Murgang 1858 · Martina / Martinsbruck · GR

Murgang in Martinsbruck, 1858

Am 3. Juni 1858 ging in Martinsbruck ein Murgang nieder, der mehrere Häuser zerstörte. Im “Bericht an den hohen schweizerischen Bundesrath über die Untersuchung der schweiz. Wildbäche” findet man detaillierte Informationen zu diesem Ereigni

Am 3. Juni 1858 ging in Martinsbruck ein Murgang nieder, der mehrere Häuser zerstörte. Im “Bericht an den hohen schweizerischen Bundesrath über die Untersuchung der schweiz. Wildbäche” findet man detaillierte Informationen zu diesem Ereignis.

«Da, wo der von Pragrond herabkommende Bach die Strasse durchschneidet, ist derselbe zu sehr eingeengt; es kann wohl das grösste Hochwasser, nimmer aber ein auch nur mässiger Muhrgang, unter der Strasse durch. 6 oder 8 grossen Steine, welche gewöhnlich in dem Kopf eines Muhrgangs voraus gewälzt werden, indem hinter ihnen die Muhr hoch steht, während vor ihnen das Bett noch leer ist, und die hier von 8 bis 12 Kubikmeter Inhalt hatten, stopften sich daher oberhalb der Brücke zwischen den beiden mit Scheunen zusammengebauten Häusern in den Ecken, die der Bach mit der Strasse bildet (siehe die Skizze).

Skizze.
Skizze. Quelle: Bericht an den hohen schweizerischen Bundesrath über die Untersuchung der schweiz. Wildbäche, vorgenommen in den Jahren 1858, 1859, 1860 und 1863.

Da der hierdurch gebildete Damm in dem durch die Scheunen verengten Profil ziemlich hoch wurde und auch oberhalb desselben im engen Raum nicht genug Platz zur Ablagerung alles Materials, welches der Bach brachte, vorhanden war, so brach der Kiesstrom nach allen Seiten hin in der durch die Pfeile angedeuteten Weise aus. Die massiven Theile der Häuser leisteten hinreichenden Widerstand, die hölzernen Wände der Scheunen aber wurden eingedrückt, wo sich die Kiesmassen an sie anlehnten. So wurde die mit dem Haus a verbundene Scheune ganz mit Schutt ausgefüllt, nachdem die obere Wand eingedrückt war. Zum Thor der Scheune unten drang nur sehr wenig Material heraus (…)

Der Hauptstrom nahm seinen Weg durch die Scheune des Hauses rechts, die wie es scheint gar keinen Widerstand leistete, und durch eine Gasse jenseits der Strasse nach einem Wiesenplatz rechts am Ende des Dorfes. Von den an der Gasse stehenden Gebäuden wurde die Scheune b ebenso wie a mit Kies ausgefüllt, von dem unten noch etwas trocken herausdrang, und in die übrigen Häuser je nach Höhenlage die Thüren und Fenster mehr oder weniger Kies geworfen.

Auf der Wiese am Ende der Gasse, wo der Strom sich ausbreiten konnte, seine Tiefe und daher auch alle seine Schiebekraft verlor, lagerte er sein Material in Form eines regelmässigen Schuttkegels von circa 50 Meter Rad. ab. (…)

Die Zahlen in der Skizze deuten an einzelnen Stellen die approximative Tiefe der Kiesablagerung an (…). Die wenigen Steine, die sich oberhalb der Strassenbrücke stopften, genügten, um die Muhre circa 2.50 Meter hoch zu stauen, ehe sie seitlich ausbrechen konnte (…).

Im vorliegenden speciellen Fall dürfte es am einfachsten sein, die Brücken zu erweitern und die ganze Strecke von der obersten Scheune bis zum Inn schalenförmig auszupflastern. Der Schaden, der dieser Muhrgang verursachte, wird zu 10’000 Fr. geschätzt, 4000 Fr. für die angedeuteten Arbeiten ausgeben dürften wohl genügen, um alle derartigen Ereignisse zu verhüten (…).»

Quelle

Bericht an den hohen schweizerischen Bundesrath über die Untersuchung der schweiz. Wildbäche, vorgenommen in den Jahren 1858, 1859, 1860 und 1863. Zürich, 1864. Seite 87 ff.

Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

Videos zum Thema

Alle 16 anzeigen →

Literatur zum Thema

Weitere Ereignisse dieser Art

  • Das eidgenössische Zeughaus wurde zusammengedrückt, und die dort eingelagerten Armeegeräte , u.

    Murgang 1962 · Trun · GR

    1962 Trun GR

    Medienberichte zum Ereignis

  • Unser Bild zeigt die heimgesuchten Häuser.

    Murgang 1959 · Fürstenaubruck · GR

    1959 Fürstenaubruck GR

    Ein heftiges Gewitter zieht am 10. spät abends über Nordbünden. Über dem inneren Domleschg ist es besonders stark, so dass der Scharanser…

  • Abbildung zu «Murgang im Durnagelbach, 1944»

    Murgang 1944 · östlich von Linthal · GL

    1944 Durnagelbach GL

    Der murgangartige Abfluss (450 000 m³ Geschiebe innert einer Stunde) des Durnagelbaches bei Linthal bewirkte einen Rückstau der Linth und anschliessend eine…

Alle 47 anzeigen →