Der liberale Alpenbote, 13. April 1860
Am Ostersonntag Nachmittags erfolgte zu Klosters oberhalb des Dörfli ein Erdschlipf , der nicht unerheblichen Schaden anrichtete; Erdgeschiebe und Steinmassen bedecken mehrere Jucharte Wiesenboden bis über die neue Thalstrasse hinab. Es ist zu besorgen, dass bei der ausserordentlich raschen Schneeschmelze , die seit 8 Tagen durch Föhn und warme Witterung hier eingetreten ist, sich solche Unfälle in noch vergrössertem Masse wiederholen möchten. Von der gewaltigen Wassermenge, die grossen Theils vom Erdreich verschluckt wird, und da wo Lehm als Untergrund sich findet, die Rasendecke weglockert, kann man sich eine Vorstellung machen, wenn man bedenkt, dass vor 8 Tagen noch durchschnittlich über 4 Fuss hoher Schnee im Thalgrunde lag, während er jetzt kaum 5/4 Fuss misst.
Fast täglich vernehmen wir das Getöse von Lawinen, die sich von den Bergabhängen herabwälzen, jedoch ohne bisher bedeutenden Schaden angerichtet zu habe. Die Strasse von Saas bis Klosters ist gegenwärtig abscheulich, und von da bis Davos für Fuhrwerke bereits unpraktikabel; man wundere sich daher nicht, wenn unser Postillon zuweilen gelinder Verzweiflung nahe ist.
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

