Ausbruch des Niederurner Dorfbaches. Die Obstgärten wurden derartig überflutet, dass die Bäume bis an die Krone eingeschuttet dastanden. Die Wassermassen ergossen sich auf die Strasse in der Richtung auf Niederurnen und wühlten dieselbe tief auf, sodass mehrere Häuser einzustürzen drohten.
Quelle
H. Lanz-Stauffer: Elementarschäden und Versicherung. Studie des Rückversicherungsverbandes kantonal-schweizerischer Feuerversicherungsanstalten zur Förderung der Elementarschadenversicherungen. I. Band. Achtes Kapitel: Kanton Glarus. Bern, 1936.
Medienberichte zum Ereignis
Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 23. Juli 1856
Glarus. Mittwoch Nachmittags richtete ein wolkenbruchartiger Regenguss, der eine volle Stunde dauerte, in den Gemeinden Bilten und Niederurnen so wie in den benachbarten Gemeinden der March grosse Verheerungen an. Der Schaden ist bedeutender noch als der vorjährige. Das Ungewitter war gleichzeitig mit dem im Berner Oberland.
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Christlicher Volksbote aus Basel, Nummer 30, 23. Juli 1856
Ueber das Gewitter, welches heute vor acht Tagen auf so entsetzliche Weise in den Alpen und besonders im Oberland wüthete, hört man nun Näheres. Am Riesen wurde ein Hirt zwischen zweien seiner Söhne vom Blitz erschlagen. Der Lombach schwoll so entsetzlich an, dass er alle Brücken zerriss und die Verbindung zwischen dem Thunersee und Interlaken unterbrach. Die Bewohner von Neuhaus mussten über den See flüchten. In Merlingen am Thunersee wurden drei Häuser und sieben Scheunen, mit Allem, was sich darin vorfand, weggeschwemmt. Die Fluren sind entweder mit Geschiebe bedeckt, oder der Boden bis 14 Fuss tief weggespült.
Im Kanton Glarus waren die Gemeinden Niederurnen und Bilten an demselben Tage der Schauplatz entsetzlicher Verheerung. Ein furchtbarer Sturzregen verwandelte die Bäche in reissende Ströme; alle Dämme wurden durchbrochen, Brücken weggerissen, Felder und Wiesen mit Steingeschiebe überdeckt. Es ist dasselbe Bilten, das vor zwei Jahren durch einen schrecklichen Hagelschlag in grosse Noth und Drangsal versetzt worden ist.
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Eidgenössische Zeitung, Nummer 204, 24. Juli 1856
Glarus. (Korr.) Das Ungewitter, das in der Nacht vom Sonntag auf Montag sich über das Glarnerland entlud, hat in verschiedenen Gemeinden, zumal des Unterlandes, bedeutende Verheerungen angerichtet. Am schwersten wurden davon betroffen die Gemeinden Bilten und Niederurnen. In Näfels konnte nur mit grösster Anstrengung ein Ausbruch der Linth verhütet werden und zwar an einer Stelle, die sonst früher im mindesten keine Gefahr vermuthen liess.
Die von der Gemeinde Mollis bei Nacht und Nebel auf gewaltthätige Weise gelegte Wuhrtanne an der Grenze gegen Nettstall und die dadurch erzeugte Rückschwellung der Linth erhob daselbst deren zu einer solchen Höhe, dass, wenn nicht augenblicklich die kräftigste Hülfe zur Hand gewesen wäre, die Linth ausgebrochen und unvermeidlich das ganze Unterland überschwemmt hätte.
Der Gedanke an das grenzenlose Unglück, das hätte entstehen können, ist furchtbar, nicht minder aber muss Jeder sich empören über die leichtsinnige Weise, wie zu Gunsten einzelner Privaten dem freien Lauf eines wilden Flusses, wie die Linth, durch solche Wuhrtannen Hindernisse entgegengestellt werden. Es ist hoffentlich zu erwarten, dass die bedrohten Gemeinden des Unterlandes sich vereinigen werden, um die Wegschaffung der Wuhrtanne zu begehren und in Zeiten möglicher Weise künftigem Uebel vorzubeugen; ebenso ist von der Linth-Polizeikommission zu erwarten, dass sie, als Behörde, die Interessen des Landes berücksichtigen und nicht dieselben Privatinteressen unterordnen, mögen letztere auch noch so kräftig von einzelnen Nahestehenden befürwortet werden.
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St. Galler Zeitung, 25. Juli 1856
Glarus. Auch hier Wasserverheerungen. Die „Glarn.Ztg.“ berichtet: Während man Samstags die Hoffnung hegen durfte, dass endlich wieder die Sonne über unseren seit Wochen durch Regengüsse überschüttetes Thal scheinen werde, regnete es Sonntags und besonders in der Nacht vom Sonntag auf den Montag, als ob eine neue Sündfluth Im Anzug wäre.
Schon am Montag früh war die Linth in Glarus zu einer Höhe angestiegen, wie vielen Jahren nicht mehr vorgekommen. An einer Stelle der Wuhrung der Gemeinde Ennenda drohte sie, in die Felder zu überfluthen; an der Linthbrücke von Ennenda war das Wasser über die Höhe der Speerbugen angewachsen; der Strom führte allerlei Holz, Balken und dergleichen mit sich, zum Zeichen, dass auch im Hinterland das Wasser verheerend gewesen seie. Eine Schreckensnacht hatten sie wieder in Bilten und Niederurnen. Das noch vom Ungewitter vom 16. d. mit Steinen und Schlamm angefüllte Biltner Bachrunstel war nicht vermögend, dem Bach den ordentlichen Verlauf zu erhalten. Er richtete abermals grosse Verheerungen an; er bedrohte bewohnte Häuser, so dass zwei Haushaltungen ausziehen mussten. Einzelne Liegenschaften wurden ebenfalls überführt.
Auch In Niederurnen war grosse Gefahr. Der Bach tobte wild einher; es bedurfte der unermüdlichen Anstrengungen der ganzen männlichen Bevölkerung von Niederurnen, sowie der Hülfsmannschaft von Oberurnen und Mollis, um den völligen Austritt der Runs aus dem Runstel zu verhindern; die Brücke musste sofort weggeschafft werden, um die Strömung nicht zu hemmen. Auch zwischen Näfels und Netstall drohte die Linth auszubrechen.
Das anhaltende Regenwetter vom letzten Sonntag auf Montag schwellte die Bäche und Runsen im Unterland überall auf eine unglaubliche Höhe an. In Niederurnen und Bilten traten die Bäche abermals aus und verursachten zu den alten Verheerungen wieder neue. Die grösste Gefahr für die Gemeinde Näfels, ja vielleicht für das ganze Unterland drohte jedoch Montag Morgens durch die Linth. Zu einer furchtbaren Höhe hochgestiegen, wurden bereits in den Netstallerhuben, an der Stelle, wo der Netstaller Dorfbach seine Ausmündung in die Linth nimmt und wo unmittelbar hinter derselben der den Fabrikbesitzern des Unterlandes bewilligte Hülfskanal sich durch die Näfelser Allmeind in den Mettlenbrunnen hinzieht, die schwachen Wuhrstellen vom Wasser angegriffen, so dass augenblicklich der Hülfskanal vom Wasser angefüllt war. Nur durch die Anstrengungen von wenigstens ein paar hundert Mann von Netstall und Näfels konnte dem drohenden Element Einhalt gethan werden.
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Der Murtenbieter, 27. Juli 1856
Ueber das am 16. d. stattgefundene mit furchtbarem Hagelschlag und Wolkenbruch verbundene Gewitter kommen von allen Seiten die betrübendsten Nachrichten. Es scheint sich Vorzüglich von dem Hochgant über den Brienzergrat und die Kantone Uri, Schwyz und Glarus gezogen und allenthalben die grössten Verheerungen angerichtet zu haben. So namentlich in den Gemeinden Bilten und in letzterem Kantone, wo mehrere tausend Klafter verplazter Felder unter Schutt begraben, Brücken weggerissen und Häuser theilweise weggeschwemmt, oder sonst zerstört wurden.
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St. Galler Volksblatt, 2. August 1856
Am gleichen Tage den 16. d. Mts. da das Ungewitter in der Gegend von der obern March bis in d. glarnerischen Gemeinden Bilten und Niederurnen gewüthet, hat sich ein gleiches über einen Theil des Berneroberlandes entleert. Ein mit Hagel vermischter wolkenbruchartiger Regen, der vier Stunden dauerte, füllte die Emme und die westlich vom Thunersee der Aare zufliessenden Bäche. Sie rissen Schwellen, Stege, Brücken, grosse Strecken der hoffnungsreichsten Pflanzungen mit sich fort und überführten andere Felder mit Sand und Kies. Auch bei 3’000 Klaftern aufgerüstetes Holz, das für eine solothurnische Gesellschaft bestimmt war, soll die reissende Emme weggeschwemmt haben. Der Lombach trat zerstörend aus seinen Ufern und brach über die schönsten Pflanzungen des Städtchens Unterseen herein.
Am meisten scheint das am Thunersee gelegene Dorf Merlingen mit Sundlauenen gelitten zu haben. Die Bäche schwemmten drei Häuser und sieben Scheunen mit Allem, was sich darin vorfand, weg. Drei Mühlen und eine grosse Anzahl Häuser sind zerstört. Gebäude und Boden des Sees entlang, versanken, andere noch sind von dem versinken bedroht. Gärten und Matten wurden mit Geschiebe hoch überdeckt. Stellenweise ist die Erde mit den schönsten Fruchtbäumen weggeschwemmt. Noth und Jammer der Bewohner Merlingens und Sundlauenens sind unbeschreiblich.
Einer amtlichen Schätzung zufolge betrage der Schaden, den die Gemeinde durch diese Verheerungen erleide, bei einer Viertelmillion Franken, nicht eingerechnet die für dieses Jahr verlorne Erndte. Zwei Menschenleben gingen zu Grunde, das eine gehörte einem Vater von 8 Kindern, den der Blitz auf dem Niesen zwischen zweien seinen Söhnen erschlug; das andere einem armen Knaben, der in einer zerstörten Mühle Schutz suchen wollte, aber in dem entsetzlich tiefen Moraste versank und erstickte.
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Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

