Unwetter 1566 · Unter anderem in den Kantonen Glarus, Graubünden und St. Gallen · GL/GR/SG

Unwetter in den Kantonen Glarus, St. Gallen und Graubünden, 1566

Ort und Stärke der Unwetterschäden im Jahre 1566. Quelle: Röthlisberger, Gerhard: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz. download Das Unwetter in der Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz Gerhard Röthlisberger schreibt in seiner “

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Ort und Stärke der Unwetterschäden im Jahre 1566.
Ort und Stärke der Unwetterschäden im Jahre 1566. Quelle: Röthlisberger, Gerhard: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz. download

Das Unwetter in der Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz

Gerhard Röthlisberger schreibt in seiner „Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz“:

Unglücksjahr. Verheerende Seuchen und unerhörte Überschwemmungen während 30 Tagen. In den Alpen blieb fast kein Tal verschont. Eine unermessliche Anzahl Personen fielen den Unwettern zum Opfer. Ursache war ein «grosser Schnee» im Januar und wahre Regengüsse (mit einsetzender Schneeschmelze) im Sommer, « … die Leute glaubten, eine zweite Sündfluth stehe bevor … ».

  • Im St. Galler Rheintal kam es zu Verwüstungen.
  • In ganz Rhätien kam es vom 24. bis 30. August zu «grossartigen» Überschwemmungen. Dabei wurden die meisten Brücken weggerissen und viele Gebäude zerstört. Unter anderem wurden das Bergell und das Engadin völlig entstellt, Vals und Tavetsch verheert.
  • Das Glarnerland wurde überschwemmt.

Auch in anderen Landesteilen richtete das Wasser grossen Schaden an.

  • In Luzern stürzte das Zeughaus ein. Man konnte mit den Schiffen bis zur Barfüsserkirche fahren.
  • Der Gruonbach in Flüelen brach aus.
  • in Kleinbasel « … strömte das Wasser fast bis zu den Zinnen der Mauer … »
  • Die Aare, Saane, Zihl und andere Flüsse führten Hochwasser.
  • die Jura-Randseen überliefen derart, dass dadurch die wirtschaftliche Entwicklung des Seelandes noch bis ins 19. Jahrhundert gebremst wurde.

Der Bodensee erreichte im Sommer 1566 einen mit Hochwassermarken dokumentierten Hochstand, der möglicherweise dem Rekordstand vom Sommer 1817 gleichkam. Für den Wasserstand des Bodensees ist das Volumen der Schneeschmelze im Einzugsgebiet (Nord- und Mittelbünden, Vorarlberg) in der Regel von grösserer Bedeutung als das Niederschlagsgeschehen.

In Basel floss der Rhein während rund sechs Wochen etwa 45 cm unterhalb den Jochen der alten Brücke. Diese bemerkenswerte Dauer des Hochwassers am Wassertor der Schweiz deutet auf eine

ausserordentlich ergiebige Schneeschmelze hin.

Ausgelöst wurde das Hochwasser in der letzten Juniwoche durch ergiebige Niederschläge und das gleichzeitige Abschmelzen grosser Schneemassen Ende Juni: Die Chronisten Heinrich Bullinger und Johannes Haller (beide Zürich) heben das grosse Volumen der Schneeschmelze, Renward Cysat (Luzern) das „überflüssige Regenwetter“ als Ursachen hervor. Simme und Kander führten extreme Wassermengen. Im Mittelland wurden die meisten Brücken von den Fluten weggerissen.

Quelle

Röthlisberger, Gerhard: Chronik der Unwetterschäden in der Schweiz. Berichte der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft, Nr. 330, 1991. download

Überschwemmungen und Niedrigwasser im Einzugsgebiet des Rheins 1500–2000

Christian Pfister schreibt in seiner Publikation „Überschwemmungen und Niedrigwasser im Einzugsgebiet des Rheins 1500–2000“:

Der Winter 1565/66 gehört zu den schneereichsten seit 1500. Im Voralpen- und Alpengebiet türmten sich im Veriaufe des Winters 1566 gewaltige Schneemengen auf. Die Kühe ertranken im Schnee, als man sie von einem Heustall zum anderen führen wollte, und der Schnee war auch zu tief, um Heu mit Schlitten heranzuführen. Für das auf 1000 bis 1600 m gelegene Hügelgebiet des Schwarzwaldes sind Schneehöhen von 3 Meter überliefert.

Keine Quelle berichtet für die folgenden 332 Jahre von vergleichbaren Schneemassen. Diese Schneemassen führten dazu, dass die Überschwemmung im Sommer 1566 Im Einzugsgebiet des Rheins die gewaltigste in den letzten fünf Jahrhunderten war.

Quelle

Christian Pfister: Überschwemmungen und Niedrigwasser im Einzugsgebiet des Rheins 1500–2000. Der Rhein – Lebensader einer Region: 265–273. download

Das Unwetter in den “Beiträge zur Naturchronik der Schweiz”

C.G. Brügger schreibt in seinen Beiträgen zur Naturchronik der Schweiz:

Gegen Ende August 1566 erfolgte in Rhätien, nachdem es mehrere Tage und Nächte anhaltend bei warmer Luft über die höchsten Bergspitzen hin geregnet hatte, jene grossartige Überschwemmung, von welcher Campell (dessen eigene Frau in den Fluthen umkam) und andere zeitgenössische Engadiner Urkunden so ausführlich berichten. Sie währte vom 24. bis 30. August, in ganz Rhätien wurden die meisten Brücken (allein im Engadin deren 12) weggerissen, viele Gebäulichkeiten zerstört, Wiesen und Felder überschüttet. Im Veltlin wurde der Schaden nur allein im Terzier Tirano auf 100’000 Gulden nach damaligem Werthe veranschlagt; Bormio und Bergell wurden verwüstet, das ganze Tal Engadin, wie J. Bifrun klagt, völlig entstellt und verunstaltet.

Die Güter von Sils, Silvaplana, Surley, Campfer wurden verwüstet, die Sauerquelle von St. Moritz mit hohem Schutt überdeckt, die ganze Ebene Campania bei Samaden (vom Flaz bis zum Hügel Sax) überfluthet, Celerina, Bevers und namentlich Camogask durch die ausbrechenden Thalbäche bedroht (so dass die Bewohner der letzten 2 Orte sich auf die nächsten Anhöhen flüchteten) und der ganze tiefer gelegene Theil von Scanfs in Schrecken gesetzt, viele Brücken, wie namentlich Punt-Muraigl, die Innbrücke bei Samaden, die über den Beverserbach, die von Madulein und Süs etc. wurden arg beschädigt oder völlig weggerissen, und so durch’s ganze Innthal hinab bis Hall ungeheuer Schaden angerichtet. Der Schaden an Gütern und Allmenden wurde nur für die Gemeinde Samaden allein auf 8000 Gulden veranschlagt.

Einer solchen Wassergrösse aus früheren Zeiten konnte sich Niemand erinnern, obwohl im Jahre 1510 oder 1520 eine Überschwemmung stattgehabt hatte, welche aber mit dieser nicht zu vergleichen. (…)

Anmerkung Brügger: Diese Schilderung ist im Wesentlichen ein Auszug aus dem sehr ausführlichen lateinischen Original-Bericht des J. Bifrun: “De eluvione quae fuit 1566”.

Quelle

Brügger, C.G.: Beiträge zur Naturchronik der Schweiz, insbesondere der Rhätischen Alpen. Teil II. Naturchronik des sechzehnten Jahrhunderts. Beilage zum Programm der Bündnerschen Kantonsschule. Buchdruckerei Casanova, Chur, 1877.

Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

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