„Grosses Unglück brachte das Jahr 1725 über das ganze Land. Der Mai war sehr heiss und ein grosser Theil des Heues verbrannte, wurde aber durch Emd ersetzt. Im Heumonat entlud sich über Glarus und Umgegend vom Klönthal her ein grosses Hagelwetter. Im Klönthal sollen Steine wie kleine Kegelkugeln, im Boden wie Hühnereier gefallen sein.
Der Herbstmonat hat sich durch eine der grössten Ueberschwemmungen unvergesslich gemacht. 34 Tage hatte es vorher ununterbrochen geregnet. Am 18. Sept. fiel bei Regen in der Tiefe auf den Alpen ein grosser Schnee und erfüllet das Land durch dessen Schmelzung durch den am 19. wieder über die Berge steigenden Regen mit hohen Wasserfluthen. Linth, Sernft und viele Bäche waren am 20. entsetzlich angeschwollen.
In Linthal war die Ebene von einer Kirche zur andern nur ein See, weil der Durnagelbach den Abfluss der Linth verhinderte. Ein Haus wurde weggerissen, doch gerade zum Schirm des Pfarrhauses und der evangelischen Kirche versetzt. Viele andere Häuser wurden in ihrem Fundamente angegriffen. Auch das Sernfthal litt empfindlich an Grund und Boden. in Matt wurde ein Haus weggespült.
In Glarus musste man noch vor anbrechendem Tage Sturm läuten, weil es schien, die Linth wolle ihr gewöhnliches Bett verlassen und völlig in den Flecken eindringen. Nur mit Noth konnte dies verwehrt werden, doch war der Schaden ein beträchtlicher, da namentlich die Wuhrtanne bei der Ennendaner Linthbrücke, die als Wasserleitung für etliche Mühlen dient, weggerissen worden war.
Im Unterland schien ein See von Näfels bis Weesen sich zu erstrecken; in Näfels verlor ein Knabe das Leben. In Niederurnen war Dorf und Kirche vom Wildbache arg heimgesucht worden. Der Gottesdienst musste im Freien gehalten werden. Erst am 21. wurde auch Netstall durch den Löntsch bedroht, so dass in Glarus, Mitlödi und Ennenda Sturm geläutet wurde. Von allen Seiten eilten Hülfsmannschaften herbei und es gelang den äussersten Anstrengungen, das Herübertreten des Baches in’s Dorf zu verhindern. Die Brücken in Linthal, Hätzingen, die Erlenbrücke in Schwanden, die Linthbrücken in Ennenda, Ennetbühls und Netstall wurden weggerissen.
Der Gesamtschaden wurde auf 80’000 Gulden geschätzt. Die Beschädigten fanden im Lande reichliche Unterstützung und auch Zürich und Bern sandten Beisteuern.“
Quelle
Legler, D.: Die Wasserverheerungen des 18. Jahrhunderts im Kanton Glarus und die in derselben untergegangene evangel. Kirche. Jahrbuch des Historischen Vereins des Kantons Glarus, Band 16 (1879). download
Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

