

Das Unwetter in der Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz
Gerhard Röthlisberger schreibt in seiner „Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz“:
1888, 31. Juli bis 3. August. Überschwemmungen, Rüfenniedergänge und Rutschungen infolge anhaltender, heftiger Regenfälle. In Uri übersaarten Reuss, Schächen und viele Nebenbäche zahlreiche Heimwesen. Die Gotthardstrasse wurde an mehreren Orten meterhoch verschüttet, bei Schattdorf brachen die Reussdämme. Ferner ereigneten sich Schäden in den Kantonen Nidwalden, Zug (Lorze), Graubünden (Vorderrhein u.a.), St. Gallen, Thurgau (Thur), Aargau (Aare, Reuss, Sisseln u.a.), Bern und Wallis (Rhone).
1888, 10.-11. September. Hochwasser im Bündnerland wegen heftigen Regenschauern, « … es blieb keine Talschaft des grossen Kantons gänzlich verschont … am verheerendsten wüteten Hinterrhein, Inn und Poschiavino … ». Auch im St. Galler Rheintal kam es zu Überschwemmungen.
Quelle
Röthlisberger, Gerhard: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz. Berichte der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Nr. 330, 1991. download
Literatur
Giuliani, Roberto: Ricordi. Quaderni grigionitaliani. Band 28, 1958-1959. Heft 1. download
Medienbericht zum Ereignis
Der Bund, Band 39, Nummer 252, 11. September 1888
Eine Samstag morgens vorgenommene Beaugenscheinigung des Felssturzes an der Strasse nach Teufen ergab, dass man hier vor einem in der appenzellischen Strassengeschichte seltenen Ereignis steht. Freitag abends muss wieder eine starke Rutschung stattgehabt haben; die noch drohenden, grässlich zerborstenen Felsen dürften beim Absturz noch weitere 5 oder 6 m der Strasse mit sich in die Tiefe reissen. Und dabei regnets wieder in Strömen, alle Bäche gehen wieder wild und reissen Uferstücke mit. An der Strassenbahn kann gar nicht gearbeitet werden; auch ist der Bahnkörper ohnedies zwischen Riethäusli und der Sturzstelle an mehreren Orten verschüttet und bedroht. Infolge dieser Schädigungen wird die Eröffnung ohne Zweifel um einen ganzen Monat hinaus verzögert.
Die westlichen Quartiere der Stadt St. Gallen, die sich erst seit kurzem des Hundwiler Wassers erfreuten, müssen dasselbe, wie das „St. Galler Tagblatt“ meldet, wieder geraume Zeit entbehren, indem die Leitung bei der Felssturzstelle völlig zerstört und deren Wiederherstellung mit grossen Gefahren und Kosten verbunden ist.
Aus Rorschach meldet man dem St. Galler Tagbl.: „Samstag vormittags fand ein neuer Ausbruch des Ankerbaches statt; der untere Hafenplatz beim „Hirschen“ und die Bahngeleise längs des bilden einen See; es muss fortwährend angestrengt gearbeitet werden, um die Wassernot zu mindern und möglichst zu lokalisiren. Wir werden keine Ruhe bekommen, bis endlich gründliche Abhülfe getroffen wird durch Anbringung von Talsperren zur Ableitung der Unmasse von Geschiebe, welches dieser Wildbach mit sich führt. Ein Teil der Bewohner Rorschachs schwebt in beständiger Gefahr und die Aufregung ist eine grosse.
Auch zwischen Martinsbrugg und Eggersriet (St. Gallen) ist der Strassenverkehr durch einen unweit von dem letztgenannten Orte ergangenen ziemlich bösartigen Erdschlipf unterbrochen. Ein Haus, welches sich in dem letzteren befindet, musste geräumt werden.
der Bericht in e-newspaperarchives

Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

