatz unrer dem Schlosshügel auf der Ebene des linken Rheinufers baldigst beziehen Die sämmtlichen Unkosten dieser Uebersiedlung werden auf 505,555 Fr. angeschlagen, und da dieses die Kräfte der Gemeinde Felsberg bei weitem übersteigt da sie noch dazu gewärtig sein muss, einen grossen Theil ihrer liegenden Güter beim Felsstürze einzubüssen, so hat die Regierung am 31. Jan. an die übrigen Gemeinden des Kantons eine Einladung zu freiwilligen Unterstützungsbeiträgen erlassen »nd eine Kommission niedergesetzt, welche die eingehenden Hülfsgelder in Empfang nehmen soll. Diese werden bis zu Anfangs März erwartet, worauf die Mildthätigkeit ausser dem Kanton in Anspruch genommen werden soll. Die gleiche Kommission ist mit der Anordnung und Leitung des Baues beauftragt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 43, 12. Februar 1845

Felsberg. Wir entheben dem „Ausschreiben des Kleinen Rathes des Kantons Graubündten an die Ehrsamen Räthe und Gemeinden desselben“ folgende Stellen: „Das traurige Schicksal, der armen Gemeinde Felsberg und die Frage, auf welche Art und mit welchen Mitteln derselben Hülfe geleistet werden solle, bilde den Gegenstand des gegenwärtigen Ausschreibens. Den meisten von Euch, Getreue Liebe Bundesgenossen, ist theils aus Berichten öffentlicher Blätter, theils aus eigener Anschauung die höchst bedauerliche Lage dieser Gemeinde bekannt, welche schon seit anderthalb Jahren in der schauerlichen Gefahr steht, wie einst Plurs und Goldau von einem Felssturze begraben zu werden.

In einer kleinen Entfernung hinter den nahe beisammen stehenden Häusern beginnt der steile Abhang des Calanda, und in einer Höhe von 2000 Fuss über dem Dorfe ragen die mehrere Fuss hohen und senkrechten Felsmassen kahl empor, welche dem Dorfe den Untergang drohen. Denn diese weiter rückwärts mit Wald bedeckten Felsen sind in einem weiten Umfange von dem Berge gelöst, durch tiefe Spalten zerrissen, und in zwar langsamer aber fortwährender Bewegung gegen das Dorf zu begriffen.

Bisher sind zwar theils im Jahr 1834, theils im Herbst des Jahres 1843 und endlich im Laufe des letzten Jahres zu wiederholten Malen im Vergleich zu der ganzen gelösten Masse nur ganz kleine Felsstücke abgebrochen und mit donnerartigem Getöse in die hinter dem Dorfe liegende Ebene heruntergestürzt. Allein auch von diesen sind einzelne bis an das Dorf vorgedrungen und haben einige Gebäulichkeiten zerschmettert. Mehrere Untersuchungen, welche in Folge dessen an den zerklüfteten Felsen durch anerkannte Sachkundige vorgenommen wurden, haben unbestreitbar dargethan, dass die ganze in Bewegung befindliche und entweder auf einmal oder nach und nach den Einsturz Drohende Masse jedenfalls einen grossen Theil des Dorfes, ja möglicherweise dasselbe ganz zertrümmern und auch einen beträchtlichen Theil des vorliegenden Thalbodens bedecken werde.

Wenn gleich der Zeitpunkt, in welchem die Zerstörung des Dorfes eintreten müsse, sich unmöglich bestimmen lasse, so sei doch der Einsturz bedeutender Massen in nicht ferner Zeit zu erwarten, und daher eine baldige Versetzung des Dorfes dringend anzurathen, indem, nur dadurch das bedrohte Leben und Eigenthum der Bewohner sicher gestellt werden könne. Letztere wandten sich nun in ihrer Hülflosigkeit an die Behörden des Kantons.“

Das Ausschreiben erzählt nun mit einigen Zügen die frühern bekanntlich misslungenen Versuchs einer neuen Anstedlung und geht dann folgendermassen auf die nun definitiv angenommene Stelle über: „Die Thalebene unter dem Dorfe, von dem Punkte an, wo sie vom jetzigen Bergstürze nicht mehr erreicht werden kann, hat von den auch hier noch vorkommenden Felsen nichts zu fürchten, weil diese mehr abgeflacht und günstiger gelagert sind. Sie hat dagegen meistens eine so tiefe Lage, dass der Rhein, welcher gerade in dieser Gegend eine sehr fehlerhafte Richtung nimmt und daher seit vielen Jahren durch Ablagerung des Geschiebes sein Flussbett erhöhen musste, bei hohem Wasserstande dieselbe überschwemmt. Diese fehlerhafte Richtung des Rheins und mit ihr durch eine baldige Vertiefung seines Flussbettes die vielen Nachtheile zu entfernen, welche den angrenzenden Gemeinden aus derselben erwachsen, hatten sich theils die Stadt Chur, theils die Gemeinde Felsberg schon seit langer Zeit vergeblich bemüht. Die Gemeinde Ems, welche glaubte, ihr werde diese Korrektion des Rheins am wenigsten nützen, wollte dazu nicht Hand bieten.

Da nun aber die angestellten Untersuchungen der Sachkundigen ausgewiesen haben, dass diese Korrektion ausser den früher aus derselben gehofften Vortheilen auch noch die in vielfacher Beziehung höchst wünschbare Anstedlung des neuen Dorfes auf eigenem Gebiete möglich mache; so wurde ein die Erreichung beider Zwecke beabsichtigender Plan entworfen, und Unterhandlungen zwischen den genannten drei Gemeinwesen eingeleitet. In der Voraussetzung, dass diese Unterhandlungen zum Schlüsse gelangen und die ans Austrocknung der fraglichen Ebene berechneten Arbeiten ausgeführt werden, richtete die damit beauftragte Kommission den Vorschlag an den im letzten Monat November versammelt gewesenen Hochlöblichen Grossen Rath, für die neue Anstedlung denjenigen Theil jener Ebene zu wählen, welcher ausser dem Bereiche des drohenden Felssturzes liegt, und durch den weiter oben am Rhein stehenden Schlosshügel und die an diesen sich fest anlehnenden Wuhrungen gegen den ersten Andrang jenes Flusses aus befriedigende Weise geschützt werden kann.

Die oberste Kantonsbehörde, welche mit der Auswahl dieses oder eines andern Bauplatzes sich nicht wohl befassen konnte, übertrug in dieser, sowie in jeder andern Beziehung die nöthigen Vollmachten an die Wohllöbliche Standeskommission, welche zu Anfang dieses Monates sich versammelte, die einzelnen zur Sprache gebrachten Oertlichkeiten beaugenscheinigte und zugleich die Bemerkungen und Wünsche der betheiligten drei Gemeinwesen sich vortragen liess. Sie überzeugte sich, dass der zuletzt in Vorschlag gebrachte Bauplatz auf dem linken Rheinufer unter dem Schlosshügel, abgesehen von den damit für die Bewohner Felsbergs verbundenen Vorteilen, nach menschlicher Berechnung geeignet und zugleich sicher sei, wenn nämlich die beantragte Rheinkorrektion und Entwässerungsarbeiten ausgeführt werden.

Es wurde derselbe daher unter der Bedingung, dass innert 14 Tagen die diessfällige Uebereinkunft zwischen den drei Gemeinwesen zu Stande kommen sollte, als Ansiedelungsplatz bezeichnet und der Kleine Rath auf diesen Fall hin mit beförderlicher Ausführung bes Baues, mit Ausschreibung einer Steuer für die schwerbedrängte Gemeinde und mit zweckmässiger Verwendung derselben beauftragt, zugleich aber auch festgesetzt, dass, wenn bis dahin die Uebereinkunst nicht zum Abschluss käme, die Standeskommission sofort einen Ansiedelungsplatz auf dem rechten Rheinufer anweisen werde. Diese Uebereinkunft ist nun seither von allen dabei betroffenen Theilen genehmigt und somit die Ebene unter dem SchlossHügel für die neue Ansiedelung definitiv als Bauplatz angewiesen worden.

Wir haben bereits eine Kommission bezeichnet, welche den Bau des neuen Dorfes auf die dem vorhandenen Bedürfniss entsprechende Weise anordnen und leiten, die eingehenden Hülfsgelder in Empfang nehmen und für deren zweckmässige Verwendung sorgen soll. Auch sind die Pläne für die Anlegung des neuen Dorfes, sowie für dessen Sicherung gegen den Rhein entworfen und durch Baukundige die Kosten berechnet worden, welche die Ausführung dieser bedeutenden Arbeiten erfordern wird. (Das Ausschreiben setzt dieselben aus einander, wie sie im Wesentlichen bereits in unserer No. 39 enthalten und zu 421,296 fl. B. W. angegeben sind).

Aus dieser von Sachkundigen aufgestellten Berechnung ist leicht ersichtlich, dass die Opfer, welche zur Versetzung und Sicherung der Gemeinde Felsberg erforderlich sind, die Kräfte der armen Bewohner weit übersteigen, und dass diese ohne kräftige Unterstützung entweder ihr Gemeinwesen auflösen und sich hie und da hin zerstreuen, oder in ihren setzigen Wohnungen dem sichern Untergang entgegen gehen müssten. Mit Ansnahme der Thalebene, welche schon seit Jahren nur durch die grössten Anstrengungen — 70 bis 80 jährliche Gemeinwerke für jeden Einwohner — gegen den in sehr fehlerhafter Nichtung vorbeiströmenden Rhein geschützt werden konnte, gewährt ihnen das übrige Gebiet geringen Nutzen. Die Weiden sind trocken und wenig ergiebig, ein Theil der Waldung bereits durch die herabgestürzten Felsen zerstört. Unter diesen Umständen ist es begreiflich, dass bei aller Thätigkeit und Betriebsamkeit der Gemeindegenossen weitaus die grössere Zahl derselben in die Klasse der Bedürftigen gehört.

Dazu kommt noch, dass im Spätherbst des Jahres 1843 ihre Viehheerden von der Lungenseuche ergriffen wurden. Ungeachtet alle andern Gemeinden, welche während dieser Zeit vom gleichen Uebel behaftet waren, schon lange wieder davon befreit sind, herrscht dasselbe noch immer in Felsberg. Der dortige Viehstand ist dadurch beträchtlich vermindert worden. Denn viele Stücke wurden durch die Krankheit weggerafft und Niemand durfte es wagen, vor dem gänzlichen Erlöschen dieser letztern junges Vieh nachzuziehen oder anderswo zu kaufen und dadurch das abgegangene wieder zu ersetzen. Bei der traurigen Aussicht, die ganze Heerde auf gleiche Weise nach und nach verlieren zu müssen, wären die armen Leute bereit, gleich jetzt die gefunden und kranken Thiere alle ohne Ausnahme niederzuschlagen, wenn ihnen wenigstens ⅓ des zu schätzenden Werthes vergütet würde.

Es ist indess noch sehr zweifelhast, ob diese Summe sich werde aufbringen lassen. Unter dieser doppelten Noth seufzen die armen Felsberger nun bereits 1 l/2 Jahr. Aus der Ruhe vieler Nächte, die ihnen nach stenger Tagesarbeit neue Kraft verleihen sollte, wurden sie durch wirkliches oder eingebildetes Getöse der drohenden Felsen aufgeschreckt. Eine Zeit lang übernachteten sie in der angrenzenden Gemeinde Ems. Dann zimmerten sie sich in einiger Entfernung vom Dorfe mit Hülfe der ihnen hiezu verabreichten Beiträge kleine Zufluchthütten aus Brettern zusammen, und benutzten dieselben zur notdürftigen Wohnung. Wurde aber die Kälte namentlich für Kinder und alte oder kränkliche Leute zu empfindlich und hatte die Bewegung der Felsen in Folge der Kälte nachgelassen, so kehrten Viele wieder in ihre bedrohten Häuser zurück. Ihr Vertrauen auf die göttliche Vorsehung und die zuversichtliche Hoffnung auf baldige Hülfe hat sie in diesen schweren Prüfungen aufrecht erhalten, die tröstliche Theilnahme, welche allerwärts für sie laut wurde, ihr Vertrauen und ihre Hoffnung gestärkt.

Nun ist der Augenblick gekommen, wo diese Theilnahme durch die That sich kund geben soll, und billig ergeht unser erste Hülferuf an die nächsten Mitbürger der Unglücklichen, an Euch, getreue, liebe Bundesgenossen! Setzet uns durch Eure reichlichen Liebesgaben in den Fall, dass wir mit desto grösserer Zuversicht uns auch an die Mitbürger des weitern Vaterlandes wenden können. Leget einen starken Grundstein zu einem schönen und dauernden Denkmal ächt vaterländischer Gesinnung, wahrhaft christlicher Liebe, damit auf demselben das geistige Auge der kommenden Geschlechter mit Wohlgefallen ruhe, und es ihr Urtheil mildere über die sonstigen Zerwürfnisse unserer Gegenwart.

Damit dieser schöne Zweck desto eher erreicht werde, laden wir Euch hiemit ein, bei den Einwohnern Euerer Gemeinde eine allgemeine Steuer, nachdem diese vorher auf angemessene Weise durch die ehrwürdigen Herren Pfarrer von den Kanzeln herab angekündigt sein wird, in jedem einzelnen Hause zu sammeln, und die Gaben gehörig zu verzeichnen. Ihr werdet dabei auch das geringe Schärflein nicht zurückweisen, und sollte es aus Mangel an Baarschaft in andern Gegenständen bestehen, letztere gewissenhaft versilbern und den Erlös den übrigen Steuern beifügen. Den Gesammtbetrag dieser letztern gewärtigen wir wo möglich bis zu Anfang des nächsten Monats März, damit wir desto bälder im Falle seien, die Mildthätigkeit auch ausser unserm Kanton für die armen Felsberger in Anspruch zu nehmen.*) Wir werden es uns zur Pflicht machen, die Gaben jeder einzelnen Gemeinde zur öffentlichen Kenntniss zu bringen, und gewissenhaft dafür besorgt sein, dass dieselben auf zweckmässige Weise verwendet werden.

*) Es ist in Deutschland vielfach mit einem gewissen Mitleiden, das nicht selten sogar eine Art von Verachtung annahm (was wir der mit unendlich wenigen Ausnahmen offen oder verdeckt durchaus radikalen Presse, die die Schweiz nicht kennt, nicht kennen will und alles, was bei uns geschieht, den Deutschen einseitig berichtet, zuschreiben müssen), daraus aufmerksam gemacht worden, wie in der Schweiz fast nichts geschehe, während von Frankfurt aus so edelmüthig für das arme Felsberg gesammelt werde. Allein was bisher in der Schweiz geschah, Konzerte u. dgl., war nur vorläufig, und wir sind überzeugt, dass die Schweiz beweisen wird, wie sie an Gemeinsinn und Wohlthätigkeitssinn hinter keinem andern Lande Europäs zurücksteht, sobald der Ruf an sie ergeht. Sehr richtig aber hat Bünden zugewartet mit diesem Rufe, bis man wusste, was man wolle und was man desshalb bedürfe. Denn das verlangt der auch im Wohlthun praktische Sinn der Schweizer. Anm. d. Red.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 8, 21. Februar 1845

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 58, 27. Februar 1845

Für Felsberg! Das Ausland ist der Eidgenossenschaft mit einem nachahmungswürdigen und rührenden Beispiel vorangegangen, den von dem Unglück, lebendig begraben zu werden, bedrohten Felsbergern durch Beisteuer es möglich zu machen, sich ein neues und sicheres Asyl zu verschaffen. Im Vertrauen, der Kanton Zürich, als Bundesgenosse, werde hierin nicht hinter dem Auslande stehen wollen, nach Kräften den bedrängten Brüdern beizustehen, haben sich aus der Einwohnerschaft von Zürich einige Männer vereinigt, um Beiträge für Felsberg zu sammeln. Wir benutzen hiermit die Gelegenheit, an die Quartierbillets zu erinnern, und bitten, uns solche gütigst zukommen zu lassen; wir werden sie seiner Zeit für den vorliegenden Zweck einlösen. Ebenso fügen wir noch die Bitte um andere Liebesgaben, von grössern oder kleinern Beiträgen, bei; der einzelne Schilling wird uns herzlich willkommen sein: aus Tropfen bildet sich ja der Bach, und aus Bächen der Strom.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 64, 5. März 1845

Graubünden. (Korr.) Einen schönen Zwischenakt während der zweitägigen Jesuitendebatten unsers letzten Grossen Rathes bildeten die Verhandlungen desselben über die Frage: was der Kanton seinerseits für Felsberg thun wolle? Alle Mitglieder gingen darin mit einander einig, dass der Kanton bei diesem ungewöhnlichen Unglücksfalle ausnahmsweise ebenfalls ein Opfer bringen und der bedrängten Gemeinde kräftige Hülfe leisten müsse.

Die Einen schlugen daher eine Beisteuer von fl. 20,000 aus der Staatskasse vor; Andere wollten, der Kanton solle auf seine Kosten, sei es einen Theil der grossen Wuhrwerke, sei es einen andern bestimmten Bau, wie die neue Brücke oder die neuen Strassenanlagen u. dgl. m., aufführen lassen. — Zuletzt wurde einstimmig beschlossen: „Es sei die Regierung ermächtigt:

1) Den Felsbergern je nach Bedürfniss mit Vorschüssen aus der Staatskasse zu Hülfe zu kommen, sowie das Jngenieurkorps und die Strassenkommission anzuweisen, von der übersiedelnden Gemeinde für alle dabei geleisteten Dienste keinerlei Entschädigung zu verlangen.

2) Der bedrohten Gemeinde, je nach Gutfinden, sei es behufs eines bestimmten Baues, sei es ohne nähere Bestimmung, einen, den Verhältnissen entsprechenden Geldbeitrag zu verabreichen.“ —

Man hofft hier allgemein, dass das Beispiel des Grossen Rathes auch auf unsere Gemeinden, in welchen jetzt überall Beiträge für Felsberg gesammelt werden, günstig wirken, und so die grosse Noth, in welcher sich die mit Beginn des Frühjahrs auswandernden Bewohner jenes armen Dorfes versetzt sehen, wenigstens um etwas gemildert werden möchte.

Bekanntlich bedürfen die Felsberger, laut dem Kostenanschlag unsers Kantonsingenieurs, zu ihrer neuen Anstedlung im Ganzen einer Summe von st. 420,000 B.V.! Bis jetzt ist aber leider nicht abzusehen, auf welche Weise dieselbe zusammengebracht werden möchte, besonders seitdem die Wirren unseres Vaterlandes die öffentliche Aufmerksamkeit auf ganz andere Ereignisse hingelenkt haben.

der Bericht in e-newspaperarchives

St. Galler Zeitung, 26. März 1845

In Felsberg haben die Vorarbeiten zur Translokation begonnen. Ein Churer Handlungshaus hat den Auftrag, demjenigen Felsberger, der auf dem neuen Ansiedelungsplatze der erste Niedergelassene sein wird, eine Prämie von 100 fl. zu ertheilen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 105, 15. April 1845

Aus sicherer Quelle ist uns die Nachricht geworden, dass S. Maj. der König von Preussen, als Fürst eines der verbündeten Schweizerkantone Veranlassung gefunden hat, der unglücklichen Gemeinde Felsberg im Kanton Graubünden die huldreiche Bewilligung einer Unterstützung von zehn tausend Schweizerfranken durch Vermittlung der hiesigen königlichen Gesandtschaft zukommen zu lassen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 149, 29. Mai 1845

Graubünden. Gegen Ende der letzten Woche haben ob Felsberg wieder kleinere Felsablösungen statt gefunden, aber, was bemerkenswerth ist, dem Scheine nach an einem andern, als dem bisherigen Orte, von diesem zwar nicht weit entfernt. Die Bewohner Felsbergs sitnd an die Gefahr jetzt so gewöhnt, dass sie dem Sturze, der natürlich von heftigem Getööse begleitet war, ganz ruhig aus ihren Fenstern zugesehen haben sollen. Uebrigens sind die Vorarbeiten zum Neubau nun beendigt. Eine neue Säge wird das schon bereit liegende Bauholz zurecht schneiden. Die Steinbrüche sind auch eröffnet; der Bauplatz ausgemessen und die einzelnen Baustellen ausgesteckt; ebenso hat die Verloosung dieser letztern dieser Tage statt gefunden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 13. Juni 1845

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

St. Galler Zeitung, 14. Juni 1845

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 166, 15. Juni 1845

Der abtretende Prästdent machte in seiner Eröffnungsrede den Gr. Rath auf die Ereignisse aufmerksam (…). In Bezug auf unseren Kanton bezeichnete er die Fortschritte, welche wir im Volkserziehungswesen, im Wehrwesen gemacht haben, und wandte dann die Aufmerksamkeit der Versammlung auf die neue Ansiedelung der Gemeinde Felsberg hin; es hätten noch nicht alle Gemeinden beigesteuert, und man werde sich jetzt bald auch an die Eidgenossenschaft richten mit Einladung zur Beisteuer für die unglücklichen Felsberger. Uebrigens verwies er auf die betreffenden Amtsberichte.

In allen ordentlichen Eröffnungsreden wurde früher des Finanzzustandes des Kantons, eines Gegenstandes, der für uns Bündner einer der interessantesten ist – gemachter Ersparnisse, abbezahlter Schulden mit viel Gewicht Erwähnung gethan, dieses Mal aber alles das mit Stillschweigen übergangen. Die Noten, die so vielfach besprochen wurden, sind auch mit keinem Wort erwähnt worden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 27, 4. Juli 1845

Bündten. — Mit Felsberg geht es langsam voran. Die Bauplätze sind zwar ausgesteckt und unter die Betreffenden verlost; von Neubauten hört man indess noch Nichts. Eben so wenig hat man bis jetzt noch vernommen, was Bündten selbst für die Bewohner dieses Dorfes gethan habe.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 245, 4. September 1845

Graubünden. Die bisher eingekommenen Steuern für Felsberg betragen: Aus dem Kanton von 161 Gemeinden 17’023 fl., wozu 4000 fl. als Beitrag aus der Standeskasse kommen, Von auswärts wohnenden Bündnern 1774 fl.; dann Von Wohlthätern anderer Kantone und Ausländern 36,153 fl..

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Wahrheitsfreund, 12. September 1845

Granbiinden. Die Messungsstangen an dem Bergabhange zu Felsberg deuten auf ein gleichmässiges langsames Weiterwerden der Klüfte, so dass man in nächster Zeit wieder einen Rutsch erwartet. Die bisher eingegangenen milden Beiträge steigen bis auf die Summe von 63’000 fl, wovon weit über die Hälfte von auswärts, d. h. nicht aus dem Kanton Graubünden geflossen.

Die Regierung will überdiess durch Schreiben an sämmtliche Kantonsregierungen, sowie an auswärtige schweizerische Geschäftsträger und Handelskonsuln die Mildthätigleit zu Gunsten des bedrohten Dorfes in Anspruch nehmen. Mau kennt kein Unglück in der Schweiz, das in Nah und Fern so viele Theilname erregt hätte, wie dasjenige, das den Felsbergern bevorsteht. Dennoch ist die in der Schweiz zusammengelegte Summe verhältnissmässig eine winzige Bagatelle gegen jene, die man zu Gunsten dreier eidbrüchiger Kerle zusammenzuraffen wusste. Auch im _Gutesthun, wenn man jede gespendete Gabe so nennen dürfte, kann der moralische Stand eines Volles gemessen werden. Inzwischen ist Neu-Felsberg in raschem Entstehen begriffen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 257, 14. September 1845

Graubünden. Felsberg, 10. Sept. (Korr.) Bereits wird am Dorfe Neu-Felsberg gearbeitet, ohne dass auch nur etwas zur Sicherung desselben an den Wuhrbauten unternommen ist. Wer die Lage von Neu-Felsberg kennt, wird sich daher wundern, dass nicht auch gleichzeitig mit den Wuhrbauten begonnen, indem unter solchen Umständen das neue Dorf freilich nicht gerade dem Felsensturz ausgesetzt ist, wohl aber bei eintreffendem Hochwasser unter Wasser gesetzt wird; denn die Erfahrung lehrt, dass in einem Zeitraum von 20 Jahren die Stelle von Neu-Felsberg dreimal gänzlich unter Wasser stand.

Es wäre daher zu wünschen, dass im Laufe dieses Herbstes mit aller Thätigkeit an die Wasserbauten geschritten würde, umsomehr da eine diessfällige Rheinkorrektionslinie bereits abgesteckt und deren Ausführung beschlossen ist. Hauptsächlich wäre es an der Zeit, die abgeschlossene Rheinkorrektions-Konvention zwischen den Gemeinden Chur, Ems und Felsberg energischer zu betreiben, und die Gemeinden zur Erfüllung der darin ansgesprochenen diessjährigen, Verpflichtungen ernstlich anzuhalten, welches um so leichter geschehen kann, weil die darin enthaltene Ausführung unter der Aufsicht des Kl. Raths stattfinden soll.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Erzähler, 19. September 1845

Am 16. sanken bedeutende Felsblöcke bei Felsberg unter gewaltigem Krachen unschädlich herunter. Das lose Thürmle und das zweite halbe Thürmle sind weg; das vordere erscheint, wie ein Felsenobelisk, frei.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 282, 12. Oktober 1845

Graubünden. Die Abgeordneten von St. Gallen (die HH. Näff, Hungerbühler und Hartmann) und Tessin (Oberst Pioda) sind den 9. Okt. Nachmittags in Chur angekommen. Gegen Abend fuhren sie in Begleitung des Herrn Oberst Lanicca nach Felsberg und betrachteten die neue Ansiedelung beim Schlosshügel, wo jetzt fleissig gebaut wird. Ein Haus steht schon unter Dach; somit hat der Besitzer desselben, Namens Schneller, weil er am schnellsten das erste Haus erbaut, die dafür ausgesetzte Prämie gewonnen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 302, 29. Oktober 1845

Graubünden. Felsberg, 26. Okt. (Korr.) Seit meinem letzten Schreiben ist der Neubau Felsbergs so weit vorgeschritten, dass bereits ungefähr 50 Gebäude im Entstehen hegriffen sind, worunter nächstens 3 der Vollendung nahen. Was die Bauart belangt, so wird Neu-Felsberg plangemäss erbaut, sämmtliche Wohngebäude gleich hoch, massiv von Stein und mit Ziegeln gedeckt werden, zwei schöne breite Strassen erhalten und die Hauptansicht des Dorfes gegen die Landstrasse gerichtet, so dass sich seiner Zeit Neu-Felsberg auf der Route von ·Chur nach Italien dem Wandrer sehr schön darstellen wird.

Leider sind noch eine Menge Leute, die unter den jetzigen Ausstchten der bereits gefallenen Steuern sich nicht entschliessen können, ihre alte Heimat zu verlassen, da jeder neue Ansiedler sobald er seine Gebäude aus dem Fundament hat oder wenn auch beinahe vollendet einstweilen nur 100 fl. Bündtnerwähr. gleich 80 fl. Reichswähr. Steuer erhält, welches die ärmern Einwohner von der neuen Ansiedlung abhält, und viele der übrigen nur so weit anspornt, dass selbe, um zum Bezug von genannten 100 fl. zu gelangen, ihre Gebäude nur bis aus dem Fundament bauen.

Was noch die zur Sicherung des Dorfes auszuführenden Wasserbauten betrifft, so scheinen dieselben doch noch diesen Herbst mit allem Eifer an die Hand genommen zu werden, indem sowohl unsere Gemeinde als die Nachbargemeinde Ems ihre Wuhrbauten bald beginnen und so mit Chur, das bereits im Frühjahr mit einem guten Beispiel vorangegangen, auch nicht zurückbleiben wird.

Ueberhaupt haben wir so eben ein so herrliches Herbstwetter und einen so günstigen Wasserstand, dass es Schade ist nur eine Woche mit dem wirklichen Beginn der Wasserbauten zu zögern Schliesslich theile ich Ihnen noch mit, dass trotz allem Unglück unsere Gemeinde„eine sehr günstige Erndte hatte, und sich auf unserem ganzen Gebiet nicht die Spur von der umsichgreifenden Kartoffelkrankheit wahrnehmen liess; auch von der links und rechts sich verbreitenden Maul- und Klauenseuche unter dem Vieh sind wir gänzlich befreit.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 263, 20. September 1845

Graubünden. Am 16.d. sanken bedeutende Felsblöcke bei Felsberg unter gewaltigem Krachen unschädlich herunter. Das lose Thürmle und das zweite halbe Thürmle stnd weg; das vordere erscheint, wie ein Felsenobelisk, frei. (Erz.)

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 346, 12. Dezember 1845

Tessin. Der Gr. Rath hat einen Beitrag von 1000 Lire für Felsberg erkannt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 349, 18. Dezember 1845

S t. Gallen. Der Kleine Rath hat der Regierung von Graubünden eine Gabe von 500 fl. für Felsberg übermacht.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 5, 4. Februar 1846

In Felsberg sollen diesen Winter die.Felsablösungen etwas häufiger seyn, als gewöhnlich, bis jetzt jedoch ohne weitern Schaden anzurichten, was Viele in ihrer Gleichgültigteit gegen die Gefahr nur noch mehr bestärkt.

Die Wenigsten sind dazu zu bewegen, mindestens die Nächte in den schon seit ein paar Jahren an sichern Stellen erbauten hölzernen Barakken zuzubringen, sondern sind Tag und Nacht im Dorfe. Wollte man es durchsetzen, dass sie von jenen Anstalten der Vorsicht Gebrauch machten, so müsste man beständig eine ansehnliche Executionsmannschaft an Ort und Stelle unterhalten. Von den auf der neuen Ansiedelungsstelle im Bau begriffenen 50 Häusern sind dermalen nur zwei ganz fertig und auch schon bewohnt. Den Winter benützen die übrigens sehr thätigen Leute dazu, um aufs Frühjahr Baumaterialien, Stein und Holz, zurüsten und an den Wuhren gegen den Rhein zu arbeiten.

An Unterstützung erhalten sie noch immer von Zeit zu Zeit etwas; im Verhältnis zu den Bedürfnissen sind jedoch die bis jeht gestossenen, wenn gleich sehr ansehnlichen Steuern immerhin nicht so bedeutend, dass die armen Leute getrosten Muthes in die Zukunft hinausblicken könnten. Ihnen hat das unglück von Thusis grossen Abbruch gethan. Die Mildthätigteit hat sich dadurch getheilt; und doch sind die Feisberger in ungleich höherm Grade zu bedauern; in Thusis herrscht weit mehr Wohlstand, die meisten und gerade die stärksten Brandbeschädigten haben bedeutende Assekuranzvergütungen bezogen; der Flecken hat eine für den Erwerb und Verkehr sehr glückliche Lage. Dieses Alles ist bei Felsberg nicht der Fall; nur was die Lage betrifft, so ist die Nähe von Chur und der dadurch erleichterte Produktenabsatz allerdings auch in Betrachtung zu ziehen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 37, 6. Februar 1846

Graubünden. Das frühzeitig eingetretene Thauwetter übt, wie früher, auch dieses Jahr seinen Einfluss auf das Geklüfte ob Felsberg aus. Letzten Freitag, den 30. Januar, löste sich wieder mit grossem Geräusche eine Masse Steine vom Gefahr drohenden Felsen ab. Dank dem feuchten Erdreiche und dem theilweise noch lagernden Schnee, welcher die Wucht der stürzenden Felstrümmer linderte, ist kein Unglück erfolgt. Hingegen wurden, vielleicht zu ihrem Heile, die Bewohner Felsbergs wieder einmal aus dem Schlummer der Sorglosigkeit aufgeweckt, in den sie sich nur zu leicht einwiegen lassen. Man verkenne die Gefahr nicht, sie ist, ob nah, ob fern, gewiss gross und am grössten bei feuchter Witterung, wie wir sie während des ganzen Monats Januar hatten und dieses Frühjahr vielleicht noch mehr haben werden. Denn bekanntlich besteht das unheilvolle Geklüft aus verwittertem Kalk; die morschen Bande, welche die hängende Masse mit dem festen Felsen verbinden, könnten desshalb bei dem eindringenden Schneewasser und dem häufig stürzenden Regen ihrer Auflösung vielleicht nahe sein. (Churer-Z.)

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Volkszeitung, Band 1, Nummer 45, 12. April 1846

Die grossartige Wuhrarheit der Stadt Chur gegenüber Felsberg ist bereits so weit vorgerückt, dass der Rhein in den nächsten Tagen in das neue Bett, das er fürder zu bewohnen hat, gerichtet werden kann. Obgleich die Stadt Chur allein schon jetzt über 22,000 fl. auf dieses Werk, dem sie viel Eifer und Ausdauer widmete, verwendet hat, so liegt doch der grosse Vortheil des Zusammenwirkens der drei Gemeinden Chur, Ems und Felsberg bereits sehr am Tage.

Denn während sich dieselben früher mit ihren Wuhrungen gegenseitig befehdeten, indem sie das Wasser einander zuschoben und sich damit, ohne selbst ein Gewinn davon zu haben, gegenseitig Schaden zufiigten — werden sie nun durch gemeinsame Erstellung der von der Regierung ihnen vorgeschriebenen Wuhrlinie nicht nur dein Rhein einen geordneten, regelmässigen Lauf geben, und sich damit die Wuhrlast für alle Zukunft ganz bedeutend erleichtern, sondern sie werden auch eine grosse Strecke Boden, der bisher eine Sandwüste war, dem Strom abgewinnen und der Kultur zurückgeben können. So viel vermögen auch schwache Kräfte, wenn sie sich zu einem Zwecke einigen, statt, dass sie durch Zwietracht sich gegenseitig aufreiben.

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Zeitung, Nummer 119, 5. Oktober 1846

Unter den Verhandlungen heben wir die Nachrichten hervor, die Hr Bundespräsident Bavier über Felsberg gab, und aus denen zu entnehmen war, dass der Bau des neuen Dorfes in lebhaftem Fortgang ist. 8 Häuser sind vollendet, weit mehrere in Bau begriffen. Von den zahlreichen Beiträgen, die geflossen sind, ist bereits eine grosse Summe für Material verwendet, jedem Hausvater wird ausserdem nach Vollendung des Fundaments, des ersten Stockwerks, des Daches, der innern Aus-. stattung, jedesmal 100 fl. gereicht.

Nervenfeber und Viehseuche haben die Bewohner heimgesucht, und da nach der Aussage der Sachverständigen das ganze neue Dorf über 400,000 fl. Baukosten veranlassen wird, so hat Felsberg noch nicht aufgehört, ein Gegenstand der öffentlichen Theilnahme sein zu müssen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 52, 30. Dezember 1846

Von Felsberg hat man schon lang nichts mehr gehört. Fast möchte man glauben, der greise Calanda sei jetzt wenigstens in eine temporäre Ruhe eingetreten. Dies macht es sehr erklärlich, wenn die Felsberger immer gleichgültiger werden gegen die Gefahr und die Uebersiedelung nach Neufelsberg nur langsam von statten geht.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 2, 13. Januar 1847

Der über Felsberg drohende Felsen schien trotz der Klüfte wieder fester am alten Calanda zu kleben, die Felsberger trieben ihr Leben wieder ruhiger im alten Dorfe – und der Gaben für Felsberg wurden weniger.

der Bericht in e-newspaperarchives

Bündner Landbote, 10. April 1847

Schullehrer Michael Zanuk von Felsberg will samt Familie nach Amerika auswandern. Die Rechnungen sind dem Vorstand der Gemeinde Felsberg einzugeben. Kleinräthliche Bewilligung: den 31, März 1847.

der Bericht in e-newspaperarchives

Emmenthaler Bote, Nummer 36, 6. Mai 1847

Graubünden. Am 1. Mai verreiste die letzte Abtheilung einer gegen 250 Personen starken Auswanderungsgesellschaft. Von Felsberg allein befinden sich diesmal 40 Personen dabei. Auch bei dieser Gelegenheit konnte wahrgenommen werden, dass Viele den Wanderstab ergreifen, ohne zu wissen, wohin sie eigentlich wollen, als gerade nach Amerika. Solche arme Leute werden für die unbeachteten Warnungen manches Ungemach ertragen müssen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 104, 14. April 1849

Graubünden. Das Felsgeklüfte ob Felsberg ist durch die feuchte Witterung dieses Frühjahrs wieder in Thätigkeit gebracht worden, nachdem es nun schon, wenn wir nicht irren, seit zwei Jahren geruht. Am Ostermontag Nachmittag ftürzte eine beträchtliche Masse unter donnerähnlichem Getöse ins Thal. Der Richtung nach, welche die Masse zu nehmen schien, wird dieser Sturz keinen erheblichen Schaden angerichtet haben.

der Bericht in e-newspaperarchives

Um kein Haar besser als sie es vor Jahren gewesen

Der in Felsberg lebende Carl Ludwig schrieb dem Hofrat und Schriftsteller Friedrich Wilhelm Hackländer in Stuttgart am 30. Mai 1849 folgenden Brief.

(…) Die Lage von Felsberg ist um kein Haar besser, als sie es vor Jahren gewesen, im Gegentheil Das Geklüfte löst sich von Woche zu Woche wie ein Uhrwerk um 2 % Linien ab, so dass die Öffnung seit 5 Jahren seit ich das letzte mal hier war um 4 Fuss 6 Zoll 2 Linien1 grösser, das Verhängnis über Felsberg um so gefährlicher geworden ist.

Unlängst ist wieder ein Stück herunter, das durch sein Zerstückeln während des Falles verschiedene Häuser und Scheunen theils zertrümmert, theils sonst beschädigt hat, und bey dem man Gelegenheit hatte, die Gewalt des Aufprallens zu bewundern, ein Stück, das von dem Hauptblock durch das Aufschlagen auf einen Felsen abgebrochen, wurde bey 2000 Schritte weitgeschleudert, das Stück wog 42 Pfund.

Ist man oben und will in diesen fürchterlichen Schlund hinunter schauen, so gähnt er einen so kalt und grimmig an, dass sein innerer Gehalt zu allerley Reflexionen Anlass giebt — ist unten eine grosse Höhle mit Wasser angefüllt, die diesen kalten Luftzug verursacht — oder ist eine andere Ursache vorhanden, das weiss niemand So viel ist gewiss, dass man an einer Stelle mit dem Senkel auf circa 500 Fuss keinen Grund gefunden, den Senkel aber auch nicht mehr hinauf gebracht hat; an einer andern Stelle gieng der Senkel auf circa 200 Klafter. Als man aber noch immer keinen Grund hatte und die Schnüre nicht weiter reichten, wurde derselbe wieder herauf gezogen, man fand ihn und die Schnur bis weit hinauf nass.

Das sind eben nicht sehr erfreuliche naturhistorische Forschungen für einen Bürger und Einsassen von Felsberg. Die sehr bedeutenden Beyträge, die von allen Orten her für die Gemeinde eingegangen sind, nützen unbegreiflicherweise Weise diesen bedrohten Felsbergern auch nicht viel; die Verwaltung rückt nur unter Bedingungen mit diesen Gaben heraus, die zu erfüllen bereits unmöglich seyen. So wenigstens hört man in Felsberg. Der Ort, wo Neufelsberg angelegt ist, ist wo möglich noch gefährlicher als das alte Felsberg, wenn auch nicht des Felsens wegen, doch des Rheines halber ganz gewiss. (…)

Quelle

  • Pieth, F.: Der Felsberger Bergsturz und die Siedlung Neufelsberg. Bündnerisches Monatsblatt: Zeitschrift für bündnerische Geschichte, Landes- und Volkskunde. Heft: 9, 1948. download

Eidgenössische Zeitung, Nummer 245, 4. September 1849

Graubünden. Felsberg die Gefahr der Verschüttung näher gerückt! Man schreibt dem „Lib Alpenboten“: Am letztverwichenen Sonntag, den 26. August Nachmittags, zirka um 4 Uhr, erinnerte der Berg neuerdings die Bewohner Felsbergs an die Gefahr, in der sie schweben; es lösten sich nämlich vom Fusse des sogenannten Thürmchens und an der Hauptmasse hinter demselben einige Steine ab, die mit fürchterlichem Getöse in gerader Richtung gegen das Dorf herunterstürzten und sich unten in der Ebene ohne den mindesten Schaden zu verursachen verloren.

Imposanter war ein zweiter Sturz der Dienstag den 28. Vormittags zirka um halb 11 Uhr erfolgte, als der sogenannte „Vogelskopf“ eine Felsmasse von wenigstens 60 biss 80 Fuss Höhe und zirka 40 bis 50 Fuss Breite in die Tiefe stürzte. Einsender betrachtete das erhabene Schauspiel aus einem den zerrissenen Felsen gegenüberstehenden Hause. Während des Ueberstürzens, das Anfangs sehr langsam erfolgte, wurden die auf dem Felsen stehenden Tannen weit in die Luft geschleudert.

Bald darauf prallte die stürzende Masse auf den tieferliegenden Felsen auf; es erfolgte ein dumpfes Gekrache; eine undurchdringliche Staubwölke, in der es rasselt, poltert und kracht, verhüllt für einen Augenblick das Ganze und lässt nur rathen, was eigentlich Vorgeht; endlich stürzen einzelne Stücke unter ihr hervor, andere stiegen mitten aus ihr heraus, und wo sie aufprallen, erheben sich neue Staubwolken; mit unbeschreiblichem Getöse stiegen die grössern Stücke, das eine da, das andere dorthin, sich durch einzelne waldige Stellen Bahn brechend in grössern und kleinern Sätzen der Tiefe zu, bis sie Widerstand finden oder sich in der Ebene verlieren, während die kleinern rasselnd und prasselnd nachrollen.

Das Auge weiss nicht, welchem Stücke es folgen will; das meine heftete sich an das grösste. Es nahm seine Richtung gegen die nach Neufelsberg führende Strasse, indem es in Sätzen Von 160 — 200 Schritten über Wiesen und Aecker wegsetzte. Endlich blieb es in einem Baumgarten liegen, nachdem es einen Birnbaum zuerst entwurzelt und dann den Stamm desselben wie ein Zündhölzchen zerstückelt hatte. Dieses Felsstück mochte ungefähr 200 Kubikschuhe messen. Seither lösen sich nun beständig kleinere Stücke ab und ein bedeutender Sturz ist mit Gewissheit zu erwarten, da die Felsmassen in starker Bewegung sind.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 38, 21. September 1849

Der Ludwigskopf am Felsberg, durch den das untere Dorf gefährdet wird, ist bereits durch eine Kluft von 50 bis 60 Schuh von der Hauptmasse getrennt, bedeutend in die Tiefe gesunken und in sich sich wieder zerklüftet; der s. g. Hasen, der das obere Dorf bedroht, sieht noch gefährlicher aus.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der liberale Alpenbote, 19. Dezember 1849

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 355, 24. Dezember 1849

Die Zerklüftungen in den Felsen ob Felsberg haben sich aufs neue zusehends erweitert und auch wieder ihre Massen hinunter ins Thal gesandt. Wenn Letzteres auch diessmal ohne Schaden geschah, so ist man doch auf das Frühjahr für Alt- Felsberg besorgt. Neu-Felsberg ist noch schwach bewohnt.

der Bericht in e-newspaperarchives

1850 bis 1859

Eidgenössische Zeitung, Nummer 123, 4. Mai 1850

G r a u b ü n d e n. Das Felsgeklüfte ob Felsberg ist wieder in völliger Bewegung. In der Nacht des 1. Mai entsandte es eine Botschaft ins Thal, nach welcher man es für gewiss hält, dass nächstens der Adler- und der Hasenkopf nachrücken werden. Die Felsberger sind daher beständig auf ihrer Hut.

der Bericht in e-newspaperarchives

Nidwaldner-Wochenblatt, Band 4, Nummer 20, 18. Mai 1850

Graubtindten. Neue Untersuchungen in Felsberg zeigen, dass der Berg, noch vielleicht bevor das neue Dorf erbaut ist, stürzen dürfte. Die Massen sollen auf höchst bedenkliche Weise im Weichen sein. Die Einwohner leben indessen wieder, als ob nichts zu befürchten stünde, und die Behörden regen sich, weil der Berg sich nicht regt, auch nicht sehr.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 162, 13. Juni 1850

Graubünden. Gegenwärtig finden fast täglich Felsablösungen ob Felsberg statt, die unter donnerähnlichem Getöse ins Thal stürzen, ohne jedoch Schaden anzurichten. Wenn je, so ist aber jetzt die Gefahr von einem massenhaften Felssturze gross, indem die gegenwärtigen Ablösungen am Fusse des zum Sturz geneigten Felsblockes stattfinden, wodurch also die Unterlage, die ihn noch aufrecht erhielt, allmälig verloren geht. Es herrscht daher gegenwärtig in Alt-Felsberg nicht geringer Schrecken und Neu-Felsberg wird wieder belebter.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 176, 27. Juni 1850

G r a u b ü n d e n. Letzten Samstag erfolgte in Felsberg wieder ein grösserer Felssturz, hat aber keinen erheblichen Schaden angerichtet. Die meisten Felsberger haben jetzt das alte Dorf für einstweilen verlassen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der liberale Alpenbote, 6. Juli 1850

Nachmittags. Die Gemeinde Felsberg wünscht zum Bchufe vollständiger Uebersiedlung nach dem neuen Dorfe ein Kapital von 60, 000 Fr. aufzunehmen, wofür sie unter Bürgschaft des Kantons ihre Gemeinds-Liegenschaften verpfänden würde. Obschon während den Verhandlungen ein neuer mahnender Vorbote mit donnerähnlichem Getöse vom drohenden Felsen herab ins Thal stürzte, konnten die Herzen der Landesväter doch nicht so weit gerührt werden, um dieser etwas sonderbaren Zumuthung zu entsprechen. Dagegen wird der Kanton bei Schätzung der Pfandobjckte amtlich interveniren und allfällig die hinreichende Sicherheit des Pfandobjektes beurkunden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zugerisches Kantonsblatt, Nummer 27, 6. Juli 1850

Graubünden. In Felsberg erfolgte kürzlich wiederum ein grösserer Felssturz, der aber keinen erheblichen Schaden anrichtete.

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Zeitung, Nummer 187, 8. Juli 1850

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 28, 12. Juli 1850

Der Calanda wirft in letzter Zeit sehr viele Steine ins Dorf Felsberg und zwar vom Fusse des Berges, was beweise, dass die ganze Masse in Bewegung gerathen sei. (Der Bergsturz könnte auch für Ems und Chur böse Folgen bringen.) Diess veranlasst endlich, an eine vollständige Uebersiedlung zu denken, und die Gemeinde wünscht, ein Anleihen von 60,000 Frk. auf Aktien und mit Bürgschaft des Kantons zu machen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Nidwaldner-Wochenblatt, Band 4, Nummer 28, 13. Juli 1850

Graubündten. Während am Abend des 1. Juli der Gr. Rath die Angelegenheit des vom Felsensturze bedrohten Felsberg behandelte, lösten sich wieder mehrere Felsstücke vom Berge los, eine dichte Staubwolke deckte mehrere Minuten lang die Gegend. Von Tag zu Tag befürchtet man das Herabstürzen der ungeheuren wirklich im Rücken begriffenen Felsmasse. Trotz dem sind noch immer mehrere Hänser darunter bewohnt. So mächtig segelt die Gewohnheit.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der liberale Alpenbote, 4. September 1850

Neue Felsenstürze bei Felsberg. Von den über Felsberg schwebenden Felsmassen hat sich wieder einmal ein ansehnlicher Theil gelöst und ins Thal hinabgestürzt, ohne dass es jedoch auch nur ein Menschenleben gekostet hätte, oder irgend welcher Schaden an Vieh oder Häusern zu beklagen wäre.

Schon zu Ende der vorletzten Woche zeigten die über die Risse gespannten Dräthe, dass das Weichen der unter den Namen Hund und Hase bekannten Felsköpfe neuerdings in bedeutendem Zunehmen begriffen ist, und dass namentlich die Risse am letzteren innert acht Tagen sich um 3 ½ Zoll erweitert hatten. Gegen das Ende der letzten Woche stellte sich dann das Krachen und Dröhnen aus den Eingeweiden des zerklüfteten Gebirgs immer regelmässiger und drohender ein, bis endlich am letzten Samstag um 10 ½ Uhr Vormittags eine erste, nicht unbeträchtliche Ablösung stattfand.

Ein einziger Felsenblock von wirklich imposanter Dimension stürzte sich unter seine ihm vorangegangenen Brüder und nahm dort, immer in respektvoller Entfernung vom Dorfe, eine feste Stellung ein, jedoch nicht ohne in seinem gewaltsamen Sturze links und rechts manchen zerschmetternden Kuss versetzt zu haben. Bei der Gewalt des Sturzes flogen einzelne kleinere Steine über die Hausdächer hinweg mitten in die Strassen des Dorfes, richteten jedoch dabei nicht den geringsten Schaden an.

Nicht minder glücklich, aber ungleich ausgedehnter in seinen Resultaten war der zweite Akt, den wir zu berichten haben und der in der zweiten darauf folgenden Nacht ungefähr um 1 ½ Uhr zur Aufführung kam. Der klarste Mondschein erhellte Berg und Thal, als auf einmal das donnerähnliche Gebrause der sich ablösenden und hinabstürzenden Felsmassen weit hintönte und den Untergang der schon so lange geängstigten Gemeinde zu verkünden schien.

Abermals schützte sie jedoch der Arm der Vorsehung. Der neue Sturz erfolgte, furchtbarer als seine Vorgänger alle — aber kein Felsstück wagte sich nur bis in die Nähe der übrigens auch diesmal zu rechter Zeit verlassenen Wohnungen. Mit angewöhnter Ruhe schaute das Volk, welches in gehöriger Entfernung auf freiem Felde zerstreut war, den Kriegsoperationen seines alten Feindes zu. Wenige Stunden später erhellte das Tageslicht das neubevölkerte Leichenfeld. Man überzeugte sich, dass Hund und Hase gerade mit einander aus ihrer resp. Festung ausgezogen und zählte nicht ohne Schaudern die gesunkenen Häupter ihrer vielen riesenhaften Streiter. Sie liegen nun beisammen, dicht am Fusse des Berges, und bilden hier einen grossartigen Wall, an dem wohl mancher nachrückende Bruder sein drohendes Ungestüm mässigen wird.

Den Felsbergern aber, denen wir zur abermaligen Feuerprobe Glück wünschen, möchten wir wohlmeinend zurufen: Werdet nicht übermüthig, seid vorsichtiger vielmehr als je; der Feind hat ja bis dahin erst seinen Vortrab ins Feld gesandt; ihr seid keinen Augenblick sicher, wenn die geschlossenen Heeresmassen ihr schwach verschanztes Lager durchbrechen und ob euer vielgeprüftes Haus nicht am Ende doch ihrer Gewalt zum Opfer fällt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 6. September 1850

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 249, 8. September 1850

Graubünden. Ein Felssturz in Felsberg. In der Nacht auf Montag den 2. September um halb 2 Uhr ist hier ein bedeutender Felssturz erfolgt. Schon zu Anfang des Sommers bemerkte man ein vermehrtes Weichen des sogenannten „Haasen“, das in der Mitte des Monats Juni bis auf 19 Linien in einer Woche stieg.

Hierauf trat wieder beinahe Stillstand ein, bis in den letzten drei Wochen plötzlich die Gefahr des Sturzes sich vergrösserte. In der letztvergangenen Woche erweiterte sich der Riss um ungefähr 3 Fuss, und fortwährend bröckelten kleinere Massen los und fielen in die Tiefe, so dass man den Sturz dieser Felsmassen mit Gewissheit erwarten konnte. Wer oben war, vernahm öfters einen unterirdischen Donner, der unheimlich und gefahrdrohend rollte und grollte.

Am 31. August Vormittags setzte die „Katze“, die schon längst sprungfertig war, ins Thal mit lautem Krachen, und eine dichte Staubwolke umhüllte die Felsen. Die Katze war aber nur ein sehr kleiner Theil der drohenden Massen „Haas“ und „Hund“.

Vom 31. August an war man jeden Augenblick auf deren Sturz gefasst, und es verging keine Viertelstunde, da nicht einzelne Vorläufer herunterfielen und Staubwolken aufwarfen. In der Nacht vom 1. auf den 2. erfolgten immer grössere Lösungen, bis dann um halb 2 Uhr ein donnerähnliches Krachen den Sturz verkündete. Fast die ganze Bevölkerung des Dorfes befand sich ausserhalb demselben, theils in Neufelsberg, theils oberhalb in Hütten und Barracken, theils unter freiem Himmel die Katastrophe abwartend. Plötzlich sieht man in der ziemlich hellen Nacht aus einer dichten Staubwolke eine Menge Felsblöcke hervorschiessen und in grossen Sätzen den Berg herunter bis hinter das Dorf fallen.

Der Boden erbebt und ein dumpfes Krachen lässt glauben, das ganze Dorf liege in Trümmern. Aber nein, wie man hineilt, da sieht man einen grossen Wall Von Felsblöcken hinter dem Dorfe aufgethürmt, etwa zwanzig von der Grösse eines kleinen Hauses und unzählige kleinere. Der grössere Theil der zersplitterten Kalkfelsmasse war aber oben zunächst unter dem drohenden Felsen und weiter herab am Bergabhange liegen geblieben. Von dem Walde, der auf diesen Felsen gestanden, findet man keine Spur, die Tannen scheinen zermalmt unter den Steinen zu liegen. Mehrere grössere Felsblöcke sind ganz, andere zerspalten. Einer stiess an einen seit alten Zeiten hinter dem Dorfe liegenden Felsen und erschütterte denselben der Art, dass vorn von ihm ein Stück ab- und zerstückelt in den Boden hineinfiel, wie wenn es hineingepflastert wäre. Das war ein starkes Niesen und der Wiederhall in den Bergen donnerte ein „Helf vir Gott“ dazu.

Noch die ganze Nacht und den ganzen folgenden Tag hindurch rieselte es stets vom Berge herunter, und mitunter erfolgte noch ein bedeutendes Getöse von nachfallendem Gestein. Der grösste Felsblock ist unter dem Leonhardskopf liegen geblieben. Ein grosser Stein, der früher heruntergerollt war, ist von einem grösseren auf ihn gefallenen zermalmt. Einer von der Grösse eines Stalles ist seitab in einen Kartoffelacker gesprungen und hat dort eine 10 bis 12 Schuh tiefe Rinne aufgerissen, hat dann noch einen Satz genommen und ist dann liegen geblieben.

Das Dorf selbst hat gar keinen Schaden genommen. Ein einziger kleiner Stein setzte über die erste Häuserreihe weg ohne zu schaden. Im Dorf selbst waren, wie gesagt, nur sehr wenige Leute; in einem Hause eine alte kranke Frau mit ihren zwei Töchtern, die bei ihr wachten. Die arme, alte, schwerhörige Frau glaubte, als ihr Haus so sehr erschüttert wurde, es sei Jemand unter ihrem Bett, der dasselbe bewege. Ein Mann, der gerade durch die Gasse ging, konnte sich mit Mühe aufrecht halten, so sehr bebte die Erde unter seinen Füssen. Der Donner beim Sturze erweckte viele Leute in Ems und Chur aus dem Schlafe.

Merkwürdig ist, dass der Sturz gerade zur nämlichen halben Stunde, in der nämlichen Nacht des ersten Sonntags im Monat September geschah, wie der frühere bedeutende Sturz im Jahr 1843. Diese heruntergestürzten Felsen machten aber nur einen kleinen Theil der drohenden Masse aus, der „Ludwigskopf“ und die sogenannte „Hauptmasse“ stehen und drohen noch. Dort, wo die Eisenstange zwischen der Hauptmasse und dem festen Gebirge angebracht ist, ist das Gestein, das diese Spalte ausfüllt, in letzter Zeit merklich in die Tiefe gesunken, doch hat sich aber sonst an der Eisenstange, an der man das Weichen misst, keine bedeutende Veränderung bemerklich gemacht. Möglich, dass diese Massen noch längere Zeit stehen bleiben. Indess kann die Sache sich auch bald zum Schlimmen wenden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Thuner Wochenblatt, Band 13, Nummer 73, 10. September 1850

G r a u b ü n d e n. In Felsberg hat ein neuer Felssturz stattgefunden, indess ohne dass das Dorf den geringsten Schaden gelitten hat. Merkwürdig ist, dass der Sturz zur nämlichen halben Stunde, in der nämlichen Nacht des ersten Sonntags im September geschah, wie der frühere bedeutende Sturz im Jahr 1843.

der Bericht in e-newspaperarchives

Nidwaldner-Wochenblatt, Band 4, Nummer 37, 14. September 1850

Nachdem zwei Tage vorher sich einige Felsstücke abgelöst hatten, ist in der Nacht vom 1. auf den 2., Morgens halb 2 Uhr, in Felsberg ein bedeutender Felssturz erfolgt, welchen ein donnerähnliches Krachen verkündete. Fast die ganze Bevölkerung befand sich ausserhalb desselben theils in Neufelsberg, theils oberhalb des Dorfes in Hütten, theils unter freiem Himmel die Katastrophe abwartend. Plötzlich sah man in der ziemlich hellen Nacht aus einer dichten Staubwolke eine Menge Felsblöcke hervorschiessen und in grossen Sätzen den Berg hinunter hinten in das Dorf fallen. Der Boden erbebte und ein dumpfes Krachen liess glauben, das ganze Dorf liege in Trümmer. Aber wie man hineilte, da erblickte man einen grossen Wall von Felsblöcken hinter dem Dorfe aufgethürmt, etwa 20 von der Grösse eines kleinen Hauses und tinzählige kleinere.

Der grössere Theil der zersplitterten Kalkselsmasse war oben zunächst unter dem drohenden Felsen und weiter herab am Bergabhange hängen geblieben. Von dem Walde, der auf diesen Felsen gestanden, findet man keine Spur, die Tannen scheinen zermalmt unter den Steinen zu liegen. Das Dorf selbst hat gar keinen Schaden genommen. Ein einziger kleiner Stein setzte über die Häuserreihe weg ohne zu schaden. Ein Mann, der gerade durch die Gasse ging, konnte sich mit Mühe aufrecht erhalten, so erbebte die Erde unter seinen Füssen. Der Donner beim Sturz weckte viele Leute in Ems und Chur aus dem Schlafe. Merkwürdig ist, dass der Sturz gerade zur namlichen halben Stunde, in der nämlichen Nacht des ersten Sonntags im Monat September geschah, wie der frühere bedeutende Sturz im Jahr 1843. Die heruntergestürzten Felsmassen machen aber nur einen kleinen Theil des drohenden Berges aus; der „Ludwigskopf“ und die sogenannte „Hauptmasse“ stehen und drohen noch.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 252, 9. September 1850

Der liberale Alpenbote sagt von dem letzten Felsberg-Sturz: Das Bemerkenswertheste ift das: die in Felsberg angelangten Steine und Blöcke betragen nur etwa ⅙ von den beiden eingesunkenen Felsköpfen (Hund und Hase); ⅚ davon haben sich einstweilen auf der Halde in den Schutt eingerammelt und bilden da ein merkwürdiges Schlachtfeld. Wir übertreiben nicht, wenn wir berichten, dass unterwegs Blöcke liegen, die an Höhe, aber nicht an Flächeninhalt dem Regierungsgebäude in Chur nachstehen.

Es ist begreiflich, dass wir nicht zu übertreiben vorhaben, und müssen daran erinnern, dass bei der Schwierigkeit des Terrains alle Dimensionen der bedeutendern Blöcke desshalb nicht genau mit dem Auge zu messen sind, weil ein mächtiges Gerölle dieselben umlagert und sie theilweise in sich versenkt hat. Die noch im Weichen begriffene Masse mag einen Flächeninhalt von 30 —40 Millionen Kubikmeter haben, und es dürfte noch mancher Rasenboden und Bagumstamm den sinkenden Felsen folgen.

So ift auch bei dem letzten Sturz der Fussweg, welcher vom Leonhardskopf nach dem Ludwigskopf führte, in’s Thal hinuntergerollt, man sieht in der ganzen Umgebung, wie der Boden bereits sichtlich nachgerutscht ist. Diese ungeheure Masse ist glücklicherweise wieder in mehrere Abtheilungen gespalten, so dass die Möglichkeit vorhanden ist, es werden dieselben nacheinander in zeitweiligen Unterbrechungen in’s Thal hinunterstürzen.

Wir warfen kleine Steine in die Spalten unweit der Messstange; dieselben brauchten 12 —15 Sekunden, bis sie am Boden der innern Kluft anlangten. Die Höhe der stürzenden Masse mag ungefähr 3—400 Fuss betragen. Man kann sich mit dem besten Fernrohr von der Ebene aus keine richtige Vorstellung von diesen sämmtlichen Verhältnissen machen; es sieht da Alles unbedeutend gegen die Wirklichkeit aus. Uebrigens rufen wir den Felsbergern zu: Seid vorsichtig! Die im Thal angelangten Felsblöcke können keinen Wall gegen die nachstürzenden Massen bilden, da sie zu unbedeutend sind und eher erdrückt und zerbröckelt werden, als dass sie aufzuhalten vermöchten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 37, 11. September 1850

Eine neue Mahnung für Felsberg. Die Felsen, welche so drohend auf das bündnerische Dorf Felsberg bei Chur herabschauen und immer drohender dem Sturze sich entgegenneigen — sie hätten nach der Menschen Ermessen schon vor Jahr und Tag in das Thal hinabstürzen sollen.

Aber es sind (seitdem im Jahre 1834 die grosse Gefahr, in welcher Felsberg schwebt erkannt worden und dann der Anfang zur Gründung von Neu-Felsberg gemacht wurde) nur einzelne warnende Vorboten herunter gekommen, und noch stehen die verhängnissvollen Felsen mit ihren Verklüftungen nebeneinander – gleich drohenden Gerichten Gottes über dem Dörflein und dem unten brausenden Rhein.

Wenn man beim Leonhardskopf steht, so dehnt sich eine tief verklüftete Felswand vor Einem aus; die beiden äussersten, sich abwärts neigenden Felsen nennt man die Thürmchen, dann kommt der Adlerkopf und Vogelkorb, dann der Ludwigskopf – dann die grosse Wand – dann der Hase, dann der Hund, endlich der Leonhardskopf.

Aber der vergangene Winter und der regnerische- stürmische Sommer hat die Gefahr wieder näher gebracht. Schon zu Anfang dieses Sommers bemerkte man nun ein vermehrtes Weichen des sogenannten „Hasen“, das in der Mitte des Monats Juni bis auf 19 Linien in einer Woche stieg. Hierauf trat wieder beinahe Stillsiand ein – bis in den letzten drei Wochen plötzlich die Gefahr des Sturzes sich vergrösserte. Jn der letztvergangenen Woche erweiterte sich der Riss um ungefähr drei Fuss, und fortwährend lösten sich kleinere Massen und fielen in die Tiefe, so dass man den Sturz dieser Felsmassen mit Gewissheit erwartete.

Wer oben war, vernahm öfters einen unterirdischen Donner, der unheimlich und gefahrdrohend rollte. Am 31. August Vormittags stürzte die „Katze“, die schon längst sprungfertig war, in das Thal, mit lautem Gebrüll, und eine dichte Staubwolie umhüllte die Felsen. Die Katze war aber nur ein kleiner Theil der beiden drohenden Felsköpfe „Has und „Hund. Von diesem Augenblick an war man jeden Augenblick auf deren Sturz gefasst, und es verging keine Viertelstunde, da nicht einzelne Vorläufer herunterfielen und Staubwolken aufwarfen.

In der Nacht vom 1. auf den 2. Sept. erfolgten immer grössere Lösungen, bis dann um halb zwei Uhr ein donnerähnliches Krachen den Sturz verkündigte. Fast die ganze Bevölkerung des Dorfes befand sich ausserhalb desselben, theils in Neufelsberg, theils oberhalb des Dorfes in Hütten, theils unter freiem Himmel die Katastrophe abwartend. Plötzlich sieht man in der ziemlich hellen Nacht aus einer dichten Staubtvolke eine Menge Felsblöcke hervorschiessen und in grossen Sätzen den Berg herunter hinter das Dorf fallen.

Der Boden erbebt, und ein dumpfes Krachen lässt glauben, das ganze Dorf liege in Trümmern. Aber nein, wie man hineilt, da erblickt man einen grossen Wall von Feisblöcken hinter dem Dorfe anfgethürmt, etwa 20 von der Grösse eines kleinen Hauses, und unzählige kleinere. Der grössere Theil der zersplitterten Kalkfelsmasse war aber oben zunächst unter dem drohenden Felsen und weiter herab am Bergabhange liegen geblieben. Von dem Walde, der auf diesen Felsen gestanden, findet man keine Spur, die Tannen scheinen zermalmt unter den Steinen zu liegen. Mehrere grössere Felsblöcke sind ganz, andere zerspalten. Einer stiess an einen seit alten Zeiten hinter dem Dorfe liegenden Felsen, und erschütterte denselben so, dass vorne von ihm ein Stiick ab- und verstückelt in den Boden hineinfiel, wie wenn es hineingepfiastert wäre.

Noch die ganze Nacht und den ganzen folgenden Tag hindurch rieselte es stets vom Berg herunter, und mitunter erfolgte noch ein bedeutendes Getöse von nachfallendem Gestein. Der grösste Felsblock ist unter dem Leonhardskopf liegen geblieben. Ein grosser Stein, der früher heruntergerollt war, ist von einem grössern auf ihn gefallenen zermalmt. Einer von der Grösse eines Stalles ist seitab in einen Kartoffelacker gesprungen, und hat dort eines 10 bis 12 Schuh tiefe Rinne ausgerissen, hat dann noch einen Satz genommen und ist dann liegen geblieben.

Das Dorf selbst hat gar keinen Schaden genommen. Ein einziger, kleiner Stein setzte iiber die erste Häuserreihe weg, ohne zu schaden. Im Dorf waren wie gesagt nur sehr wenige Leute; in einem Hause eine alte, kranke Frau mit zwei Töchtern, die bei ihr wachten. Diese schwache, schwerhörige Frau glaubte, als ihr Haus so sehr erschüttert wurde, es sey Jemand unter ihrem Bette, der dasselbe bewege. Ein Mann, der gerade durch die Gasse ging, konnte sich mit Mühe aufrecht erhalten, so bebte die Erde unter seinen Füssen. Der Donner beim Sturz weckte viele Leute in Ems und Chur aus dem Schlafe. Diese heruntergestürzten Felsmassen machten aber nur einen kleinen Theil des drohenden Berges aus; der,,Ludwigskopf“ und die sogenannte „Hauptmasse“ stehen und drohen noch.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 37, 13. September 1850

Bündten. — In der Nacht auf den 2. Sept. war wieder einmal ein bedeutender Felssturz bei Felsberg. Schon am 51. August war die „Katze“ herabgestürzt. Jetzt fielen der „Hund und der Hase“ hinunter. Bis ans Dorf gelangte nur der Felsblöcke, die vor demselben einen Wall bilden; sie liegen noch an der „Halde,“ darunter riesige Stücke. Die noch im Weichen begriffene Masse, der „Ludwigskopf“ und die „Hauptmasse,“ beträgt gegen 40 Millionen Kubikmeter. Die Bewohner waren bei Zeiten geflohen, und sahen dem Sturze zu, durch den der Boden erzitterte, der aber keinen Schaden anrichtete; nur ein einziger Stein setzte über die erste Häuserreihe hinaus.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 38, 18. September 1850

Jn Bezug auf den kürzlich in Felsberg in Wänden stattgehabten Sturz wird bemerkt, dass von den niedergestürzten Felsen nur etwa ein Sechstheil bis zum Dorfe gekommen, hingegen fünf Sechsteile auf der Halde in den Schutt eingerammelt dastehen; es sollen darunter Blocke seyn, die so hoch sind, als das Regierungsgebäude in Cbur.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 44, 31. Oktober 1851

Aus Felsberg wieder die Nachricht von einem Felsensturz, und dass erst 13 Familien nach „Neufelsberg“ übergesiedelt seien.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 301, 31. Oktober 1851

Graubünden. In Felsberg sind am letzten Mittwoch vor acht Tagen, Nachmittags, wieder eine Anzahl Steine mit bedeutendem Krachen vom Berg gestürzt. Das sogenannte Thürmlein, ein Felsstück, welches auf der östlichen Seite der drohenden Felsmassen thurmartig am Fusse derselben hervorragte, ist von einem weiter hinten sich lösenden Felsstücke in die Tiefe geworfen worden.

Da viele Leute auf dem Felde an der Arbeit waren, so sahen mehrere das Thürmlein wanken und sinken und in viele Stücke zersplittert herunterrollen. Einzelne Stücke rollten bis in die Felder. Eine Frau, die in einem Kartoffelacker arbeitete, war kaum aus demselben entflohen, als ein Stein von der Grösse eines Backofens sich gerade dort in die Erde rannte, wo sie gestanden war. —

Es ist eigenthümlich, dass sich im Herbste und zwar gerade bei trockenen Tagen, die Kalksteine oberhalb Felsberg am meisten lösen, und dass bisher die meisten Brüche auf diese Zeit fallen. Mehrere Jahre hinter einander sind solche im September und Oktober erfolgt. In Neufelsberg sind bereits 13 Familien wohnhaft. Ein Theil der Felsberger möchte bezüglich der Niederlassung in Neufelsberg, dass bloss die Bestimmung erlassen werde, es sollten alle Familien binnen 3 Jahren sich daselbst mit einer Wohnung versehen, in welche man sich im Falle der Noth flüchten könnte. Ein anderer Theil, wie man uns sagt, die Minderheit, wünscht, dass bestimmt werde, es sollen alle Familien binnen drei Jahren in Neufelsberg sich niederlassen und Altfelsberg gänzlich räumen.

der Bericht in e-newspaperarchives

St. Galler Zeitung, 9. Dezember 1851

Graubünden. Felsberg. Wie man vernimmt, ist beschlossen, dass die Uebersiedlung aus dem alten in das neue Dorf bis Ende 1853 zu erfolgen habe. Es soll eine neue Brücke zur Vermittlung des Verkehrs zwischen dem neuen Dorfe und der Landstrasse gebaut werden und soll für Unterhaltung der alten Brücke nur das durchaus nothwendige und für die Gebäulichkeiten im alten Dorf kein Holz mehr aus den Gemeindswaldungen geliefert werden. Es heisst, die Mehrheit der Gemeinde, welche im neuen Dorfe nur Zufluchtsstätten für den Fall der Noth errichten und im alten Dorfe wohnen bleiben will, protestire gegen obigen Beschluss.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 59, 28. Februar 1852

Laut einem Bericht der Hülfskommission für Felsberg sind von den ursprünglichen Hülfsgeldern im Betrag von 84,796 fl. noch 34,478 fl. 4 kr. zu verwenden. Die Standeskommission beschloss, es solle an der obligatorischen Verlassung des alten Dorfes festgehalten und der Kl. Rath mit der nach den Umständen zu modifizirenden Ausführung ermächtigt werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Emmenthaler Bote, Nummer 53, 1. Juli 1852

Gegen Ende der letzten Woche riss sich am Kalanda ob Felsberg wieder ein grosses Felsstück los und stürzte donnernd zu Thal, jedoch glücklicher Weise ohne erheblichen Schaden anzurichtem Die neuern Untersuchungen in dem gefahrdrohenden Geklüfte ergaben, dass sich dasselbe seit verwichenem Herbst wiederum ein Bedeutendes geneigt hat, so dass dessen völlige Ablösung vielleicht in Bälde zu besorgen ist. Und noch befindet sich immer der grössere Theil der Einwohnerschaft von Felsberg im alten Dorfe, noch macht er gar keine Miene, nach Neufelsberg hinüberzusiedeln; selbst solche, welche in Neufelsberg ihre Bauten bis unters Dach gebracht, lassen dann dieselben Jahre lang unvollendet dastehen und denken kaum mehr im Ernste an den völligen Ausbau. Ohne Zwang wird es nicht möglich, die saumselige Gemeinde dem sie bedrohenden Unglücke zu entziehen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 28, 9. Juli 1852

Wieder einmal fiel ein Felsstück gegen Felsberg, damit man daran erinnern könne, dass die bedrohten (?) Felsberger sorglos in ihren alten Häusern bleiben, und die neuen unvollendet leer stehen lassen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Nidwaldner-Wochenblatt, Band 6, Nummer 29, 17. Juli 1852

Graubünden. Gegen Ende der letzten Woche riss sich am Calanda ob Felsberg wieder ein grosses Felsstück los und stürzte donnernd zu Thal, ohne jedoch erheblichen Schaden anzurichten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 7, 18. Februar 1853

Der Beschluss wegen Uebersiedelung von alt Felsberg in neu Felsberg könne nicht durchgeführt werden. Es will uns immer mehr bedünken, diese ganze Felsbergergeschichte sei eine wahre Affenschande, an die man besser thäte, gar nicht mehr zu erinnern.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zugerisches Kantonsblatt, Nummer 8, 19. Februar 1853

Grnubiiuden. Die Lage de s. Z. vielbesprochenen Dorfes Felsberg ist wieder zur Sprache gekommen. Im Jahr 1845 war die Uebersiedlung des ganzen Dorfes auf eine durch den Bergsturz minder bedrohte Stelle beschlossen worden, zu welchem Zwecke jeder 300 Gl. erhalten sollte. Aber diese Summe reichte für die Unvermöglichen nicht hin und so geriethen der Neubau und die Uebersiedlung in’s Stocken. Die für diese Angelegenheit bestellte Hülfskommission wusste unter solchen Umständen nicht mehr zu helfen. Später wurde dann in der Standeskommission beschlossen, die Uebersiedlung müsse bis Ende 1853 vollendet sein. Die Sache lässt sich aber ohne hinreichende Mittel nicht erzwingen und so konnte auch jetzt nichts Massgebendes beschlossen werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der liberale Alpenbote, 18. August 1853

In den Felsen ob Felsberg soll in jüngster Zeit die Bewegung wieder hörbar und sichtbar geworden sein. Die Kluft, welche mit Stangen belegt ist, habe sich merklich erweitert.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 34, 26. August 1853

Bündten. — Die Felsen ob Felsberg schämen sich ihrer langen Trägheit. Sie sollen wieder eine drohende Physiognomie angenommen haben; es soll in jüngster Zeit die Bewegung wieder hörbar und sichtbar geworden sein, und die vorhandenen, den Einsturz drohenden Klüfte wirklich sich erweitert haben.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der liberale Alpenbote, 1. Oktober 1853

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 273, 3. Oktober 1853

Graubünden. Der Kleine Rath hat sich wieder einmal mit der Gemeinde Felsberg beschäftigt. Bekanntlich war durch frühere Beschlüsse des Kleinen Rathes und der Standeskommission die Uebersiedelung der ganzen Gemeinde obligatorisch gemacht worden. Sobald aber der Felsen wieder ruhiger geworden und dadurch die zähe Anhänglichkeit an die alten Wohnsitze wieder aufzuleben begann, zeigte es sich, dass man mit der obligatorischen Uebersiedelung nicht durchdringe.

Nun setzte der Kleine Rath für die Uebersiedelung, respektive für die Verwendung der noch im Betrage von zirka 50,000 Fr. disponibeln Hülfsgelder neue Grundsätze fest, z. B.: Wer behufs der Uebersiedelung Hülfsgelber in Anspruch nehmen will, hat sich hiefür bis 1. Dezember l. J. anzumelden und sein Haus in Neufelsberg bis Ende 1855 zu vollenden, dasselbe auch dann zu bewohnen und seine alte Wohnung (für welche aus den Gemeindswaldungen weder Bau- noch Brennholz verabreicht werden soll) aufzuschliessen; wer diesen Verpflichtungen nicht nachkommt, der wird die empfangene Steuer. (die für jedes neue Haus Fr. 510 beträgt) der Hülfskommission wieder schuldig und hat sie bis zu deren Erstattung mit 4 pCt. zu verzinsen. Im Uebrigen wird Neufelsberg als das eigentliche Dorf erklärt und soll daher die Gemeindsschule, sobald ein Lokal dafür in Neuselsberg eingerichtet ist, dorthin verlegt werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 219, 9. August 1854

In Felsberg hat der drohende Fels wieder ein Lebenszeichen gegeben und einige losgebröckelte Steine herabgeschickt. Einige Kühe wurden davon getroffen und todtgeschlagen.

der Bericht in e-newspaperarchives

St. Galler Zeitung, 8. September 1854

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 111, 22. April 1855

Graubünden. In Felsberg sind die Bewohner in den letzten Tagen wieder durch den drohenden Fels in einige Unruhe versetzt worden. Er murrte und brummte und schickte einige Steine herab, wurde dann aber wieder still.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 224, 12. August 1855

Bündten. Felsberg. In Folge des grossen Regens vom Mittwoch auf Donnerstag sind in Felsberg eine bedeutende Anzahl Felsstücke herabgekommen, jedoch ohne erheblichen Schaden anzurichten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Wahrheitsfreund, 17. August 1855

Aus Bünden wird gemeldet, dass am 9. b. sich wieder bedeutende Massen Felsstücke ob Felsberg gelöst und sich in das Thal hinunter gestürzt haben.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der liberale Alpenbote, 18. August 1855

Graubünden. Wie wir bereits meldeten, begab sich in Folge der jüngsten Felsablösungen ob Felsberg eine Kommission aus dieser Gemeinte auf einen Augenschein zu Untersuchung der gefahrdrohenden Steilen. Bei demselben ergab sich, dass die eisernen Stangen, welche s. Z. zu Messung der Spalten in dem gefährlichen Beighange resp. ihrer jeweiligen Erweiterung gelegt worden, nicht mehr vorhanden waren und dass diese Risse eine ganz andere, gleichsam rüfenairige Beschaffenheit angenommen hatten, woraus man schliessen zu dürfen glaubt, dass die fraglichen Felspartikel nicht massenhaft, sondern wie bisher nur brockenweise sich ablösen werden, in welchem Falle auch dem alten Dorfe wahrscheinlich weit geringere Gefahr drohen würde.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Bund, Band 6, Nummer 230, 21. August 1855

Eine in Folge der jüngsten Felsablösungen vorgcnom–mene Expertise hat dargethan, dass die vorhandenen Felsrisse einen rüfenartigen Charakter angenommen haben, aus welchen man glaubt schliessen zu dürfen, dass der drohende Felssturz nach und nach und also weniger massenhaft erfolgen werde. In diesem Falle wäre das alte Dorf auch geringerer Gefahr ausgesetzt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 244, 3. September 1855

Am 30. August um 9 Uhr und Nachmittags 2 Uhr haben sich wieder ob Felsberg ziemliche Felsblöcke gelöst und sind mit grossem Lärm und Staubgewölke auf die Ebene hinunter gerollt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der liberale Alpenbote, 14. Februar 1856

Felsstürze. (…) Das Gestein dieses Kalk-Gebirges ist ganz das nämliche wie dasjenige des Calanda-Berges, wo oberhalb Felsberg vorgestern Nachmittags 3 Uhr auch sich wieder eine nicht unbedeutende Masse löste und eine dichte Rauchwolke aufsteigen liess. Zum Glück für Felsberg scheint der drohende Fels in der That zu zerbröckeln. Er ist so morsch, dass bei jedem kleinen Felssturze ein gewisser Staub davonfliegt ganz wie von gebranntem Kalk. Der Wald oberhalb am Berge sieht allemahl darauf aus wie gepudert. Es ist auch bereits so viel schon losgebrochen und in die Tiefe gestürzt, dass jetzt die Felsköpfe gar nicht mehr die Gestalt und das Aussehen haben, wie noch in den 40 ger Jahren, zu den Zeiten des Bergstcigers und Malers Högger.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 183, 3. Juli 1856

G r a u b ü n d e n. Bei Felsberg sind laut der Bündner-Z. letzten Samstag neue nicht unbedeutende Steinstürze vorgekommen, die sich theilweise gegen das neue Dorf bewegten. Die Zerklüftung des Berges lässt weitere Erscheinungen dieser Art erwarten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 186, 6. Juli 1856

Ein Augenzeuge des neuen Felssturzes bei Felsberg erzählt in der Thurgauer-Z.: Die Einwohner des Dorfes waren bei dem Anblick des grossartigen Schauspiels, wie es in Felsberg bei dergleichen Ereignissen immer der Fall ist, ganz entzückt!

Zuerst löste sich ein Felsstück ab und lenkte die Augen aller Einwohner durch sein Geräusch auf die in Bewegung stehenden Felsmassen. Nun sah man eine Spalte sich öffnen und eine grosse Felswand stürzte ganz majestäisch um. Die Einwohner aber, anstatt, wie wohl die Meisten erwarten möchten, zu fliehen, liefen zum Theil noch hinter das Dorf zurück gegen den Berg, um desto näher die heruntertanzenden Kolosse zu sehen. So gross ist die Furcht der Felsberger vor dem Felsen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Murtenbieter, 9. Juli 1856

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 234, 23. August 1856

Graubünden. Letzten Montag Abend haben am Calanda öb Feisberg wieder Felsablösungen stattgefunden, welche jedoch von einigen ihrer Vorgänger am Herabrollen ins Thal verhindert wurden. Das Sicherheitsgefühl ist in Felsberg wieder so stark als je, wenigstens bei Tag; in der Nacht freilich soll der Donner der rollenden Felsblöcke immer noch einiges Grausen erwecken. (Bündner Tagblatt.)

der Bericht in e-newspaperarchives

Neues Tagblatt aus der östlichen Schweiz, 23. August 1856

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Neues Tagblatt aus der östlichen Schweiz, 6. Oktober 1856

Granbünden. Letzten Mittwoch Nachmittag hat sich in Felsberg wieder eine grosse Steinmasse abgelöst und unter furchtbarem Getöse ins Thal herabgewälzt. Von Chur aus sah man deutlich die herunterrollenden Felsblöcke, die ein donnerähnliches Getöse verursachten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 278, 7. Oktober 1856

Graubünden. Die nasse Witterung scheint das Felsengeklüfte ob Felsberg wieder in Bewegung zu bringen. Nachdem schon letzten Mittwoch eine kleine Steinmasse her untergerollt war, schickte sich dann am 4 d. Vormittags eine grössere zum Sturze an und wälzte sich unter furchtbarem Getöse und mächtige, weithin sich verziehende Staubwolken aufwerfend ins Thal.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 213, 3. August 1857

Nach den „Rheinquellen“ hat sich am 27. wieder etwelche Bewegung in den verspaltenen Felsen Massen über Felsberg spüren lassen. Es kamen auch einige Steine herab.

der Bericht in e-newspaperarchives

Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 23. August 1857

Graubünden. Vom Felsen ob Felsberg hat sich am Donnerstag wieder ein bedeutendes Stück abgelöst und Stücke davon sind bis in die Wiesen hinunter gerollt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der liberale Alpenbote, 11. Mai 1858

Felsberg. Diese Gemeinde hat letzten Sonntag mit grosser Mehrheit den Bau eines neuen Schulhauses zwischen Alt- und Neufelsberg beschlossen, nach einem Kosten-Voranschlag von Fr. 15,000, zu dessen theilweise Deckung die Schenkung des Königs von Preussen verwendet werden soll.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 133, 14. Mai 1858

Graubünden. In Felsberg ist am Samstag wieder eine Felspartie unter lautem Dröhnen und dichten Staubwolken zu Thal gerutscht, ohne indess irgend erheblichen Schaden anzurichten.

der Bericht in e-newspaperarchives

Eidgenössische Zeitung, Nummer 178, 29. Juni 1859

Graubünden. Letzter Tage brach am Galanda, ausserhalb Felsberg, auf der Seite nach Tamins — also nicht an der sonst gefürchteten Stelle — eine Anzahl geborstener Felsstücke und anderes Gestein los, und stürzte sich mit fürchterlichem Krachen über die Bergseite gegen den Rhein herab. Mannsdicke Bäume wurden wie Strohhalme von den Felsen geknickt und ein grosses Stück Boden verwüstet. Zum Glück befanden sich im Moment dieses Felsensturzes weder Menschen noch weidendes Vieh dort in der Nähe, sonst hätte grosses Unglück und bedeutender Schaden erfolgen können. (Rb.Qu.) Nachr.)

der Bericht in e-newspaperarchives

St. Galler Zeitung, 5. November 1859

Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
Abbildung zu «Die Felsstürze zwischen 1834 und 1910 und die Siedlung Neufelsberg»
der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Zeitung, Band 15, Nummer 263, 5. November 1859

In Felsberg sind letzten Mittwoch, Morgens nach 5 Uhr, wieder Steine vom morschen Kalkgebirg herabgerollt, welche die noch ziemlich zahlreichen Bewohner des alten Dorfes in nicht geringen Schrecken versetzten. Lange ist kein Sturz von dieser Bedeutung erfolgt, und selbst im Jahre 1843 hatten die Steine, die sich hinter dem Dorfe aufthürmten, nicht die Grösse derjenigen, welche diessmal ebenfalls hinter dem Dorfe liegen blieben. Wohl wurden Güter und Bäume beschädigt, sonst aber geschah kein weiteres Unglück. Das vorausgegangene Regenwetter scheint, wie in frühern Fällen, so auch in diesem die Ursache der Ablösung des Gesteins zu sein.“

der Bericht in e-newspaperarchives

St. Galler Zeitung, 6. November 1859

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Thuner Wochenblatt, Band 22, Nummer 90, 9. November 1859

Graubünden. In Felsberg sind wieder Steine vom morschen Kalkgebirg herabgerollt, welche die noch ziemlich zahlreichen Bewohner des alten Dorfes in nicht geringen Schrecken versetzten. Wer die stete Gefahr, in welcher die Bewohner dieses Dorfes schweben, mit angesehen, muss sich höchlichst wundern, bass dieselben nicht längst durch Uedersiedelung dieser zu entgehen suchen.

Lange ist kein Sturz von dieser Bedeutung erfolgt, und selbst im Jahre 1843 hatten die Steine, die sich hinter dem Dorfe aufthürmten, nicht die Grösse derjenigen, welche diessmal ebenfalls hinter dem Dorfe liegen blieben. Wohl wurden Güter und Bäume beschädigt, sonst aber geschah kein weiteres Unglück.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Murtenbieter, 16. November 1859

Nach einer annähernden Messung hat das Felsstück, welches sich Dienstags früh von den obern Felsparthien des Calanda ob Felsberg abgelöst, 125 Schuh Länge, 75 Schuh Breite und eine Höhe von zirka 30 Schuh.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der liberale Alpenbote, 29. Dezember 1859

Das Tagblatt beschrieb jüngst die Purzelbäume eines Monolithen von Felsberg, d. h. eines grossen Felsblockes, der Anfangs November sich abgelöst und nachdem er die Ebene erreicht, sich noch 40 bis 50 Meter fortgeschoben habe. Der Winterth. Landbote lässt ihn 40 bis 50 Meilen sich fortschieben. Da ist der gefährliche Stein jedenfalls ungefährlicher für Felsberg und Chur als für Winterthur.

der Bericht in e-newspaperarchives

1860 bis 1869

Eidgenössische Zeitung, Nummer 142, 24. Mai 1862

Graubünden. In der Nacht vom letzten Dienstag auf den Mittwoch ist von dem bekannten Felsen ob Felsberg unter donnerähnlichem Geräusche wieder eine Masse Steine zu Thal gerollt, indessen ohne Schaden anzurichten. Die meisten Bewohner Felsbergs wurden aufgeweckt und flüchteten sich ins Freie.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 46, 12. November 1862

(…) Fast sind es 19 Jahre, dass in der Nacht vom Sonntag auf den Montag von den Bewohnern Felsbergs in den Felsen über ihren Häuptern, ein schreckliches Krachen vernommen wurde. Donnernd stürzten Felsen von Felskopf zu Felskopf herab und zertrümmert lag eine ganze Reihe von Ställen. Jm Berge oben ward’s stille, laut aber auf der Gasse der Jammer und das Schreien der Fliehenden. Es war halb zwei Uhr, der Mond eben untergegangen. Man zitterte vor einem neuen Felssturz; nur Einzelne wagten sich dem in Dunkel gehüllten Schauplatz der Zerstörung zu nähern; der Eine meldete dieser, der Andere jener Stall sey zerschmettert.

Als der Tag graute und man sich zu den Trümmern wagte, war zwar die Verwüstung nicht so umfassend, als man sich gedacht hatte; dennoch war der Eindruck dessen, was man sah, ein gewaltiger; an der Stelle des ersten Stalles erblickte man einen haushohen Felsen und eine Menge grösserer und kleinerer Steine unter und über zerstörten Heustöcken. Da das Vieh auf der Alp war, waren nur zwei Ziegen und zwei Schweine in den Ställen erschlagen und obwohl viele grössere und kleinere Steinsplitter über den grössten Theil des Dorfes zerstreut lagen, war doch Niemand verletzt worden.

Als aber fast einen Monat später unter donnerähnlichem Getöse abermals eine Felsmasse sich löste, war die Todesangst der mit Schrecken erfüllten rathlosen Bewohner Felsbergs um so grösser — in fürchterlicher Todesangst stürzten sie in nothdürftiger Bekleidung aus ihren Häusern. Jn Felsberg selber waren die Leute (die Einwohnerzahl betrug gegen 500 Seelen) rathlos, wie sie der Gefahr entrinnen könnten. Das Dorf Ems, nur eine Viertelstunde entfernt, aber jenseits des Rheines gelegen, wäre für eine neue Ansiedlung der geschickteste Platz gewesen, aber diese Gemeinde konnte sich nicht dazu entschliessen, die Felsberger in ihrer Mitte aufzunehmen und ihnen Bauplätze zu überlassen.

In Chur zeigte man sich wohl willig, den Unglücklichen einen Platz für neue Wohnstätten unentgeldlich zu übergeben, doch thürtnten sich auch hier grosse Schwierigkeiten auf. So erschien jedes Auskunftsmittel zur Hülfe als überaus schwierig, um so drohender aber die Gefahr, denn immer grösser und weiter wurden die Risse, die jetzt natürlich mit ängstlicher Genauigkeit untersucht wurden.

Man berechnete, dass die Felsmasse, welche herabzustürzen drohte und deren Gipfel wohl 3000 Fuss über die Ebene einporstieg, mehr als 20 Millionen Kubikschuhe betrage. „Da liegt,“ so wurde noch im Januar des Jahres 1844 von Chur nach Basel geschrieben, „da liegt dieses Felsberg; in gerader Linie wohl nicht über eine halbe Stunde von hier entfernt und neben ihm hebt sich zur Seite, uns im Profil sichtbar, der furchtbare Nachbar in beinahe senkrechter Richtung bis zu den Wolken empor, um noch eine Weile — in keinem Falle über nächstes Frühjahr hinaus — drohend herabzublicken und es dann auf ewig unter seinen Felstrümmern zu begraben. “

„Schauerlich, rief damals eine andere Stimme,,,ist freilich der Gedanke, dass während man noch zaudert, den Bedrohten zu einer neuen Heimath zu verhelfen, der Fels sich täglich mehr dem schrecklichen Sturze eutgegenneigt.“ Als dann der Frühling sich nahte, hörte man, wie die Verhandlungen, welche von Chur aus mit Felsberg gepflogen wurden, sich in die Länge zogen, wie es aber in den Felsen trachte und die Dräthe, welche man über die Risse gespannt, um deren Fortschritt zu erkennen, zerrissen seyen!

„Mit Schrecken,“ so wurde aus St. Gallen geschrieben,,,sieht man dem Thauwetter entgegen und mit jedem Tage fürchten wir aus Chur die Nachricht zu erhalten: Felsberg ist nicht mehr; es liegt unter den Felsen begraben.“ Der Frühling kam und die drohenden Felsen stürzten noch nicht. Inzwischen war es bis Ende Mai durch gespendete Hülfe bereits möglich geworden, an gesicherten Plätzen in der Nähe des Dorfes so viele, wenigstens im Sommer bewohnbare Baracken als Nothhütten zu erbauen, dass der grösste Theil der Bewohner Zuflucht in ihnen finden konnte. Doch waren im Dorfe Viele, welche solche nicht einmal für nöthig hielten; sie legten sich auch während der gefahrdrohenden Frühlingstage in ihren alten Häusern ganz ruhig schlafen und verliessen sich drauf, wenn Gefahr drohe, vom Nachtwächter noch rechtzeitig geweckt werden zu können.

Als aber im Juli ein Felsblock von der Grösse eines bedeutenden Hauses, wenn auch ohne Schaden zu bringen, herniederstürzte, so wurde es nun von der Regierung, welche auch Massregeln zur Hülfe getroffen hatte, geboten, dass die Häuser des bedrohten Dorfes von ihren Bewohnern verlassen werden sollten. Das Jahr gieng aber nicht zu Ende ohne neue Schrecken und in Chur pochte darob das Herz manches Biedermannes. Einer derselben, der uns wohlbekannte treffliche Joh. Friedr. von Tscharner, hat, als ein neuer Felssturz eingetreten war, an den Volksboten also geschrieben: „Wir unterscheiden aus den Fenstern unserer Wohnstube jedes Haus, jeden Giebel, bemerken jede aufsteigende Staubwolke, wenn Felsen oder Geschiebe herabrollen; öfters jeden grössern Stein, der sich ablagert, und haben am Abend des 11. Oktobers das Gepolter und Anprallen der ungeheuren Blöcke in der Stille der übrigen Umgebung laut und deutlich vernommen. Ein Knabe, der bei uns stand, konnte die Funken unterscheiden, welche der gewaltige Zusammenstoss aus diesen Massen schlug.“

,,Des Morgens erwartete ich nicht anders, als halb Felsberg bedeckt zu sehen. Wie erstaunten wir nun Alle, als im Dorfe nicht die geringste Aenderung wahrzunehmen war und nur die Stellung, Form und Zahl der Felsblöcke ob demselben sich etwas verschieden darstellte. Wir begaben uns sofort an Ort und Stelle und fanden das Verhalten der Bewohner so ruhig, als ob nicht das Geringste vorgefallen seyn könnte. Doch ergab sich aus den Erzählungen Einzelner, welch ein entsetzliches Ereigniss dieser nächtliche Einsturz gewesen war, und der Augenschein der Trümmermasse selbst bestätigte es aufs Augenscheinlichste. Die neu heruntergestürzten Felsblöcke kommen selbst kleinen Häusern an Umfang gleich und der grösste von ihnen ist 50 Schuh lang und 20 bis 30 hoch.

Dennoch ist dadurch keinerlei Schaden erfolgt. Das Schicksal dieser Gemeinde ist durch die fast wunderbaren Verschonungen merkwürdig, womit sie von Zeit zu Zeit, wie mit deutlichen Worten, vor der Gefahr, die täglich furchtbarer hereinzubrechen fortwährt, gewarnt und zur Beschleunigung möglicher Rettungsanstalten aufgefordert wurde. Die vom Kanton und von der Stadt aufgestellten Hülfskommissionen sind nicht unthätig geblieben und haben die zweckdienlichsten Mittel angeordnet, um die Beherbergung der sämtlichen Familien in den früher erbauten Nothhütten auch für den Winter thunlich zu machen. Jn jeder Hütte wird zu diesem Ende ein gut gemauerter Ofen angebracht.

Gleichwohl, es ist kaum glaublich, giebt es noch: jetzt mehrere Einwohner Felsbergs, welche die angetragenen Hülfsmittel als überflüssig ablehnen und nur bei eintretender, augenscheinlicher Gefahr das Dorf einstweilen verlassen und sogleich wieder dahin zurückkehren — wie ihrer denn noch jetzt Manche daselbst übernachten.“

Der edle Menschenfreund, J. F. von Tscharner, war unter den Ersten gewesen, welche sich der Bedrängten in Felsberg thätig angenommen hatten. „Von sich aus,“ sagt sein Lebensbeschreiber, Vincenz von Planta, „und ohne irgend einen amtlichen Auftrag hatte er mit grossem Aufwand von Mühe und Zeit eine genaue Aufnahme aller einzelnen Haushaltungen im Dorfe nach Gliederzahl nnd vorhandenen Subsistenzmitteln veranstaltet und war dadurch in den Fall gesetzt, den aufgestellten Kommissionen mit freudiger Bereitwilligkeit an die Hand zu gehen, obgleich er weder von der einen noch von der andern Mitglied war.“

Während aber der Biedermann sich um das Leben seiner, wie es schien, so entsetzlich gefährdeten Mitbrüder kümmerte, wusste er nicht, dass von höherer Hand die Vorbereitungen getroffen waren, dass ihn der Schlag treffe, den seine Liebe von seinen Brüdern abzuwenden gedachte. Noch ehe das Jahr 1844 vollendet war, machte am Nachmittage des 4. Dezembers ein Schlagfluss seinem Leben im 64sten Jahre ein plötzliches Ende. Ueber Felsberg aber sind die drohenden Felsen trotz aller Zerklüftung und aller Risse nicht zusammengestürzt.

Da stand es noch, als wir vorbeifuhren, wie vor Alters, und nicht weit davon tiefer unten am Rheine Nen-Felsberg. Man hatte geglaubt, dass die am Rheine gelegene Fläche des Felsbergergebietes, deren Lage ganz sicher ist, wegen Versumpfung zur neuen Andsiedlung nicht gewählt werden könnte. Als dann aber Sachverständige darauf hinwiesen, dass dieser Platz durch Korrektion des Rheines in einen geeigneten könnte umgeschassen werden und genaue Vermessungen die Ausführbarkeit dieses Planes dargethan hatten, so kam man schon zu Anfang des Jahres 1845 überein, hier auf dem linken Rheinufer unter dem Schlosshügel Neu-Felsberg zu erbauen, und der Kleine Rath bezeichnete eine Kommission, welche den Bau des neuen Dorfes leiten und für zweckmässige Verwendung der eingehenden Hülfsgelder sorgen sollte. Die Gesammtkosten der neuen Ansiedlung waren auf 421,296 fl. berechnet, alle Leistungen der Bewohner Felsbergs miteingerechnet.

Vor Allem in allen Ortschaften Bündens, dann weiter im Vaterlande und auch im Auslande wurde fiir die bedrohten Felsberger reichlich gesammelt und der König von Preussen allein gab 8000 fl., und wurden im Ganzen 79,000 fl. zusammengesteuert, so dass man rüstig an’s Bauen von Neu-Felsberg gehen konnte und im November 1845 fünfzig Gebäude im Entstehen begriffen und drei davon der Vollendung nahe waren. NeuFelsberg wurde planmässig gebaut, erhielt zwei schöne breite parallellaufende Strassen, sämmtliche Wohngebäude gleich hoch und massiv von Stein, mit Ziegeln gedeckt.

Als dann im September 1847 sich die schweizerische Gemeinützige Gesellschaft in St. Gallen versammelte, konnte der Bundespräsident Simon Bavier berichten, dass unverdrossen am Bau von Neu-Felsberg gearbeitet werde. Er theilte weiter mit, dass jeden Freitag, wenn es die Witterung gestatte, ein zuverlässiger Mann sich auf den Berg begebe, um die Erweiterung der Kluft abzumessen, und dass das Weichen der Felsen fortdauere und wöchentlich 1 1/2 bis 2 Linien betrage; aber nichtsdestoweniger wolle ein bedeutender Theil der Gemeinde sich noch immer nicht mit dem Gedanken vertraut machen, sdass das alte Dorf verlassen werden müsse.

In den Baracken hätten auch während des Neubaus die Leute nicht wohnen wollen und wären die Vorstellungen der Hülfskommission, dass die Leute wenigstens in der wärmeren Jahreszeit die Nächte in den Baracken zubringen möchten, ohne Erfolg geblieben. Und auch heute noch, obgleich die Felsen hoch oben noch immer drohen, ist ein Theil des alten Felsberg bewohnt, denn nur ein Theil seiner Bewohner ist in die neuen Häuser eingezogen, die von Weitem freilich mehr kleinen Fabriken, als heimeligen Bauernhäusern, wie sie Bünden in sich fasst und wie sie auch in Alt-Felsberg sind, gleichen. (…)

der Bericht in e-newspaperarchives

Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 19. Februar 1867

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Neues Tagblatt aus der östlichen Schweiz, 22. Februar 1867

Graubünden. Letzten Sonntag hat ob Felsberg wieder ein nicht unbedeutender Bergsturz stattgefunden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 88, 29. März 1867

Graubünden. In Felsberg hat am letzten Sonntag wieder eine kleinere Felsablösung stattgefunden, jedoch ohne Schaden zu thun.

der Bericht in e-newspaperarchives

St. Galler Zeitung, 14. Mai 1867

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 134, 15. Mai 1867

Graubüunden. Das „Bündner Tagbl.“ schreibt: In Felsberg haben sich die guten Hoffnungen, dass alles, was am drohenden Felsen locker und los gewesen, nunmehr herabgefallen sei und man beruhigt sein könne, leider nicht gerechtfertigt. Die Nacht von Sonntag auf Montag war eine Schreckensnacht besonders für das alte Dorf. Doch darf man fich freuen, dass es beim Schrecken und der Angst geblieben und auch diesmal kein besonderer Schaden erfolgt ist. Es fiel eine grosse Masse Gestein unter starkem Donner, der z. B. um 4 Uhr Morgens auch einen Theil der Beölkerung von Chur aus dem Schlafe weckte. In Felsberg zitterten alle Häuser.

der Bericht in e-newspaperarchives

Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 20, 15. Mai 1867

Graubünden. In Chur wurden sie in der Nacht Vom 9. auf den 10. durch ein furchtbares, dem Rollen schweren Geschüzes ähnliches Getöse aufgeschreckt. Es war wieder der alte Calanda, der sich regte. Wo man Tags zuvor, hoch in blauer Luft, noch einen Felskegel aus wildem Geröll aufgebaut, geschaut harte, gähnte nun ein tiefer, dem Auge weithin sichtbarer Abgrund.

Noch immer ist das alte bedrohte Felsberg nicht verlassen, da doch den Einwohnern an sicherer Stelle gute Wohnungen erbaut wurden. Was hier in dunkler Nacht das furchtbare Donnern für einen Schreck hervorbrachte, kann man sich denken. Aber der Bergsturz geschah so, dass durch Gottes gnädige Fügung Felsberg ganz unbeschädigt blieb. Ja, man hofft sogar, dass nachdem Herabstürzen des genannten Felsenkegels die Gemeinde vor weiteren Schaden gesichert sey, indem man den stattgehabten Bergsturz schon längst als das Ende der furchtbaren Krisis erwartet und gefürchtet habe.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Bund, Band 18, Nummer 163, 15. Juni 1867

G r a u b ü n d e n. Nach dem „Bündner Tagblatt“ glaubt man, Felsberg sei nun für längere Zeit ausser Gefahr, da. die bekannten seit Jahren drohenden, vom Mutterfelsen abgelösten Felsstücke sämmtlich im Thale liegen. Die eingetretene Ruhe in den Felsablösungen wäre allerdings unzuverlässiger und hätte weniger sichere Aussicht auf Dauer, wenn es richtig sein sollte, was das genannte Blatt erwähnt und was auch Felsberger selbst besorgen, dass die Bewegung am Berg mit vulkanischen Verhältnissen und Vorgängen im Innern des Calanda im Zusammenhange ständen, zu welcher Besorgniss die am Fusse dieses Berges auf der nördlichen Seite entspringende warme Pfäserser Quelle Anlass geben kann.

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Zeitung, Band 24, Nummer 65, 17. März 1868

Graubünden. Mittwoch sei in Felsberg wieder ein Absturz von Calanda vorgekommen.

der Bericht in e-newspaperarchives

1880 bis 1889

Zuger Volksblatt, Band 23, Nummer 13, 14. Februar 1883

Chur. In der Nacht vom Donnerstag auf Freitag kurz vor 12 Uhr stürzte laut „B. Voltsbl.“ im Steinbruch zu den diesjährigen Wuhrarbeiten am Rhein eine grosse Felsmasse herunter und zertrümmerte vier Rollwagen und ein Stück der Rollbahn. In der Stadt hörte man den Fall, welcher ein Getöse wie das dumpfe Rollen einer fernen Lawine verursachte, ganz deutlich. In Felsberg erzitterte der Boden. Der grösste Steinblock soll ungefähr 1300 Cub.-M. messen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Entlebucher Anzeiger, Band 10, Nummer 58, 18. Juli 1888

Wie dem „Bünd. Tagbl.“ gemeldet wird, sind am Abend des 8. Juli bei Felsberg mehrere grosse Felsblöcke heruntergekollert. Wie man weiss, ist Altfelsberg und ein Theil von Neufelsberg niemals sicher, in den noch hängenden Trümmermassen des Absturzgebietes begraben zu werden. Die überaus nasse Juniwitterung hat schon längst grosse Befürchtungen erweckt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Tagblatt der Stadt Biel, Band 26, Nummer 171, 20. Juli 1888

Graubünden. Gestern Morgen zirka um 5 Uhr sind, wie das „Bündner Tagblatt“ meldet, in Felsberg wieder Steine herunter gekommen. Bis nach Chur hörte man das donnerähnliche Getöse, spürte die Erschütterung und sah starke Staubwolken. Ein Felsberger sagte, dass grosse Steinmassen heruntergestürzt seien; da es aber nördlich vom Dorfe, auf der Seite gegen Haldenstein zu, gewesen sei, so habe es nichts geschadet.

der Bericht in e-newspaperarchives

Tagblatt der Stadt Biel, Band 26, Nummer 205, 29. August 1888

der Bericht in e-newspaperarchives
der Bericht in e-newspaperarchives

Seeländer Bote, Band 39, Nummer 104, 30. August 1888

Bei Felsberg lösten sich wieder Steine vom alten Absturzgebiet; die Erscheinung hat aber nichts Bedrohliches, sondern zeigt sich jeweilen nach längeren Regengüssen.

der Bericht in e-newspaperarchives

1890 bis 1899

Bündner Nachrichten, 2. August 1890

Erdstösse wurden, den Tagesblättern zufolge, nachstehende wahrgenommen:

Am 2. Januar, Abends 5 U. 15 M. ein ziemlicher Stoss von Südost nach Nordwest in Wiesen, ebenso um 5.40 in Obervaz und 5.45 ln Alveneu-Bad. Am 6. Februar wurden Erdstösse von verschiedenen Gegenden des Engadins aus berichtet; ebenso am 9. Febr. Nachts um 1, 1.5, und 2 U. aus dem Unter-Engadin. Am 1. April um 9 U. Vormittags spürte man eine Erschütterung bei Küblis; am 20. Mai zwei ziemlich heftige Stösse bei Ems, und schliesslich am 3. Juni Abends nach 10 U zwei solche in Silvaplana. Am 28. Aug. erfolgte ein nicht unbedeutender Felssturz ob Felsberg, ohne jedoch dem Dorfe weiteren Schaden zu bringen.

der Bericht in e-newspaperarchives

Berner Volksfreund, Nummer 78, 1. April 1892

Sonntag Abends um 6 Uhr lösten sich einige grössere und kleinere Felsblöcke vom Calanda und stürzten mit lautem Getöse und starker Stauhwolke in Felsberg zu unterst beim alten Dorfe nieder, glücklicherweise jedoch ohne Schaden anzurichten. Von Chur aus wurde die Staubwolke deutlich und ziemlich lange bemerkt. Auch zwischen Davos und Schuls fand ein Erdrutsch statt, wodurch die Post eine mehrstündige Verspätung erlitt.

der Bericht in e-newspaperarchives

Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern, Band 46, Nummer 8, 28. Januar 1899

G r a u b ü n d e n. In Felsberg erfolgte wieder eine beträchtliche Ablösung des Gesteins, eine der grösseren seit vielen Jahren. Ausser einzelnen geknickten Bäumen entstand kein weiterer Schaden.

der Bericht in e-newspaperarchives

ab 1900

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 189, 10. Juli 1903 Ausgabe 03

Chur, 10. Juli. Beim Dorfe Felsberg finden in letzter Zeit wieder Abstürze vom Calanda statt, die einen bedrohlichen Charakter annehmen. Das Dorf ist neuerdings stark gefährdet. Dasselbe musste schon einmal von den Bewohnern geräumt werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Zürcher Oberländer, Nummer 82, 17. Juli 1903 Ausgabe 02

Dem »Fr. Rhätier« wird aus Felsberg vom 16 d. geschrieben: Heute nacht, 20 Minuten vor 1 Uhr, erfolgte wiederum ein neuer, grosser Absturz. Ein zirca 10 Kubikmeter grosser Stein gelangte bis in unmittelbare Nähe des alten Dorfes, wo er in einer Entfernung von etwa 100 Meter von den äussersten Häusern mitten auf der Strasse stecken blieb. Der Absturz, welcher diesmal eine andere Richtung eingeschlagen hat, soll ein intensives Gekrache und Getöse verursacht und die Leute in grossen Schrecken versetzt haben.

der Bericht in e-newspaperarchives

Geschäftsblatt für den obern Teil des Kantons Bern, Band 50, Nummer 58, 22. Juli 1903

Ueber die Felsstürze bei Felsberg wird dem „Fr. Rätier“ gemeldet: In der Nacht auf den Donnerstag, 20 Minuten vor 1 Uhr, erfolgte wiederum ein neuer, grosser Absturz. Ein zirka 15 Kubikmeter grosser Stein gelangte bis in unmittelbare Nähe des alten Dorfes, wo er in einer Entfernung von etwa 100 Meter von den äussersten Häusern mitten auf der Strasse stecken blieb. Der Absturz, welcher diesmal eine andere Richtung eingeschlagen hat, soll ein intensives Gekrache und Getöse verursacht und die Leute in grossen Schrecken versetzt haben. — Die sogenannte „Hohe Wand“ sei ganz gespalten, überhaupt zeigen sich Risse in den Felsen bis in den Wald hinauf. Einige Familien befassen sich ernsthaft mit dem Gedanken, auszuziehen, um der grossen Gefahr auszuweichen, einmal von den fortwährend herunterrollenden Felsmassen erschlagen zu werden.

der Bericht in e-newspaperarchives

Der Bund, Band 54, Nummer 205, 25. Juli 1903 Ausgabe 02

Granbünde«. (Chur, 24. d.) Die Expertise betreffend die neuerliche Situation am Calanda hat ergeben, dass das sogenannte Altdorf Felsberg weiterhin gefährdet ist, nicht aber der übrige Dorfteil.

der Bericht in e-newspaperarchives

Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

Videos zum Thema

Alle 7 anzeigen →

Literatur zum Thema

Weitere Ereignisse dieser Art

  • Abbildung zu «Felssturz am grossen Tschingelhorn, 2024»

    Felssturz 2024 · am grossen Tschingelhorn · GL

    2024 Tschingelhörner GL

    Auf dieser Seite Wie verlief der Felssturz? Welches Volumen hatte der Felssturz? War das Martinsloch betroffen? Warum weiss man so genau, wann…

  • Abbildung zu «Felssturz am Piz Dolf/Trinserhorn, 2022»

    Felssturz 2022 · Piz Dolf/Trinserhorn (GR/SG) · GR

    2022 Piz Dolf GR_SG

    Auf dieser Seite Welche Rolle spielten die lokalen Gesteine beim Felssturz? Welche Auswirkungen hatte der Felssturz? Wie gross war das Ausbruchsvolumen? Welche…

  • Felssturz 2018 · Seerenwald, oberhalb dem ehemaligen Steinbruch Schnür · SG

    2018 Seerenwald SG

    Am Samstag, 19. Mai 2018 kam es am Walensee um ca. 00:30 Uhr in der Südwand über dem ehemaligen Steinbruch Schnür zu…

Alle 71 anzeigen →