Auf dieser Seite
- Welches Ausmass hat die Rutschmasse?
- Wie mächtig ist die Rutschung?
- Mit welcher Geschwindigkeit bewegt sich die Rutschmasse?
- Bewegt sich die Rutschmasse gleichmässig?
- Seit wann ist die Rutschung aktiv?
- Welche Auswirkungen hat die Rutschung?
- Was geschah 1999?
- Welche Gegenmassnahmen wurden, werden ergriffen?
Welches Ausmass hat die Rutschmasse?
Auf der Terrasse von Braunwald gibt es ein 4 bis 5 km2 grosses Gebiet, welches sich talwärts bewegt. Heute sind rund 3 km2 dieses Gebiets aktiv in Bewegung; der Rest befindet sich in einem (labilen) Ruhezustand.

Quelle: geo-life: Die Rutschung von Braunwald.
Wie mächtig ist die Rutschung?
Die gesamte Rutschmasse ist im zentralen, obersten Teilgebiet sehr wahrscheinlich mehr als 120 m mächtig. Bei der Bergstation der Braunwald-Bahn und beim Hotel Bellevue beträgt die Mächtigkeit noch 10 bis 20 m.
Mit welcher Geschwindigkeit bewegt sich die Rutschmasse?

> Die obere Zone der Rutschmasse bewegt sich durchschnittlich mit 0.5 bis 1 cm pro Jahr.
> Die mittlere Zone bewegt sich durchschnittlich mit 1 bis 2 cm pro Jahr.
> Die untere Zone bewegt sich durchschnittlich mit 2 bis 4 cm pro Jahr.
Quelle: Entwässerungskorporation Braunwald: Bericht zur Genehmigung eines Zusatzkredites zum Projekt „Neuer Entwässerungsstollen Braunwald“ in der Höhe von Fr. 1,954 Mio.

Bewegungsmessung 1985 – 2018 im Hauptschacht der Tiefendrainage Grantenboden. Die Grafik zeigt, wie sich die Bewegung der Rutschmasse im Bereich des Hauptschachtes von März 1999 an massiv beschleunigte – zu dem Zeitpunkt, als die Rutschung Bätschen stattfand. Quelle: Frank, Stephan: Rutschung Braunwald (Kanton Glarus): Der lange Weg der Massnahmenplanung.
Bewegt sich die Rutschmasse gleichmässig?
Nein. Jeweils im Spätwinter bis Frühsommer beschleunigt sich die Rutschung. Je nach Vorsättigung des Untergrundes und der Intensität der Schneeschmelze erreicht sie Geschwindigkeiten von bis 15 cm/Jahr.
Generell bewegt sich die Rutschung nicht gleichmässig, sondern schubartig. Diese Schübe ereignen sich dann, wenn ausserordentlich viel Wasser (Regenwasser, Schneeschmelze) in die Rutschmasse eindringt. Ein Bewegungsschub dieser Art ereignete sich beispielsweise im November 1979. In den folgenden Jahren 1980 und 1981 mass man Bewegungsgeschwindigkeiten von bis zu 50 cm/Jahr.
Seit wann ist die Rutschung aktiv?
In einer Bohrung im oberen Teil der Rutschmasse fand man in 35.8 Meter Tiefe ein Stück hart gepresste Fichte. Dieses Holzstück ist mehr als 50’000 Jahre alt ( C14-Alter, cal bP). Die Rutschmasse ist also schon seit zehntausenden von Jahren in Bewegung.
Welche Auswirkungen hat die Rutschung?
Die Rutschbewegungen führen durchschnittlich alle 5 bis 15 Jahre zu kleineren, lokalen Problemen (massive Setzungen, Geländeabbrüche, kleinere Murgänge) – dies vor allem an der Felskante zum Tal.
Etwa alle 25 bis 30 Jahre kommt es zu Grossereignissen. Beispiele:
- 1930: Beschleunigungsphase
- 1964: Bewegungen und Setzungen bei der Bergstation BrB.
- November 1979: Rutschung in der Teufrus unterhalb dem Hotel Bellevue, Murgang ins Tal bis nach Rüti.
- Februar / März 1980: Die Rutschung in der Teufrus greift bis zur Strasse nach Rubschen zurück.
- 1999: Das Gebiet Bätschen bewegt sich in einer Woche um mehr als zwei Meter. Rund 100’000 m3 Material stürzen über die Felswand ins Tal.
- 3. und 6. August 2014: Felsstürze am Furhorn (grosse Felssackungsmasse oberhalb der Rutschung «Bätschen 1999») infolge sehr nasser Witterung im Juli 2014.
Was geschah 1999?
Ende Februar / Anfang März 1999 kam es zu einer Beschleunigung der grossen Rutschmasse von Braunwald. Dieses Grossereignis führte zu mehreren Lockergesteinsabbrüchen über die Felswand hinaus ins Tal. Auslöser der Beschleunigung waren
- eine sehr niederschlagsreiche Vorperiode (Herbst 1998)
- extreme Schneefälle («Lawinenwinter»)
- intensive Regenfälle in den Schnee (Ende Februar 1999).
Innerhalb der Ablagerungen dieser Lockergesteinsabbrüche entstanden Murgänge (Gesamtvolumen: rund 100’000 m3). Diese erreichten bei Rüti die Linth und bewirkten zu ihrem Rückstau. Weitere rund 100’000 m3 der Rutschmasse verblieben in der Felswand.
Welche Gegenmassnahmen wurden, werden ergriffen?
Schon früh erkannte man, dass es zwischen dem Grundwassergehalt im Untergrund und der Geschwindigkeit der Rutschung einen klaren Zusammenhang gibt. So wird, um die Bewegungen des Dorfes zu bremsen, seit über 100 Jahren entwässert, werden Stützmauern und Entwässerungsstollen gebaut. Hier vermittelt die Entwässerungskorporation Braunwald detaillierte Informationen zur Geschichte und Zukunft der Entwässerung.
Quellen
- Frank, Stephan: Rutschung Braunwald (Kanton Glarus) : Der lange Weg der Massnahmenplanung. Swiss bulletin für angewandte Geologie, Band: 25, 2020, Heft: 1-2. download
- geo-life: Die Rutschung von Braunwald download
Literatur
- Entwässerungskorporation Braunwald: Bericht zur Genehmigung eines Zusatzkredites zum Projekt „Neuer Entwässerungsstollen Braunwald“ in der Höhe von Fr. 1,954 Mio. download
- Arbeitsgruppe Geologie und Naturgefahren: Gefahreneinstufung Rutschungen i.w.S.. Permanente Rutschungen, spontane Rutschungen und Hangmuren. Fallbeispiel Braunwald. 2004 download
- Frank, Stephan / Zimmermann, Markus: Rutschung „Bätschen“, Murgänge in der Wüechtenrus (Braunwald und Rüti, GL) : eine Grossrutschung und ihre Folgeprozesse. Bulletin für angewandte Geologie, Band 5 (2000), Heft 1. download
- Corina Blattmann: Dorfkernverschiebung Braunwald. Vorgehenskonzept und Nutzungsplananpassung. download
- Markus V. Schwager: Inclinodeformeter pressure measurements in creeping landslides: Analytical solutions and field applications. Article in Géotechnique · May 2014. download
Willem H. Koppenol: Rutschgebiet Braunwald / Aufgaben der Entwässerungskorporation. 2011. download
- Fachbegleitgruppe 3D-Modell Rutschung Braunwald: Rutschung Braunwald: Zusammenfassung Bericht Modellierung. Stand 24.2.15. download
- Rutschung Übersichtskarte. download
- tbf-marti ag/Dr. von Moos AG: Vorstudie Grundlagenerarbeitung für die Entwässerung und Rutschungssanierung Braunwald: Zusammenfassung. Version 3 vom 07.05.2016. download
- Hantke, R., Schindler, C., Frey, F., Schielly, H., Baumeler, A.& Caduff, R. (2019): Blatt
1173 Linthal. – Geol.Atlas Schweiz 1:25 000, Karte 166. download
Links
Detaillierte Informationen auf der WebSeite der Entwässerungskorporation Braunwald:
Thema: Geologie der Rutschung
Thema: Bewegungsverhalten der Rutschung
Thema: Geschichte der Entwässerung.
Thema: Risikomanagement
Thema: Überwachung heute
Thema: Massnahmenplanung
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann