Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 30. August 1855
Appenzell. Sonntag Nachmittags zwischen 3 und 4 Uhr entleerte sich über die Gegend von Appenzell ein furchtbares Ungewitter. Es fielen Schlossen in der Grösse von Baumnüssen und in solcher Menge, dass die Fluren wie mit Schnee bedeckt erschienen. Dazu tobte ein entsetzlicher Sturm, der die wenigen Bäume zu entwurzeln drohte. Heftiger noch wüthete derselbe gegen das Weissbad zu, wo die grössten Tannen umgeworfen wurden.
St. Gallen. Ein so ausserordentlich heftiger und lange andauernder Wolkenbruch — berichtet das „St. Galler Tagblatt“ — wie er nach vorausgegangener drückender Hitze Sonntag Nachmittag von circa halb 4 Uhr an fast eine Stunde lang über die Stadt und die nähere und entferntere Umgegend sich entladen hat, ist wohl hier noch selten erlebt worden. Mit gewaltiger Kraft rauschte das Wasser durch die Strassen dahin, die Bäche schwollen zu Strömen an und vereinigten sich mit den Regengüssen, Strassen, Felder und Gebäulichleiten zu überschwemmen, zu beschädigen oder zu zerstören. Zahlreiche Erdschlipfe haben in der Umgebung der Stadt stattgefunden. Die Beschädigungen an Strassen, Brücken, Wegen und Stegen, an Gebäulichkeiten und auf Feldern sind sehr bedeutend.
Nicht unbedeutend sind auch die Zerstörungen, welche die Rorschacher Landstrasse erlitten hat. Bei Riehern soll ein Stück derselben ganz weggespült sein. In Rorschach selbst war das Gewitter bei Weitem nicht so heftig, und das Rheinthal ist glücklicher Weise von demselben kaum berührt worden.
In der Nähe von St. Gallen haben leider auch zwei Menschen in den Fluthen ihren Tod gefunden Eine junge Frau Brenner befand sich auf dem Steg bei Mühlenen und war eben im Begriff, denselben zu verlassen, als er einstürzte und von der Gewalt des Wassers mit fortgerissen wurde, dass eine Rettung unmöglich war. Ihr Leichnam ist beim Wuhr unten am Bach aufgefuqnden worden. Gegen Guggelen zu wurde ein Kind von dem über die Strasse strömenden Wasser fortgerissen und ist ertrunken.
Vollends schrecklich hauste das Unwetter in Steinach. Die Steinach schwoll zu einer schreckenerregenden Höhe an und überschwemmte das Dorf so, dass die Strassen einen eigentlichen See bildeten und die Fluthen den grössern Theil des Dorfes wegzuschwemmen drohten. In Obersteinach wurde ein Haus mit Grund und Boden weggeschwemmt und 2 andere Häuser bedeutend beschädigt.
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Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

