Vor unbekannter Zeit (gemäss einer Aussage des Lichtensteiger Amtsschreibers Würth im Jahr 1819 «vielleicht vor 1000 Jahren») löste sich aus dem östlich aufsteigenden Bergwald ein Schlipf. Er stürzte in den Klosterberg und stiess die Oberfläche wie ein Bulldozer zu einem scharfkantigen Wall zusammen, der den ganzen oberen Hang durchzieht. Hierauf glitt die Masse seitlich bergab und kam im unteren Teil der Halde zur Ruhe.
Um 1800 geriet die Lokalität Bunt in Gefahr. In der Vergangenheit hatten Thurhochwasser den Fuss des Klosterbergs unterspült. Rutschungen entstanden, so dass man vier Gebäude an der Strasse abbrechen musste.
Ab 1812 nahm die Bewegung zu.
Im extrem nassen Jahr 1816 sackte die Landstrasse ab.
1816 entschloss man sich, Massnahmen zu ergreifen, um das weitere Abrutschen der Strasse aufzuhalten. So wurde unter anderem ein Wuhr angelegt. Dieses erwies sich jedoch als „…. für die Festhaltung des ganzen Fusses der drohenden Schutthalden und zur Verhinderung des Einschneidens und Wegspühlens der Thur nicht hinreichend“. Der Aufwand war also vergeblich.
Gegen Jahresende 1816 öffneten sich im Hang über den Häusern tiefe Erdspalten. Eine starke Quelle
trat hervor. Diese war offenbar von tief liegenden Wasseradern gespeist, denn der Brunnen des Klosterhofs versiegte nicht.
Im Frühling und Frühsommer 1817 herrschte eine grosse Hungersnot.
Im Sommer 1819 wandte man sich an den berühmten Naturforscher Hans Conrad Escher (1767-1823), Erbauer des Linthwerks und Präsident der Linthkommission. Sein ausführliches Gutachten, datiert vom 18. August 1819, trägt den Titel «Gutächtlicher Vorschlag von Sicherungsmitteln gegen einen sich anbahnenden Erdschlipf in der Gemeinde Wattwil rechts an der Thur im Toggenburg». Escher hielt in diesem Gutachten fest, dass man die Rutschung nur mit umfangreichen Massnahmen in den Griff bekommen würde (Wasserableitung, Flussverbauung, Planierung des Klosterbergs). Auch kam er zum Schluss, dass das Ausmass der Rutschung und ihre möglichen Folgen so gross seien, dass « … die hohe Landesregierung um Anordnung und Leitung der Sicherungsanstalten anzugehen ist». Schlussendlich verliefen die Anstrengungen, die Rutschmasse mit professionellen Massnahmen in den Griff zu kriegen, im Sand.
Ab 1820 beruhigte sich die Rutschung.

Franz Joseph Anton Wurth, Lichtensteig: Bergsenke im Bund, Gemeinde Wattwil.
Die Legende unter dem Bild lautet:
A. Waldichter Abhang des Brandenberges, in welchen sich merkliche Rudera [Überreste] einer Überstürzung befinden.
B. Moorgrund feüchter.
C. Bergabhang in welchem mehrere Quellen offen und ferborgen fliessen
D. Muthmasslicher Gang des alten Bergsturzes, xxxx Zeichen der neuen Erdspalten ob und in der Landstrass.
E. Klosterhoof.
F. Her Doctor Oberteüfers,
G. Zürichbott Zubers,
H. Hr. Doctor Oberteüfers Irrenhaus, Scheüne und Garten.
I. Landstraass.
K. Thurfluss.
L. Neüe Wuhrung.
M. Wo in Zeit von 20 Jahren bis dato 3 Häuser und eine Schmidte rasiert wurden.
Signatur: Wurth Secretaire. Quelle: Staatsarchiv St. Gallen. Die Abbildung im Archiv der Staatsarchiv St. Gallen
Quelle
Kaiser, Markus: Der Bergschlipf im Bunt bei Wattwil : wie der berühmte Naturforscher und Wasserbauer Hans Conrad Escher im Toggenburg eine Naturkatastrophe zu verhindern versuchte. Toggenburger Jahrbuch, 2009. download
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Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

