Grono, 1. Juli. ( Korresp. ) In diesem Augenblicke schwebt die hiesige Gemeinde in grosser Angst. Ein kurzer heftiger Regen, der diesen Morgen stattfand, genügte, um die sogenannte Kalankaska (das aus dem Kalanka kommende Bergwasser) in kurzer Zeit furchtbar anzuschwellen. Mit grausenerregender Gewalt sah man die ganz schwarzrothen, hoch aufschäumenden Wogen die grössten Felsstücke nach furchtbarem Kampfe emporheben und fortwälzen.
Das Wasser war dermassen von aus dem Kalanka, wahrscheinlich in Folge von stattgefundenen Erdschlipfen, fortgerissenem Erdreich geschwängert, dass der lehmige Erdgeruch davon äusserst stark war. In diesem Augenblicke ist schon ein grosser Theil der mit 35’000 fl. erbauten Wuhren fortgerissen und der Wildbach hat sich zum Theil denselben Weg, wie Anno 1834 gebahnt.
Ein Stück der nach Roveredo führenden Strasse ist fortgerissen und die Kommunikation mit dieser Gemeinde einstweilen unterbrochen. Der ganze Hintere, der Gefahr am meisten ausgesetzte Theil von Grono hat seine Fahrnisse geflüchtet; doch glaube ich noch an keine Gefahr für die Ortschaft selbst. Jedenfalls wird die durch die theilweise Zerstörung der Wuhren verursachte Entmuthigung sehr nachtheilig auf das hiesige Gemeindsleben wirken. Ob in Kalanka selbst Wasserschäden vorgefallen, ist noch nicht bekannt. Es wird eine unruhige Nacht geben, denn soeben strömt der Regen wieder mit aller Gewalt von dem Himmel.
Wohl hört man nun hier heftige Ausbrüche des Unwillens gegen die Wälderverwüstungen in Kalanka (denn diesen, ohne Zweifel, ist das so urplötzliche Anschwellen der Kalankaska zuzuschreiben), allein zu spät! Welche Verantwortlichkeit jene bekannte Holzhändlergesellschaft auf sich geladen, mag Jeder selbst beurtheilen.
Obiger Korrespondenz fügen wir bei, dass Hr. Oberingenieur La Nicca in Folge von Berichten über Strassenbeschädigungen in Splügen und Roveredo bereits am Sonntag von hier abgereist ist. Auch in andern Gegenden hat das heftige Unwetter am 1. d. beträchtlichen Schaden angerichtet. Bei Thusis wurde ein Mühle fortgerissen, die Brücke nach Sils zerstört. Bei Ems sind dem Holzhändler Challandes mehrere tausend Stämme Holz weggeschwemmt worden; selbst die Glashütte war bedeutend in Gefahr.
Die neuen Rheinwuhren haben beträchtlich gelitten; zwei Dämme wurden durchbrochen und die schweren, eingesenkten Schlusskästen fortgerissen. Letztere und das viele weggeschwemmte Holz sollen die schon längst baufällige Brücke nach Haldenstein bedeutend gefährdet haben.
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Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

