Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 25. Juli 1900
Samstag abends vor 6 Uhr entlud sich über die Vorderberger Alpen und Maienberge von Amden ein kolossales Gewitter. Im Nu schwollen die kleinen Bergrunsen zu wirklichen Strömen an. Ueberall wurden hohe Stege und festgemauerte Brücken mit ihren grossen Steinplatten wie Pappendeckel weggespült. Die reissenden Wogen brachten Schutt, Geröll. Stöcke, kleinere entwurzelte Bäume und 10-20 Centner schwere Steine mit sich. Schon weit oberhalb des Dorfes vermochten die Gräben und Bäche die grossen Wassermassen nicht mehr zu fassen und zwangen sie, einen andern Weg zu suchen, so dass viele Wiesen einem wilden See glichen.
Und erst im Dorfe! Obdorf, Rietle, Rüti, Schwendi, Gässli und teilweise auch Hofstetten ist verwüstet. Strassen. Gärten, Felder und an einigen Orten sogar Wiesen sind bis auf den nackten Felsen ausgefressen, andere derart von Schlamm und Steinen überführt, dass nur mehr Hagpfosten und Bohnenstangen aus dem Wirrwarr herausschauen. Zwei Familien flüchteten, andern war das nicht einmal mehr möglich, da das Wasser oben, links und rechts in das Haus eindrang. In den Kellern lag ein bis drei Fuss Wasser und Schlamm und verwehrte den Eingang von oben und aussen.
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Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

