“Von Ruis berichtete eine Correspondenz: «Das Tobel hinter und zwischen der Gemeinde Ruis hat in früheren Jahren oft die Bewohner dieser Ortschaft in Schrecken versetzt. Die erste Rüfe, von der die jetzige Generation weiss, riss im Nu die grossen Gebäude der Eisenschmelze, welche unweit ob der jetzigen Thalstrasse lagen, weg.
Seither erinnert man sich etlicher Rüfen, unter welchen diejenige von 1854 noch in besonderen Andenken steht. Dieselbe stürzte Mitte Juli herab in Folge eines heftigen Platzregens und rauschte so rasch herunter, dass drei Weiber, welche die Tobelbrücke passirten, vom Windstoss samt Brücke elendig ihr Grab in der noch kommenden Rüfe fanden; die gleiche Katastrophe liess mitten im Tobel Steine von 700 —1000 Kubikfuss zurück.
Das nämliche Schauspiel haben die Ruiser am 24. abhin Abends 7 1/2 Uhr gehabt.
«Ein anhaltender und erschütternder Donner, begleitet mit einem eigenthümlichen Geruch, verkündete die Ankunft des unerwarteten Gastes. Dann folgte eine Lawine von Erdreich, dicht mit Steinen und Holz vermischt; diese Katastrophe dauerte gegen eine Viertelstunde und füllte das tiefe Tobel an einzelnen Orten zu zwei Drittel aus; merkwürdigerweise wälzte sich diese Masse so langsam, an beiden Seiten viel Material zurücklassend, das Tobel herunter, dass ein Mann ihr hätte bequem voranlaufen können.
Augenblicklich trat eine Stauung ein, worauf das entfesselte Element mit großer Geschwindigkeit und Kraft nachstürzte; die Masse war jetzt flüssiger und rauschte mit solcher Gewalt, dass Steine Feuer schlugen. Die ganze Katastrophe dauerte nahezu eine Stunde. Wesentlicher Schaden erwuchs der Gemeinde übrigens nicht.»
Quelle
Naturchronik 1869. Jahresbericht der Naturforschenden Gesellschaft Graubünden. Band 16 (1870-1871)
Literatur
Capol, Georges: Das Rüfendorf Rueun. Bündner Jahrbuch : Zeitschrift für Kunst, Kultur und Geschichte Graubündens, Band 32 (1990)
Medienberichte zum Ereignis
St. Galler Zeitung, 31. Juli 1869
Graubünden. Der freie Rhätier erhält aus Ruis Bericht von einer grossen Rüfe, die am 24. d. Abends herunterstürzte, doch ohne grossen Schaden für die Gemeinde. Ein anhaltender Donner, begleitet von einem eigenthümlichen Geruch, verkündete die Ankunft des Gastes. Dann folgte eine Lawine von Erdreich, dicht mit Steinen und Holz vermischt; diese Katastrophe dauerte gegen eine Viertelstunde und füllte das tiefe Tobel an einzelnen Orten zu zwei Drittel aus; merkwürdiger Weise wälzte sich diese Masse so langsam, an beiden Seiten viel Material zurücklassend, das Tobel herunter, dass ein Mann ihr hätte bequem voranlaufen können. Augenblicklich trat eine Stauung ein, worauf das entfesselte Element mit grosser Geschwindigkeit und Kraft nachstürzte; die Masse war jetzt flüssiger und rauschte mit solcher Gewalt, dass Steine Feuer schlugen.
Der Bund, Band 20, Nummer 209, 31. Juli 1869
Graubünden. Dem „Fr. Rh.“ wird von Ruis der Niedersturz einer Rie am 24. Abends 7 ½ Uhr folgendermassen geschildert: „Ein anhaltender und erschütternder Donner begleitet mit einem eigentümlichen Geruch verkündete die Ankunft des unerwarteten Gastes. Dann folgte eine Lawine von Erdreich dicht mit Steinen und Holz vermischt; diese Katastrophe dauerte gegen eine Viertelstunde und füllte das tiefe Tobel an einzelnen Orten zu zwei Drittel aus; merkwürdiger Weise wälzte sich diese Mae so langsam an beiden Seiten viel Material zurücklassend das Tobel herunter da ein Mann ihr hätte bequem vorlaufen können.
Augenblicklich trat eine Stauung ein worauf das entfesselte Element mit grosser Geschwindigkeit und Kraft nachstürzte; die Masse war jetzt flüssiger und rauschte mit solcher Gewalt dass Steine Feuer schlugen. Die ganze Katastrophe dauerte nahezu eine Stunde. Die Gemeinde hat keinen Schaden zu beklagen als eine Beschädigung am westlichen Böschungskegel der Schmurer-Brücke; hier hatte die Rüfe den Schmurer-Bach aus seinem Kanal verdrängt und gegen den Kegel geworfen.“
Intelligenzblatt für die Stadt Bern, 1. August 1869
Graubünden. Ruis. Das Tobel hinter und zwischen der Gemeinde Ruis hat in früheren Jahren oft die Bewohner dieser Ortschaft In Schrecken versetzt. Die erste Rüfe, von der die jetzige Generation weiss, riss im Nu die grossen Gebäude der Eisenschmelze, welche unweit ob der jetzigen Thalstrasse lagen, weg. Seither erinnert man sich etlicher Rüfen, unter welchen diejenige von 1854 noch in besonderm Andenken steht. Dieselbe stürzte Mitte Juli herab in Folge eines heftigen Platzregens und rauschte so rasch herunter, dass drei Weiber, welche die Tobelbrücke passierten, vom Windstoss sammt Brücke elendig ihr Grab in der nachkommenden Rüfe fanden; die gleiche Katastrophe liess mitten im Tobel Steine von 700 – 1000 Kubikfuss zurück.
Das nämliche Schauspiel haben die Ruiser am 24 abhin Abends 7 ½ Uhr gehabt. Ein anhaltender und erschütternder Donner, begleitet mit einem eigenthümlichen Geruch, verkündete die Ankunft des unerwarteten Gastes. Dann folgte eine Lawine von Erdreich, dicht mit Steinen und Holz vermischt; diese Katastrophe dauerte gegen eine Viertelstunde und füllte das tiefe Tobel an einzelnen Orten zu zwei Drittel aus; merkwürdiger Weise wälzte sich diese Masse so langsam, an beiden Seiten viel Material zurücklassend, das Tobel herunter, da ein Mann ihr hätte bequem voranlaufen können.
Augenblicklich trat eine Stauung ein, woraus das entfesselte Element mit grosser Geschwindigkeit und Kraft nachstürzte; die Masse war jetzt flüssiger und rauschte mit solcher Gewalt, dass Steine Feuer schlugen. Die ganze Katastrophe dauerte nahezu eine Stunde. Die Gemeinde hat keinen Schaden zu beklagen, als eine Beschädigung am westlichen Böschungskegel der Schmurer Brücke; hier hatte die Rüfe den Schmurer-Bach aus seinem Kanal verdrängt und gegen den Kegel geworfen.
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann


