Rutschung 1999 · im Raum Flibach · SG

Rutschung Flyalp, Weesen, 1999

Unterhalb des Mattstockes bildeten sich ausgedehnte Gehängeschutthalden. Im unteren Teil frass sich der Renzletenbach tief in den Abhang und bewirkte ein dauerndes Nachrutschen der Hänge, die teilweise mit Moränen und Gehängeschutt bedeckt …

Unterhalb des Mattstockes bildeten sich ausgedehnte Gehängeschutthalden. Im unteren Teil frass sich der Renzletenbach tief in den Abhang und bewirkte ein dauerndes Nachrutschen der Hänge, die teilweise mit Moränen und Gehängeschutt bedeckt sind. Die Rutschung Alp Flywald trat in einer mächtigen Moränenablagerung auf, wo keine früheren Rutschereignisse bekannt sind. Die Moränen stammen vom Rheingletscher und bilden relativ stabile Geländeterrassen aus, welche durch Alpwirtschaft genutzt werden.

Das Rutschgebiet im Fliwald in der Luftaufnahme.
Das Rutschgebiet im Fliwald in der Luftaufnahme. In der Bildmitte der Flibach, am unteren Bildrand Weesen und der Walensee. Die Rutschung in der interaktiven Karte

Auf dieser Seite

Wie verlief die Rutschung?

Die Rutschung löste sich im Gebiet der Alp Flywald. Grosse Materialmengen blieben unmittelbar unterhalb der Alp liegen. Das aus dem Rutschanriss fliessende Wasser floss am östlichen Rand im Gerinne des Renzletenbaches ab. Am westlichen Rand der Rutschung bildete sich ebenfalls ein Gerinne. Dieses mündete in den Renzletenbach.

Luftaufnahmen der Alp Fliwald.
Luftaufnahmen der Alp Fliwald. Bild links vor der Rutschung (15.5.1998), Bild rechts nach der Rutschung (1.6.1999). Quelle: Liener, Serena: Die Rutschung Flyalp und ihre Auswirkungen auf den Flybach (Weesen, SG).

Welches Volumen hatte die Rutschmasse?

Rund 84’000 m3.

Welche Auswirkungen hatte die Rutschung sowie die daraus entstehenden Murgänge im Raum Alp Flywald?

Die Rutschung sowie die Murgänge führten zu diversen Schäden:

  • Durch die Rutschung wurden auf der Alp Flywald eine Alphütte und zwei Nebengebäude mitgerissen und zerstört.
  • Im Renzletenbach zerstörte ein Murgang mehrere Sperren.
Zerstörtes Gebäude der Alp Flywald (Bild Ch.
Zerstörtes Gebäude der Alp Flywald (Bild Ch. Hegg). Quelle: Liener, Serena: Die Rutschung Flyalp und ihre Auswirkungen auf den Flybach (Weesen, SG).

Wie verliefen die Murgänge? Welche Auswirkungen hatten die Murgänge in Weesen?

Seit Jahrtausenden lagert der Flibach das Gesteinsmaterial (Geschiebe), das er aus seinem Einzugsgebiet talwärts transportiert, im Walensee ab. So entstand über all die Jahre ein Murgangkegel, den der Flibach mit all seinem Material anhäufte.

Der Mensch kam, liess sich auf dem Murgangkegel nieder; Weesen entstand. Mit zunehmender Besiedlung nahmen die Einwohner dem Flibach die Freiheit, sich auf seinem Weg zum Walensee auf seinem Kegel auszubreiten. Heute ist der Flibach gezwungen, durch ein gepflastertes Gerinne, das der Mensch für ihn gebaut hat, direkt in den Walensee zu fliessen. Dieses Gerinne durchquert das Siedlungsgebiet von Weesen in direkter Linie.

Am 23. Mai gelangten Teile der Rutschmassen in den Renzletenbach und von dort in den Flibach. Aus diesen Ablagerungen löste sich ein Murgang, der die Wohnzonen von Weesen aber nicht erreichte. Der Murgang war vermutlich sehr dünnflüssig, da die Bäume auf beiden Seiten des

Renzletenbaches bis zu 10 Meter hoch mit Schlamm verspritzt waren.

Die Murganggefahr nahm zu. Die Bevölkerung im engeren Gebiet des Flibaches – rund 400 Einwohner in 100 Wohnhäusern – wurde aufgefordert, die Häuser zu verlassen. Die Strasse nach Amden wurde gesperrt und nur für Konvois geöffnet.

Am 24. Mai 1999 um ca. 9 Uhr rutschte nochmals eine grosse Masse aus dem Renzletenbach in den Flibach ab. Ein weiterer Murgang löste sich. Dieser bewegte sich im Gebiet Cholgrueb dickflüssig und mit relativ geringer Geschwindigkeit (ähnlich wie ein zäher Lavastrom) talwärts. Er füllte das Gerinne auf dem Murgangkegel auf der ganzen Länge auf. Folge: Der Flibach trat teilweise über die Ufer.

Mehrere Bagger und Lastwagen transportierten pausenlos Geschiebe weg.

Am 24. Mai 1999 um ca. 14 Uhr suchte sich ein weiterer Murgang den Weg zum Walensee. Da das Gerinne ausgefüllt war, konnte er nicht bis zum See fliessen. Er trat über die Ufer und überführte drei Häuser mit Geröll und Schlamm. Weitere Gebiete mussten evakuiert werden, obwohl im Kegelbereich ständig 6 Bagger und 14 Lastwagen im Einsatz standen. Dank dem guten Wetter stabilisierte sich die Situation am Abend des 24. Mai wieder. Die ersten Evakuierungen konnten bereits am Abend aufgehoben werden.

Am 25. Mai 1999 nahmen der Abfluss und die Geschiebezufuhr langsam ab. Die Situation beruhigte sich. die Evakuierung. Für die meisten Gebiete konnte die Evakuierung aufgehoben werden.

Im Verlauf des Sommers 1999 wurden bei jedem grösseren Niederschlagsereignis im Raum Flyalp Material aus den Ablagerungen der Rutschung vom Flibach mitgeführt und bis zum Gerinne auf dem Murgangkegel transportiert. So kam es im Gerinne regelmässig zu Geschiebeablagerungen, die ausgebaggert werden mussten.

  • Die Rutschung sowie die daraus entstandenen Murgänge trugen aus den Einhängen und dem Gerinne des Renzletenbaches rund 150’000 m3 Gesteinsmaterial ab.
  • Davon gelangten circa 70’000 m3 bis in den Flibach. Der Rest wurde im Renzletenbach abgelagert.
  • Der Flibach transportierte 20’000 – 30’000 m3 Material bis zum Murgangkegel.
  • 10‘000 – 20’000 m3 Feststoffe flossen durch das Gerinne direkt in den See.
  • 10‘000 m3 mussten aus dem Gerinne ausgebaggert werden.
  • Bis im Herbst 1999 musste man weitere 15’000 m3 Material aus dem Gerinne ausbaggern.

Warum kam es zur Rutschung?

Vom 20. bis 22. Mai 1999 fielen in Weesen 205 mm Niederschlag. Am 21. Mai wurde mit 160 mm Niederschlag der höchste Tagesniederschlag seit Messbeginn (1881) registriert. Diese grossen Niederschläge führten zusammen mit der bereits erfolgten Schneeschmelze zu einer extrem hohen Wassersättigung im ganzen Einzugsgebiet – und zum Ablösen der Rutschung auf der Alp Flywald.

Gefahren und Gefahrenmanagement

Nach dem Rutschereignis von 1999 entstand im Gebiet der Alp Flywald die Gefahr von weiteren lokalen Geländebewegungen (Nachrutschungen). Diese bedrohten bei der Alp Flywald eine Alphütte sowie Weideland.

  • Durch die Rutschung Fliwald gelangten weiterhin grosse Mengen Feststoffe in den Renzleten- und Flibach. Deshalb bestand in diesen Bächen die Gefahr von grösseren Murgängen.
  • Der Renzletenbach transportierte grosse Gesteinsmengen in den Flibach. Deshalb war ein Aufstauen des Flibaches möglich. Man musste davon ausgehen, dass unter den gegebenen Umständen grössere Murgänge den relativ dicht besiedelten Flibachkegel erreichen können. Deshalb bestand die Gefahr, dass das Gerinne verstopft, der Bach über die Ufer tritt und im besiedelten Kegelbereich grossflächige Übersarungen auftreten können. Die gerinnenahen Häuser waren dabei durch Murgänge und Geschiebeablagerungen stark gefährdet.

Sofortmassnahmen

  • Das Gerinne im Kegelbereich wurde ständig ausgebaggert, damit möglichst viele Feststoffe in den See gelangen konnten.

Am Flibach wurden Überwachungsposten eingerichtet und die Bevölkerung im engeren Gebiet des Flibaches in Evakuierungsbereitschaft gesetzt.

Beobachtungen und weitere Massnahmen

Folgende weitere Massnahmen und Beobachtungen wurden angeordnet:

  • Überwachung des Rutschgebietes mittels geodätischer Distanzmessung
  • Erstellen eines Wassergrabens entlang des Ostrandes des abgerutschten Gebietes
  • Neuorganisation der Überwachung
  • Sicherstellen des kurzfristigen Wiedereinsatzes von Baumaschinen
  • Ausbaggern des Gerinnes im besiedelten Gebiet
  • Freilegen des Bachlaufes in der Chohlgrueb.

Weitere Massnahmen wie die Schaffung eines Rückhaltebeckens im Raum Mietsack wurden geprüft.

Wie häufig treten im Flibach Rutschungen und Murgänge auf?

Vor dem Ereignis von 1999 traten im Einzugsgebiet des Flibaches regelmässig Rutschereignisse auf (meistens nach längeren Niederschlagsereignissen). Ein Beispiel: Das letzte grössere Rutschereignis von 1965 ereignete sich analog zur Rutschung Alp Flywald nach einem sehr hohen Tagesniederschlag.

Im Flibach-Einzugsgebiet treten etwa alle 40 bis 50 Jahre grössere Rutschereignisse auf, die zu Murgängen oder starkem Geschiebetrieb im Flibach führen.

Das Ereignis vom Mai 1999 war insofern speziell, da die Rutschung Flywald in einem eher stabilen Gebiet auftrat. Man muss damit rechnen, dass an anderen Stellen im Einzugsgebiet des Flibaches jederzeit ähnliche Ereignisse auftreten können.

Quelle

Liener, Serena: Die Rutschung Flyalp und ihre Auswirkungen auf den Flybach (Weesen, SG). Bulletin für angewandte Geologie, Band 5 (2000), Heft 1. download

Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

Videos zum Thema

Alle 12 anzeigen →

Literatur zum Thema

Weitere Ereignisse dieser Art

  • Rutschung 2023 · Raum Wagenrunse , Schwanden · GL

    2023 Wagenrunse Schwanden GL

    Im Jahr 2023 breiteten sich im Gebiet Wagenrunse zwei grosse Murgänge bis ins Schwandener Siedlungsgebiet aus. Eine wichtige Rolle spielte dabei stark…

  • Die Rutschung Ober Weidist in Altstätten SG.

    Rutschung 2013 · Raum Ober Weidist , Altstätten SG · SG

    2013 Altstätten SG

    Am 4. Juni 2013 rutschten im Gebiet Ober Weidist (nordwestlich von Altstätten SG) rund eine Million Kubikmeter Lockergestein talwärts. Dabei wurde ein…

  • Rutschung 1931 · Stockberg · SG

    1931 Stockberg SG

    Grössere Erdrutschungen am Stockberg in der Gegend von Hinter-Lutenwil bei Nesslau. Eine Fläche von 12 bis 14 ha geriet in Bewegung. Durch…

Alle 38 anzeigen →