Murgang 1868 · in Trimmis · GR

Murgang in Trimmis, 1868

Am 15. Juli 1868 ging im Einzugsgebiet der Scalära- und Maschänser-Rüfe ein «Hagelwetter» nieder. Die «durch die Bergschlünde herabgeströmten Schutt- und Schlammbäche» führten im Raum Trimmis zu grossen Schäden. Die Maschänserrüfe wuchs an

Am 15. Juli 1868 ging im Einzugsgebiet der Scalära- und Maschänser-Rüfe ein «Hagelwetter» nieder.

Die «durch die Bergschlünde herabgeströmten Schutt- und Schlammbäche» führten im Raum Trimmis zu grossen Schäden.

Die Maschänserrüfe wuchs an manchen Stellen auf 12 bis 13 Fuss Höhe an. Im Bereich der Burgruine Ober Ruchenberg vereinigte sie sich mit der Scalärarüfe, zerriss das Wuhr, brach in den sogenannten Birkenwald ein, riss was in den Weg trat mit sich fort und stürzte, nachdem sie Wald und Allmende verlassen hatte, durch die schönsten Felder dem Bauernhof «zur grossen Rüfe» zu, bis auf die Landstrasse, wo sie allmählich ihre Gewalt verlor. «Zwanzigtausend Klafter Boden wurden ruiniert und die Ernte teilweise unter dem Schutt begraben. Manches Stück Boden wird kaum urbarisirfähig sein und bleibt ein Steinhaufen.»

Kommentar der Zeitung «der Bund» zum Ereignis: «Wer noch niemals Zuschauer eines derartigen Naturereignisses gewesen ist, kann sich keine Begriffe über die Gewalt und Grösse eines derartigen Schlamm- und Steinstromes machen, um so mehr, als tatsächlich bewiesen ist, dass Steine von 1400 Kubikfuss mehrere hundert Schritte schwebend fortgerissen wurden.»

Quelle

Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 27. Juli 1868.

Die Naturforschende Gesellschaft Graubündens berichtet von Murgängen am 26. Juli:

“Unheil brachte das über einen grossen Theil des Kantons verbreitete Gewitter vom 26. VII.

Von zwei Rüfen, die bei Trimmis herunterkamen, brachte die eine unter dem Geschiebe einen Felsblock von 18’ Länge und 9’ Breite, von ungefähr 1146 Kubikschuh Körper. Weiterhin lag ein kleinerer Felsblock, aber immer noch so gross, wie ein ordentlicher Stall.“

Quelle

Naturchronik 1868. Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden. Band 15 (1869-1870)

Medienberichte zum Ereignis

Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 27. Juli 1868

Graubünden. Die am 15 . d . bei Trimmis in Folge eines Hagelwetters durch die Bergschlünde herabgeströmten Schutt- und Schlammbäche haben dort unschätzbaren Schaden angerichtet.

Zwanzigtausend Klafter Boden sind ruinirt und die Früchte theilweise im Schutte vergraben. Manches Stück Boden wird kaum urbarisirfähig sein und bleibt ein Steinhaufen.

Der Bund, Band 19, Nummer 205, 26. Juli 1868

Graubünden. Am 15. d. entlud sich ein fürchterliches Gewitter über die Gemeinde Trimmis nahe bei Chur, besonders auf das Gebirge und die kahlen Schlünde und Abhänge der Scalära- und Maschänser-Rüfe. Drei wilde Bergbäche schwollen innert wenigen Minuten so an, dass sie, Lavaströmen gleich, auf mehreren Umwegen verheerend den Rhein erreichten.

Das traurigste Bild zeigt die Maschänserrüfe. Diese Rüfe, sagt ein Korrespondent des „Bündner Tageblattes“, an manchen Stellen auf 12 bis 13 Fuss Höhe angewachsen und das Ihrige in Vereinigung mit der Scalärarüfe bewirkt habend, bildete bei dem Felsenvorsprung des Schlosses Rauhenberg einen Haft, zerriss das Wuhr, brach in den sog. Birkenwald ein, riss was in den Weg trat mit sich fort und stürzte, nachdem sie Wald und Allmende verlassen, durch die schönsten Felder dem Bauernhof „zur grossen Rüfe“ zu, bis auf die Landstrasse, allwo sie allmählig ihre Gewalt verlor.

Der Schaden ist bereits unschätzbar. Zwanzigtausend Klafter Boden sind ruinirt und die Früchte theilweise im Schutte vergraben. Manches Stück Boden wird kaum urbarisirfähig sein und bleibt ein Steinhaufen.

Einzelne Familien haben einen schönen Theil ihrer diesjährigen Ernte eingebüsst. Wer noch niemals Zuschauer eines derartigen Naturereignisses gewesen ist, kann sich keine Begriffe über die Gewalt und Grösse eines derartigen Schlamm- und Steinstromes machen, um so mehr, als thatsächlich bewiesen ist, dass Steine von 1400 Kubikfuss mehrere hundert Schritte schwebend fortgerissen wurden.

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 207, 27. Juli 1868

Verheerung. Ein Schlamm- und Steinstrom hat sich letzthin bei Trimmis (Graubünden) ergossen, Wald und Almende dieser Gemeinde überschüttet und einen Theil der Fruchtfelder verheert. 20’000 Klafter Boden sind ruinirt, die Früchte im Schatten begraben. Einzelne Familien haben einen grossen

Theil ihrer diesjährigen Ernte eingebüsst. Steine von 1400 Kubikfuss wurden mehrere hundert Schritte weit schwebend im Strome mit fortgetragen. Es handelt sich nun zunächst darum, die Skalära-Rüfe zu verbauen, die dorten bei jedem Hochgewitter die Quelle solcher Ueberschwemmungen ist.

Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

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