Die Ostschweiz, 13. Juni 1895
Neue Hiobsbotschaften! Leider müssen wir schon wieder recht traurige Berichte registrieren. Sie lauten: Bazenhaid, 12. Juni. Ein wolkenbruchartiger lang andauernder Regen hat hier gestern Abend viel Schaden verursacht. Das Wasser floss in Strömen über die steilen Wiesen von Kirchbergs Höhen herab, so dass es die beiden Dorfbäche von Ober- und Unterbazenhaid nicht mehr zu fassen vermochten und in ganz anderer Richtung abwärts floss.
Unterbazenhaid lag buchstäblich in einem See mit starken Strömungen. Noch schlimmer arbeitete das Wasser in Oberbazenhaid, Die Gemeindestrasse wurde ein Stück weit in halber Breite fortgerissen, ein Gartenteil weggeschwemmt, Brücken vernichtet. Das Wasser brach die Tore einer Scheune auf und führte einen Wagen mit sich fort. Der Abendzug von Ebnat nach Wil musste wenige Minuten nach Abfahrt von Bazenhaid wieder in den hiesigen Bahnhof zurückkehren, weil die Bahnlinie beschädigt wurde. In der Nähe dieser Stelle ist ein ganzer Garten vollständig fortgeschwemmt worden.
Auch heute ist die Feuerwehr aufgeboten, um für das morgige Fest wenigstens den Weg nach Kirchberg wieder passierbar zu machen. Niemand erinnert sich, Bazenhaid jemals in einer solchen Wassernot gesehen zu haben.
Mogelsberg, 12. Juni. Ein Erdschlipf (in Folge Wolkenbruch) in der Nähe vom Dorf Mogelsberg hat die Postverbindung mit Hoffeld-Degersheim zerstört.
Niederuzwil, 12. Juni. Die Sturmglocken riefen gestern Abend zum Kampfe gegen die Uze, welche mehrere Brücken zerstörte und grosse Verheerungen verursachte.
St. Josephen, 12. Juni. Gestern Abend entlud sich über unsere Gegend ein Gewitter mit starkem Wolkenbruch Mit starkem Getöse, stärker als der Rheinfall, tobte der sonst ruhige Fahrnenbach Schlamm und Kies mit sich führend.
Ebenso der durch Abtwil gehende Mühlebach, er verwandelte eine schöne Strecke in einen See, Wohnstuben und Ställe nicht schonend. Der Schaden an Kulturen ist nicht unbedeutend.
der Bericht in e-newspaperarchives
St. Galler Volksblatt, 15. Juni 1895
Rorschach, 12. Juni. Ein furchtbares Gewitter ging gestern Abend 8 Uhr über unsere Gegend nieder. Im Unterdorf war die Gefahr des Eindringens des Wassers in die Häuser eine sehr grosse. Der Kronenplatz war von anstauendem Wasser ganz überschwemmt. An einem Orte wurde laut „Tagblatt” die „Bsetzi” weggeschwemmt, und bei Sand musste sogar der Zug wegen dem Wasser anhalten.
der Bericht in e-newspaperarchives
Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

