Die Ostschweiz, 17. Februar 1877





Neue Zürcher Zeitung, Nummer 81, 18. Februar 1877
St. Gallen. Aus Amden wird dem „Ostschw. W.“ berichtet, dass in Folge der anhaltenden Regengüsse und dadurch entstandenen Anschwellens der Bergbäche Dienstag Nachts ein Theil des Mühlenetablissements der Herren Gebrüder Heussi in der Seeren bei Bettlis in den Wallensee geschwemmt wurde; die mit furchtbarer Macht daherbrausenden Bergwasser unterminirten einen Theil der Gebäulichkeiten und zerstörten das Fundament, so dass nach und nach das Wohnhaus und ein Theil der Mühle verschwanden. Das Mühlenwerk ist arg beschädigt und ein bedeutendes Quantum Frucht und Mehl liegt ebenfalls begraben in den Fluthen des Wallensees. Der Schaden ist beträchtlich.
Laut einer Korrespondenz des „St. Gall. Tagbl.“ aus dem Obertoggenburg vom 15. wissen sich die ältesten Männer keines solchen Sturmes zu erinnern, wie er dort an den zwei vorhergehenden Tagen getobt hat: Die Thur übertrat die Ufer und riss mit sich fort, was fleissige Hände seit Jahren mühevoll und sorglich gepflegt haben. Ihre Seitenbäche schwollen zu Strömen und alle Bergquellen, die bisher mit ihrem klaren Wasser und ihrem sprudelnden Rieseln den Wanderer erfreuten, stürzen als tobende, schmutzig graue Wogen zu Thal und reissen gewaltsam mit, was ihnen in den Weg kommt.
Brücken und Stege waren in wenigen Stunden zerstört, Erdschlipfe mit dem schönsten Wiesengrunde und stehende Waldparzellen folgten dem alles durchwühlenden Wasser. Unzählige Wiesen sind bedeckt mit Geröll, Schutt und herabgestürzten Landtheilen. Doch all diese Verwüstungen, sie mögen auch so manche Hoffnung zerstört haben und da und dort sogar ökonomischen Ruin eines davon Betroffenen zur Folge haben, lassen sich eher verschmerzen, als der Verlust von Menschenleben.
In Sidwald, bei Neu St. Johann, suchen seit vorgestern Abend die Freunde umsonst den im kräftigsten Mannesalter stehenden H. Näf, Lieutenant und Gastwirth. Er soll an der Thur Holz zu retten gesucht haben und hierauf verschwunden sein.
In der Laad, Gemeinde Nesslau, riss ein Erdschlipf ein hinter dem Schulhause in der Richtung gegen den Speer, an der Weissenegg gelegenes grosses Bauernhaus mit sich und zertrümmerte es unter seiner Last, so dass die darin wohnende Familie Rutz, Vater, Mutter und drei Kinder, unter dem zusammenstürzenden Hause begraben lagen.
Der Vater, die Mutter und ein Kind sind todt unter den Trümmern hervorgeholt worden. Zwei Kinder sind noch nicht aufgefunden. Die ganze Familie scheint in vorletzter Nacht, in den Betten schlafend, von dem entsetzlichen Unglücke überrascht worden zu sein. Die mit dem Hause ebenfalls zusammengestürzte Scheune soll 15 Haupt Vieh begraben haben.
der Bericht in e-newspaperarchives
Der Bund, Band 28, Nummer 49, 19. Februar 1877
Auch aus dem Kanton St. Gallen wird von Wasserschaden berichtet. Namentlich übertrat die Thur die Ufer und riss mit sich fort, was fleissige Hände seit Jahren mühevoll und sorglich gepflegt haben. Ihre Seitenbäche schwollen zu Strömen und alle Bergquellen, die bisher mit ihrem klaren Wasser und ihrem sprudelnden Rieseln den Wanderer erfreuten, stürzen als tobende, schmutzig graue Wogen zu Thal und reissen gewaltsam mit, was ihnen in den Weg kommt. Brücken und Stege waren in wenigen Stunden zerstört, Erdschlipfe mit dem schönsten Wiesengrunde und stehende Waldparzellen folgten dem Alles durchwühlenden Wasser. Unzählige Wiesen sind bedeckt mit Geröll, Schutt und hergestürzten Landtheilen.
In der Laad, Gemeinde Nesslau, riss ein Erdschlipf ein hinter dem Schulhause gelegenes grosses BauernHaus mit sich und zertrümmerte es unter seiner Last, so dass die darin wohnende Familie Rutz, Vater, Mutter und drei Kinder, unter dem zusammenstürzenden Hause begraben lagen. Der Vater, die Matter und ein Kind sind todt unter den Trümmern hervorgeholt worden. Zwei Kinder sind noch nicht aufgefunden. Die ganze Familie scheint in den Betten schlafend von dem entsetzlichen Unglücke überrascht worden zu sein. Die mit dem Hause ebenfalls zusammengestürzte Scheune soll 15 Haupt Vieh begraben haben.
Die Simme (St. Gallen) hat von den drei in ihrem Gebiet aufgeführten Thalsperren zwei fast gänzlich zerstört und die Unzulänglichkeit der dritten zur Evidenz nachgewiesen.
der Bericht in e-newspaperarchives
Zürcher Oberländer, Nummer 17, 28. Februar 1877
St. Gallen. Ueber die in vorletzter Nummer angeführten Wasserverheerungen im Toggenburg enthält der »Toggenburger Bote« noch folgende nähere Details: »Schon am Dienstag Abend glich die Gegend zwischen Wattwyl und Lichtensteig einem See, und immer noch wachsend wälzten sich die trüben Wogen daher.
In Wattwil schnitt der Strom den Zugang zum Bahnhof ab; Wiesen und Gärten waren bis ins Dorf überschwemmt. In Lichtensteig war die Gefahr für die Spinnerei, für Mühle und Säge nicht unbedeutend. Die neuen Wuhrungen des Hrn. alt Kantonsrath Näf jenseits der Thur wurden erheblich beschädigt, theilweise weggerissen und ein Stück Land weggeschwemmt, so dass neue Wuhrungen nöthig werden.
Die Eisenbahnlinie Ebnat–Wattwyl war am Donnerstag und Freitag in Folge Dammwegspülungen unfahrbar; doch wurde der Verkehr in der Weise vermittelt, dass zwei Bahnzüge, der eine von Ebnat, der andere von Wattwyl, bis zur schadhaften Stelle vordrangen und die Passagiere dann zu Fuss die Brücke passirten.
Ueber das schreckliche Unglück in der Laad bei Nesslau berichtet das genannte Blatt: Durch einen Erdschlipf war in der Nacht vom 13.auf den 14 d. ein Wildbach im Laufe aufgehalten; dann stürzte um Mitternacht die gesammelte Wassermasse sammt Schutt und Steine thalwärts und begrub ein grösseres Haus sammt Scheune. Der junge Besitzer, Christian Rutz, Bannwart in der Degerten, ist todt aus den Fluthen gezogen worden. Seine Frau und sein Kind lagen todt in den Trümmern des Hauses. Ein 15jähriger Knabe, der auch im Hause wohnte, wird noch vermisst und ist ohne Zweifel auch verunglückt. Ein Theil der Degerten ist furchtbar verwüstet, mit Steinen und Trümmern tief bedeckt. Einen Stein hat es hergebracht, der gewiss über 2000 Zentner schwer ist.
Den Dachstuhl des Hauses sammt Firstkammer fand man in einer Wiese weiter Unten umgedreht, die Südseite nach Norden gewendet, sonst aber merkwürdiger Weise unbeschädigt. In der Kammer waren zwei Betten gehörig ausgerüstet, an der Wand hingen Portraits und auf dem Tische stand eine Wasserflasche unzerbrochen. Der übrige Theil des Hauses war dagegen vollständig demolirt.
Der wilde Strom wälzte sich nach der neuen Säge in der Laad, zerstörte sie theilweise und riss ungefähr die Hälfte des schönen Bauholzes weg, welches für das neue Schulhaus Laad bestimmt gewesen. Von den in der zertrümmerten Scheune beim Rittz’schen Hause befindlichen 11 Stück Vieh konnten 7 Stück gerettet werden.
Aus dem Obertoggenburg schreibt man dem St. Galler Tagblatt: Achtzigjährige Männer wollen sich keines so stürmischen Winters, wie des eben zu Ende gehenden, erinnern.
der Bericht in e-newspaperarchives
St. Galler Zeitung, 17. Februar 1877







St. Galler Zeitung, 19. Februar 1877

St. Galler Volksblatt, 23. Februar 1877



Die Ostschweiz, 20. Juli 1877


Letzte Bearbeitung: 16.12.2025, markus weidmann

