Rutschung 1931 · Stockberg · SG

Rutschungen am Stockberg, 1931

Grössere Erdrutschungen am Stockberg in der Gegend von Hinter-Lutenwil bei Nesslau. Eine Fläche von 12 bis 14 ha geriet in Bewegung. Durch die Rutschung wurden Gebäude, Wiesen, Streu- und Weideland, Wald und Wege betroffen. Der Schaden an G

Grössere Erdrutschungen am Stockberg in der Gegend von Hinter-Lutenwil bei Nesslau. Eine Fläche von 12 bis 14 ha geriet in Bewegung. Durch die Rutschung wurden Gebäude, Wiesen, Streu- und Weideland, Wald und Wege betroffen. Der Schaden an Gebäuden betrug Fr. 13’450, derjenige an Kulturenboden und an Wegen wurde durch eine vom Finanzdepartement ernannte Schätzungskommission auf Fr.26’665 festgestellt. An den letzteren Schaden zahlte die Kantonshilfskasse Fr. 5320, der Schweizerische Fonds Fr. 2215.

Quelle

Elementarschäden und Versicherung. Studie des Rückversicherungsverbandes kantonal-schweizerischer Feuerversicherungsanstalten zur Förderung der Elementarschadenversicherungen. I. Band, Bern, 1936

Medienberichte zum Ereignis

Berner Tagwacht, Band 39, Nummer 80, 8. April 1931

Ein neuer Erdrutsch. Nesslau (St.Gallen), 7. April. (Insa.) Am Stockberg, Gemeinde Nesslau, geht ein grosser Erdrutsch vor sich, der sich auf eine Länge von 900 Meter und eine Breite von 250 Meter ausdehnt. Die Erdmassen in Bewegung werden auf rund 30’000 Kubikmeter geschätzt. Zwei Oekonomiegebäude, Besitz des Landwirts Rüedliger, mussten geräumt werden und sind zum Teil bereits eingestürzt.

Andere Gebäude in der Anschlusszone erscheinen als gefährdet, doch konnte auf ihre Räumung bis zur Stunde verzichtet werden. Das ganze Rutschgebiet ist aufgewühlt und zerrissen. Der Schaden geht in die zehntausende, wird aber erst nach der Schneeschmelze endgültig geschätzt werden können. Ein Ueberwachungsdienst ist eingerichtet worden.

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 655, 8. April 1931 Ausgabe 03

Erdrutsch am Stockberg. Nesslau, 7. April. In der Nähe von Nesslau, in Lutenwil, am Fusse des Stockbergs, ist die Erde seit einigen Tagen in steter Bewegung. Ein Flächengebiet von 800 Meter Länge und 250 Meter Breite ist durch den Druck der schweren Schneemassen und infolge der Unterwühlung durch das viele Wasser von Erdrissen, Senkungen und Erdschlipfen durchsetzt.

Man vernimmt noch ständiges Knistern und Reissen, ein Zeichen, dass die Bewegungen noch fortdauern. Die Erde ist 2 – 10 Meter tief in Bewegung; man rechnet mit einer Rutschmasse von 500’000 Kubikmetern. Ein Strassenbau musste unterbrochen werden und das Zufahrtsgebiet zum nahen Steinbruch ist gänzlich zerstört worden.

Im Erdrutschgebiet liegen verschiedene Gebäude, von denen zwei der völligen Zerstörung preisgegeben sind. Eine Scheune ist vollständig aus ihren Mauern und Angeln gehoben, so dass stündlich mit dem völligen Zusammenbruch gerechnet werden muss. An einem Wohnhaus mit Scheune hat sich der Boden tief geöffnet. Der Schaden ist gross. Im gleichen Gebiet haben schon früher Rutschungen stattgefunden.

Oberländer Tagblatt, Band 55, Nummer 81, 9. April 1931

Über einen Erdrutsch am Stockberg wird der „Thurgauer Zeitg.“ aus Nesslau u. a. geschrieben: Am Fusse des Stockberg hat sich durch die starken Schneemassen u. einen grossen innern Wasserandrang in der Erde plötzlich der Boden in einem weiten Umkreis von rund 800 Meter Länge und 200 Meter Breite geöffnet und gesenkt und ist dadurch in Bewegung geraten, so dass die ganze Fläche heute ein erdbebenhaftes Bild bietet, Hunderte von grössern und kleinern Erdrissen, von Halbmeterbreite und Meterlänge zeigt und grössere Senkungen aufweist.

An vielen Stellen ist der Boden total aufgebrochen und wenn man über die Fläche geht, hört man ständig ein Knistern im Erdinnern, ein Zeichen, dass die Bewegungen noch andauern.Die Erde ist von zwei bis zehn Meter Tiefe mit rund 50,000 Kubikmetern in Bewegung und hat verschiedene Schlipfe verursacht und mehrere Gebäude gefährdet. Eine Scheune sieht wie ein zerborstenes Kartenhaus aus und man muss stündlich mit deren Zusammenbruch rechnen. Eine weitere Scheune ist ebenfalls als verloren zu betrachten.

Bei zwei Wohnhäusern mit Scheunen wurden Senkungen beobachtet, bei einem Jauchekasten am Hause hat sich die Erde wie ein Vulkanspalt geöffnet. Die Bäume stehen schief und müssen gefällt werden. Die Senkungen im Strassengebiet und Verschiebungen sind enorm.

Ein Steinbruch weist ebenfalls mehrere Schlipfe auf, sein Zufahrtsgebiet ist demoliert, verbogen und verschoben. Interessant sind die Schneeaufbauschungen, die sich wie Schneehäuschen ausnehmen. Die Schneemassen haben sich gegeneinander gezwängt und dabei dachmässige Höhlen und grössere gefährliche Tunnels geschaffen, vor deren Betreten gewarnt wird.

Der Schaden ist ganz enorm, und als grosse Wohltat wirkt sich daher die anno 1929 beschlossene st. gallische erweiterte Brandversicherung aus, in welcher auch die Rutschungsschäden inbegriffen wurden. Würde sich, was allerdings heute kaum mehr anzunehmen ist, die Rutschgefahr noch erweitern und vergrössern, so wäre mit einer Überdeckung der Lutern und damit mit Überschwemmungsgefahr zu rechnen, doch sind die Rutschungen in jener Tiefe ganz unbedeutend, und durch Abholzen wird der Lehmboden entlastet. Über die Ostertage herrschte ein ungemeiner Andrang in das Rutschgebiet. Dasselbe Gebiet wies schon vor 100 Jahren Rutschungen auf, doch nie in diesem weiten Ausmasse.

Neue Zürcher Nachrichten, Band 27, Nummer 110, 23. April 1931

Die Erdbewegungen am Stockberg. Nesslau, 22 April. Die Erdbewegungen am Stockberg dauern an. Die Risse vergrössern sich, die Erde senkt sich weiter. Eine Scheune ist gänzlich zusammengebrochen, doch hofft man, die übrigen Gebäulichkeiten retten zu können. Sobald die Zone völlig schneefrei ist, werden die Organe des kantonalen Kulturingenieurbureaus untersuchen, ob sich eine Wiederinstandstellung des Bodens überhaupt lohne. Es ist mit einem Schaden von rund 150’000 Fr. zu rechnen. Die beiden im Gebiete liegenden Wohnhäuser können voraussichtlich nicht mehr bleibend bewohnt werden. Ein begonnener Strassenbau durch die Gefahrenzone wurde vorerst unterbrochen.

Engadiner Post, Band 40, Nummer 51, 5. Mai 1931

St. Gallen. Vom Erdrutsch am Stockberg. Die Erdbewegung am Stockberg ist infolge des nassen Wetters noch nicht zum Stehen gekommen. Die zweite Scheune im „Kleinmösli“ ist stark bedroht und wird über kurz oder lang zusammenbrechen.

Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

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