Neue Zürcher Zeitung, Nummer 183, 4. Juli 1869
Ungewitter. In der Nacht vom 28. auf den 29. Juni hat das Gewitter namentlich im Rheinthal grosse Verheerungen angerichtet. Nach einem herrlichen Tage sassen noch die letzten Theilnehmer des Sängerfestes in Altstätten gemüthlich in der Sängerhütte beisammen, als Abends um die 9. Stunde unerwartet heftige Windstösse Lampe um Lampe auslöschten und die Gäste zum Aufbruch mahnten. Auf der Heimkehr überraschte sie bei leuchtenden Blitzen schwerer Regen mit Hagel untermischt.
Das Schlimmere aber sollte erst nach Mitternacht eintreten. Unter furchtbarem Getöse und Blitz und Donner brach ein furchtbares Unwetter los, wie man es seit 80 Jahren in der Gegend nicht erlebt hat. Die Schlossen wurden mit solcher Gewalt getrieben, dass die Scheiben zerbrachen und Weinberge und Bäume furchtbar zugerichtet würden. Die Trauben und Blätter liegen am Boden und die kahlen Zweige zeigen, dass der Schaden auch noch im nächsten Jahre fühlbar sein wird. Die Feldfrüchte lassen sich kaum mehr erkennen; der Mais ist vollständig verloren; Klee und Gräser sind buchstäblich in den Boden hineingeschlagen. Der Reife nahestehende Gerste steht so vollendet ausgedroschen da, wie man es nur in der Dreschtenne für möglich halten sollte. Das Obst, das nicht am Boden liegt, ist zerschlagen und wird sich nicht mehr erholen. Am Morgen fand man Hagelkörner an einzelnen Stellen haufenweise beisammen. Tief gebeugt wandert der Bauer durch sein Feld und seinen Rebberg.
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Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

