Murgang 1877 · westlich von Stein · SG

Murgang im Raum Stein, 1877

Medienberichte zum Ereignis

St. Galler Zeitung, 17. Februar 1877

Schrecklich ist die Katastrophe in der Laad, Gemeinde Nesslau. Ein kolossaler Erdschlipf hatte den Sulzbach (ein Nebenwasser der weissen Thur) thurmhoch eingeschlossen. In zwei Malen durchbrach das zum tiefen See angeschwollene winzige Bächlein die verhängnisvolle Stauung und stürzte mit unwiderstehlicher Wucht über die Laadgegend hin.

Bei seinem ersten Durchbruch spülte das unbändige Element Haus und Scheune des Christian Rutz radikal weg und begrub die Insassen, Vater, Mutter und zwei Kinder, unter Schutt und Trümmern. Von der Viehhabe retteten sich von 10 Stück deren 4 . Drei Leichen hat man bereits dem endlosen Erdschlipf entrissen, während der 15jährige, adoptirte Knabe noch unbekannt begraben liegt.

Bei seinem zweiten Andrange zertrümmerte das Wasser das Haus des Jakob Rutz, welcher unfreiwillig auf sein Kanapee eingeengt, unter den Trümmern seines Hauses die Nacht zubringen musste, um Morgens durch eine Fensteröffnung das Freie zu erreichen.

Ueberhaupt soll die Verwüstung in dieser Gegend fürchterlich sein und mehr einem Bergsturz als einem Erdschlipfe gleichen; so erzählt man sich von vielen 2000 —3000 Zentner schweren Steinen und von einem Koloss von 22 Fuss Länge, 16 Fuss Breite und 16 Fuss Höhe.

Ueber das Unglück in der Laad erzählt uns der Herr Korrespondent einige, zum Theil ergreifende Details. Der verunglückte Rutz wurde Mittwochs als Leiche unweit Stein aus dem Wasser gezogen; ohne Zweifel ist derselbe zur Wohnung herausgetreten, um zu schauen, was es gebe, und dabei von den Fluthen erfasst wurden; Frau Rutz, ihr Kind in den Armen haltend, lag auf dem Rücken, die Beine unter dem Ofen eingeklemmt. Ein Mädchen, welches Abends noch ein Nachbarhaus besucht hatte, entrann dem Tode dadurch, dass man es bei dem schrecklichen Wetter nicht mehr nach Hause gehen liess.

Die Firstkammer wurde vom untern Theil des Hauses abgehoben und mehrere hundert Meter fortgetragen und zwar so sanft, dass ein aufgemachtes Bett, eine Kommode, ein Tisch, Flaschen und Gläser vollständig unversehrt blieben. Drei Güter nacheinander seien gar nichts mehr werth, vollständig ruinirt. Der Erdschlipf wird auf eine unstatthafte Abholzung zurückgeführt.

Die Ostschweiz, 19. Februar 1877

St . Gallen. Aus den Verhandlungen des Regierungsrathes. Durch das Gemeindeamt Nesslau und das Bezirksamt Obertoggenburg geht Trauerbotschaft über grossartige Schädigung durch Wasserverheerungen in der Nacht vom 13. / 14. d. Mts. ein.

Der Sulzbach, durch einen Erdschlipf thurmhoch aufgestaut, brach durch und brachte ca. 30 Anwohner in die bedenklichste Situation. Der Schaden wird weit über Fr. 100’000 betragen.

Zwei Häuser und zwei Scheunen sind zerstört, die Wiesen hoch mit Schutt und Kies überführt.

4 Personen sind todt; 10 Stück Vieh wurden in ihrer Stallung überschüttet; merkwürdigerweise blieben 6 Stück unter dem Schutt unversehrt. Es wird die Hülfe des Staates angerufen. Das Baudepartement und das Departement des Innern werden die angemessenen vorläufigen Verfügungen treffen.

Letzte Bearbeitung: 18.12.2025, markus weidmann

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