Hochwasser GL/GR/SG

Walensee-Hochwasser

Als sich die eiszeitlichen Gletscher durch die Alpentäler schoben, tieften sie sich mit grosser Geduld und Gewalt in ihren felsigen Untergrund ein. Als sie am Ende der Eiszeit schmolzen, liessen sie tiefe, trogförmige Täler zurück, in …

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Wie alles begann: die Entstehung des Walensees

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Als sich die eiszeitlichen Gletscher durch die Alpentäler schoben, tieften sie sich mit grosser Geduld und Gewalt in ihren felsigen Untergrund ein. Als sie am Ende der Eiszeit schmolzen, liessen sie tiefe, trogförmige Täler zurück, in denen sich Seen bildeten. In der Ostschweiz entstand auf diese Weise ein riesiger See. Er reichte von Sargans aus bis zum Bodensee, zum Zürichsee und bis nach Chur. Diese Grafik zeigt nur einen kleinen Bereich dieses Sees.

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Durch das Abschmelzen der Gletscher wurden im Gebirge riesige Schuttmengen frei. Die Bäche und Flüsse transportierten diese in die Täler und lagerten sie in die Seen ab. Dadurch wurden die Seen allmählich aufgefüllt – und die Talebenen entstanden. Diese Grafik zeigt, wie die Linth die Linthebene und die Seez die Talebene zwischen Sargans und Walenstadt erschufen. Rechts im Bild sieht man, wie der Rhein mit seinen Ablagerungen den Rheintalsee auffüllte und so allmählich die Rheintal- Ebene entstand.

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Heute ist der Walensee der letzte Rest eines riesigen Sees, der einst Bodensee und Zürichsee miteinander verband.

Walensee-Hochwasser

Vor der Linthkorrektion floss die Linth aus dem Glarnerland nach Ziegelbrücke und von dort aus Richtung Zürichsee. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erhöhte sie ihr Flussbett mit dem Gesteinsmaterial, das sie mitführte – und zwar innerhalb weniger Jahrzehnte um mehrere Meter.

1762 waren die Ablagerungen in der Linthebene bei Ziegelbrücke so hoch, dass die Maag, die den Walensee über die Linth entwässerte, rückwärts zu fliessen begann. In der Folge stieg der Wasserspiegel des Sees an. Mit katastrophalen Folgen:

  • Weesen und Walenstadt wurden bei Hochwasser – beispielsweise 1762, 1764 und 1807 – regelmässig überschwemmt – manchmal wochen-, manchmal monatelang.
  • Die Wiesenflächen bei Weesen und Walenstadt versumpften.
  • Die landwirtschaftliche Produktivität ging zurück.
  • Die Schifffahrt wurde erheblich erschwert.
  • Die Sterblichkeit wurde grösser. Unter anderem forderte die in Europa endemische Form der Malaria, die noch bis ins frühe 20. Jahrhundert verbreitet war, zahlreiche Todesopfer.
Vor der Linth-Korrektion: «mittelmässig hoher» Seestand in Weesen.
Vor der Linth-Korrektion: «mittelmässig hoher» Seestand in Weesen. Nach einer Zeichnung von H.C. Escher von der Linth

Das nationale Projekt «Linthwerk»

In den Jahren 1807 bis 1823 schuf das gemeinnützige nationale Projekt «Linthwerk» Abhilfe. Zwischen Walensee und Zürichsee wurde der 17 km lange Linthkanal erstellt (1816 eröffnet) , was den Abfluss des Walensees verbesserte. Durch die Linthkorrektion wurde der Wasserspiegel des Walensees um 5.5 Meter gesenkt.

Wasserstands-Denkmäler

> Das Denkmal in Walenstadt

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Denkmal zu Ehren von Hans Conrad Escher von der Linth in Walenstadt. Bild: J. Haller / wikipedia

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Sockel des Denkmals zu Ehren von Hans Conrad Escher von der Linth in Walenstadt. Im Sockel sind eingraviert (von oben nach unten):

> Hochwasserstand vor 1807

> Hochwasserstand 1809

> Hochwasserstand Oktober 1807

> Hochwasserstand 1817.

Foto: J. Haller / wikipedia

> Das Denkmal in Weesen

Durch die Linthkorrektion 1807–1823 wurde Weesen markant verändert. Der Fluss Maag verlor seine Funktion als Verbindung zwischen Walensee und Linth und wurde durch den Linthkanal ersetzt.

Der Seespiegel des Walensee wurde rund fünf Meter gesenkt. So entstand zwischen dem alten Flecken Weesen und dem See eine breite Uferzone mit neuem Land.

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Das Denkmal zu Ehren von Hans Conrad Escher von der Linth in Weesen. Es zeigt verschiedene historische Hochwasserstände des Walensees. Eingraviert ist zudem dieser Text: In dieser Wassernoth ward Retter Hans Conrad Escher von der Linth. Geb 1767, Gest. 1823. In der Wasserstandsäule sind eingraviert (von oben nach unten):

> Seestand vor 1807 (vor dem Beginn der Linthkorrektion, die von 1807 bis 1823 dauerte)

> Seestand 1809

> Seestand 1817

> Höchster Seestand von 1824

> Geringster Seestand von 1807

> Hochwasser 1999

Quelle / Foto: Bobo11 / wikipedia.

>Das Wasserstands-Denkmal Ofenegg

An der Mündung der Linth in den Walensee zeigt sich an der Lokalität Ofenegg ein acht Meter hohes Denkmal aus schwarzen Marmorplatten. Das „Wasserstands-Monument“ zeigt eindrücklich, wie die Linth-Korrektur zur Senkung des Seespiegels führte – und erst dadurch eine nachhaltige Besiedlung der Linth- und Seez-Ebene möglich war. Das Monument wurde 1862 auf Anregung der Linthbau-Polizei-Kommission, der Vorgängerin der heutigen Linthkommission, gebaut.

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Wenn man vor dem Denkmal steht, kann man sich ein Bild davon machen, welch verheerende Höhe das Hochwasser 1807 hatte, als die Linth noch ungezähmt Richtung Zürichsee floss.

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Die Darstellung auf dem „Wasserstands-Monument“ ist in drei Spalten eingeteilt. In der linken und der rechten Spalte sind für den Zeitraum 1807 bis 1863 die jährlichen Höchstwasserstände eingetragen. (mit Ausnahme der Werte von 1825, 1826, 1829 und 1836; diese konnten bei der Realisation des Denkmals nicht mehr ermittelt werden). Die mittlere Spalte enthält als Massstab Linien im Abstand von einem Fuss (30 cm). Jede zweite Linie ist mit römischen Ziffern bezeichnet.

Wie alles enden wird: die vollständige Füllung des Walensees

Die Bäche und Flüsse im Einzugsgebiet des Walensees werden auch in Zukunft Schutt aus den umliegenden Bergen in den See transportieren. Dies bedeutet: die Talebene wird immer grösser, der See immer kleiner – bis der See verschwunden ist. Dann werden sich die Linth-Ebene und Seez-Ebene zu einer grossen Ebene vereinigen.

Wie alles wieder beginnen wird: Gletscher schieben sich durch die Alpentäler

In tausenden von Jahren wird eine neue Eiszeit Einzug halten. Eiszeitliche Gletscher werden sich durch die Alpentäler schieben und die Talfüllungen ausräumen.

Literatur

  • Jonas Zimmermann: Der Walensee – eine sedimentologische Rekonstruktion seiner holozänen Ereignisgeschichte. Masterarbeit, 2008. download
  • Lambert, André: Eine geologische Karte des Walensees. Eclogae Geologicae Helvetiae,

Band 77, 1984, Heft 1. download

  • Lambert, André: Die Entwicklung des Linthdeltas im Walensee zwischen 1931 und 1979. Eclogae Geologicae Helvetiae, Band 73, 1980, Heft 3. download
  • Lambert, André: Ueber die klastische Sedimentation im Walensee. 1976. download
  • Buss, Ernst: Glarnerland und Walensee. Zürich, 1885. ETH-Bibliothek Zürich. download
  • DER WALENSEE. In: Geoschlau. download
  • Gygaz, Siegfried: Regulierung von Walen- und Zürichsee. Wasser- und Energiewirtschaft, Band 54, 1962, Heft: 8-10. download

Links

Linth-Escher-Stiftung

Wikipedia

Walensee

Walenstadt

Weesen

Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

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