Auf dieser Seite
- Was weiss man über das Ausmass der Rutschung?
- Welche Folgen hatte die Rutschung?
- Gab es Vorzeichen?
- Hatte man damals eine Ahnung, warum sich die Rutschung ereignete?
- War es nicht ein Bergsturz?
- Was ist von diesem Ereignis heute noch vorhanden, noch zu sehen?
- Bericht zum Ereignis
- Die Rutschung in den Medien
Was weiss man über das Ausmass der Rutschung?
Wo genau die plötzlich eintretende und rasche Rutschung im Raum Pusserein ablief und welches Ausmass sie hatte, ist nicht bekannt.
Welche Folgen hatte die Rutschung?
Vor dem Ereignis bestand das Dörfchen Pusserein aus 36 zerstreuten Haushaltungen und doppelt so vielen Ställen. Beim Ereignis wurden 6 Häuser und 12 Ställe zerstört. Allein der Schaden an Gütern betrug 20’000 Gulden.
Gab es Vorzeichen?
Ja, es gab eindeutige Vorzeichen. In den Jahren 1801 und 1803 entstanden im Berg ob dem Dorfe weithin laufende Spalten und sehr sonderbare Bewegungen in den Wiesen und Feldern. Die Rasendecke schob sich übereinander, grössere Stücke wurden plötzlich in die Höhe geschleudert, hohe Bäume versanken bis an die Krone, in der Tiefe hörte man ein Brausen wie von unterirdischen Wasserströmen.
Die NZZ schreibt am 18. Juni 1905: “Im Jahr 1801 zeigte sich ein Spalt im kahlen Berge ob dem Dorfe, mit der Richtung des Thales parallel laufend. Er hatte weiters keine andere sichtbare Folgen, als dass dann und wann grosse und kleine Steine auf die Güter herabrollten. Allein im Winter 1803 äusserten sich schon gefährlichere Symptome. Es war im Anfang des Winters ein sehr grosser Schnee gefallen, auf den anhaltende Regengüsse folgten.
Nun entstanden Rüfenen die einige Güter mit Schutt bedeckten; was aber noch sonderbarer war, mitten in den Wiesen bildeten sich die Kreutz und die Queere tiefe Risse; die Erde schien in eine Art von innerer Bewegung gekommen zu seyn; Rasenstücke wurden plötzlich in die Höhe geworfen, ganze Parthien davon übereinander geschoben, und ganze Ausdehnungen der schönsten Matten gewannen auf der Oberfläche ein Aussehen, als wenn das starkste Erdbeben gewüthet hätte; hohe Bäume versanken bis an die Krone; Häuser und Ställe mussten in grösster Eile abgebrochen werden, wenn sie nicht zusammenstürzen oder gar verschwinden sollten.
Legte man das Ohr auf die Erde, so hörte man das Rauschen eines unterirdischen Wassers, und unter dieser Gegend lief ein Bächlein vorbey, dessen Wasser wie ein dicker Brey aussah.”
Hatte man damals eine Ahnung, warum sich die Rutschung ereignete?
Gemäss einem Berichterstatter der NZZ hielt man als Hauptursache der Rutschung
- die „unvorsichtige Ausrottung der Wälder“
- die Unachtsamkeit bezüglich dem Lauf der Bäche, die zum Wässern benutzt wurden.
War es nicht ein Bergsturz?
In der Überlieferung wird das Ereignis als Bergsturz bezeichnet. Gemäss neueren geologischen Untersuchungen handelt es sich jedoch ganz klar um eine grössere Rutschung.
Was ist von diesem Ereignis heute noch vorhanden, noch zu sehen?
Das Gebiet von Pusserein rutscht heute noch, jedoch nur langsam.
Bericht zum Ereignis
«Die Erdschlipfe gelten in der Vorstellung der Menschen als weniger grausenhaft [als die Bergstürze] und doch richten sie bisweilen ebenso grosse Verheerungen an als die Bergstürze.
Der teilweise Untergang des Dörfchens Buserein [Pusserein] ob Schiers, im vordern Prättigau, ist dafür Zeuge. Schon in den Jahren 1801 und 1803 entstanden in dem kahlen Berge ob dem Dorfe weithin laufende Spalten und höchst sonderbare Bewegungen in den Wiesen und Feldern; die Rasendecke schob sich übereinander, grössere Stücke wurden plötzlich in die Höhe geschleudert, hohe Bäume versanken bis an die Krone, in der Tiefe hörte man ein Brausen, wie von unterirdischen Wasserströmen.
Nach dem schneereichen Winter von 1804 auf 1805 erfolgte am 18. März 1805 ein Bergsturz, der 6 Häuser und 12 Ställe niederschmetterte. Bloss der Schaden an zerstörten Gütern belief sich auf 20’000 Gulden. Die Ausrottung der Wälder und die Unachtsamkeit auf den Lauf und das Verschwinden der Bergwasser hat hier, wie häufig anderswo, das Unglück bereitet.»
Quelle Röder, O.W., von Tscharner, P.C.: Der Kanton Graubünden, historisch, geographisch, statistisch geschildert. Ein Hand- und Hausbuch für Kantonsbürger und Reisende. St. Gallen und Bern, 1838.
Die Rutschung in den Medien
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 49, 18. Juni 1805
Folgendes ist uns eingesandt worden. »Wenn Gebirgsgegenden in manchen Rücksichten so viel vorzügliches vor der Ebene besitzen, so sind sie auch öfters Unglücksfällen unterworfen, von denen man anderswo keinen Begriff hat. Die Verheerungen der Berg- und Waldwasser, bey uns sehr charakterisch Rüfenen (vom Italienischen Rovina) genannt, die Zerstörung der Schneelawinen und die Verwüstungen der Erdschlipfe geben zu Erscheinungen Anlass, die nur mit dem Verderben, welches ein Vulkan um sich her verbreitet, verglichen werden können.
Wenn die zwey erstern öfters erfolgen, so geschieht es desto seltener, dass die Erdschlipfe dem Menschen unmittelbar zum Schaden gereichen. Seit der Katastrophe von Plurs i. J. 1618. und derjenigen von Monbiel i. J. 1768. sind uns in Bünden keine bekannt, die von so unglücklichen Folgen waren. Buserein musste das Schicksal treffen, um das Unglücks-Kleeblatt vollstädig zu machen.
Eine halbe Stunde ob Schiersch auf dem nördlichen Abhange des Druser-Thals, welches sich bey Schiersch mit dem Brettigäu vereinigt, befand sich in einer sanft anliegenden ganz gegen Süden gekehrten Berg-Ebene das Dörfchen Buserein, aus 36 zerstreuten Haushaltungen und doppelt so vielen Ställen bestehend, mitten zwischen den fruchtbarsten Aeckern und den herrlichsten Wiesen, von vielen hundert Obstbäumen beschattet. Die emsigen Bewohner lebten zufrieden und in einem glücklichen Wohlstande unbesorgt dahin.
Im Jahr 1801 zeigte sich ein Spalt im kahlen Berge ob dem Dorfe, mit der Richtung des Thales parallel laufend. Er hatte weiters keine andere sichtbare Folgen, als dass dann und wann grosse und kleine Steine auf die Güter herabrollten.
Allein im Winter 1803 äusserten sich schon gefährlichere Symptome. Es war im Anfang des Winters ein sehr grosser Schnee gefallen, auf den anhaltende Regengüsse folgten. Nun entstanden Rüfenen die einige Güter mit Schutt bedeckten; was aber noch sonderbarer war, mitten in den Wiesen bildeten sich die Kreutz und die Queere tiefe Risse; die Erde schien in eine Art von innerer Bewegung gekommen zu seyn; Rasenstücke wurden plötzlich in die Höhe geworfen, ganze Parthien davon übereinander geschoben, und ganze Ausdehnungen der schönsten Matten gewannen auf der Oberfläche ein Aussehen, als wenn das starkste Erdbeben gewüthet hätte; hohe Bäume versanken bis an die Krone; Häuser und Ställe mussten in grösster Eile abgebrochen werden, wenn sie nicht zusammenstürzen oder gar verschwinden sollten.
Legte man das Ohr auf die Erde, so hörte man das Rauschen eines unterirdischen Wassers, und unter dieser Gegend lief ein Bächlein vorbey, dessen Wasser wie ein dicker Brey aussah. Schon damals stieg der Schaden an Gütern und Gebäuden auf einige tausend Gulden.
Während dem Jahr 1804 schien die Natur sich wieder beruhiget zu haben, schon hoften die Einwohner nichts mehr besorgen zu müssen; allein es war die Ruhe des Todes, aus der sie auch auf eine fürchterliche Art ausgeschreckt wurden.
Den 18. März 1805 nach einem schneereichen Winter und warmer Witterung, im Anfange des Frühjahrs, erfolgte auf einmal ein Bergsturz, der 6. Häuser und 12. Ställe niederschmetterte, mit sich fortriss und nur durch die Zerstörung von liegenden Gütern einen Schaden von mehr als 20’000. fl. verursachte.
Wie gross auch schon dermalen der Jammer in diesem unglücklichen Dörfchen ist, so möchte es noch nicht genug seyn; denn allem Anschein nach, wird das nämliche Schicksal die ganze Gegend treffen. „Ich werde“ (sagt der Herr Einsender) „nach genauern Untersuchungen anderswo die Ursachen dieser sonderbaren Begebenheit zu entwickeln suchen, und begnüge mich hier nur im Vorbeygehen zu bemerken, dass die unvorsichtige Ausrottung der Wälder und die Unachtsamkeit auf den Lauf der Bäche, die zuvor zum Wässern benutzt und mit Vorsicht wieder abgeleitet würden, Hauptursachen solcher Schlipfe sind.
Wie sehr die bedauernswerthen Bewohner des Dörfchens Buserein auf die thätige Unterstützung edeldenkender Regierungen und Menschen-Freunde Anspruch haben, dieses bedarf, wie ich hoffe, keiner weitern Auseinandersetzung. Man wird sie nicht ungetröstet von sich weisen.
der Bericht in e-newspaperarchives
Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 25, 21. Juni 1805
In dem Dörfchen Buserein, (in Bünden) das aus 36. zerstreuten Haushaltungen, und doppelt so viel Ställen besteht, mitten zwischen den fruchtbarsten Aekern und den herrlichsten Wiesen liegt, von vielen 100 Obstbäumen beschattet, erfolgte den 18. Merz 1805 auf einmal ein Bergsturz, der 6. Häuser und 12 Ställe niederschmetterte, mit sich fortriss nur durch die Zerstörung von liegenden Gütern einen Schaden von mehr als 20’000 fl. verursachte.
Seit dem Unglük von Plurs 1618. und jenem von Monbiel 1768. sind in Bünden keine so unglüklichen Erdschlüpfe bekannt. Welches barmherzige Herz wird sich nicht der mitleidenswürdigen Bewohner des Dörfchen« Buserein gerne werkthätig erbarmen?
der Bericht in e-newspaperarchives
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann