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- Wie häufig ereignen sich im Alpenraum Felsstürze, welche zu Schäden führen?
- Wann treten die Ereignisse auf?
- Weshalb diese Häufung?
- Welchen Einfluss hatte der bisherige Klimawandel auf die Felssturz-Aktivität?
- Welchen Einfluss wird der zukünftige Klimawandel auf die Felssturz-Aktivität haben?
- Welche Rolle spielt der Permafrost?
- Gibt es Vorzeichen, bevor ein Felssturz niedergeht? Kündigen sich Felsstürze an?
- Wie kann man mit einfachen Methoden die Bewegung der absturzbereiten Felsmasse messen, wenn sich allmählich Spalten öffnen?
- Was müsste man tun, damit es in Zukunft keine Felsstürze mehr gibt?
- Zukünftige Felsstürze im Kanton Glarus
- Zukünftige Felsstürze im Kanton St. Gallen
- Zukünftige Felsstürze im Kanton Graubünden
Wie häufig ereignen sich im Alpenraum Felsstürze, welche zu Schäden führen?
Eine Hochrechnung von gut dokumentierten Ereignissen im Zeitraum zwischen 2001 und 2010 zeigt: > In der Schweiz gibt es jährlich durchschnittlich rund 30 bis 40 Felsstürze von mehr als 100 m3 .
- In der Schweiz gibt es jährlich durchschnittlich rund 10 bis 15 Stürze mit einer Kubatur von mehr als 1’000 m3.
Wann treten die Ereignisse auf?
Die Auswertung der Ereignisse im Zeitraum zwischen 2001 und 2010 zeigt, dass Felsstürze gehäuft in den Frühlingsmonaten März, April und Mai auftreten (rund ein Drittel aller Ereignisse).
Weshalb diese Häufung?
- Weil sich in kalten Wintertagen das Gestein zusammenzieht – und sich die Klüfte im Gestein aufweiten. Dadurch verschlechtert sich der Zusammenhalt des Gesteins.
- Weil im darauf folgenden Frühjahr viele Frost-Tau-Wechsel einen zusätzlichen Destabilisierungseffekt haben.
Welchen Einfluss hatte der bisherige Klimawandel auf die Felssturz-Aktivität?
In der Vergangenheit kam es in einem wärmeren Klima tendenziell nicht zu einer Zunahme von Sturzereignissen – weder von kleinen (Steinschlag, Felssturz) noch von grossen (Bergsturz).
Eine Auswertung von rund 800 Sturzereignissen (Bergsturz, Felssturz, Steinschlag), die sich in den letzten 500 Jahren auf der Alpennordseite ereigneten, ergab:
- Im Zeitraum zwischen 1500 und 1900 gibt es keinen eindeutige Zusammenhang zwischen Feucht- bzw. Warmperioden und einer Häufung von Sturzereignissen.
- Eine generelle Zunahme von Sturzereignissen infolge der bisher erfolgten Klimaerwärmung ist nicht erkennbar.
Im 20. Jahrhundert zeigte sich:
- Der Anteil der Sturzereignisse im Winter und Frühling nahm in der kalten Klimaperiode zwischen 1950 und 1980 zu.
- Der Anteil der Sturzereignisse war in den wärmeren Perioden zwischen 1900 und 1950 und zwischen 1980 und heute trotz vermehrter Intensiv-Niederschläge geringer. Dies ist auf die bei kälteren Temperaturen grösseren Deformationen (Kluftausweitung infolge Gesteinskontraktion) zurückzuführen.
Generell gilt: Warme Zeiten lösen wenig Sturzereignisse aus – auch wenn sie mit Starkregen bzw. lang anhaltenden Niederschlägen verbunden sind.
Welchen Einfluss wird der zukünftige Klimawandel auf die Felssturz-Aktivität haben?
Eine generelle Zunahme von Sturzereignissen infolge der bisher erfolgten Klimaerwärmung ist nicht erkennbar – und wird für die nächsten 50 Jahre nicht erwartet.
In Gebieten mit Gletscherrückzug und im warmen Permafrost ist tendenziell eher von einer Zunahme der Sturzaktivität auszugehen. In den anderen Gebieten ist langfristig tendenziell eher mit einer Abnahme der Sturzaktivität zu rechnen.
In den nächsten 50 Jahren wird sich die Sturzhäufigkeit jahreszeitlich verschieben:
- Infolge der Erwärmung muss man im Winter – trotz vermehrter Niederschläge – tendenziell mit einer Abnahme von Sturzereignissen rechnen.
- Als Folge vermehrter extremer Starkniederschläge muss man im Sommer und Herbst mit einer leichten Zunahme von Ereignissen rechnen.
- Der Anteil an Ereignissen im Frühling dürfte in einem ähnlichen Rahmen bleiben wie bisher.
Welche Rolle spielt der Permafrost?
Der Permafrost spielt nur in Höhen mehr als ca. 2’500 m ü. M. eine Rolle, also in Gebieten,
- wo es kaum Siedlungen gibt, die von Sturzereignissen gefährdet sind
- wo der Permafrost höchstens für exponierte Verkehrswege von Bedeutung ist.
Im trockenen und heissen Sommer 2003 wurden vermehrt Felsstürze festgestellt, z.B. in einzelnen Nordwänden der Schweizer Alpen.
In «normalen» Sommern mit z.B. starken Gewitterregen oder gelegentlichen nasskalten Wetterlagen stellen sowohl Stein- und Blockschlag als auch Felsstürze generell eine grössere Gefährdung dar als Stürze infolge von auftauendem Permafrost. Letzteres kann allerdings zu einer erhöhten Gefährdung von Siedlungen durch Murgänge führen.
Zu erwähnen ist zudem, dass es in der Vergangenheit während jeder längeren Erwärmungsphase zum Auftauen des Permafrostes kam, z.B. auch während der Erwärmung zwischen 1901 und 1950. Damals befand sich die Permafrostgrenze (und auch die Gletscher) noch in einer tieferen Lage und somit näher bei den Siedlungen.
Gibt es Vorzeichen, bevor ein Bergsturz niedergeht? Kündigen sich Felsstürze an?
Bei fast allen Felsstürzen gibt es zwei Vorzeichen.
1. Im Abrissgebiet öffnen sich Spalten.
Wenn sich die Felsmasse, die als Felssturz niedergehen wird, allmählich vom Berg löst, entstehen zwischen der Felsmasse und dem Berg Spalten, die allmählich grösser werden.
Wo sich die Spalten unterhalb des Wurzelwerks eines Baumes öffnen, wo der Baum mit einem Teil der Wurzeln auf der einen, mit einem anderen Teil auf der anderen Seite wurzelt, kann es sein, dass die Wurzeln gestreckt werden, immer mehr unter Spannung geraten, bis sie reissen.



2. Steinschlag setzt ein und nimmt allmählich zu.
Ein Videoclip in der Rubrik „Videothek Felsstürze“ zeigt einen Felssturz in Tavanasa, 6. Juni 2002. Rund 100’000 m3 Fels gingen ins Tobel des Tscharbachs (Gemeinde Tavanasa) nieder. Der Film zeigt eindrücklich, wie dem Felssturz eine zunehmende Steinschlagaktivität vorausging.
Wie kann man mit einfachen Methoden die Bewegung der absturzbereiten Felsmasse messen, wenn sich allmählich Spalten öffnen?
Der Geologe Albert Heim schreibt in seinem Buch “Bergsturz und Menschenleben”:
„Sehr oft habe ich als einfachstes Mittel zur Kontrolle der Bewegung einen guten Pfahl auf jeder Seite der Spalte eingeschlagen. Am oberen Pfahl wurde ein guter Draht angebunden und derselbe über die Spalte zum unteren, etwas höheren Pfahl geführt und dort überhängt am Ende mit einem schweren Stein gespannt. Die Höhenlage des Steines kann am Pfahl von Zeit zu Zeit markiert werden und so wird die Bewegung kontrolliert und gemessen. Sehr oft haben wir auf diese einfache Art nach einigen Jahren ein Emporziehen des Steines um 2, 3, 4 Meter als Ausmass für Erweiterung der Spalte und Absenkung des Abgetrennten gewonnen.
Manchmal habe ich auch nur mit eingeschlagenem Nagel den Stirnpunkt der Pfähle fixiert und dann bei jedem Besuch durch mich oder durch Mithelfer (Wegmacher, Förster etc.) mit Messband die jeweilige Distanz der 2 Fixpunkte gemessen. Je nach den lokalen Verhältnissen kann man auch noch anders verfahren. Oft nützt es uns schon, einen Stein in die Spalte zu klemmen und später nachzusehen.”
Was müsste man tun, damit es in Zukunft keine Felsstürze mehr gibt?
Man müsste verhindern, dass sich die Bäche und Flüsse in den Untergrund eintiefen und dadurch Berge und Täler erschaffen.
Quellen
- Albert Heim: Bergsturz und Menschenleben. Beiblatt zur Vierteljahrsschrift der Naturforschenden Gesellschaft in Zürich. Jahrg. 77, No. 20, 1932 download
- Ueli Gruner: Felsstürze und Klimawandel : Auswertung historischer Daten aus dem Kanton Bern. Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft in Bern, 2016. download
- Ueli Gruner: Sturzereignisse in der Schweiz – eine statistische Auswertung. Swiss Bull, angew. Geol. Vol. 17/2, 2012 download
- Ueli Gruner: Klima und Sturzereignisse in Vergangenheit und Zukunft. Bull. angew. Geol. Vol. 9/2 Dezember 2004 download
- Ueli Gruner: Bergstürze und Klima in den Alpen – gibt es Zusammenhänge? Bull. angew. Geol. Vol. 11/2 Dezember 2006 download
- Ueli Gruner: Bergstürze – Begriff, Ursachen und Einflussfaktoren, Prozessauslösung, Häufigkeit, Prozesskette und Umgang mit Bergsturzproblematik (Beitrag AGN). Swiss Bull. angew. Geol. Vol. 23/1, 2018 download
- Robert Kenner und Marcia Phillips: Fels- und Bergstürze in Permafrost Gebieten: Einflussfaktoren, Auslösemechanismen und Schlussfolgerungen für die Praxis. Schlussbericht Arge Alp Projekt ‚Einfluss von Permafrost auf Berg- und Felsstürze‘. download
Zukünftige Felsstürze im Kanton Glarus
Die Karte Naturgefahren Prozessquelle HPA Sturz zeigt, wo sich im Kanton Glarus Steinschlag, Blockschlag oder Felssturz lösen kann, der für Siedlungen oder Verkehrswege eine Gefahr darstellt.

Zu dieser Hauptprozessart Sturz gehören die Prozesse Steinschlag, Blockschlag, Felssturz und Eisschlag.
Prozessquelle (PQ)
Die Prozessquelle bezeichnet den Ort / das Gebiet, wo sich einer der drei Prozesse Steinschlag, Blockschlag, oder Felssturz lösen kann.
Die Karte Naturgefahren Gefahrenstufen HPA Sturz zeigt, wo Siedlungen oder Verkehrswege von Felsstürzen bedroht sind – und in welchem Ausmass (Gefahrenstufen).

Zur Hauptprozessart gehören die Prozesse Steinschlag, Blockschlag und Felssturz (sowie Eisschlag).
Literatur
- Naturgefahren im Kanton Glarus – Faktenblatt Auflage 2 – Februar 2022 download
- Wegleitung zur Berücksichtigung von Naturgefahren in der Nutzungsplanung und im Baubewilligungsverfahren: Wegleitung für Planer und Behörden. 2023 download
Links
Weitere Naturgefahrenkarten des Kantons Glarus
Schutz vor Naturgefahren im Kanton Glarus
Kontakt
Fachstelle Naturgefahren des Kantons Glarus
Zukünftige Felsstürze im Kanton St. Gallen
Die Karte Gefahrenquellen Sturz Kanton St. Gallen zeigt, wo sich im Kanton St. Gallen Felssturz lösen kann, der für Siedlungen oder Verkehrswege eine Gefahr darstellt.
Diese Gefahrenquellen können beispielsweise eine Felsfläche sein oder ein Steilhang mit aufliegenden Blöcken.

Die Karte Gefahrenkarte Sturz zeigt, wo Siedlungen oder Verkehrswege von Felsstürzen bedroht sind – und in welchem Ausmass (Gefahrenstufen).

Die Karte Szenarien Sturz zeigt, wo es in der Umgebung von besiedeltem Gebiet oder im Bereich von Verkehrswegen zu Felsstürzen, Steinschlag oder Blockschlag kommen kann.

Literatur
Naturgefahrenkommission des Kantons St.Gallen: Bauen in Gebieten mit gravitativen Naturgefahren.
Juli 2019 download
Links
Naturgefahrenkarten des Kantons St. Gallen
Erläuterung zu den Naturgefahrenkarten
Gebäudeversicherung St. Gallen: Gebäudeschutzziele im Kanton St. Gallen
Kontakt
Abteilung Naturgefahren des Kantons St. Gallen
Zukünftige Felsstürze im Kanton Graubünden
Die Karte Gefahrenkarte Sturz zeigt, wo Siedlungen oder Verkehrswege von Felsstürzen bedroht sind – und in welchem Ausmass (Gefahrenstufen).

Szenario „erheblicher Felssturz“
In Graubünden ereignet sich durchschnittlich ein Mal in 30 Jahren ein Felssturz, bei dem das Ausmass der Auswirkungen mit folgendem Szenario vergleichbar ist.
Ausgangslage
Nach ausgiebigen Niederschlägen lösen sich rund 7‘000 m3 Gestein und stürzen 200 m in die Tiefe auf eine Strasse.
Auswirkungen
Zwei Personen werden in ihrem Auto getroffen und schwer verletzt. Aufgrund der als instabil eingeschätzten Lage gestaltet sich die Rettung und Bergung der Personen als schwierig, aber erfolgreich. Räumungs- und Sicherungsarbeiten können erst fünf Tage nach dem Felssturz aufgenommen werden. Die Strasse ist die Hauptverbindungsstrasse in ein Tal und bleibt für rund drei Wochen gesperrt. Rund 100 Personen müssen während der drei Wochen teilweise mit Nahrungsmittel, Medikamenten usw. per Luft unterstützt werden.
Personenschaden
Zwei schwerverletzte Personen.
Schäden
Kosten für Bergung, Räumung und Instandstellung: rund 400‘000 Franken.
Quelle
Amt für Militär und Zivilschutz Graubünden: Gefährdungsanalyse Kanton Graubünden. 2014. Referenzszenario Stein-/Blockschlag, Felssturz N06. download
Szenario „grosser Felssturz“
In Graubünden ereignet sich durchschnittlich ein Mal alle 100 bis 300 Jahre ein Felssturz, bei dem das Ausmass der Auswirkungen mit folgendem Szenario vergleichbar ist.
Ausgangslage
Die Bewegungen einer Felswand oberhalb eines Dorfes werden seit Jahren kontinuierlich überwacht. Völlig überraschend lösen sich rund 200‘000 m3 Gestein und stürzen ins Tal. Zeit für eine Warnung vor dem Bergsturz oder einer Evakuierung bleibt nicht.
Auswirkungen
Ein Landwirtschaftsbetrieb, zwei Ferienhäuser sowie ein Campingplatz werden von den Felsmassen getroffen. Neun Personen sterben, 15 Personen sind zum Teil schwer verletzt. Das Bauernhaus wird vollständig zerstört, Kühe und Schafe werden verschüttet.
Die Bewohner des Dorfes müssen evakuiert werden, bis sichergestellt werden kann, dass die Lage stabil ist. Strassen und Strommasten werden in rund drei Wochen wieder instandgesetzt.
Personenschaden
Neun Tote, 15 teilweise schwerverletzte Personen
Schäden
Die Sachschäden belaufen sich auf rund 6 Millionen Franken; die Kosten für Bergung, Räumung und Instandstellung auf weitere 4 Millionen Franken
Quelle
Amt für Militär und Zivilschutz Graubünden: Gefährdungsanalyse Kanton Graubünden. 2014. Referenzszenario Stein-/Blockschlag, Felssturz N06. download
Literatur
Amt für Militär und Zivilschutz Graubünden: Gefährdungsanalyse Kanton Graubünden. 2014. Referenzszenario Stein-/Blockschlag, Felssturz N06. download
Christoph Marty: Klimaänderung und Naturgefahren in Graubünden. Schweiz Z Forstwes 160 (2009) download
Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden: Gletscher und Klimawandel in Graubünden. Faktenblatt 14, Januar 2009. download
Karten
Infos zu den Erfassungsbereichen
Kontakt
Amt für Wald und Naturgefahren Graubünden
Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann