Neue Zürcher Zeitung, Nummer 310, 21. Juni 1876 Ausgabe 02
Graubünden. Ueber den in der Nähe des Bades Fideris stattgehabten Erdschlipf geht uns von dort folgende Korrespondenz zu:
Am 13. Morgens löste sich in Folge der anhaltenden Regengüsse im Arieschtobel, eine gute halbe Stunde hinter dem Bade, eine schon seit Jahren durch Risse gelockerte Partie Wald- und Weideboden und rutschte langsam in das Bett des Arieschbaches, der nachher beim Bade vorbeifliesst.
Der Bach staute sich natürlich hinter dem Rutsche zu einem kleinen See auf und gab an jenem Morgen allerdings zu der Befürchtung Anlass, sein plötzlicher Durchbruch durch die Schuttmassen könnte den Gebäulichkeiten des Bades verderblich werden.
Theils dem Umstande, dass die Stauung sich nur allmälig Luft machte, theils den Anstrengungen der von allen Seiten bereitwilligst herbeigeeilten Hülfsmannschaften ist es zu verdanken, dass das wilde Element zwischen den soliden Wuhren des Baches gehalten werden konnte, so dass die ganze Masse durch das Bachbett sich zu Thale wälzte, ohne Quelle, Gebäulichkeiten und Wege auch nur zu berühren. Nur in das obere Stockwerk der Trinkhalle drang etwas Ueberwasser, das aber sofort wieder abfloss, ohne dem Gebäude selbst oder der Quelle den leisesten Schaden anzuthun.
Im Laufe von 3 Tagen hat der Bach sämmtliches Geschiebe durch das Bachbett fortgeschafft und an eine Gefährdung des Bades durch weitere Rutschungen ist nach amtlich sachverständiger Untersuchung absolut gar nicht zu denken.
Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

