Unwetter 1764 · Kanton Glarus (und weitere Kantone) · GL/GR/SG

Unwetter im Kanton Glarus, 1764

Das Unwetter in der Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz

Abbildung zu «Unwetter im Kanton Glarus, 1764»
Ort und Stärke der Unwetterschäden im Sommer 1764.
Ort und Stärke der Unwetterschäden im Sommer 1764. Quelle: Röthlisberger, Gerhard: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz.

Das Unwetter in der Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz

Gerhard Röthlisberger schreibt in seiner „Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz“:

Schwere Wasserkatastrophe in weiten Gebieten der Schweiz. Ursache: 40 Stunden anhaltender warmer Regen im Juni und «erschröckliche Wassergüsse» im Juli und August.

  • Glarus: Verheerungen im Linth- und Sernftal.
  • Ennetlinth wurde fast in «Schutt verwandelt».
  • Netstal wurde durch die Löntsch verwüstet.
  • Von Näfels bis Bilten bildete sich ein See.
  • Die Überschwemmungen von 1762 und 1764 leiteten die völlige Versumpfung der Linthebene ein.
  • Schwyz: Ausbrüche der Muota; lbach stand während 4 Wochen unter Wasser.
  • Nidwalden: Katastrophe in Buochs und Stans, « … die Buochser Rübi riss 11 Menschen, 11 Häuser und 8 Ställe fort … ».
  • Zug: Wasserschäden in Aegeri durch den Dorfbach, « … die Leute verliessen ihre

Häuser fluchtartig … ».

Quelle

Röthlisberger, Gerhard: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz. Berichte der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Nr. 330, 1991. download

Das Unwetter von 1764 im Kanton Glarus

„(…) Schon im Jahre 1764 folgten neue Wasserverheerungen, die denen von 1762 nahe kamen. Ein 40 Stunden ununterbrochen andauerndes warmes Regenwetter löste wiederum die Firnen und verursachte Brüche und Erdschlipfe, so dass das Land auf das Pfingstfest, 29. und 30. Mai, einen schreckvollen Anblick darbot. Viel saure Arbeiten, wodurch die Verwüstungen der frühern Ueberschwemmung wieder reparirt worden waren, wurden vernichtet. Abermals grosser Verlust an Land, Brücken, Strassen und Wuhrungen.

In Linthal war die Verwüstung grösser als anno 1762, das dortige »Taufbuch« enthält hierüber folgende Schilderung: »In dem Jahr 1764 fiele abermals am Pfingstfest Morgens ein entsetzliches Regenwetter ein und dauerte fast 48 Stunden lang. Dadurch wurden alle Wasser so sehr angetrieben, dass selbe hier eben so stark gewütet, als zwei Jahr vorher. Der Boden, der theils schon abgesäubert, theils noch unversehrt geblieben, wurde noch gänzlich ruinirt und zum Wachsthum untüchtig gemacht; sonderlich traf dieses Unglück die im Ennetlinth, wohin die Linth ihren Lauf genommen. Man musste daselbst aus den Häusern fliehen äusserst in den 2 untersten Häusern.

Im Schöpfgruben und im neuen Haus des Bernhard Zweifel hinter der Kirchen war noch etwas Sicherheit. Einige Häuser und Ställe wurden niedergefällt und theils weggeschwemmt. Dadurch wurden ändere veranlasset ihre noch aufrecht, aber in augenscheinlicher Gefahr stehenden Häuser wegzuschieben. So machte man es mit dem evangelischen Pfarrhaus, welches grad von der Scheidgass weg ennert der Linth gestanden und hieher in das Dorf versetzt worden, wie aus dem übrig gebliebenen Garten und Hausmauern zu sehen: so wurde eins nächstes dabei abgebrochen. Drei ansehnliche Häuser zu oberst im Ennetlinth, bei der Mülli genannt, allwo nur noch eins stehen geblieben. Drei nächstes ob und unter der Kirche etc. Die zwei unter der Kirchen nächststehenden Sägengewirb wurden fortgeschwemmt. Die Kirchen stehet noch jezo in der grössten Gefahr, weil die Linth hart dabei den Lauf gehabt und noch hat.

Wie es derselben ergehen werde, wird die Zeit lehren. Es ist wohl zu glauben, dass der Linth, welche nichts als ein lockeres Sand vor sich hat, so bald einen ordentlichen Lauf haben oder in den Schranken behalten werden könne. Im ganzen Ennetlinth blieb hierhalb der Gass kein Platz unversehrt und vieles hinter der Gass wurde überfegt mit Sand und Steinen, jedoch nicht alles. Auf der Dorfseite wurde alles bis an die Euren unnütz gemacht und durch die Tschächli hinab gar vieles verderbt.«

Auch durchs ganze Grossthal hinaus waren die Verheerungen gross. Ueber die Verheerungen in Schwanden sagt das Tagwensbuch: »Anno 1764. War im Glarnerland abermalig grosses Wasser und zwar an der Pfingsten, es war nur ein Schue nidriger als A. 1762 und hat grossen Schaden zugefügt sonderlich zu Schwanden hat die Linth unter Bänzigen ein Gut weggenommen worauf die Strass durch den Borg auf oberkeitlichen Befehl mit Taglöhner gemacht und gesprengt wurde; Ferner hat der unterhalb Zusingen Mühlebach grossen Schaden gethan in dem zu oberst im Tobel viel Erdschlipfe mit gewaltigen Stämmen eingebrochen, dass er vor den Häusern, ob, und hinter den Häusern ausgebrochen und sehr grossen Schaden gethan alle Güter fest bedeckt und bis den Herbst vielmal den Ausbruch erneuert.«

In Netstall rauschte der Löntsch wieder mitten durchs Dorf hinab und verwüstete den Ort. Näfels stund wie anno 1762 in einem See, drei vier Fuss tief, der bis gen Weesen reichte. Gleichermassen waren die Flächen von Niederurnen und Bilten bedeckt. Das Sernfthal litt auch, doch nicht in dem Masse, wie anno 1762.

Der Schaden wurde auf ca. 300’000 fl. angeschlagen und Behufs dessen Deckung in gleicher Weise verfahren wie anno 1762. In Folge dieser erneuerten Ueberschwemmung waren die Land-Strassen beinahe gänzlich unpraktikabel geworden und die Landsgemeinde des Jahres 1765 beschloss deshalb eine vollständig neue Strassenanlage. Gleichzeitig wurde Hr. Hauptmann Jakob Schindler als Strassendirektor ernannt und ihm eine tägliche Entschädigung von 1 fl. festgesetzt. Innerhalb 6 Jahren wurden aus dem Landseckel ca. 37’000 fl. für Strassenverbesserung ausgegeben und nebenbei wurde viel noch von den Gemeinden gethan.“

Quelle

Legler, D.: Die Wasserverheerungen des 18. Jahrhunderts im Kanton Glarus und die in derselben untergegangene evangel. Kirche. Jahrbuch des Historischen Vereins des Kantons Glarus, Band 16 (1879). download

Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

Videos zum Thema

Literatur zum Thema

Weitere Ereignisse dieser Art

  • Der unterspülte Abschnitt der Autobahn A13.

    Unwetter 2024 · Misox · GR

    2024 Misox GR

    Am Freitag, 21. Juni 2024 führten intensive Niederschläge im Misox zu Murgängen und Überschwemmungen. Dabei traten mehrere Bäche über die Ufer. Im…

  • Unwetter 2019 · beide Seiten des San-Bernardino-Passes · GR

    2019 San Bernardino GR

    Auf beiden Seiten des San-Bernardino-Passes – sowohl im oberen Misox als auch im Rheinwald – führte das Unwetter zu Schäden an Landwirtschaftsland,…

  • Abbildung zu «Unwetter im Kanton Graubünden, 2005»

    Unwetter 2005 · der gesamte Alpennordhang zwischen der Sarine und dem Alpenrhein · GL/GR/SG

    2005 Kanton Graubünden

    Während des Unwetters vom 21./22. August 2005 entstanden gesamtschweizerisch erfassbare Schäden von rund drei Milliarden Franken. Am stärksten betroffen waren die Kantone…

Alle 110 anzeigen →