Bieler Tagblatt, Nummer 185, 9. August 1906
Dienstag morgen ca. 11 Uhr wurden beim Abstieg vom Tödi durch die Gelbe Wand 6 Herren von Schwyz mit ihren Führern von einem Steinschlag überrascht. Infolge der hiedurch verursachten Aufregung fielen mehrere der Herren in eine Spalte.
Einer von ihnen, namens Egli, konnte erst nach längerer Zeit tot herausgezogen werden; Herr Stäbli ist schwer, zwei andere nur leicht verletzt. Die Verletzten mussten längere Zeit auf dem Gletscher, in ihre Decken eingehüllt verbleiben. 14 Personen beteiligten sich an den Rettungsarbeiten. Die Leiche Eglis wurde vorerst in die Hütte am Grünhorn verbracht und soll heute nach Lintthal transportiert werden.
Neue Zürcher Zeitung, Nummer 218, 8. August 1906 Ausgabe 03
Linthal, 8. Aug. Am Dienstag vormittags 11 Uhr verunglückte beim Abstieg vom Tödi an der gelben Wand der Bijoutier Egli aus Schwyz infolge Steinschlags. Er wurde in die Tiefe geschleudert und tödlich verletzt. Die übrigen Teilnehmer der Bergtour, fünf Herren aus Schwyz und ein Führer, stürzten ebenfalls ab, erlitten aber keine erheblichen Verletzungen.
Linthal, 8. Aug. Ueber das bereits gemeldete Unglück, das einige Bergsteiger beim Abstieg vom Tödi betraf, wird weiter noch gemeldet: Die Touristen wurden an der gelben Wand von einem Steinschlag überrascht. In der Verwirrung scheinen einige der Herren etwas den Kopf verloren zu haben und bei einer schlüpfrigen Stelle weiter unten fielen mehrere in eine Spalte. Einige konnten sofort herausgezogen werden; bei Herrn Egli dauerte es längere Zeit und er kam erst als Leiche wieder zum Vorschein.
Herr Stabli aus Schwyz ist schwer, zwei andere sind leicht verletzt. Es ist auch der kaltblütigen Haltung des Führers zu danken, dass er und die übrigen Teilnehmer dem Tode entgangen sind. Die Verletzten blieben nach dem Unfall in wollene Decken gehüilt, die man ihnen gebracht hatte, ziemlich lange auf dem Gletscher liegen. Die Leiche des Verunglückten wurde nach der Grünhornhütte transportiert; heute Mittwoch abend wird sie nach Linthal gebracht. Bei der Rettungskolonne beteiligten sich 14 Mann.
Der Bund, Band 57, Nummer 371, 9. August 1906 Ausgabe 02
In Ergänzung unserer Berichte tragen wir Einzelheiten nach, die den Glarner Nachrichten aus Lintthal zugehen. Vergangenen Montag schickten sich ein halbes Dutzend rüstiger, jüngerer Herren aus dem Flecken Schwyz unter der Leitung von Bergführer Thomas Wichser an, eine Tour auf den Tödi zu unternehmen. Nachdem hier die Ausrüstung und Verproviantierung noch vervollständigt ward, wurde getrosten Mutes der Weg zur Fridolinshütte unter die Füsse genommen, woselbst man nächtigte. In der Frühe des Dienstag-Morgens vollzog sich der Ausstieg zur eisgekrönten Kuppe des Tödi Massivs in der gewohnten Ordnung und ohne Zwischenfall. Eine prachtvolle Fernsicht lohnte reichlich für die erlittenen Strapazen. Auch der Abstieg hätte keine besondern Schwierigkeiten geboten, wenn nicht der am untern Ausgang der Schneeruns gefürchtete Steinschlag von der gelben Wand ein schweres Unglück herbeigeführt hätte.
Als die durch das Seil verbundene Kolonne an der gefährdeten Stelle angelangt war, ertönte plötzlich der Ruf: „Steine! Steine!“ Jetzt galt es, sein Leben durch Flucht an die Felsen in Sicherheit zu bringen, wodurch die Gesellschaft ihren Halt auf der stellen Schneehalde verlor und insgesamt, mit Ausnahme des Führers Wichser, der noch rechtzeitig Posta zu fassen imstande war, in den darunter offen liegenden Eisschrund gerissen wurde.
Es mochte dies um zirka halb elf Uhr vormittags gewesen sein. Zwei Touristen aus Zürich unter der Führung von Bergführer Jakob Schiesser waren sowohl beim Auf- als beim Abstieg der verunfallten Mannschaft voraus und entgingen so dem bedauerlichen Schicksal ihrer Gefährten.
Die Hebung der Verunglückten vollzog sich bis auf einen verhältnismässig leicht. Zwei derselben sollen sozusagen ohne irgend welchen nennenswerten Schaden davon gekommen sein, während bei drei andern mehr oder weniger ernstliche Verletzungen zu konstatieren sind. Der sechste Teilnehmer, Goldschmied Meinrad Inglin aus Schwyz (41 Jahre alt) war tot.
Abends spät waren sämtliche Teilnehmer in den Klubhütten am Tödi geborgen. Es ist noch nicht ermittelt, ob die Verletzungen zum Teil durch den erfolgten Steinschlag, oder aber ausschliesslich durch den Sturz in den Schlund verursacht wurden. Inzwischen wurde sofort nach Eintreffen der Unglücksbotschaft im Dorfe Lintthal eine Rettungskolonne unter der Führung von Herrn Sigrist zum „Raben“ und in Begleitung von Herrn Dr. Brunner organisiert, die abends halb 6 Uhr abging.
Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann
