Ausgedehnte Rheinüberschwemmungen. Betroffen waren folgende Gemeinden: Ragaz, Sevelen, Buchs, Sennwald, Rüti, Oberriet, Rheineck und Thal. Der Totalschaden betrug Fr. 443’160 und dürfte mit jenen Fällen, wo keine Schatzung verlangt wurde, zirka Fr. 500’000 ausmachen. (…) Am meisten wurde Buchs heimgesucht, das mit einem anrechenbaren Schaden von Fr. 159’285 obenan steht.
Quelle
Elementarschäden und Versicherung. Studie des Rückversicherungsverbandes kantonal-schweizerischer Feuerversicherungsanstalten zur Förderung der Elementarschadenversicherungen. I. Band. Bern, 1936
Medienberichte zum Ereignis
St. Galler Zeitung, 5. Juli 1853



Eidgenössische Zeitung, Nummer 185, 6. Juli 1853
St. Gallen. Die Wassernoth im St.Galler Rheinthal ist sehr gross. Unterhalb dem (gemeldeten) Wuhrdurchbruch in Jerelien durchbrach der Rhein in Sevelen und Buchs ebenfalls Dämme und Wuhre, an beiden Orten unter der betreffenden Rheinfähre.
Vom Schloss Werdenberg aus gesehen bildete das Land von Sevelen bis nach Sennwald hinunter nur einen grossen See. Burgerau, Hag, Salez stehen tief unter Wasser, die Kommunikation von Haus zu Haus kann nur durch Schiffe geschehen, ebenso vom Dorfe Buchs bis nach Burgerau. Bis über das Stauden- und Grabser-Riet ist der wilde Strom gekommen. Von Werdenberg bis Sennwald ist die Strasse nicht zu passiren, die Post fährt über Grabs, Gams und Sax nach Sennwald.
Dammbrüche sind auch in Hag erfolgt, die Bewohner vieler Häuser mussten tief im Wasser waten, wenn sie dieselben verlassen wollten. In Rheineck lief der Rhein in den Strassen, die Post konnte weder am Monstein noch zwischen Reischach und Rheineck passiren. — Bereits ist Herr Landammann Curti im Auftrage des Kleinen Rathes an Ort und Stelle abgegangen.
der Bericht in e-newspaperarchives
St. Galler Zeitung, 6. Juli 1853

Der Bund, Band 4, Nummer 190, 12. Juli 1853
St. Gallen. Die Ueberschwemmung. (Korresp.) Der Schaden, welchen die letzte Ueberschwemmung des Rheins im Rheingebiet von Chur bis an den Bodensee verursacht hat, ist weit grösser, als man sich’s zuerst vorstellte und als er bisher geschildert wurde. Es hatte der Rhein in der Nacht vom 1. auf den 2. d. aber auch plötzlich eine solche Höhe erreicht, wie sich die ältesten Männer einer solchen nicht erinnern. Und doch soll die Landquart, welche dem Rhein stets eine Menge Wasser aus dem Prättigäu zuführt, nur mittelmässig angeschwollen gewesen sein.
Das Gleiche kann man auch von den vielen s. g. Bergbächen und Binnengewässern sagen, die in den Rhein ausmünden. Hätten hier die Elemente sich auch noch so entladen, wie in jenen Gebirgen Graubünden’s , denen die Hauptarme des Rheins entströmen, das Unglück müsste noch doppelt grösser sein. Welch einen furchtbaren Anblick ein so hoch angeschwollener und in seiner Wuth daherrauschender Strom, wie der Rhein, gewährt, das kann nur der empfinden und beschreiben, der es mit eigenen Augen mitangeschen hat.
Das Rhein- oder Flussbett ob Ragatz weg bis nach Dieboltsau im Unterrheinthal liegt durchschnittlich 4 bis 6 Fuss höher als das hinterliegende Land. Erhöhte Lettwerke oder Wuhre an den beidfertigen Ufern und weiter zurückstehende, 7 bis 3 Fuss hohe, mit den Leitwerken in der Regel parallel laufende, starke Binnendämme sollen die Wiesen, Felder und die Wohnungen vor den Ueberfluthungen des Rheins schützen. Trotz der soliden Leitwerke und der hohen und starken Dämme war beim letzten hohen Wasserstande dieser Schutz eine Unmöglichkeit.
In der Frühe des Morgens vom 2. d. strömte das Wasser an hundert und hundert Stellen über die hohen Dämme herein. Menschliche Kraft und menschliche Kunst vermochten nicht mehr, der Gewalt des reissenden Wassers hindernd entgegenzutreten. Fast in allen Gemeinden wurden die Dämme durchbrochen und das Wasser richtete überall in den Feldern und Wiesen mehr und weniger Schaden an. Einige hunderttausend Franken reichen nicht hin, um von Chur bis an den Bodensee auf Schweizergebiet nur die zerrissenen und zum Theil ganz zerstörten Wuhre und Dämme herzustellen.
Der Schaden aber, welcher in den schönen Feldern der Gemeinden Sevelen, Buchs, Hag und Salez, im Bezirk Werdenberg, durch die Einbrüche des Rheins angerichtet wurde , ist noch viel erheblicher. In Sevelen allein durchbrach der Rhein den Binnendamm an 13 Stellen und an einer Stelle selbst das Leitwerk in einer Breite von wenigstens 40 Klaftern. Welche Wassermasse durch alle diese Oeffnungen in die Felder und durch das tieferliegende Gelände getrieben wurde, lässt sich leicht denken.
In Buchs durchbrach der Rhein ebenfalls an mehreren Stellen den Damm; aber was das Schlimmste ist, er durchbrach auf einer der gefährlichsten Stellen ein von Stein gebautes Leitwerk, riss es in Zeit von einer Stunde auf 50 bis 60 Kl. Breite weg und grub sich bei einem Gefäll von 7 bis 8 Fuss in die angrenzenden Felder mit unglaublicher Schnelligkeit einen Kanal oder ein Strombett in oben angegebener Brette und von 12 bis 20 Fuss Tiefe.
Die Hälfte des Rheinstroms fliesst seit zehn Tagen durch diese Oeffnung in die Felder und Güter herein und wälzt sich dann 1 ½ Stunde weit bis Salez fort. Erst in einigen Tagen wird es der vereinten Kraftanstrengung mehrerer Gemeinden gelingen, den Rheinstrom wieder in sein altes natürliches Bett zurückzudrängen. Mehrere hunderttausend Klafter Acker- und Wieseland sind verwüstet und die Früchte vernichtet.
In den vier schon genannten Rheingegenden ist kaum eine Familie, welche vom Unglück nicht schwer betroffen ist; in der Gemeinde Buchs aber, welche am härtesten mitgenommen wurde, sind wenigstens hundert Familien, welche alle ihre Feldfrüchte ausschliesslich in dem verwüsteten Gemeindegut pflegten, und deren Hoffnungen auf reichlichen Unterhalt und auf einen erfreulichen Erntesegen mit einem Male zu Grunde gegangen sind.
Diese Familien sind wahrlich zu bedauern; sie haben nichts zu essen und wenig oder nichts zu verdienen. Drei Tage lang bildete das Thal von Sevelen bis Sennwald, 3 Stunden in der Länge , und von Buchs bis gegen Feldkirch hin, 2 ½ Stunden in der Breite, einen eigentlichen See, den man mit Schiffen befahren konnte. Drei Tage lang konnte man zu dem eine halbe Stunde von Buchs entfernten, 60 Häuser zählenden Dorfe Burgerau nicht anders, als auf Schiffen gelangen, und die Verbindung daselbst von Haus zu Haus war ebenfalls nicht anders als auf Schiffen möglich. Manche Familien hatten sich geflüchtet. Im Hag sah es kaum besser aus. Wenn mehrere hundert Häuser niedergebrannt wären, so wäre in der That der Schaden erträglicher gewesen, als auf diese Weise.
Bei dem nunmehrigen und von Jahr zu Jahr sich verschlimmernden Zustande des Rheins stehen aber die Rheinanwohner in Gefahr, alljährlich dem gleichen Schicksal entgegenzugehen. Ihr bestes Loos wird die Auswanderung sein, wenn nicht der Kanton St. Gallen und die Eidgenossenschaft pflichtgemässe Unterstützung in dem Masse leisten, um das sonst so schöne Rheinthal- und Grenzgebiet durch eine Rheinkorrektion vor dem Verderben zu retten. Von einem Augenzeugen.
der Bericht in e-newspaperarchives
Zugerisches Kantonsblatt, Nummer 29, 16. Juli 1853

St. Galler Zeitung, 17. Juli 1853


Der Bund, Band 4, Nummer 195, 17. Juli 1853
Nach einer gestern (Freitag) hier angekommenen telegraphischen Depesche war der Rhein am 14. d. neuerdings auf eine ungeheure Höhe angeschwollen. Er durchbrach bei Sevelen, im St. Galliischen Bezirk Werdenberg, die Wuhre und Dämme und er fliesst nun der Strom thaleinwärts durch die Thalebene über Buchs, Grabs, Hag und Salez hin in einer Länge von beinahe 4 Stunden und einer Breite von einer halben Stunde. Die Noth der Thalbewohner ist entsetzlich, der Schaden hat sich seit dem frühern Unglück verdoppelt. Es bedarf längere Zeit der grössten Anstrengung mehrerer Gemeinden, um den Rhein wieder in sein altes Beet zurückzudrängen.
der Bericht in e-newspaperarchives
St. Galler Zeitung, 19. Juli 1853



St. Galler Zeitung, 21. Juli 1853

St. Galler Zeitung, 26. Juli 1853

Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

