Unwetter 1934 · Kanton St. Gallen · GL/GR/SG

Unwetter im Kanton St. Gallen, 1934

Ort und Stärke der Unwetterschäden vom 9. bis 10. September 1934. Quelle: Röthlisberger, Gerhard: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz. download Das Unwetter in der Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz Gerhard Röthlisberger schr

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Ort und Stärke der Unwetterschäden vom 9.
Ort und Stärke der Unwetterschäden vom 9. bis 10. September 1934. Quelle: Röthlisberger, Gerhard: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz. download

Das Unwetter in der Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz

Gerhard Röthlisberger schreibt in seiner „Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz“:

Ein gewaltiger Gewitterzug zog vom Genfersee über das Simmental und Thunerseegebiet in die lnnerschweiz und weiter bis zum Bodensee. Bachausbrüche, Überschwemmungen und Rutschungen verursachten Schäden von über 6 Millionen Franken (damaliger Geldwert).

Schwerpunkte der Verwüstungen waren die Kantone Schwyz und Zug, speziell die Regionen um die Rigi, den Zugerberg, den Rossberg und den Aegerisee. Auf dem Rigi-Kulm wurden innert 45 Minuten 120 mm Niederschlag gemessen.

Quelle

Röthlisberger, Gerhard: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz. Berichte der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Nr. 330, 1991.

Elementarschäden und Versicherung

9./10. September 1934. Katastrophale Niederschläge im Voralpengebiet, die sich vom Rigi bis zum Bodensee hinzogen. Die Bäche führten bedeutendes Hochwasser, überschwemmten ihre Ufer und richteten an Bachverbauungen, Brücken, Kulturen, Gebäuden und Fahrnis grosse Schäden an.

Im Kanton St. Gallen wurde besonders das Gasterland betroffen, wo in Kaltbrunn der Dorfbach und der Steinenbach, in Schänis die Maseltrangerbäche über die Ufer traten. Neben den Überschwemmungen entstanden an den Hängen vielerorts Erdschlipfe. (Amtsbericht 1934, S. 21, 109, 119-121, 142-144, 148. – Bericht B. V. A. 1934, S. 6, 26. – Amtsblatt 1934, S. 957, 995, 1099, 1156, 1772. – Z. für Gemeinnützigkeit 1935, S. 273/274. – Fondsmaterialien).

Quelle

Elementarschäden und Versicherung. Studie des Rückversicherungsverbandes kantonal-schweizerischer Feuerversicherungsanstalten zur Förderung der Elementarschadenversicherungen. I. Band. Bern, 1936-

Medienbericht zum Ereignis

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 1620, 11. September 1934

Wetzikon, 10. Sept. pt Die Niederschläge haben im Zürcher Oberland maximale Regenmengen gebracht. So meldete die Regenmess-Station einen Niederschlag von 70 mm innerhalb zwölf Stunden. In Wil wurden sogar 82,2 mm gemeldet, das ist eine Menge, wie sie seit Jahrzehnten in dieser Gegend nicht mehr festgestellt worden ist. Auch im Tösstal fiel der Regen heftig und verursachte Geländerutschungen an den Berghängen sowie Ueberschwemmungen im Talboden. Bei der Station Steg musste der letzte Tösstal-Zug zwei Stunden vor einer überschütteten Stelle halten, bis die Strecke von der Feuerwehr wieder freigelegt werden konnte.

Unwetter in der Ostschweiz. Romanshorn, 10. Sept. as Das schwere Unwetter vom Sonntagabend hat auch die Gegend von Bischofszell und Roggwil bei Arbon heimgesucht und an beiden Orten grosse Verheerungen angerichtet. Die Feuerwehr musste alarmiert werden, weil die Dorfbäche über die Ufer traten und landwirtschaftliche Höfe, Wiesen, Felder und Gärten überschwemmte. Das Wasser drang in Keller und Wohnungen ein.

Bei Hauptwil wurden grosse Teile von Strassenstücken weggeschwemmt oder unterspült. In Arbon ist in der Nacht eine Regenmenge von 124,6 mm gefallen, die weit mehr als einen gewöhnlichen Monatsdurchschnitt darstellt.

Der Schaden im Zürcher Oberland. Wetzikon, 10. Sept. ag Das schwere Unwetter vom Sonntag hat im Zürcher Oberland beträchtlichen Schaden angerichtet. In Wetzikon wurden innerhalb zwölf Stunden 70 und in Hinwil 82,2 Millimeter Regenmenge gemessen. In Wetzikon überschwemmte der Wildbach bei der Fabrik Gubelmann das Wiesengelände.

In Uster kam es zu einer Ueberschwemmung der Aa. Grösserer Schaden wurde in der Gegend von Fischental im obern Tösstal angerichtet. Die Bäche überschwemmten dort viele Wiesen und Gärten mit Schlamm und Kies, so besonders zwischen Rohr und Steg. Der letzte Zug der Tösstallinie fuhr bei Lipperschwendi in einen Erdrutsch hinein und blieb stecken. Er kam dann nach Freimachung des Geleises mit grosser Verspätung in Wald an.

Das Unwetter im Kanton St. Gallen Str. Wir kamen mit unsern Rädern am Sonntagabend etwa um 19 Uhr vom Kerenzerberg her. Als es zu regnen anfing, suchten wir in Schänis bei einem freundlichen Handwerker Unterkunft. Etwa um 21 Uhr machten wir uns trotz dem strömenden Regen wieder auf den Weg. Feuerwehrleute eilten Kaltbrunn zu. Was war geschehen? Die Leute wussten meist nur wenig Auskunft. Sicher war, dass die Strasse und das ganze Land von den plötzlich angeschwollenen Bächen auf weite Strecken überschwemmt war. Steine, Aeste und Früchte lagen auf dem Boden. Sand und Kies trugen dazu bei, dass sich unsere Räder fast überschlugen. Dann und wann passierten wir Stellen, wo die Bäche auf weite Strecken die Strasse überfluteten. Männer mit Feuerwehrausrüstung und Bauern mit Oelmützen und Petrollampen standen mit besorgten Mienen herum.

Wir wollen Zürich noch in dieser Nacht erreichen. Felder, Wiesen, Gärten, alles ist von gelbem, wühlendem Schlamm überschwemmt. Ein trauriger Anblick. So geht es bis mitten ins Dorf Kallbrunn. Auf der Strecke vor Kaltbrunn war die Strasse ein See; einzelne Fussgänger stürzten ins schmutzige Wasser. Ein Bauer, bei dem wir Unterkunft fanden, erzählte, dass allein auf seinem Lande der Schaden etwa 4000 Fr. betrage. Zudem hätte sich oberhalb seines Gehöfts ein Stück Grund gelöst und war gerutscht. Nun stand er mit seinem Knechte, die Laterne in der Hand, da und musste zusehen, wie die rasenden Elemente sein Eigen verwüsteten.

Im Dorfe Kaltbrunn mussten wir anhalten. Die Strasse war versperrt und es schien unmöglich, weiterzukommen. Eine kleinere Brücke im Dorfe oben hatte es weggeschwemmt; nun war sie zwischen zwei Häusern eingeklemmt. Durch Anschwemmung von Baumstämmen, Fässern usw. hatte sich eine Mauer gebildet, so dass das Wasser auf alle Seiten abfloss, teilweise 50 bis 70 m. hoch. Im Dorfe hat man Bewohner aus den Häusern tragen müssen. Wir fanden oberhalb der Staustelle einen Steg, der noch fest war und fuhren weiter. Auch auf der Strecke nach Uznach war es schlimm, jedoch schienen die Hauptunglücksgebiete bei Kaltbrunn zu liegen. Auch in Uznach selbst waren überall Feuerwehrleute beschäftigt, den Fluten Einhalt zu gebieten. Von Uznach weg bis Jona erlebten wir die gleichen Szenen. Feuerwehrleute riefen: Achtung!

Das Wasser in der Stadt St. Gallen. St. Gallen, 10. Sept. Auch die Gegend von St. Gallen ist am Sonntagabend von dem Unwetter, das aus der Innerschweiz herkam, betroffen worden. Nach 19 Uhr setzte ein heftiges Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen ein. Von den Höhen auf der Süd- und Nordseite der Stadt ergossen sich gewaltige Bäche ins Tal hinab, wobei die Strassen vielfach tief aufgewühlt wurden.

Die sonst harmlose Steinach wurde zum reissenden Strom. Im Quartier St. Georgen staute sich das Wasser in den Wiesen, so dass sich kleine Seen bildeten, während der Platz vor der Kirche St. Georgen mit Geschiebe vollständig zugedeckt wurde.

Am meisten Schaden stiftete das Unwetter in der Gegend der obern Speicherstrasse. Der Zug der Strassenbahn St. Gallen-Speicher-Trogen, der St. Gallen um 19 Uhr 45 verlässt, konnte nicht mehr verkehren, da die Strasse zu einem Bachbett geworden war.

Auf Dreilinden hatte ein sonst kleines Bächlein das Ueberlaufen eines kleinen Weihers bewirkt, so dass sich dessen Wassermengen ins Tal hinab ergossen. Einer steilen Strasse folgend gelangten sie ins Steingrübliquartier, wo sich das Wasser staute. In einem Hause wurde das Parterre völlig unter Wasser gesetzt. Die Feuewehr war bis 1 Uhr nachts damit beschäftigt, dem Strom einen Weg zu weisen, auf dem er keinen Schaden mehr stiften konnte. Im Hauptbahnhof stand in den Durchgängen das Wasser etwa zehn Zentimeter hoch.

Teilweise Wiederaufnahme des Zugsverkehrs. Zürich, 10. Sept. ag Die Kreisdirektion II teilt mit: Der gestern gemeldete Unterbruch in Richterswil bei Bäch sowie zwischen Pfäffikon (Schwyz) und Altendorf und Lachen – Siebnen – Wangen ist heute Montagnachmittag 16 Uhr behoben worden. Die Verkehrsumleitung der Schnellzüge über Meilen-Rapperswil-Ziegelbrücke ist daher nicht mehr nötig. Mit Schnellzug 93 Zürich – Wien -Chur wurde der normale durchgehende· Betrieb wieder aufgenommen.

Wädenswil, 10. Sept. Die Schweizerische Südostbahn teilt mit, dass ab 10. September 16 Uhr die Züge Wädenswil-Einsiedeln und Rapperswil-Einsiedeln wieder fahrplanmässig verkehren. Die Strecke Biberbrücke-Arth-Goldau ist bis auf weiteres noch gesperrt.

Zürich, 10. Sept. Meteorologisch lässt sich die Wasserverheerung in der Mittelschweiz wohl am einfachsten mit einem rapiden Kälteeinbruch aus dem westlichen Gebiet des Kontinentes erklären, der am Alpennordfuss mit den stark erwärmten und mit Wasserdampf stark gesättigten Luftmassen am Alpennordrand zusammentraf. Dadurch trat eine rasche Kondensation mit heftigen elektrischen Erscheinungen zutage. Falls die gegenwärtigen Niederschläge fortdauern, wird das Hochwasser in den innerschweizerischen Flussgebieten nicht fehlen. Der Temperaturrückgang seit den letzten 24 Stunden ist auf den Höhenlagen ausserordentlich gross. Auf Rigi-Kulm, Pilatus usw. verzeichnet man einen Wärmesturz von nahezu 20 Grad Celsius. Für die allernächste Zeit hofft man auf besseres Wetter und auf ein Nachlassen des schweren Regenfalles.

der Bericht in e-newspaperarchives

Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

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