Felssturz 1856 · Gebiet Rüfi / Egg, östlich von Pfäfers · SG

Felssturz östlich von Pfäfers, 1856

Medienberichte zum Ereignis

St. Galler Zeitung, 3. Juni 1856

Bei Pfäfers (nicht beim Bad Pfäfers ) droht laut dem «Togg. Wochenbl.» ein grossartiger Bergsturz.

In einem Bergwalde rechts ennet der Strasse nach Ragaz sind seit Jahresfrist grosse Erd- und Felsspalten entständen, die sich fortwährend erweitern und im gleichen Verhaltniss zeigt sich oben auf der durch einen steilen Waldabhang gebildete Höhe ein Sinken, unten ein Vordringen („Ausbauchen”) des Terrains. Eine der Ortsgemeinde Pfäfers angehörige Strecke Waldes ist, um das Holz zu retten, abgeschlagen worden.

Den grössten Schaden – falls der nun wahrscheinliche Sturz wirklich erfolgt – erleidet der Staat St. Gallen theils an Waldung, theils an einem zur Irrenanstalt gehörigen kultivierten Gelände. Privaten von Pfäfers, welche jenseits dieser Stelle, bei welcher die ganze Gegend gefährdet und ein Stück Weges bereits verschüttet ist, noch Güter besitzen, müssen sich, um mit Habe und Waare auf dieselben zu gelingen, schon jetzt einen bedeutenden Umweg gefallen lassen.

Neue Zürcher Zeitung, Nummer 163, 11. Juni 1856

So eben lesen wir wieder im Zürcher Tagblatt: Der befürchtete Bergsturz bei Pfäfers hat schon vor einigen Tagen begonnen. Er erfolgt von einem sich zirka 1400 Meter über die Thalsohle erhebenden Ausläufer des Calanda. Der Strom der Geschiebe und Felsblöcke hat bereits einen dichten Wald durchbrochen und fortwährend hört man’s tosen und donnern.

Der liberale Alpenbote, 17. Juni 1856

St . Gallen. Der Bergsturz beim Dorf Pfäfers, der eine gute Stunde vom Bade entfernt ist, schreitet vor und droht, furchtbare Verheerungen in Wäldern und Matten anzurichten.

Eidgenössische Zeitung, Nummer 172, 22. Juni 1856

(Korr.) Bad Pfäfers. Die Berichte über den Bergsturz, der unser Bad bedrohen soll, entbehren aller Wahrheit. Fragliche Felsablösung ist wenigstens 1 1/2 Stunden von hier entfernt und liegt auf der dem Bade entgegengesetzten Seite des Gebirgs. Die Saison wurde mit dem 6. Juni begonnen und seitdem weiset die Kurliste eine Frequenz auf, die derjenigen in den günstigsten Jahren gleichkommt.

Neues Tagblatt aus der östlichen Schweiz, 4. August 1856

Pfäfers. Noch immer ist der Ekkopf oder Eggberg beim Dorfe Päfers in Bewegung; nach dem das Regenwetter die Zerklüftungen befördert hatte, trocknet die gegenwärtig grosse Hitze die Erdschichten aus, der warme Föhn dringt in die Spalten ein und so lösen sich fortwährend Geschiebe und grössere Steine, auch Felsstücke los und stürzen tosend herunter; heute (den 1. Aug.) fast ohne Unterbruch. Augenzeugen, die vorgestern die erste Terrasse des Eggbergs, ebenfalls ein fast ebener, grosser und schöner Weidgang, bestiegen, können nicht genug erzählen, wie sehr die Einsenkungen des Bodens sich vermehrt und an Breite und Tiefe fast unglaublich zugenommen, man sollte glauben, der vordere Theil des Berges müsse alle Augenblicke herunterstürzen.

Da die unter dem Hrn. Landammann Weder angelegte schöne Strasse vom Dorfe Pfäfers nach Jerellien durch diesen Sturz “verrüfnet” ist, so sehen sich die Eigenthümer der jenseits des Berges liegenden Güter, um zu ihnen zu gelangen, genötigt, einen Umweg und dazu einen recht gefahrvollen zu machen. Dieser Umweg führt ganz hart am Fusse des Eggberges hin; sollte im Augenblick, wo Jemand die gefährliche ca . 80—100 Schritt lange Stelle passirt, oben am Kopf des Berges sich auch nur einiges Gestein losreissen, es wäre kaum möglich, der Todesgefahr zu entrinnen. Neulich soll wirklich eine Person beschädiget worden sein.

Vorgestern Morgen fand man an der gefährlichsten Stelle dieses Weges auf einem ebenfalls heruntergestürzten Stein einen toten Fuchs , dessen Eingeweide herumlagen; es scheint, das Tier habe hier in der Nacht geschlafen und wurde von einem herabfliegenden Steine zerschmettert.

Den 2. Aug. Die ganze letzte Nacht und heute ununterbrochen stürzt Gesteine herunter, so eben krachts heillos.

Der Murtenbieter, 20. August 1856

Beim Dorfe (nicht beim Bade) Pfäfers erfolgte am 10. der schon seit längerer Zeit drohende Bergsturz des Eckkopfes. Nachdem während der letzten Zeit Ablösungen kleinerer Gebirgsmassen wiederholt stattgefunden hatten, neigte sich gegen 3 Uhr Nachmittags ein etwa 250 Fuss hoher, 40 Fuss breiter und 100 Fuss langer, oben mit Gesträuch bewachsener Kegel und stürzte mit fürchterlichem Donner thalwärts. Es lösten sich Steine von der Grösse kleiner Häuser vom Berg ab, die sich krachend und knallend unter einem auf mehrere Stunden Entfernung gehörten Rauschen den Abhang herunterwälzten. Ein tiefer stehendes, gelichtetes Wäldlein wurde erdrückt und dem Bach zugeschoben. Es hat sich eine Fläche von etwa 7 Jucharten abgelöst und eine Fläche von etwa 9 Jucharten ist mit Schutt und Steinen bedeckt.

Letzte Bearbeitung: 17.12.2025, markus weidmann

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