Rutschung 1844 · Oberhalb Soglio · GR

Rutschung oberhalb Soglio, 1844

Medienberichte zum Ereignis

Zürcherische Freitagszeitung, Nummer 45, 8. November 1844

Bündten. — Nicht allein die Gemeinde Felsberg, sondern auch die Gemeinde Soglio im Bergell wird von einem Erdschlipf mit dem Untergang bedroht. Schon seit längerer Zeit deutete das Absterben des Waldes oberhalb Soglio auf die drohende Gefahr hin.

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 317, 12. November 1844

Graubünden., Chur, 8. Nov. Herr Ingenieur von Gugelberg ist von Soglio zurückgekehrt, seine Berichte sind eben nicht die erfreulichsten. Wir entnehmen denselben in Kürze folgendes: Das ungefähr 800 Seelen fassende Dorf Soglio liegt bekanntlich etwa Stunden ob der Thalsohle auf einer sonnigen Terrasse; diese letztere lehnt sich im Norden an einen steilen Bergabhang von 30 bis 35 Grad Böschung, der gerade ob dem Dorf in kahle Felsen, mehr westwärts in eine hier und da von dünnem Gesträuch unterbrochene Rollhalde ausläuft.

Schon in den siebziger Jahren fanden an letzterer Stelle, beim sogen. Erlenwäldlein, verschiedene Erdschlipfe statt, durch welche die Wiesen ausser dem Dorfe theilweise verschüttet wurden. Seither schien sich jedoch das Erdreich dermassen wieder befestigt zu haben, dass man das Dorf Soglio für das einzige im Bergell hielt, das durch derartige Naturereignisse nicht bedroht werde.

Den obbesagten Bergabhang bedeckt bis hinauf zu den obersten Felsköpfen, der schon in frühern Zeiten zu Abwendung von Lawinengefahr in Bann gelegte Wald Tens. Die Stürme des Jahres 1834, traurigen Andenkens, hausten in demselben mit solcher Gewalt, dass der untere, dem Dorfe zunächst gelegene Theil, gänzlich abstarb.

Bald darauf zeigten sich in dem aufgelockerten, von den abgestorbenen Wurzeln nicht mehr zusammen gehaltenen Erdreich einzelne Risse, die dann so überhand nahmen, sich dermassen ausdehnten, dass gegenwärtig eine Strecke von 5/4 Stunden in die Höhe und ½ Stunde in die Breite, durch Spalten und tiefe Erdablösungen von dem übrigen Terrain getrennt ist. Obwohl man nun beim ersten Anblick glauben dürfte, die zu erwartenden Erdschlipfe möchten sich neben dem Dorfe entladen, so schwebt dasselbe doch in der augenscheinlichsten Gefahr, da bei einer Gesamtablösung der in Bewegung stehenden Massen, ein Theil derselben unfehlbar über die Felsen hinter dem Dorfe hinausgedrückt würde und dasselbe gänzlich verschütten müsste.

Unter solchen Umständen konnte der Herr Ingenieur den Bewohnern von Soglio nur rathen, sich bis zum Eintritt strenger Kälte, durch welche das gelockerte Erdreich wieder befestigt wird, in’s Thal hinabzuflüchten, jedenfalls aber im nächsten Frühling, bei eintretendem Thauwetter das Dorf völlig zu räumen. Einzelne Familien haben den Rath bereits befolgt, andere trösten sich auch hier, wie ein Felsberg, mit dem Gedanken, was so lange gehalten habe, werde heute und morgen auch nicht losbrechen. Es steht nun zu gewärtigen, ob und wie fern die Kantonsbehörden, denen Hr. v. Gugelberg umständlichen Bericht erstattet hat, sich zu amtlichem Einschreiten bewogen finden werden.

Allgemeine Schweizer Zeitung, Band 16, Nummer 144, 30. November 1844

der Bericht in e-newspaperarchives
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Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

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