Murgang Nolla und ihr Einzugsgebiet · GR

Murgänge in der Nolla, Thusis

Vor der Zähmung des Nolla-Wildbaches und der grossräumigen Aufforstung in seinem Einzugsgebiet gingen über längere Zeit hinweg immer wieder Murgänge zu Tal. Oftmals stauten die Murgänge am nördlichen Ende der Via Mala den Rhein auf. Die hoc

Vor der Zähmung des Nolla-Wildbaches und der grossräumigen Aufforstung in seinem Einzugsgebiet gingen über längere Zeit hinweg immer wieder Murgänge zu Tal. Oftmals stauten die Murgänge am nördlichen Ende der Via Mala den Rhein auf. Die hochwasserführende Nolla führte in den Jahren 1585, 1705, 1706, 1711, 1719, 1807, 1834, 1868, 1869, 1870 zu verheerenden Murgängen.

Quelle

Buck, D.: Stürzende, gleitende und fliessende Gesteinsbewegungen in der Schweiz. Beigabe zum Jahresbericht der Stiftsschule Maria-Einsiedeln im Studienjahre 1920/21. Verlagsanstalt Benziger, Einsiedeln, 1921.

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13. Mai 1711

“1711.13. Mai, nachdem der Nolla, Sonst bei stillem Wetter, ein wenig durch die von Tschappina herunter gleitenden Güter versteckt worden, ist er solcher Gestalten ausgebrochen, dass er vier gross angefüllte Wuhr gänzlich zerrissen, (…) eine solche Materie (Schlamm) in den Rhein getragen, ihn aufgeschwellt, dass es einen ziemlichen Wasserfall abgeben bis es wieder abgegraben hatte. Es währte dies Ungestüm ungefähr eine halbe Stund.”

Quelle

Ältere Nachrichten über die Erdschlipfe des Nollatals. Der neue Sammler, ein gemeinnütziges Archiv für Bünden. Viertes Heft. Vierter Jahrgang. Chur, 1808.

5. August 1719

“1719. 5. August schwelte ein Ungewitter den Nolla dermassen an, dass er die Thusnerbruck wegriss und den Rhein aufschwellte, so dass es bei der Manengiess einen See gab der bis in den späten Herbst dauerte.”

Quelle

Ältere Nachrichten über die Erdschlipfe des Nollatals. Der neue Sammler, ein gemeinnütziges Archiv für Bünden. Viertes Heft. Vierter Jahrgang. Chur, 1808.

11. August 1869

“Am 11. August brachte die Nolla bei Thusis unerwartet eine Masse Geschiebe, so dass an ihrer Einmündung in den Rhein derselbe durch einen Schuttkegel von 12 —15 ’ Höhe zurückgestaut wurde, und nur mit Mühe sich, ohne gegen Sils zu weiteres Unheil anzurichten, wieder durchzuarbeiten vermochte. Die immer drohenderen Abrutschungen auf Tschappina haben seither zur Anhandnahme der nöthigen rationellen Verbauungen im Hintergrunde der Schlucht geführt.“

Quelle

Naturchronik 1869. Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden. Band 16 (1870-1871)

5. August und 8. September 1870

“Am 5. August und 8. September 1870 gingen in der Nolla Murgänge nieder und brachen bei Thusis aus dem Bachbett aus. Durch den ersten Ausbruch der Nolla wurde das Rheinbett bei der Einmündungsstelle der Nolla mit Schlamm angefüllt. Durch den zweiten Ausbruch wurden die Wuhren bei Thusis von den Geschiebemassen der Nolla vollständig zerstört und der Rhein bis an die unterste Häuserreihe von Sils i. D. abgedrängt. Die Kosten, die die Rückleitung des Rheins in sein normales Bett erforderte, beliefen sich auf Fr. 4’179 (damaliger Wert).”

Quelle

Berichte über die Landesverwaltung (1849-1893) 1870/71, S. 35, 37/38. In: Elementarschäden und Versicherung. Studie des Rückversicherungsverbandes kantonal-schweizerischer Feuerversicherungsanstalten zur Förderung der Elementarschadenversicherung. Band II, Bern, 1936.

Künstliche Kolmatierungen mit Nollaschlamm im Domleschg

Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte der Rhein in der Talebene des Domleschgs mäandriert. Durch seine erfolgreiche Korrektion 1832-1892 wurden die Schotterflächen beidseits des Flusses trockengelegt. Jedoch waren diese mangels eines fruchtbaren Bodens für die Landwirtschaft wenig ertragreich.

Die grossen Mengen an schwarzen Tonschieferschlamm, welche der Nolla auch heute noch bei jedem Hochwasser mit sich führt, wurden ab 1892 in einem speziellen Kanal, der bei Thusis vom Nolla abzweigt, auf die flache Talsohle des Domleschgs geleitet. Durch die künstliche Überdeckung des Rheinschotters mit Nollaschlamm, der sogenannten Kolmatierung, wurden grosse, völlig ebene Flächen der Landwirtschaft nutzbar gemacht. Bis zum Jahre 1939 wurden auf diese Weise 110 ha für intensive Landwirtschaft gewonnen worden. Anschliessend wurde ein neues Kolmatierungsprogramm in Angriff genommen. Für dieses war eine Schlammmenge von 2,6 Millionen Kubikmeter erforderlich. Mit diesen wurde eine Fläche von 290 ha mit Schlamm von rund 90 cm Mächtigkeit bedeckt.

Quellen

  • Heinrich Jäckli: Gegenwartsgeologie des bündnerischen Rheingebietes. Ein Beitrag zur exogenen Dynamik alpiner Gebirgslandschaften. Beiträge zur Geologie der Schweiz, Geotechnische Serie, Lieferung 36, 1957 download

Literatur zur Nolla und ihrer Verbauung

  • Zweyter Bericht an die Herren Theilnehmer der Subscription zur Untersuchung der Rhein- und Nolla-Gegenden. Chur, 1811. Zentralbibliothek Zürich. download
  • Hegner: Summarischer Bericht über die Rheincorrection im Domleschger-Thal, Cantons Graubünden, und Einladung zur Theilnahme an diesem Unternehmen. Zeitschrift über das gesamte Bauwesen, Band 4, 1840, Heft 9. download
  • Rauch: Die Rheinkorrektion im Domleschg und die Nollaverbauung. Zeitschrift: Wasser- und Energiewirtschaft = Cours d’eau et énergie, Band 33, 1941, Heft: 11. download
  • Ernst Lechner: Thusis und die Hinterrhein-Täler. 1897. download
  • Henne, A.: Verbauungen, Entwässerungen und Aufforstungen im Nollagebiet. Schweizerische Zeitschrift für Forstwesen, Band 77, 1926, Heft 9. download
  • Überblick über das Rutschgebiet von Masügg aus. download
  • Reboisements dans le périmètre de la Nolla, canton des Grisons. Journal forestier suisse, Band 58, 1907, Heft 10. download
  • Jäckli, H.: Die Bodenbewegungen im Hinterrhein-Tal und ihre bautechnischen Auswirkungen. Schweizerische Bauzeitung, Band 66, 1948, Heft 37. download
  • Salis, F. von: Das Nollathal. Die Eisenbahn = Le chemin de fer, Band 12/13, 1880, Heft 13. download
  • Das rutschende Dorf Tschappina in Bünden. In: Kalender für schweizerische Natur- und Geschichtskunde. download
  • Escher von der Linth, Hans Konrad: Etwas über Bergschlipfe, mit besonderer Hinsicht auf die Bergschlipfe im Nolla-Thal, hinter Thusis, und im Plessur-Thal, hinter Chur, in Bünden. Bregenz, 1809. ETH-Bibliothek Zürich. download
  • Eingabe der Regierung des Kantons Graubünden an den … schweizerischen Bundesrath auch zu Handen der hohen Bundesversammlung, betreffend Verbauung der Wildbäche in der Schweiz, mit speziellem … Chur, 1870. download
  • Jäckli, Heinrich / Streiff, Victor / Staub, Rudolf: Bericht über die Exkursion der Schweizerischen Geologischen Gesellschaft in das Gebiet der Schamser Decken : 29. August – 2. September 1938. Eclogae Geologicae Helvetiae, Band (Jahr): 31 (1938), Heft 2. download
  • #ST# 10 006. Verbauung der Nolla. Bundesbeitrag. 2. Dezember 1971. download
  • #ST# 11006. Verbauung der Nolla. Bundesbeitrag. download
  • Tscharner, J. F. von: Ein Wort über die Rhein- und Nolla-Eindämmung Domleschg. Der neue Sammler : ein gemeinnütziges Archiv für Bünden, Band (Jahr): 3 (1807), Heft 3. download
  • Ältere Nachrichten über die Erdschlipfe des Nollatals. Der neue Sammler. download
  • F. Pieth: Nollaverbauung. Bündnerisches Monatsblatt : Zeitschrift für bündnerische Geschichte, Landes- und Volkskunde. Band: 20 (1870), Heft: 20-21. download
  • F. Pieth: Nollaverbauung (Schluss). Bündnerisches Monatsblatt : Zeitschrift für bündnerische Geschichte, Landes- und Volkskunde. Band: 20 (1870), Heft: 22-24. download
  • An die Herren Subscribenten zur Untersuchung der Rhein- und Nolla-Gegenden, [Chur], [1809]. Zentralbibliothek Zürich. download

Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

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